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Programm der vierten Jahrestagung des AK Hochschullehre (Münster, 25.-26.2.2019)

Rechtzeitig zum Semesterendspurt können wir endlich das Programm der vierten Jahrestagung des AK Hochschullehre veröffentlichen. Wir haben wieder ein sehr vielseitiges Programm mit Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden zu den Themen „Vielfalt und Weitblick in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre“ zusammengestellt. Außerdem gibt es wie immer viele interessante Beiträge aus der Lehrpraxis.

Höhepunkt der Tagung ist eine Podiumsdiskussion mit dem DVPW-Vorsitzenden Prof. Armin Schäfer, Prof. Andrea Szukala (Professorin für Fachdidaktik der Sozialwissenschaften), Dr. Ray Hebestreit (Studiengangskoordinator) und Marcus Lamprecht (Politikstudierender und Vorstandsmitglied im fzs) zum Thema „Wie wollen wir lehren? Herausforderungen und Zukunft politikwissenschaftlicher Lehre“.

Anmeldungen sind bis zum 10. Februar per formloser Email an l_menz01(ÄT)uni-muenster.de möglich. Alle Informationen finden Sie in unserem Programm (pdf) oder unter http://www.hochschullehre-politik.de/aktivitaeten/veranstaltungen/jahrestagung-2019-muenster/.

Wir freuen uns darauf Sie zahlreich in Münster (wieder) zu sehen und wünschen einen erfolgreichen Abschluss der Vorlesungszeit!

Forschendes Lernen in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre – Ein Interview mit Matthias Freise

Anlässlich des Starts der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik beim DVPW-Kongress 2018 veröffentlichen wir eine Serie kurzer Interviews mit den Autorinnen und Autoren.

 

1) Worum geht es in Ihrem Buch?

Der Band beschäftigt sich mit dem Konzept des sogenannten Forschenden Lernens, das in den vergangenen Jahren Eingang in immer mehr politikwissenschaftliche Studiengänge gefunden hat. Damit beschrieben wird eine Lernform, in der die Lernenden den Prozess eines Forschungsvorhabens, das auf die Gewinnung von auch für Dritte interessanten Erkenntnissen gerichtet ist, in seinen wesentlichen Phasen (mit)gestalten, erfahren und reflektieren. Im Gegensatz zu klassischen Vorlesungs- und Seminarformaten, die auf eine Vermittlung von Wissen, Kompetenzen und Fertigkeiten durch die Weitergabe des Standes der Forschung abzielen, soll Forschendes Lernen selbst einen – wenn auch oft nur überschaubaren ‒ Beitrag zu ebenjenem Stand der Forschung leisten. Das Handbuch gibt Hinweise, wie Forschendes Lernen in politikwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen sinnvoll geplant, umgesetzt und nachbearbeitet werden kann. Thematisiert wird, welche Voraussetzungen die Lehrperson mitbringen sollte, wie man Forschendes Lernen so einsetzen kann, dass es auch für einen selbst einen Nutzwert hat und was bei der Planung einer Lehrveranstaltung mit Elementen des Forschenden Lernens zu berücksichtigen ist. Schließlich illustriert der Band anhand von Fallbeispielen die Anwendung dieser Lehrmethode in einem politikwissenschaftlichen Seminar.

 

2) Warum ist dieses Thema für die politikwissenschaftliche Hochschullehre wichtig?

Befragungen von Absolventinnen und Absolventen sozialwissenschaftlicher Studiengänge im deutschsprachigen Raum belegen, dass im späteren Berufsleben weniger die eigentlichen Inhalte des Studiums von Bedeutung sind, sondern vielmehr die Methodenkenntnisse und sozialen Fertigkeiten, die das Studium vermittelt. Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler zeichnen sich durch ihre hohe Problemlösungskompetenz aus. Dazu benötigen sie eine solide Methodenausbildung. Wendet man diese Methoden jedoch nicht an, gleicht das Studium schnell einer Trockenschwimmübung. Gute politikwissenschaftliche Lehre sollte deshalb darauf abzielen, nicht nur Fachkenntnisse zu vermitteln, sondern die Studierenden auch in Forschungsprojekte einzubinden. Und dafür ist unser Fach geradezu prädestiniert.

Im Gegensatz zur Physik benötigen wir keinen milliardenteuren Teilchenbeschleuniger für unsere Forschung und Anwendungsmöglichkeiten gibt es viele, vor allem, wenn wir uns Partner außerhalb der Universität suchen. Ob eine Evaluation grenzüberschreitender INTERREG-Programme der EU, eine Zusammenarbeit mit kommunalen Stiftungen, die das bürgerschaftliche Engagement vor Ort stärken wollen, oder eine Kooperation mit einem Wohlfahrtsverband, der seine Integrationsangebote verbessern möchte – spannende und relevante Fragestellungen begegnen uns überall.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eigene Forschung Studierende sehr begeistern kann. Zudem hat Forschendes Lernen den Vorteil, Studierende auf einen späteren Arbeitsmarkt vorzubereiten. Ich habe dabei bereits Dutzende Praktika vermittelt und nicht zuletzt profitiere ich auch als Lehrperson von Forschendem Lernen, verschafft es mir doch Kontakte, die ich für meine eigene Forschung nutzen kann.

 

3) Wer sollte dieses Buch lesen?

Der Bund ist für Lehrende konzipiert, die als Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer in einer einsemestrigen Lehrveranstaltung Forschendes Lernen zum Einsatz bringen möchten. Der Band gibt zahlreiche Anregungen und hält (hoffentlich) auch für bereits erfahrene Lehrpersonen hilfreiche Ratschläge bereit.

 

Das Buch ist bestellbar über http://www.wochenschau-verlag.de/forschendes-lernen-politikwissenschaft.html und alle Buchhändler.

Gemeinsam statt einsam – warum sich Kooperation in der Lehre lohnt

Ein Gastbeitrag von Dorte Hühnert (Universität Duisburg-Essen)

Gemeinsam zu lehren macht vor allem Spaß. Es hat aber auch didaktische Vorteile, von denen die Studierenden direkt profitieren. In diesem Blogbeitrag möchte ich einige Vorteile von Kooperation in der Lehre aufzeigen, die ich aus meiner Lehr-Kooperationserfahrung in zwei Jahren gezogen habe, und andere Lehrende inspirieren ähnliche Projekte umzusetzen.

Das Seminar, in dem ich mein Kooperationsmodell umgesetzt habe, trägt den Titel „Krieg – Ursachen, Formen, Wirkungen“ und kooperiert mit dem Format „ReferateWerkstatt“ des Forum Mündliche Kommunikation (FMK) (das Sprechpendant zur Schreibwerkstatt) an der Universität Duisburg-Essen (UDE). Mein Seminar ist eine Einführung in die Friedens- und Konfliktforschung und wird als Vertiefung zur Vorlesung „Internationale Beziehungen und Global Governance“ für Studierende des dritten bis fünften Fachsemesters angeboten. Die Veranstaltung schließt mit einer Modulabschlussprüfung in Form einer mündlichen Gruppenprüfung ab. Die ReferateWerkstatt kann von Dozenten der UDE beim FMK gebucht werden und verfolgt einen Coaching-Ansatz, der wie folgt abläuft: Die Studierenden besuchen nach der Vorbesprechung mit der Dozentin einmalig eine Woche vor ihrem Referatstermin im Seminar die ReferateWerkstatt. Es treffen sich jeweils zwei Gruppen in der Werkstatt, die zum gleichen Thema unabhängig voneinander arbeiten, um dort ihr Referat wie bei einer Generalprobe zu halten. Anschließend erhalten sie Feedback von der Werkstatt-Leiterin und den anderen Studierenden. Es handelt sich also um eine Kooperation zwischen Studierenden, der Dozentin und einer Mitarbeiterin einer zentralen Einrichtung der UDE.

Warum lohnt es sich, Lehre gemeinsam mit KooperationspartnerInnen zu gestalten? Aus meiner Sicht gibt es auf diese Frage zwei Antworten: erstens können die Studierenden von Kooperationen einen klaren Mehrwert ziehen und zweitens ist die Kooperation auch für Lehrende eine wertvolle Erfahrung und Lernquelle.

Die Vorteile für die Studierenden liegen in meinem Kooperationsmodell vor allem in der integrierten Kompetenzschulung: Neben fachlichen Inhalten, die im Seminar erarbeitet werden, stärken die Studierenden in der ReferateWerkstatt gleichzeitig die Schlüsselqualifikation des wissenschaftlichen Präsentierens. Zwar durchlaufen viele Studierende bereits in ihrer Studieneingangsphase Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, diese sind jedoch häufig additiv, also getrennt von fachlichen Inhalten, angelegt. Zudem basieren viele Angebote zentraler Einrichtungen auf Freiwilligkeit der Studierenden und sind nicht in die Studienverlaufspläne nach dem ersten Semester integriert. Der integrierte Ansatz unserer Kooperation hat sich jedoch in höheren Fachsemestern als gewinnbringend für die Studierenden erwiesen. Sie können ihre bereits erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen in der Kombination aus klassischem Seminar und zusätzlichem Coaching ausbauen. In meinem Verständnis ist Lernen kein punktuelles Ereignis, sondern ein stufenweiser Prozess, der im Idealfall nie vollständig abgeschlossen ist. Die Fachinhalte werden daher bewusst mit der Schlüsselkompetenz das Referierens – von der vorbereitenden Recherche bis zum mehrfach überarbeiteten Kurzvortrag – im constructive alignment des Seminars verknüpft.

Die Kooperation fördert darüber hinaus, dass die Studierenden dafür sensibilisiert werden, sich in unterschiedlichen Bereichen ihrer Ausbildung unterschiedlicher Personen, Wissensbestände und Lernpraktiken zu bedienen, um Lernziele zu erreichen. Mit der ReferateWerkstatt entsteht ein zusätzlicher Raum neben dem Seminar, in dem die Studierenden unabhängig vom Leistungsdruck durch die Dozentin ihre Präsentationen ausprobieren und reflektieren können. So werden auch Lerntechniken ermöglicht, für die im Lehralltag eines Seminars normalerweise keine Zeit bleibt: In welchem Seminar kann man ein Referat unterbrechen und unterschiedliche Varianten der Einleitung diskutieren, bis die optimale gefunden ist? Durch den Werkstattbesuch können die Studierenden ihr Referat überarbeiten. So findet auch das im Universitätsalltag seltene, aber wichtige metakognitive Lernen statt: durch das Ausprobieren in einem geschützten Raum wird es möglich aus Fehlern und mit Hilfe von (Peer-)Feedback im Zuge der Überarbeitung zu lernen.

Neben den Vorteilen, die sich im Lernprozess für die Studierenden ergeben, hat eine Lehrkooperation auch Vorteile für die Lehrenden. Vor allem macht Kooperation in der Lehre Spaß! Man gewinnt einen Sparring-Partner, mit dem man Erfahrungen austauschen kann, sich gegenseitig Feedback geben und Ideen auch mal diskutieren kann. Zudem lernt man selbst extrem viel, weil Kooperation viel Reflexion mit sich bringt und Effekte haben kann, die mit denen von Hospitationen vergleichbar sind. In der Auseinandersetzung schärfen sich auch Lehrkonzepte, weil man Intuitionen offenlegen und erklären und Ziele stärken muss. Ich habe auch im Bereich der Lehrmethoden – Aktivierung, Lehrhaltung und Verhältnis zu den Studierenden – viel von meiner Kooperationspartnerin gelernt.

Während die Kooperation mit einer zentralen Einrichtung der Universität – Sprech-, Schreibwerkstätten, Bibliotheken oder Career-Center – eher eine vertikale Kooperation darstellt, birgt die Universität mit ihrem vielfältigen Wissenschaftspersonal natürlich auch die Möglichkeit horizontaler, also innerfachlicher oder fachübergreifender Kooperationen. Wer nun selbst zum Kooperationspartner werden möchte, sollte aus meiner Erfahrung folgende Punkte berücksichtigen:

  • Die Kooperationsbereiche und die Rollenverteilung vorab in der (gemeinsamen) Seminarplanung klären und gegenüber den Studierenden transparent und konsequent durchhalten;
  • Kommunikationskanäle nutzen und den regelmäßigen Austausch miteinander suchen, um aufkommende Fragen und Probleme schnell lösen zu können;
  • die Studierenden als Teil der Kooperationspartnerschaft begreifen und sie durch Feedbackmöglichkeiten in die Gestaltung der Kooperation einbeziehen.

Der Blick vor die Büro- oder Institutstür lohnt sich also – viel Spaß!