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Lehre – (k)ein Aufgabenfeld für eine Fachvereinigung?

Dies ist ein gemeinsamer Beitrag von Daniel Lambach und Julia Reuschenbach.

Bei der Mitgliederversammlung der DVPW im Rahmen des Kongresses 2018 stellten sich 11 KandidatInnen sowie ein Dreierteam für die Vorstandswahl vor. Alle sollten kurz darlegen, für welche Themen Sie sich im Vorstand besonders engagieren möchten. Lediglich zwei sprachen Themen an, die man auch nur im weitesten Sinne als lehrbezogen bezeichnen kann.

Ist das ein Problem? Nein, könnte man argumentieren, denn es gebe ja gerade keine Themen in der Lehre, die ähnlich drängend seien wie Fragen nach Nachwuchsförderung, Gleichstellung oder Departmentstrukturen. Dazu würde auch passen, dass das letzte Mal, als die Lehre ein größeres Thema in der DVPW war, dies anlässlich der Einführung des BA/MA-Systems war, das große Umstellungen an allen Standorten erforderte. Nach dieser Diagnose sind also die Sorgen und Nöte der Lehre nicht drängend genug.

Das ist uns aber zu einfach, denn man könnte sich mit Fragen wie der zunehmenden Heterogenität der Studierendenschaft, der Digitalisierung von Lehre und Lebenswelt, dem Erhalt des Humboldtschen Bildungsideals in Zeiten von Kompetenzorientierung oder einer universitären „Ausbildung“ zwischen Bildung und ökonomischem Verwertungsdruck auseinandersetzen.

Aber viel wichtiger noch: Problemfixiertheit ist auch schlicht die falsche Denkweise. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Lehre sollte nicht nur dann auf die Agenda kommen, wenn es Probleme mit ihr gibt oder, anders gesagt, wenn die Probleme, die es mit der Lehre gibt, so viel Aufmerksamkeit bekommen, dass man sich jetzt halt doch mal mit ihnen befassen muss.

Denn mit so einer Haltung vergibt man die Chance und den Anspruch zu gestalten. Statt nur auf Probleme zu reagieren, sollten wir uns fragen, wie man die Lehre besser machen kann, wie wir Lehrangebote schaffen, die unsere Studierenden auf eine Zukunft als demokratische Bürgerinnen und Bürger in einer immer mehr vernetzten und globalisierten Welt vorbereitet. Dieser Auftrag kommt nicht von uns, sondern quasi von höchster Stelle. Bundespräsident Steinmeier forderte in seiner Gastrede auf dem Kongress „eine kreative und mutige Politikwissenschaft, die aktuelle Diskurse über die Demokratie informiert, inspiriert, die mit Leidenschaft und Urteilskraft zur Aufklärung der Gesellschaft über sich selbst beitragen kann“.

Über welche Schienen kann dieses Hineinwirken in die Gesellschaft geschehen? Für die meisten von uns wird dies über die Lehre sein. Nur wenige Kolleginnen und Kollegen sind prominent in gesellschaftlichen Debatten sichtbar. Wer sich Netzwerke in die Praxis aufbaut, tut dies zulasten der eigenen Karriere, wie selbst der Bundespräsident hervorhob. Den mit Abstand größten Impact auf die Praxis haben wir über die Spuren, die wir in unseren Studierenden hinterlassen, über die Denkprozesse die wir bei ihnen anstoßen und die Ideen die wir vermitteln.

Sollte es da nicht unsere nobelste Aufgabe sein, unsere Lehre so gut wie möglich zu machen? Und sollte sich es die DVPW nicht zum Ziel machen, dass ein politikwissenschaftlichen Studium an einer deutschen Hochschule von höchster Qualität ist und dass alle Absolventinnen und Absolventen analytisch wie normativ fähig sind, ihren Teil zur Aufrechterhaltung und Verteidigung von Demokratie und Freiheit beizutragen?

Politikwissenschaftliche Hochschullehre und politische Bildung zwischen Objektivität und demokratischem Anspruch

Im Rahmen des DVPW-Kongresses fand das vom AK Hochschullehre und der Sektion Politikwissenschaft und Politische Bildung gemeinsam organisierte Panel „Demokratie als Norm? Perspektiven für die politikwissenschaftliche Hochschullehre und die politische Bildung“ statt, das von Andrea Szukala (Universität Münster) geleitet wurde. Das sehr gut besuchte Panel befasste sich mit den Herausforderungen von Normativität für die Vermittlung politischer Kompetenzen in verschiedenen Kontexten.

Das Panel begann mit zwei Beiträgen, die sich mit den normativen Grundlagen von politikwissenschaftlicher Lehre und politischer Bildung befassten. Zunächst argumentierte Jörg Tremmel (Universität Tübingen), eine normativ abstinente Politikwissenschaft könne die Demokratie nicht gegen ihre Feinde verteidigen. Normative Forschung sei ein anerkannter Zweig der Politikwissenschaft, ist aber in der deutschen Politikwissenschaft und ihrer Lehre kaum bis gar nicht repräsentiert. Er verdeutlichte Möglichkeiten, normative Hypothesen über Politik entlang der Unterteilung von Politik in Polity, Policy und Politics zu formulieren, die in Lehrveranstaltungen diskutiert werden könnten. Von einer Stärkung normativer Forschung verspricht er sich einen stärkeren Austausch zwischen „Empirikern“ und „Normativisten“ in Forschung und Lehre.

Im Anschluss fragte Tonio Oeftering (Universität Lüneburg) angesichts von Beispielen illiberaler Mobilisierung, ob jede Art der Partizipation gut für die Demokratie sei. Auf der Suche nach einem Maßstab für demokratisch wünschenswerte Partizipation verwies er auf Hannah Arents Werk, aus dem er Pluralität und Freiheit als zentrale Elemente des Politischen hervorhob. Er formulierte abschließend eine Reihe von Konsequenzen: die politische Bildung müsse mehr ihre normativen Grundlagen diskutieren, die Politikwissenschaft sich wieder stärker als „Demokratiewissenschaft“ verstehen und die politikwissenschaftliche Hochschullehre ihr Verhältnis zur politischen Bildung klären, um Möglichkeiten für Vernetzung und wechselseitiges Lernen zu eröffnen.

Die erste Runde der Diskussion drehte sich um Fragen, warum und mit welcher Rechtfertigung Hochschullehre und politische Bildung normativ sein kann oder sein muss. Dazu gehörte eine Diskussion darüber, mit welcher Begründung z.B. Arendt als normative Referenz begründet werden kann – gerade im Vergleich zu anderen (nicht nur liberalen) TheoretikerInnen, ebenso wie das Dilemma, wie man mittels demokratischer Verfahren als solchen wahrgenommenen „Feinden“ der Demokratie begegnen möge. Auch wurde über die Diagnose debattiert, ob die deutsche Politikwissenschaft gegenüber normativer Forschung desinteressiert sei.

Die zweite Hälfte des Panels bestand aus drei Beiträgen, die sich konkreter mit Normativität in der Hochschullehre befassten. Zunächst diskutierte Julia Reuschenbach (Universität Bonn) die Grenzen der Demokratie in der Hochschullehre. Sie argumentierte, dass wir uns als FachvertreterInnen nicht vor normativen Fragen drücken können. Dies gelte auch und besonders in der Lehre, wo die eigene Normativität mit „normativ aufgeladenen“ Studierenden zusammentrifft. Eine notwendige Folge dessen sei, dass die normativen Dimensionen eines Gegenstands nicht nur ausgehalten, sondern direkt angesprochen werden sollten. Die Grenzen der Demokratie müssten lebensnah und soweit wie möglich in der Lehre thematisiert und auf Augenhöhe diskutiert werden.

Dannica Fleuß (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg) fragte in umgekehrter Richtung, wie man als Lehrender normative Zurückhaltung üben könne. Diese Zurückhaltung sei eine Notwendigkeit, weil normative Urteile nicht logisch oder theoretisch deduzierbar sind und somit letztlich auf persönlichen Abwägungen beruhen. Lehre sei aber eine hierarchisch strukturierte Kommunikationsbeziehung, innerhalb derer Studierende eigene Werturteilsfähigkeit entwickeln sollten. Als praktische Antwort schlug sie ein didaktisches Format vor, in dem Lernende Rollen als InterpretatorInnen ambivalenter Situationen und EntscheiderInnen über konfligierende Normen übernehmen.

Abschließend argumentierte Julian Eckl (Universität Hamburg), dass Demokratie in der politikwissenschaftlichen Lehre ständig als Norm vermittelt wird, z.B. über Ansprüche an studentische Partizipation und Teilhabe in Lehr-Lern-Prozessen. Daran schließt sich die Frage an, ob Demokratie auch vermittelt werden sollte. Dies sei auch mit konstruktivistischen Lerntheorien zu vereinen, die nicht nur neutrale Kapazitätsvermittlung sei, sondern auch über Methoden wie Rollentausch und Perspektivenwechsel die Werthaltungen von Lernenden herausfordern.

Forschendes Lernen in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre – Ein Interview mit Matthias Freise

Anlässlich des Starts der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik beim DVPW-Kongress 2018 veröffentlichen wir eine Serie kurzer Interviews mit den Autorinnen und Autoren.

 

1) Worum geht es in Ihrem Buch?

Der Band beschäftigt sich mit dem Konzept des sogenannten Forschenden Lernens, das in den vergangenen Jahren Eingang in immer mehr politikwissenschaftliche Studiengänge gefunden hat. Damit beschrieben wird eine Lernform, in der die Lernenden den Prozess eines Forschungsvorhabens, das auf die Gewinnung von auch für Dritte interessanten Erkenntnissen gerichtet ist, in seinen wesentlichen Phasen (mit)gestalten, erfahren und reflektieren. Im Gegensatz zu klassischen Vorlesungs- und Seminarformaten, die auf eine Vermittlung von Wissen, Kompetenzen und Fertigkeiten durch die Weitergabe des Standes der Forschung abzielen, soll Forschendes Lernen selbst einen – wenn auch oft nur überschaubaren ‒ Beitrag zu ebenjenem Stand der Forschung leisten. Das Handbuch gibt Hinweise, wie Forschendes Lernen in politikwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen sinnvoll geplant, umgesetzt und nachbearbeitet werden kann. Thematisiert wird, welche Voraussetzungen die Lehrperson mitbringen sollte, wie man Forschendes Lernen so einsetzen kann, dass es auch für einen selbst einen Nutzwert hat und was bei der Planung einer Lehrveranstaltung mit Elementen des Forschenden Lernens zu berücksichtigen ist. Schließlich illustriert der Band anhand von Fallbeispielen die Anwendung dieser Lehrmethode in einem politikwissenschaftlichen Seminar.

 

2) Warum ist dieses Thema für die politikwissenschaftliche Hochschullehre wichtig?

Befragungen von Absolventinnen und Absolventen sozialwissenschaftlicher Studiengänge im deutschsprachigen Raum belegen, dass im späteren Berufsleben weniger die eigentlichen Inhalte des Studiums von Bedeutung sind, sondern vielmehr die Methodenkenntnisse und sozialen Fertigkeiten, die das Studium vermittelt. Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler zeichnen sich durch ihre hohe Problemlösungskompetenz aus. Dazu benötigen sie eine solide Methodenausbildung. Wendet man diese Methoden jedoch nicht an, gleicht das Studium schnell einer Trockenschwimmübung. Gute politikwissenschaftliche Lehre sollte deshalb darauf abzielen, nicht nur Fachkenntnisse zu vermitteln, sondern die Studierenden auch in Forschungsprojekte einzubinden. Und dafür ist unser Fach geradezu prädestiniert.

Im Gegensatz zur Physik benötigen wir keinen milliardenteuren Teilchenbeschleuniger für unsere Forschung und Anwendungsmöglichkeiten gibt es viele, vor allem, wenn wir uns Partner außerhalb der Universität suchen. Ob eine Evaluation grenzüberschreitender INTERREG-Programme der EU, eine Zusammenarbeit mit kommunalen Stiftungen, die das bürgerschaftliche Engagement vor Ort stärken wollen, oder eine Kooperation mit einem Wohlfahrtsverband, der seine Integrationsangebote verbessern möchte – spannende und relevante Fragestellungen begegnen uns überall.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eigene Forschung Studierende sehr begeistern kann. Zudem hat Forschendes Lernen den Vorteil, Studierende auf einen späteren Arbeitsmarkt vorzubereiten. Ich habe dabei bereits Dutzende Praktika vermittelt und nicht zuletzt profitiere ich auch als Lehrperson von Forschendem Lernen, verschafft es mir doch Kontakte, die ich für meine eigene Forschung nutzen kann.

 

3) Wer sollte dieses Buch lesen?

Der Bund ist für Lehrende konzipiert, die als Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer in einer einsemestrigen Lehrveranstaltung Forschendes Lernen zum Einsatz bringen möchten. Der Band gibt zahlreiche Anregungen und hält (hoffentlich) auch für bereits erfahrene Lehrpersonen hilfreiche Ratschläge bereit.

Events des AK Hochschullehre beim DVPW-Kongress 2018

Bei der DVPW-Tagung 2018 finden die folgenden Veranstaltungen des AK Hochschullehre statt:

 

Panel „Demokratie als Norm? Perspektiven für die politikwissenschaftliche Hochschullehre und die politische Bildung“ (26.9., 14.00-15.30 Uhr)

Panelleitung: Andrea Szukala, Universität Münster / Mischa Hansel, RWTH Aachen

  • Dannica Fleuß, Universität der Bundeswehr Hamburg: Politische Theorie praxisnah lehren: im Spannungsfeld von politischer Neutralität und normativer Positionierung
  • Julian Eckl, Universität Hamburg: Theorien als latente Quellen von Normativität und Verantwortung in der Hochschullehre: Die Bedeutung von didaktischen und fachspezifischen Theoriedebatten am Beispiel des politikwissen­schaftlichen Teilgebiets „Internationale Beziehungen“
  • Jörg Tremmel, Universität Tübingen: Eine normativ abstinente Politikwissenschaft kann die Demokratie nicht gegen ihre Feinde verteidigen
  • Tonio Oeftering, Leuphana Universität Lüneburg: Hannah Arendts politische Theorie als normative Orientierung für die politische Bildung!?
  • Julia Reuschenbach, Universität Bonn: Diskussionen über die Grenzen der Demokratie in der Hochschullehre

(in Kooperation mit der Sektion „Politikwissenschaft und Politische Bildung“)

 

Launch der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik (26.9.2018, 15.30 Uhr)

Ebenfalls in Frankfurt werden wir den offiziellen Launch unserer Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik feiern, und zwar am Mittwoch, den 26. September um 15:30 Uhr am Stand des Wochenschau-Verlags im Hörsaalzentrum.

 

Mitgliederversammlung (27.9.2018, 12:30-13:45 Uhr)

Bei der Mitgliederversammlung am Donnerstag, den 27. September 2018 steht neben dem inhaltlichen Austausch über die zukünftigen Schwerpunkte des Arbeitskreises auch die Verabschiedung der Geschäftsordnung sowie die SprecherInnenwahl an. Der SprecherInnenkreis soll zukünftig aus 4 Personen bestehen. Diesbezüglich rufen wir ganz herzlich zu Bewerbungen auf.

SprecherInnen für den AK Hochschullehre gesucht

Die Amtszeit des aktuellen SprecherInnenteams endet mit der Mitgliederversammlung bei der DVPW-Tagung 2018, die am Donnerstag, den 27. September 2018, von 12:30-13:45 Uhr stattfinden wird. Neben der Abstimmung über die Geschäftsordnung des Arbeitskreises sowie der Frage, welche inhaltlichen Schwerpunkten unsere Arbeit künftig haben soll, steht daher auch eine Neuwahl des SprecherInnen-Teams an.

Dabei gibt es auch zwei Neuerungen. Erstens soll der Kreis der SprecherInnen von drei auf vier Personen vergrößert werden, um die Arbeit auf mehr Schultern verteilen zu können. Zugleich wird die Amtsperiode auf zwei Jahre verkürzt, um KandidatInnen aus dem wissenschaftlichen Nachwuchs die Mitarbeit zu erleichtern.

Aus dem bisherigen Team bewerben sich Julia Reuschenbach und Daniel Lambach erneut. Mischa Hansel wird wegen eines beruflichen Wechsels nicht nochmal antreten. Deshalb rufen wir alle interessierten Mitglieder dazu, sich um einen der Posten zu bewerben. Dazu senden Sie bitte bis zum 1. August ein Kurzporträt (biografische Angaben, Lehrerfahrung, Vorstellungen für die zukünftige Arbeit des Arbeitskreises) an daniel.lambach(ÄT)uni-due.de. Die KandidatInnenporträts werden wir dann im Vorfeld der Mitgliederversammlung über den Emailverteiler des Arbeitskreises zugänglich machen. Auch bei informellen Anfragen vorab wenden Sie sich bitte an diese Email-Adresse.

Gemeinsam statt einsam – warum sich Kooperation in der Lehre lohnt

Ein Gastbeitrag von Dorte Hühnert (Universität Duisburg-Essen)

Gemeinsam zu lehren macht vor allem Spaß. Es hat aber auch didaktische Vorteile, von denen die Studierenden direkt profitieren. In diesem Blogbeitrag möchte ich einige Vorteile von Kooperation in der Lehre aufzeigen, die ich aus meiner Lehr-Kooperationserfahrung in zwei Jahren gezogen habe, und andere Lehrende inspirieren ähnliche Projekte umzusetzen.

Das Seminar, in dem ich mein Kooperationsmodell umgesetzt habe, trägt den Titel „Krieg – Ursachen, Formen, Wirkungen“ und kooperiert mit dem Format „ReferateWerkstatt“ des Forum Mündliche Kommunikation (FMK) (das Sprechpendant zur Schreibwerkstatt) an der Universität Duisburg-Essen (UDE). Mein Seminar ist eine Einführung in die Friedens- und Konfliktforschung und wird als Vertiefung zur Vorlesung „Internationale Beziehungen und Global Governance“ für Studierende des dritten bis fünften Fachsemesters angeboten. Die Veranstaltung schließt mit einer Modulabschlussprüfung in Form einer mündlichen Gruppenprüfung ab. Die ReferateWerkstatt kann von Dozenten der UDE beim FMK gebucht werden und verfolgt einen Coaching-Ansatz, der wie folgt abläuft: Die Studierenden besuchen nach der Vorbesprechung mit der Dozentin einmalig eine Woche vor ihrem Referatstermin im Seminar die ReferateWerkstatt. Es treffen sich jeweils zwei Gruppen in der Werkstatt, die zum gleichen Thema unabhängig voneinander arbeiten, um dort ihr Referat wie bei einer Generalprobe zu halten. Anschließend erhalten sie Feedback von der Werkstatt-Leiterin und den anderen Studierenden. Es handelt sich also um eine Kooperation zwischen Studierenden, der Dozentin und einer Mitarbeiterin einer zentralen Einrichtung der UDE.

Warum lohnt es sich, Lehre gemeinsam mit KooperationspartnerInnen zu gestalten? Aus meiner Sicht gibt es auf diese Frage zwei Antworten: erstens können die Studierenden von Kooperationen einen klaren Mehrwert ziehen und zweitens ist die Kooperation auch für Lehrende eine wertvolle Erfahrung und Lernquelle.

Die Vorteile für die Studierenden liegen in meinem Kooperationsmodell vor allem in der integrierten Kompetenzschulung: Neben fachlichen Inhalten, die im Seminar erarbeitet werden, stärken die Studierenden in der ReferateWerkstatt gleichzeitig die Schlüsselqualifikation des wissenschaftlichen Präsentierens. Zwar durchlaufen viele Studierende bereits in ihrer Studieneingangsphase Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, diese sind jedoch häufig additiv, also getrennt von fachlichen Inhalten, angelegt. Zudem basieren viele Angebote zentraler Einrichtungen auf Freiwilligkeit der Studierenden und sind nicht in die Studienverlaufspläne nach dem ersten Semester integriert. Der integrierte Ansatz unserer Kooperation hat sich jedoch in höheren Fachsemestern als gewinnbringend für die Studierenden erwiesen. Sie können ihre bereits erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen in der Kombination aus klassischem Seminar und zusätzlichem Coaching ausbauen. In meinem Verständnis ist Lernen kein punktuelles Ereignis, sondern ein stufenweiser Prozess, der im Idealfall nie vollständig abgeschlossen ist. Die Fachinhalte werden daher bewusst mit der Schlüsselkompetenz das Referierens – von der vorbereitenden Recherche bis zum mehrfach überarbeiteten Kurzvortrag – im constructive alignment des Seminars verknüpft.

Die Kooperation fördert darüber hinaus, dass die Studierenden dafür sensibilisiert werden, sich in unterschiedlichen Bereichen ihrer Ausbildung unterschiedlicher Personen, Wissensbestände und Lernpraktiken zu bedienen, um Lernziele zu erreichen. Mit der ReferateWerkstatt entsteht ein zusätzlicher Raum neben dem Seminar, in dem die Studierenden unabhängig vom Leistungsdruck durch die Dozentin ihre Präsentationen ausprobieren und reflektieren können. So werden auch Lerntechniken ermöglicht, für die im Lehralltag eines Seminars normalerweise keine Zeit bleibt: In welchem Seminar kann man ein Referat unterbrechen und unterschiedliche Varianten der Einleitung diskutieren, bis die optimale gefunden ist? Durch den Werkstattbesuch können die Studierenden ihr Referat überarbeiten. So findet auch das im Universitätsalltag seltene, aber wichtige metakognitive Lernen statt: durch das Ausprobieren in einem geschützten Raum wird es möglich aus Fehlern und mit Hilfe von (Peer-)Feedback im Zuge der Überarbeitung zu lernen.

Neben den Vorteilen, die sich im Lernprozess für die Studierenden ergeben, hat eine Lehrkooperation auch Vorteile für die Lehrenden. Vor allem macht Kooperation in der Lehre Spaß! Man gewinnt einen Sparring-Partner, mit dem man Erfahrungen austauschen kann, sich gegenseitig Feedback geben und Ideen auch mal diskutieren kann. Zudem lernt man selbst extrem viel, weil Kooperation viel Reflexion mit sich bringt und Effekte haben kann, die mit denen von Hospitationen vergleichbar sind. In der Auseinandersetzung schärfen sich auch Lehrkonzepte, weil man Intuitionen offenlegen und erklären und Ziele stärken muss. Ich habe auch im Bereich der Lehrmethoden – Aktivierung, Lehrhaltung und Verhältnis zu den Studierenden – viel von meiner Kooperationspartnerin gelernt.

Während die Kooperation mit einer zentralen Einrichtung der Universität – Sprech-, Schreibwerkstätten, Bibliotheken oder Career-Center – eher eine vertikale Kooperation darstellt, birgt die Universität mit ihrem vielfältigen Wissenschaftspersonal natürlich auch die Möglichkeit horizontaler, also innerfachlicher oder fachübergreifender Kooperationen. Wer nun selbst zum Kooperationspartner werden möchte, sollte aus meiner Erfahrung folgende Punkte berücksichtigen:

  • Die Kooperationsbereiche und die Rollenverteilung vorab in der (gemeinsamen) Seminarplanung klären und gegenüber den Studierenden transparent und konsequent durchhalten;
  • Kommunikationskanäle nutzen und den regelmäßigen Austausch miteinander suchen, um aufkommende Fragen und Probleme schnell lösen zu können;
  • die Studierenden als Teil der Kooperationspartnerschaft begreifen und sie durch Feedbackmöglichkeiten in die Gestaltung der Kooperation einbeziehen.

Der Blick vor die Büro- oder Institutstür lohnt sich also – viel Spaß!

Bericht von der dritten Jahrestagung der Themengruppe Hochschullehre (26.-27. Februar 2018, Hamburg)

Die dritte Jahrestagung der Themengruppe unter dem Titel „Perspektiven und Konzepte aus Theorie und Praxis“ fand am 26.-27. Februar 2018 an der Universität Hamburg statt. Es wurden normative und theoretische Fragen der politikwissenschaftlichen Hochschullehre behandelt, ebenso wie konkrete Lehrszenarien. Hinzu kamen Workshops zu verschiedenen Aspekten der Lehrpraxis.

 

Theorie

Die Tagung begann mit dem Panel „Fragen an Lehren und Lernen“, welches von Mischa Hansel (Aachen) moderiert wurde. Zunächst stellte Petra Stykow (München) ihr Manuskript zum Prüfen und Bewerten in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre vor, das in der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik erscheinen wird. Nach dem Modell der „Inverted Conference“ hatte sie das Manuskript den Tagungsteilnehmer*innen vorab zugänglich gemacht und bat nun um Feedback für die Überarbeitung des Textes. Die Diskussion behandelte verschiedene Probleme des Prüfens und Bewertens und ging dabei auch teils über den konkreten Text hinaus. Beispielsweise wurde bei mündlichen Prüfungen das Problem benannt, dass man einerseits die Fähigkeit zur strukturierten Antwort und die generelle Ausdrucksfähigkeit mitbewerte, dabei aber diversitysensibel vorgehen muss, um nicht einen bildungsbürgerlichen Habitus zu bevorzugen.

Danach folgte ein Vortrag von Daniel Lambach (Duisburg-Essen) zur Employability in der Friedens- und Konfliktforschung. Er stellte dabei Ergebnisse einer vergleichenden Absolvent*innenstudie vor, an der 2017 sieben Masterstudiengänge in Deutschland und Österreich teilgenommen hatten. Die Ergebnisse zeigen, dass Absolvent*innen dieser Studiengänge i.d.R. eine ausbildungsadäquate Tätigkeit aufnehmen und nur selten von Arbeitslosigkeit betroffen sind, aber oft nur auf befristeten Verträgen arbeiten. In der Diskussion wurden verschiedene methodische Aspekte besprochen, z.B. die Gründe für Non-Response, sowie der Abgleich mit Absolvent*innenstudien anderer Institutionen angeregt. Ferner wurde die Frage aufgeworfen, ob die Ausbildung relativ fachunspezifischer Kompetenzen wie z.B. Organisationskompetenz oder Fähigkeiten im Projektmanagement dem Bildungsauftrag einer Hochschule angemessen seien.

 

Praxis Teil I

Im Panel zu „Distance Learning“, moderiert von Daniel Lambach (Duisburg-Essen), wurden zwei Beiträge zu kooperativen E-Learning-Formaten vorgestellt, die aus demselben Projekt hervorgegangen sind. Zunächst präsentierten Patricia Konrad (Hamburg) und Alexander Kobusch (Tübingen) ein standortübergreifendes Ringseminar, das nach dem Modell des „Cross-Site Teaching“ von acht politikwissenschaftlichen Instituten gemeinsam angeboten wurde. Dabei stellten sie vor, wie man Studierende in diesem Format aktivieren und zur standortübergreifenden Kollaboration bewegen kann, und zeigten die kontinuierliche Weiterentwicklung des Formats. Im Anschluss stellten Witold Mucha und Christina Pesch (beide Düsseldorf), die ebenfalls am Ringseminar mitgewirkt hatten, ihre Adaption des Konzepts für eine internationale Kooperation der Universität Düsseldorf mit Partnern in Südafrika und den Niederlanden zur Diskussion. Ihr Ziel ist es, die Inhalte der Veranstaltung sowie die von den Studierenden produzierten Materialien als Open Educational Resources (OER) zu veröffentlichen.

Die Diskussion drehte sich zunächst um ganz praktische Fragen, d.h. um die technischen Voraussetzungen sowie die für das internationale Projekt notwendigen Englischkenntnisse der Studierenden. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Frage, wie man Studierende zur Zusammenarbeit motivieren könne, zumal es an den beteiligten Standorten teils unterschiedliche Leistungserwartungen gab. Außerdem wurde die Besonderheit des Formats herausgestellt, das sich hochaktuellen politischen Fragen widmet, sich eher an fortgeschrittene Studierende richtet und keinen Kernbereich des Curriculums abdeckt. Insofern gab es Fragen, welche Aspekte davon auch für grundständige Lehre adaptiert werden können.

 

Methoden

Im nächsten Panel folgten zwei Beiträge, die sich mit der Vermittlung von Forschungs- und Methodenkompetenz befassten. Zunächst fragte Carola Klöck (Göttingen): „Forschen unterrichten ohne Forschung: (wie) geht das?“. Anhand des Beispiels einer Veranstaltung, in der Studierende die Entwicklung von Forschungsdesigns lernen sollten, berichtete sie von den Herausforderungen, die aus der relativ großen Studierendengruppe und den vielfältigen Zielen des Konzepts entstanden, und suchte nach Ratschlägen zur Überarbeitung des Lehrkonzepts. In der Diskussion wurde der stärkere Einsatz von Peer Feedback angeregt und empfohlen, Studierende einen fertigen Projektantrag kritisieren zu lassen, um ihnen dadurch das Format näherzubringen. Allgemein wurde problematisiert, wie viel Anleitung Studierende beim forschenden Lernen brauchen/wollen.

Danach befassten sich Jasmin Haunschild und Anja Jakobi (beide Braunschweig) mit den Implikationen von Big Data für die Politikwissenschaft im Allgemeinen und die Methodenlehre im Speziellen. Sie hoben hervor, dass sich durch die neue Qualität und Quantität von Datenverfügbarkeit neue Forschungsfelder und –praktiken herausbilden, die unter Namen wie „Data Science“ oder „Computational Social Science“ firmieren. Ersteres wird zumeist als technisches Feld verstanden, in das keine sozialwissenschaftlichen Ausbildungsinhalte einfließen, während letzteres als genuin sozialwissenschaftliches Feld verstanden wird. Einige Institute mit Expertise in quantitativen Methoden haben angefangen, ihre Methodenausbildung um einschlägige Themen zu ergänzen; an der Hochschule für Politik der TU München wurde ein entsprechender Studiengang eingerichtet. Die Diskussion drehte sich einerseits um Fragen, welches Verhältnis Politikwissenschaft zu Daten hat, andererseits um strategische Fragen, wie sich die Disziplin angesichts der Herausbildung neuer Forschungsfelder positionieren sollte. Für die Lehre wurde insbesondere die Kooperation mit technischen ExpertInnen als Möglichkeit hervorgehoben.

 

Workshops Teil I

Im Anschluss ging die Tagung in zwei parallele Kurzworkshops über. Judith Gurr und Caroline Kärger (beide Lüneburg) boten einen Methodenbasar an, in dem sie in 60 Minuten drei Methoden vorstellten, um auch in großen Veranstaltungen die TeilnehmerInnen zu aktivieren: das aktive Plenum, die stille Debatte sowie die Nutzung von Abstimmungssystemen im Rahmen von Peer Instruction.

Lasse Cronqvist (Trier) leitete eine Diskussion darüber, ob das inzwischen weit verbreitete Instrument der standardisierten Lehrevaluation für eine Reflexion zur Verbesserung der Lehrqualität geeignet ist. Dabei wurde die Validität der Evaluationsergebnisse sowie deren Funktion als Steuerungsinstrument im Hochschulsystem kritisch diskutiert, aber auch Möglichkeiten identifiziert, wie – ggf. in Kombination mit anderen qualitativen Feedbackmechanismen – dennoch ein Nutzen aus Evaluationen gezogen werden kann.

 

Normativität

Zum Abschluss des ersten Tages fand das Panel zu Normativität in der Hochschullehre statt. Zum Einstieg wies Dannica Fleuß (HSU Hamburg) darauf hin, dass man hier die Lehre über Normativität von der Normativität in der Lehre unterscheiden müsse, auch wenn dies in der Praxis natürlich zusammenfallen kann. Sie stellte eine Seminarkonzeption vor, wie in der Lehre der politischen Theorie die Reflexion über menschenrechtliche Normen mit praktischen Implikationen anhand von konkreten Beispielen verbunden werden kann. Damit möchte sie die normative Urteilsfähigkeit ihre Studierenden stärken, indem sie sie u.a. zum theoretischen Perspektivwechsel verpflichtet. In ihrem Vortrag stellte sie auch die Spezifika der Studierenden an der HSU heraus, die als Soldaten*innen oft ein stark persönliches Interesse etwa an den Dilemmata ‚humanitärer Interventionen‘ hätten.

Anschließend hielt Julian Eckl (Hamburg) fest, dass Lehre nicht werturteilsfrei sein kann. Bereits die klassischen Lerntheorien Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus beinhalteten bestimmte Menschenbilder sowie normative Setzungen darüber, welche Rollen Lehrende und Lernende einzunehmen hätten. Durch die Entscheidung für eine Lerntheorie nehmen Lehrende also eine normative Position ein – vor jeglicher inhaltlicher Diskussion, in der dies ebenfalls unvermeidlich sei. Weiterhin sah er einen Anlass zur erneuten Beschäftigung mit den normativen Grundlagen von Lehre angesichts verbreiteter Krisendiskurse der Demokratie. Wenn gesellschaftliche Konsenslinien neu verhandelt oder überschritten werden, sei dies auch Anlass zu einer neuen Selbstvergewisserung über ansozialisierte Normen, worüber wie in welchen Kontexten diskutiert werden kann. Die Konfrontation mit Studierenden, die extreme Positionen in Lehrveranstaltungen vertreten, führe zwar zu schwierigen Situationen und Rollenkonflikten, sorge aber auch dafür, dass gesellschaftliche Polarisierungen und Radikalisierungen nicht ignoriert werden könnten.

In der Diskussion wurden theoretische wie praktische Fragen aufgeworfen. Auf theoretischer Ebene wurde darauf hingewiesen, dass die Lerntheorien sehr unterschiedliche Empfehlungen geben, wie mit deviantem Studierendenverhalten umzugehen sei. In praktischer Hinsicht wurde empfohlen, dass Lehrende ihre theoretischen/ontologischen Positionen transparent machen sollten. Weiterhin wurde darauf hingewiesen, dass Studierendengruppen zumeist gut mit unterschiedlichen Meinungen umgehen könnten, man aber auch deren Fähigkeit zum Umgang mit Pluralismus nicht fraglos voraussetzen darf. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage aufgeworfen, wie heterogen –hinsichtlich Bildungshintergrund und politischen Einstellungen – Studierendengruppen tatsächlich sind.

 

Workshops Teil II

Der zweite Konferenztag begann mit einem zweiten Paar Workshops. Im ersten bot Matthias Freise fünf Wege an, wie man mit dem Problem umgehen kann, dass Studierende die Seminartexte nicht gelesen haben, und diskutierte mit den TeilnehmerInnen eigene Erfahrungen und Strategien. Zu den Methoden der Stärkung von Lese-Compliance zählten u.a. Power-Point-Karaoke und Textpuzzles. Der zweite Workshop von Caroline Kärger und Judith Gurr fragte, wie, wann, mit wem und wie oft eigentlich ein Dialog über die Lehre stattfindet. In der Diskussion ergaben sich hier zwei Problemlagen: zum einen dass geklärt werden muss wozu ein Dialog dient und wie man ihn für Stakeholder interessant macht, zum anderen dass inhaltlicher Dialog heute oft von Prozessen des Qualitätsmanagements überlagert wird, die für Lehrende wenig attraktiv sind.

 

Praxis Teil II

Im letzten Panel, erneut moderiert von Mischa Hansel, ging es um Demokratieforschung und Demokratiekompetenz. Der erste Beitrag kam von Volker Best (Bonn), der sein Seminarkonzept eines Planspiels in der Regierungslehre vorstellte. Er hatte in Seminaren vor der Bundestagswahl 2017 sowie während der laufenden Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition Studierende zu ParteivertreterInnen gemacht und sie die Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen simulieren lassen, was sie mit großem Engagement taten. Das Feedback der Studierenden war insgesamt sehr positiv und hob den interaktiven Charakter des Seminars sowie dessen Anwendungsbezug hervor.

Im zweiten Vortrag stellte Christoph Klika, Toralf Stark und Susanne Pickel (Duisburg-Essen) ein noch laufendes Projekt zur Entwicklung eines Planspiels vor, das sich mit dem Effekt autoritärer politischer Kultur auf die Stabilität einer Demokratie befassen wird. In der ersten Phase entwickeln sie das Planspiel und die Spielmaterialien gemeinsam mit Lehramtsstudierenden. Nach dessen Fertigstellung möchten sie es in der Aus- und Weiterbildung von LehrerInnen einsetzen, da diese eine besondere Rolle als MultiplikatorInnen für demokratische Kompetenzen und Einstellungen ihrer SchülerInnen haben.

In der Diskussion ging es vor allem um Fragen des Planspieldesigns. Insbesondere wurde darüber diskutiert, inwieweit die Spielleitung den Ausgang eines Spiels (oder einer Zwischenphase) vorbestimmen kann, um damit bestimmte inhaltliche Punkte zu unterstreichen. Demgegenüber wurde argumentiert, dass dies von TeilnehmerInnen negativ bewertet würde und man auch subtil, z.B. durch Eingriffe von „Externen“ den Verlauf eines Spiels beeinflussen könne. Ferner wurde hervorgehoben, dass es für die Erstellung von Spielmaterialien, konkret zur Formulierung von Rollenprofilen, noch nicht viel handlungsleitenden Rat gebe.

 

Abschluss

In der Abschlussrunde baten Daniel Lambach und Mischa Hansel die TeilnehmerInnen um ihr Fazit zur Tagung sowie um die Identifikation latenter oder künftiger Themen, mit denen sich die Themengruppe beschäftigen sollte. Zu diesen gehörten:

  • Welche Erwartungen können/sollen wir an Studierende haben? Stimmt die verbreitete Klage, dass es immer mehr Studierenden an fundamentalen Kompetenzen fehle, oder muss man eher von einer Änderung von deren Kompetenzprofil sprechen? Was wissen wir überhaupt über unsere Studierenden?
  • Wie können wir die Selbstverantwortung der Studierenden stärken? Kann eine umfangreiche Didaktisierung des Lernprozesses Studierende unselbständig machen? Was bedeutet das für Mentoring, das ja vor allem Studierende aus bildungsfernen Schichten unterstützen soll?
  • Welche Rolle schreiben wir der Politikwissenschaft im öffentlichen Raum zu? Haben wir eine Verantwortung zur Beteiligung an gesellschaftlichen und medialen Diskursen und wenn ja, wie können wir unsere Vermittlungskompetenz dazu einsetzen?
  • Wie motivieren sich Lehrende? Wie kann man andere Lehrende zu guter Lehre motivieren?
  • Gibt es Bedarf und Interesse, Lehrmaterialien und Veranstaltungskonzepte zu teilen? Wenn ja, unter welchen Bedingungen und über welche Plattformen?
  • Welche speziellen didaktischen Herausforderungen gibt es in den Teilbereichen der Politikwissenschaft?

Während die obigen Fragen generell formuliert sind, müssen wir uns in der Beschäftigung darüber verständigen, inwieweit ihre Beantwortung disziplinspezifisch ausfällt oder ob hier auch ein produktiver Austausch mit anderen Disziplinen und/oder der Hochschuldidaktik gesucht werden sollte.

Die Sprecher wiesen abschließend nochmals auf die ab Herbst erscheinende Kleine Reihe Hochschuldidaktik Politik hin und gaben einen Ausblick auf die Aktivitäten der Themengruppe bei der Tagung der DVPW, die September 2018 in Frankfurt am Main stattfinden wird. Im Anschluss an die Tagung fand ein Vernetzungstreffen der Theorielehrenden statt, um damit einen Workshop zur Lehre in der politischen Theorie, Philosophie und Ideengeschichte vorzubereiten.

Online Lehre mit langem Atem – 18 Jahre „Communication for Development“ an der Uni Malmö

Dies ist ein Gastbeitrag von Tobias Denskus (Universität Malmö).

Digitale Lehre ist im Zeitgeist, wie nicht zuletzt der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD beweist, der „mehr Online-Lernangebote und digitale Inhalte“ (S. 40) fordert. Aber wie organisiert man derartige Angebote, gerade wenn die Mittel dafür begrenzt sind?

Seit 2000 bietet die schwedische Universität Malmö sein online blended-learning Master-Programm in Communication for Development an. Der zweijährige Teilzeit-Master (50%) ist heute das postgraduierte Programm mit den meisten Bewerbungen an der Universität.

Ich möchte in meinem Beitrag ein paar der Erfolgsfaktoren vorstellen, die sich in der Praxis bewährt haben und die vor allem zwei Aspekte deutlich machen: Wenn ein Team von Kolleginnen zusammenkommt, das in inhaltlichen, pädagogischen und technischen Fragen zusammen arbeitet, ist ein digitales Lehrangebot mit verhältnismäßig geringen Mitteln verwirklichbar. Gleichzeitig testet ein flexibles und relativ offenes Angebot regelmäßig die Grenzen aus, was man im akademischen Bereich digital machen kann und darf.

Unsere Erfahrungen gerade mit ausländischen Kolleginnen beweisen, dass es kein „one size fits all“ Modell gibt. In unserem Glocal Classroom“ Projekt haben Partner in Südafrika, Kanada und Australien digitale Lehrformate jeweils sehr unterschiedlich umgesetzt.

Ich möchte einige unserer Erfolgsfaktoren in Malmö vorstellen. Im Kern geht um Flexibilität, ein Mindestmaß an technischer Affinität und darum, spezielle Projekte zu nutzen, um die Routine nicht überhand nehmen zu lassen.

 

Es geht am besten im Team

Ich kann mir unser Programm nicht ohne konstanten peer-support vorstellen. Gerade weil unsere 100+ Studierenden oft nicht physisch sichtbar sind, sind Teamtreffen wichtig um Strategien zu diskutieren: Was läuft technisch richtig? Wie strukturieren wir die Inhalte? Aber auch: Was sagt die Verwaltung? Gerade im laufenden Betrieb muss ein Kernteam ansprechbar sein, denn in Schweden, wo EU-Bürgerinnen umsonst studieren, wird sonst gnadenlos mit den Füßen bzw. der Maus abgestimmt. Freistehende Online-Angebote, die nicht Teil eines Master Programms sind, haben auch schon mal 80% StudienabbrecherInnen. Das Team ist ein wichtiger Rückhalt und man darf die Verantwortung nicht auf ein Teammitglied abwälzen, das dann frustriert vor dem Learning Management System (LMS) sitzt.

 

Champions in der Uni finden – aber die Verantwortung nicht abgeben

Unser Programm ist in der guten Situation, dass wir von unserer Universitätsleitung unterstützt werden. Das hilft prinzipiell immer, aber umso mehr, wenn die Verwaltung „geht nicht“ sagt. Unser Ansatzpunkt ist die Internationalisierung, die an vielen schwedischen Unis noch stärker ausgeprägt sein könnte, was auch damit zu tun hat, dass sehr, sehr viele Angebote nach wie vor auf Schwedisch sind. Ein internationales MA-Programm in englischer Sprache ist immer noch eher die Ausnahme als die Regel. Und da bis 2011 sogar internationale Studierende umsonst in Schweden studieren konnten, war das in der Anfangszeit ein wichtiges Argument um Unterstützung zu finden.

Heute sind viele Aspekte deutlich stärker professionalisiert – was für digitale Lehre nicht immer von Vorteil sein muss. Globale Unternehmen wie Adobe und Cisco sind sehr daran interessiert ihre Plattformen an die Uni zu bringen – wo dann jeder Raum auf Knopfdruck live streamen kann. Das ist nicht unser Modell und die Gefahr ist, dass am Ende dabei eine „talking head“-Vorlesung herauskommt die die Powerpoint-Präsentation abfilmt. Mehr dazu später im Beitrag.

 

Loslegen – auch wenn nicht alle Parameter zu 100% definiert sind.

Der digitale Raum und seine rechtlichen und praktischen Rahmenbedingungen ändern sich ständig und schnell. Selbstverständlich kann man diskutieren, ob man die Einführungsvorlesung auch über die Facebook-Seite live streamen soll. Man kann es aber auch einfach ausprobieren – auch wenn der Uni-Jurist nicht 100% sicher ist und natürlich lieber davon abrät. Wir wollen Communication for Development dort machen, wo es passiert – und wo unsere Studierenden sind. Natürlich ist itslearning, unser LMS, die zentrale Anlaufstelle für unsere Kurse, aber ich verliere keinen Schlaf darüber, wenn wir einen Google-Kalender für unsere Vorlesungen benutzen. Uns hat jetzt auch noch keine Studierende verklagt, weil es mal eine doofe Frage in einer halb-öffentlichen Vorlesung gab. Als öffentliche Institution gleichzeitig zu versuchen die digitale Lebenswirklichkeit abzudecken ist nicht immer einfach. Aber „im Zweifelsfall erst mal machen“ ist meine Erfahrung.

 

Von Fernsehstudios, MOOCs und Plattformen

Man kennt das ja von SPIEGEL ONLINE-Berichten: Geht es um Innovationen an Hochschulen, werden idealerweise die „Traditions-Uni Oxford“ oder die „Elite-Universität Harvard“ erwähnt. Da gibt es dann einen Blick in ein Fernsehstudio („der Hörsaal der Zukunft“) oder man spricht mit dem Manager des „größten MOOC zum Thema xyz“. Wir haben natürlich nicht die Mittel – aber auch einfach einen anderen pädagogischen Ehrgeiz. Wir bieten einen berufsbegleitenden Online-Master im schwedischen System an – nicht mehr und nicht weniger. Und dann jedes Semester ein gutes Programm abzuliefern ist schon Herausforderung genug. Andererseits haben wir in Schweden ein gutes „Rückgrat“ durch SUNET. Wir bekommen unsere eigene PLAY-Plattform, ZOOM wird unsere bevorzugte Videokonferenz-Anwendung und wir hatten mit Bambuser lange Zeit einen schwedischen Partner der Livestreaming kostengünstig ermöglichte. Es gibt also lokale Möglichkeiten global digital zu lehren.

 

Projekte finden zum Austausch und Lernen

Ein Vorteil unseres flexiblen Modells ist, dass wir mobil sind. Der fachliche, pädagogische und technische Austausch ist wichtig und das geht am besten, wenn man mit Partnern ein Seminar anbietet. Es geht nicht nur um gute Inhalte für Vorlesungen, sondern auch um Vernetzung mit Studierenden und Alumni-aber auch mit der IT oder fachfremden Kolleginnen, die eine komplett andere Plattform nutzen. Es wird keine komplette Integration verschiedener Formate, Software usw. geben, aber einen virtuellen Raum herzustellen, in dem verschiedene Studierende zusammenkommen und verschiedene Inhalte mitnehmen ist schon ein guter Erfolg.

 

„Früher war alles schlechter“ – die Mischung zwischen Tradition und Innovation

Ich bin nach wie vor positiv überrascht, wie sehr Studierende an klassischen Formaten wie „der Vorlesung“ interessiert sind – und wie wenig wir auf Quiz oder andere sehr digitale Formate setzen. Virtuelle Gruppenarbeit, eine kurze Buchrezension, ein langer Essay oder ein Kurs, der primär mit einem Blog arbeitet  – Formate wechseln sich ab, aber wir erfinden hier nicht Hochschullehre neu.

Das liegt sicher auch an unseren Studierenden, die tendenziell älter sind, Beruf und/oder Familie haben und eine relativ hohe internationale Ausbildung haben und selbstorganisiert sind. Mit 19-jährigen Bachelor-Studierenden müsste man sicher anders planen. Aber gerade, wenn man den Diskurs des lebenslangen Lernens ernst nimmt, ist das ein praktikables und sinnvolles Modell. Ich persönlich halte ein mittelgroßes MA-Programm für zielführender als einen MOOC.

 

Digitale Formate in der neoliberalen Hochschule

Auch wenn in Schweden die Neoliberalisierung der Hochschulen langsamer und weniger invasiv vor sich geht, leben wir natürlich nicht in einem akademischen Paradies. Wer mit digitalen Formaten Geld sparen will oder schnell Zugang zum globalen Markt mobiler und finanzkräftiger ausländischer Studierender sucht, dürfte enttäuscht werden. Am Ende des Tages ist unser Modell relativ zeit- und personalaufwändig und selbst wenn unser Angebot eigentlich ideal für Berufstätige in der globalen Entwicklungsindustrie sein sollte, bekommen wir sehr oft Feedback, dass man doch lieber einen „richtigen“ Master machen möchte, für den die Familie in den globalen Norden ziehen kann.

 

Es gibt zu allen Punkten natürlich noch viel mehr zu sagen und schreiben – Rückfragen gerne an mich: http://aidnography.blogspot.se/p/about-connect.html.

Publizieren über die Hochschullehre – Warum, Wo, Was?

Ich habe hier schon öfter zum Schreiben über die Hochschullehre gebloggt. In einem Beitrag war ich u.a. länger auf das Warum eingegangen, in anderen hatte ich Informationen über einschlägige Fachzeitschriften gesammelt. Und dann hatten wir noch den sehr interessanten und anregenden Workshop zum Publizieren im September 2017.

Dieser Bereich entwickelt derzeit eine deutliche Dynamik, was man u.a. an der steigenden Zahl von Fachzeitschriften erkennt, die lehrbezogene Artikel veröffentlichen. Um die Informationen an einer Stelle zu bündeln und die teils veralteten Angaben zu den Zeitschriften zu aktualisieren, wollte ich dies ohnehin einmal in neuer Form zusammenfassen.

Passenderweise war ich am 17. Januar 2018 vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Göttingen eingeladen worden, im dortigen Lehrkolloquium einen Vortrag zum Schreiben über die Hochschullehre zu halten. (An dieser Stelle möchte ich den Göttinger KollegInnen meine Wertschätzung ausdrücken, dass sie sich so ein Format geschaffen haben – das könnten gerne noch viel mehr Institute tun!) Dies bot mir den willkommenen Anlass, die lange geplante Überarbeitung endlich vorzunehmen.

Der Vortrag in Göttingen war sehr schön. Das Kolloquium war gut besucht und das Interesse der ZuhörerInnen deutlich spürbar. Hinterher gab es wirklich herausfordernde Diskussionen, z.B. über Standards der Begutachtung, die weitere Entwicklung des Feldes und die Besonderheiten politikwissenschaftlicher Lehre. Während dies nur den Anwesenden zugänglich war, möchte ich aber wenigstens meinen Vortrag auch einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Die Folien stehen daher hier als pdf zum Download bereit – Rückmeldungen nehme ich natürlich gerne entgegen.

Programm der Dritten Jahrestagung der Themengruppe Hochschullehre (26.-27. Februar 2018)

Die Dritte Jahrestagung der Themengruppe Hochschullehre findet am 26.-27. Februar 2018 an der Universität Hamburg statt. Unter dem Titel „Politikwissenschaftliche Hochschullehre – Perspektiven und Konzepte aus Theorie und Praxis“ haben wir ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das hier zum Download im pdf-Format zur Verfügung steht: Programm Jahrestagung 2018.

Die Teilnahme ist für alle interessierten Mitglieder und Nicht-Mitglieder offen. Die Teilnahmegebühr beträgt 20 Euro, für Studierende ist die Teilnahme kostenlos. Wenn Sie sich anmelden möchten, schicken Sie bis zum 20. Februar 2018 eine formlose Mail an nicolas.ehricke(ÄT)wiso.uni-hamburg.de.

Wir freuen uns auf eine interessante Tagung und hoffen, Sie dort zahlreich begrüßen zu dürfen.