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Call for Papers: Vierte Jahrestagung des AK Hochschullehre (Münster, 25.-26.2.2019)

Die Jahrestagung des Arbeitskreises Hochschullehre in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) findet am 25. und 26. Februar 2019 an der Westfälischem Wilhelms-Universität-Münster statt und wir freuen uns über Einsendungen zu den folgenden Themen (pdf-Version):

 

Vielfalt und Weitblick in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre

Bei den bisherigen Veranstaltungen des Arbeitskreises Hochschullehre wurde immer wieder angesprochen, dass sich die Lehre in der Politikwissenschaft durch zum Teil sehr heterogene Lehr- und Lernbedingungen auszeichnet. Wir möchten diese Diversität aufgreifen und in den Mittelpunkt unserer Jahrestagung 2019 stellen. Dabei wollen wir nicht nur die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen seitens der Studierenden diskutieren, sondern auch die vielfältigen Rahmenbedingungen der Lehraktivität von Dozierenden ansprechen. Auch sollen unterschiedliche Anforderungen an die Lehre in unterschiedlichen, sich mit politikwissenschaftlichen Inhalten beschäftigenden Studiengängen in den Fokus gerückt werden.

Somit wollen wir zum einen Fragen aufgreifen, welche sich aus der Diversität der Studierenden sowie den von diesen absolvierten Studiengängen ergeben. Folgende Themen können dabei im Mittelpunkt stehen:

  • Auch in der öffentlichen Debatte werden regelmäßig Probleme angesprochen, welche an den Hochschulen durch den größer werdenden Anteil an Schulabgängern mit einer Hochschulzugangsberechtigung entstehen. Welche Auswirkungen hat dieser Anstieg des Abiturientenanteils für die Lehre an den Universitäten? Welche Anforderungen stellt dies an die Studieneingangsphase? Und welche Angebote lassen sich für Studierende auf dem zweiten Bildungsweg, geflüchtete Studierende oder Studierende mit Handicap entwickeln? Werden politische Implikationen dieser Entwicklung gerade in unserer Disziplin erforscht?
  • Auf Institutsfluren wird häufig über Unterschiede zwischen Lehramts- und Hauptfachstudierenden diskutiert. Sehr interessiert sind wir daher an Tagungsbeiträgen, die das Verhältnis von Hochschuldidaktik und Politikdidaktik ansprechen. Wie kann die Hochschuldidaktik von der Politikdidaktik lernen? Welche besonderen Anforderungen stellt das Lehramtsstudium an die fachwissenschaftliche Lehre in der Politikwissenschaft?
  • Zudem hat durch die Einführung der BA/MA-Studiengänge und dem Wunsch der Internationalisierung der Hochschullandschaft eine Ausdifferenzierung der Studiengänge stattgefunden, die zum einen zu einer Spezialisierung politikwissenschaftlicher Abschlüsse geführt hat. Zum anderen resultiert hieraus auch eine breitere Einführung rein englischsprachiger Studiengänge. Aus hochschuldidaktischer Sicht ist dabei die Frage interessant, in wie weit sich die Lehre in englischsprachigen Studiengängen von anderen Studiengängen unterscheidet. Hierzu werden genauso Beiträge gesucht wie auch zu der Frage, in wie weit durch diese Ausdifferenzierung der Studiengänge auch spezifische Herausforderungen an die Lehre entstehen.

Zum anderen wollen wir uns Fragen zuwenden, welche sich aus den unterschiedlichen Voraussetzungen der Lehrenden ergeben. Wie können z.B. Doktoranden bei der Vorbereitung erster Lehrveranstaltungen unterstützt werden? Gibt es über kürzere hochschuldidaktische Einführungskurse zum Thema „Neu in Lehre“ hinaus Modelle, welche Dozierende mit nur wenig Lehrerfahrung in dieser Tätigkeit unterstützen? Welche Ideen und Konzepte existieren aus Sicht der Dozierenden für den Umgang mit Diversität in der politikwissenschaftlichen Lehre? Kann diese gerade in unserem Fach auch einen inhaltlichen Mehrwert erzeugen?

Unter dem Stichwort „Weitblick“ möchten wir ergänzend in den Blick nehmen, was wir von politikwissenschaftlicher Lehre in anderen Ländern und Hochschulsystemen, in anderen Fächern oder in nicht-universitären Kontexten (Fachhochschulen, Schulen, außerschulische politische Bildung) lernen können? Was können wir auch von der allgemeinen Hochschuldidaktik sowie der empirischen Bildungsforschung in punkto Theorien und Methoden mitnehmen und wie könnte hier ein Austausch stattfinden? Hierbei interessieren uns sowohl theoretische Überlegungen als auch „Werkstattberichte“ aus vorhandenen Programmen/Kooperationen/Formaten.

Schließlich thematisieren die Jahrestagungen des Arbeitskreises immer auch Präsentationen von Lehrkonzepten und von Erfahrungsberichten aus Lehrveranstaltungen höchst unterschiedlichen Formats. Im Forum „Praxis“ möchten wir wieder die Gelegenheit geben, Lehr-Lernformate aus der Hochschullehre zu präsentieren, aber auch Ideen für solche Formate zur Diskussion zu stellen. Dabei geht es uns nicht nur um Lehrinnovationen, sondern auch um neue Perspektiven auf bewährte Themen und Formate.

 

Einreichung von Beiträgen:

Interessierte senden bis einschließlich 9.12.2018 ein Abstract (max. 600 Wörter inkl. Leerzeichen) an lambach(ÄT)normativeorders.net. Bitte geben Sie an, in welchem Format (Vortrag, Diskussion, Workshop, Roundtable, Poster o.ä.) Sie Ihren Teil im Rahmen der Tagung gestalten möchten und fügen Sie einige biografische Angaben (max. 250 Wörter inkl. Leerzeichen) bei.

Nach Auswahl der Beiträge werden wir Sie bis zum 21.12.2018 über das finale Programm informieren. Der Arbeitskreis ermöglicht die Buchung günstiger Übernachtungsmöglichkeiten im Rahmen von Hotelkontingenten. Diese Kosten sowie Reisekosten oder Honorare können leider nicht durch den Arbeitskreis übernommen werden.

Die Teilnahmegebühr für promovierte Kolleginnen und Kollegen beträgt 20 €, für Doktorandinnen und Doktoranden 10 €. Studierende müssen keinen Beitrag entrichten.

Bericht von der dritten Jahrestagung der Themengruppe Hochschullehre (26.-27. Februar 2018, Hamburg)

Die dritte Jahrestagung der Themengruppe unter dem Titel „Perspektiven und Konzepte aus Theorie und Praxis“ fand am 26.-27. Februar 2018 an der Universität Hamburg statt. Es wurden normative und theoretische Fragen der politikwissenschaftlichen Hochschullehre behandelt, ebenso wie konkrete Lehrszenarien. Hinzu kamen Workshops zu verschiedenen Aspekten der Lehrpraxis.

 

Theorie

Die Tagung begann mit dem Panel „Fragen an Lehren und Lernen“, welches von Mischa Hansel (Aachen) moderiert wurde. Zunächst stellte Petra Stykow (München) ihr Manuskript zum Prüfen und Bewerten in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre vor, das in der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik erscheinen wird. Nach dem Modell der „Inverted Conference“ hatte sie das Manuskript den Tagungsteilnehmer*innen vorab zugänglich gemacht und bat nun um Feedback für die Überarbeitung des Textes. Die Diskussion behandelte verschiedene Probleme des Prüfens und Bewertens und ging dabei auch teils über den konkreten Text hinaus. Beispielsweise wurde bei mündlichen Prüfungen das Problem benannt, dass man einerseits die Fähigkeit zur strukturierten Antwort und die generelle Ausdrucksfähigkeit mitbewerte, dabei aber diversitysensibel vorgehen muss, um nicht einen bildungsbürgerlichen Habitus zu bevorzugen.

Danach folgte ein Vortrag von Daniel Lambach (Duisburg-Essen) zur Employability in der Friedens- und Konfliktforschung. Er stellte dabei Ergebnisse einer vergleichenden Absolvent*innenstudie vor, an der 2017 sieben Masterstudiengänge in Deutschland und Österreich teilgenommen hatten. Die Ergebnisse zeigen, dass Absolvent*innen dieser Studiengänge i.d.R. eine ausbildungsadäquate Tätigkeit aufnehmen und nur selten von Arbeitslosigkeit betroffen sind, aber oft nur auf befristeten Verträgen arbeiten. In der Diskussion wurden verschiedene methodische Aspekte besprochen, z.B. die Gründe für Non-Response, sowie der Abgleich mit Absolvent*innenstudien anderer Institutionen angeregt. Ferner wurde die Frage aufgeworfen, ob die Ausbildung relativ fachunspezifischer Kompetenzen wie z.B. Organisationskompetenz oder Fähigkeiten im Projektmanagement dem Bildungsauftrag einer Hochschule angemessen seien.

 

Praxis Teil I

Im Panel zu „Distance Learning“, moderiert von Daniel Lambach (Duisburg-Essen), wurden zwei Beiträge zu kooperativen E-Learning-Formaten vorgestellt, die aus demselben Projekt hervorgegangen sind. Zunächst präsentierten Patricia Konrad (Hamburg) und Alexander Kobusch (Tübingen) ein standortübergreifendes Ringseminar, das nach dem Modell des „Cross-Site Teaching“ von acht politikwissenschaftlichen Instituten gemeinsam angeboten wurde. Dabei stellten sie vor, wie man Studierende in diesem Format aktivieren und zur standortübergreifenden Kollaboration bewegen kann, und zeigten die kontinuierliche Weiterentwicklung des Formats. Im Anschluss stellten Witold Mucha und Christina Pesch (beide Düsseldorf), die ebenfalls am Ringseminar mitgewirkt hatten, ihre Adaption des Konzepts für eine internationale Kooperation der Universität Düsseldorf mit Partnern in Südafrika und den Niederlanden zur Diskussion. Ihr Ziel ist es, die Inhalte der Veranstaltung sowie die von den Studierenden produzierten Materialien als Open Educational Resources (OER) zu veröffentlichen.

Die Diskussion drehte sich zunächst um ganz praktische Fragen, d.h. um die technischen Voraussetzungen sowie die für das internationale Projekt notwendigen Englischkenntnisse der Studierenden. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Frage, wie man Studierende zur Zusammenarbeit motivieren könne, zumal es an den beteiligten Standorten teils unterschiedliche Leistungserwartungen gab. Außerdem wurde die Besonderheit des Formats herausgestellt, das sich hochaktuellen politischen Fragen widmet, sich eher an fortgeschrittene Studierende richtet und keinen Kernbereich des Curriculums abdeckt. Insofern gab es Fragen, welche Aspekte davon auch für grundständige Lehre adaptiert werden können.

 

Methoden

Im nächsten Panel folgten zwei Beiträge, die sich mit der Vermittlung von Forschungs- und Methodenkompetenz befassten. Zunächst fragte Carola Klöck (Göttingen): „Forschen unterrichten ohne Forschung: (wie) geht das?“. Anhand des Beispiels einer Veranstaltung, in der Studierende die Entwicklung von Forschungsdesigns lernen sollten, berichtete sie von den Herausforderungen, die aus der relativ großen Studierendengruppe und den vielfältigen Zielen des Konzepts entstanden, und suchte nach Ratschlägen zur Überarbeitung des Lehrkonzepts. In der Diskussion wurde der stärkere Einsatz von Peer Feedback angeregt und empfohlen, Studierende einen fertigen Projektantrag kritisieren zu lassen, um ihnen dadurch das Format näherzubringen. Allgemein wurde problematisiert, wie viel Anleitung Studierende beim forschenden Lernen brauchen/wollen.

Danach befassten sich Jasmin Haunschild und Anja Jakobi (beide Braunschweig) mit den Implikationen von Big Data für die Politikwissenschaft im Allgemeinen und die Methodenlehre im Speziellen. Sie hoben hervor, dass sich durch die neue Qualität und Quantität von Datenverfügbarkeit neue Forschungsfelder und –praktiken herausbilden, die unter Namen wie „Data Science“ oder „Computational Social Science“ firmieren. Ersteres wird zumeist als technisches Feld verstanden, in das keine sozialwissenschaftlichen Ausbildungsinhalte einfließen, während letzteres als genuin sozialwissenschaftliches Feld verstanden wird. Einige Institute mit Expertise in quantitativen Methoden haben angefangen, ihre Methodenausbildung um einschlägige Themen zu ergänzen; an der Hochschule für Politik der TU München wurde ein entsprechender Studiengang eingerichtet. Die Diskussion drehte sich einerseits um Fragen, welches Verhältnis Politikwissenschaft zu Daten hat, andererseits um strategische Fragen, wie sich die Disziplin angesichts der Herausbildung neuer Forschungsfelder positionieren sollte. Für die Lehre wurde insbesondere die Kooperation mit technischen ExpertInnen als Möglichkeit hervorgehoben.

 

Workshops Teil I

Im Anschluss ging die Tagung in zwei parallele Kurzworkshops über. Judith Gurr und Caroline Kärger (beide Lüneburg) boten einen Methodenbasar an, in dem sie in 60 Minuten drei Methoden vorstellten, um auch in großen Veranstaltungen die TeilnehmerInnen zu aktivieren: das aktive Plenum, die stille Debatte sowie die Nutzung von Abstimmungssystemen im Rahmen von Peer Instruction.

Lasse Cronqvist (Trier) leitete eine Diskussion darüber, ob das inzwischen weit verbreitete Instrument der standardisierten Lehrevaluation für eine Reflexion zur Verbesserung der Lehrqualität geeignet ist. Dabei wurde die Validität der Evaluationsergebnisse sowie deren Funktion als Steuerungsinstrument im Hochschulsystem kritisch diskutiert, aber auch Möglichkeiten identifiziert, wie – ggf. in Kombination mit anderen qualitativen Feedbackmechanismen – dennoch ein Nutzen aus Evaluationen gezogen werden kann.

 

Normativität

Zum Abschluss des ersten Tages fand das Panel zu Normativität in der Hochschullehre statt. Zum Einstieg wies Dannica Fleuß (HSU Hamburg) darauf hin, dass man hier die Lehre über Normativität von der Normativität in der Lehre unterscheiden müsse, auch wenn dies in der Praxis natürlich zusammenfallen kann. Sie stellte eine Seminarkonzeption vor, wie in der Lehre der politischen Theorie die Reflexion über menschenrechtliche Normen mit praktischen Implikationen anhand von konkreten Beispielen verbunden werden kann. Damit möchte sie die normative Urteilsfähigkeit ihre Studierenden stärken, indem sie sie u.a. zum theoretischen Perspektivwechsel verpflichtet. In ihrem Vortrag stellte sie auch die Spezifika der Studierenden an der HSU heraus, die als Soldaten*innen oft ein stark persönliches Interesse etwa an den Dilemmata ‚humanitärer Interventionen‘ hätten.

Anschließend hielt Julian Eckl (Hamburg) fest, dass Lehre nicht werturteilsfrei sein kann. Bereits die klassischen Lerntheorien Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus beinhalteten bestimmte Menschenbilder sowie normative Setzungen darüber, welche Rollen Lehrende und Lernende einzunehmen hätten. Durch die Entscheidung für eine Lerntheorie nehmen Lehrende also eine normative Position ein – vor jeglicher inhaltlicher Diskussion, in der dies ebenfalls unvermeidlich sei. Weiterhin sah er einen Anlass zur erneuten Beschäftigung mit den normativen Grundlagen von Lehre angesichts verbreiteter Krisendiskurse der Demokratie. Wenn gesellschaftliche Konsenslinien neu verhandelt oder überschritten werden, sei dies auch Anlass zu einer neuen Selbstvergewisserung über ansozialisierte Normen, worüber wie in welchen Kontexten diskutiert werden kann. Die Konfrontation mit Studierenden, die extreme Positionen in Lehrveranstaltungen vertreten, führe zwar zu schwierigen Situationen und Rollenkonflikten, sorge aber auch dafür, dass gesellschaftliche Polarisierungen und Radikalisierungen nicht ignoriert werden könnten.

In der Diskussion wurden theoretische wie praktische Fragen aufgeworfen. Auf theoretischer Ebene wurde darauf hingewiesen, dass die Lerntheorien sehr unterschiedliche Empfehlungen geben, wie mit deviantem Studierendenverhalten umzugehen sei. In praktischer Hinsicht wurde empfohlen, dass Lehrende ihre theoretischen/ontologischen Positionen transparent machen sollten. Weiterhin wurde darauf hingewiesen, dass Studierendengruppen zumeist gut mit unterschiedlichen Meinungen umgehen könnten, man aber auch deren Fähigkeit zum Umgang mit Pluralismus nicht fraglos voraussetzen darf. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage aufgeworfen, wie heterogen –hinsichtlich Bildungshintergrund und politischen Einstellungen – Studierendengruppen tatsächlich sind.

 

Workshops Teil II

Der zweite Konferenztag begann mit einem zweiten Paar Workshops. Im ersten bot Matthias Freise fünf Wege an, wie man mit dem Problem umgehen kann, dass Studierende die Seminartexte nicht gelesen haben, und diskutierte mit den TeilnehmerInnen eigene Erfahrungen und Strategien. Zu den Methoden der Stärkung von Lese-Compliance zählten u.a. Power-Point-Karaoke und Textpuzzles. Der zweite Workshop von Caroline Kärger und Judith Gurr fragte, wie, wann, mit wem und wie oft eigentlich ein Dialog über die Lehre stattfindet. In der Diskussion ergaben sich hier zwei Problemlagen: zum einen dass geklärt werden muss wozu ein Dialog dient und wie man ihn für Stakeholder interessant macht, zum anderen dass inhaltlicher Dialog heute oft von Prozessen des Qualitätsmanagements überlagert wird, die für Lehrende wenig attraktiv sind.

 

Praxis Teil II

Im letzten Panel, erneut moderiert von Mischa Hansel, ging es um Demokratieforschung und Demokratiekompetenz. Der erste Beitrag kam von Volker Best (Bonn), der sein Seminarkonzept eines Planspiels in der Regierungslehre vorstellte. Er hatte in Seminaren vor der Bundestagswahl 2017 sowie während der laufenden Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition Studierende zu ParteivertreterInnen gemacht und sie die Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen simulieren lassen, was sie mit großem Engagement taten. Das Feedback der Studierenden war insgesamt sehr positiv und hob den interaktiven Charakter des Seminars sowie dessen Anwendungsbezug hervor.

Im zweiten Vortrag stellte Christoph Klika, Toralf Stark und Susanne Pickel (Duisburg-Essen) ein noch laufendes Projekt zur Entwicklung eines Planspiels vor, das sich mit dem Effekt autoritärer politischer Kultur auf die Stabilität einer Demokratie befassen wird. In der ersten Phase entwickeln sie das Planspiel und die Spielmaterialien gemeinsam mit Lehramtsstudierenden. Nach dessen Fertigstellung möchten sie es in der Aus- und Weiterbildung von LehrerInnen einsetzen, da diese eine besondere Rolle als MultiplikatorInnen für demokratische Kompetenzen und Einstellungen ihrer SchülerInnen haben.

In der Diskussion ging es vor allem um Fragen des Planspieldesigns. Insbesondere wurde darüber diskutiert, inwieweit die Spielleitung den Ausgang eines Spiels (oder einer Zwischenphase) vorbestimmen kann, um damit bestimmte inhaltliche Punkte zu unterstreichen. Demgegenüber wurde argumentiert, dass dies von TeilnehmerInnen negativ bewertet würde und man auch subtil, z.B. durch Eingriffe von „Externen“ den Verlauf eines Spiels beeinflussen könne. Ferner wurde hervorgehoben, dass es für die Erstellung von Spielmaterialien, konkret zur Formulierung von Rollenprofilen, noch nicht viel handlungsleitenden Rat gebe.

 

Abschluss

In der Abschlussrunde baten Daniel Lambach und Mischa Hansel die TeilnehmerInnen um ihr Fazit zur Tagung sowie um die Identifikation latenter oder künftiger Themen, mit denen sich die Themengruppe beschäftigen sollte. Zu diesen gehörten:

  • Welche Erwartungen können/sollen wir an Studierende haben? Stimmt die verbreitete Klage, dass es immer mehr Studierenden an fundamentalen Kompetenzen fehle, oder muss man eher von einer Änderung von deren Kompetenzprofil sprechen? Was wissen wir überhaupt über unsere Studierenden?
  • Wie können wir die Selbstverantwortung der Studierenden stärken? Kann eine umfangreiche Didaktisierung des Lernprozesses Studierende unselbständig machen? Was bedeutet das für Mentoring, das ja vor allem Studierende aus bildungsfernen Schichten unterstützen soll?
  • Welche Rolle schreiben wir der Politikwissenschaft im öffentlichen Raum zu? Haben wir eine Verantwortung zur Beteiligung an gesellschaftlichen und medialen Diskursen und wenn ja, wie können wir unsere Vermittlungskompetenz dazu einsetzen?
  • Wie motivieren sich Lehrende? Wie kann man andere Lehrende zu guter Lehre motivieren?
  • Gibt es Bedarf und Interesse, Lehrmaterialien und Veranstaltungskonzepte zu teilen? Wenn ja, unter welchen Bedingungen und über welche Plattformen?
  • Welche speziellen didaktischen Herausforderungen gibt es in den Teilbereichen der Politikwissenschaft?

Während die obigen Fragen generell formuliert sind, müssen wir uns in der Beschäftigung darüber verständigen, inwieweit ihre Beantwortung disziplinspezifisch ausfällt oder ob hier auch ein produktiver Austausch mit anderen Disziplinen und/oder der Hochschuldidaktik gesucht werden sollte.

Die Sprecher wiesen abschließend nochmals auf die ab Herbst erscheinende Kleine Reihe Hochschuldidaktik Politik hin und gaben einen Ausblick auf die Aktivitäten der Themengruppe bei der Tagung der DVPW, die September 2018 in Frankfurt am Main stattfinden wird. Im Anschluss an die Tagung fand ein Vernetzungstreffen der Theorielehrenden statt, um damit einen Workshop zur Lehre in der politischen Theorie, Philosophie und Ideengeschichte vorzubereiten.

Publizieren über die Hochschullehre – Warum, Wo, Was?

Ich habe hier schon öfter zum Schreiben über die Hochschullehre gebloggt. In einem Beitrag war ich u.a. länger auf das Warum eingegangen, in anderen hatte ich Informationen über einschlägige Fachzeitschriften gesammelt. Und dann hatten wir noch den sehr interessanten und anregenden Workshop zum Publizieren im September 2017.

Dieser Bereich entwickelt derzeit eine deutliche Dynamik, was man u.a. an der steigenden Zahl von Fachzeitschriften erkennt, die lehrbezogene Artikel veröffentlichen. Um die Informationen an einer Stelle zu bündeln und die teils veralteten Angaben zu den Zeitschriften zu aktualisieren, wollte ich dies ohnehin einmal in neuer Form zusammenfassen.

Passenderweise war ich am 17. Januar 2018 vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Göttingen eingeladen worden, im dortigen Lehrkolloquium einen Vortrag zum Schreiben über die Hochschullehre zu halten. (An dieser Stelle möchte ich den Göttinger KollegInnen meine Wertschätzung ausdrücken, dass sie sich so ein Format geschaffen haben – das könnten gerne noch viel mehr Institute tun!) Dies bot mir den willkommenen Anlass, die lange geplante Überarbeitung endlich vorzunehmen.

Der Vortrag in Göttingen war sehr schön. Das Kolloquium war gut besucht und das Interesse der ZuhörerInnen deutlich spürbar. Hinterher gab es wirklich herausfordernde Diskussionen, z.B. über Standards der Begutachtung, die weitere Entwicklung des Feldes und die Besonderheiten politikwissenschaftlicher Lehre. Während dies nur den Anwesenden zugänglich war, möchte ich aber wenigstens meinen Vortrag auch einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Die Folien stehen daher hier als pdf zum Download bereit – Rückmeldungen nehme ich natürlich gerne entgegen.

Programm der Dritten Jahrestagung der Themengruppe Hochschullehre (26.-27. Februar 2018)

Die Dritte Jahrestagung der Themengruppe Hochschullehre findet am 26.-27. Februar 2018 an der Universität Hamburg statt. Unter dem Titel „Politikwissenschaftliche Hochschullehre – Perspektiven und Konzepte aus Theorie und Praxis“ haben wir ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das hier zum Download im pdf-Format zur Verfügung steht: Programm Jahrestagung 2018.

Die Teilnahme ist für alle interessierten Mitglieder und Nicht-Mitglieder offen. Die Teilnahmegebühr beträgt 20 Euro, für Studierende ist die Teilnahme kostenlos. Wenn Sie sich anmelden möchten, schicken Sie bis zum 20. Februar 2018 eine formlose Mail an nicolas.ehricke(ÄT)wiso.uni-hamburg.de.

Wir freuen uns auf eine interessante Tagung und hoffen, Sie dort zahlreich begrüßen zu dürfen.

Call for Papers für die Jahrestagung 2018 in Hamburg

Am 26. und 27. Februar 2018 veranstaltet die Themengruppe Hochschullehre in der DVPW ihre nunmehr dritte Jahrestagung, dieses Mal an der Universität Hamburg. Die Tagung richtet sich an Mitglieder der Themengruppe, DVPW-Mitglieder, ebenso aber an alle interessierten Lehrenden und Studierenden der Politikwissenschaft und verwandter Disziplinen. Eine Mitgliedschaft in der DVPW ist zur Teilnahme nicht notwendig.

Call for Papers (Download als pdf)

Thema der Tagung ist diesmal:

Politikwissenschaftliche Hochschullehre – Perspektiven und Konzepte aus Theorie und Praxis

 

Perspektiven und Konzepte aus der Theorie

Im Rahmen der bisherigen Veranstaltungen unserer Themengruppe wurde deutlich, dass unsere Hochschullehre in didaktischer Hinsicht häufig mit wenig theoretischer Fundierung auskommt. Damit sind nicht didaktische Methoden oder Fragen von Lern- und Kompetenzerwerb gemeint, sondern vielmehr Fragen nach den Spezifika politikwissenschaftlicher Hochschullehre, zum Beispiel: Welche (fachspezifischen) Theorien legen wir der Konzeption von Lehrformaten zugrunde? Welche normativen Prägungen finden Eingang in die Lehre und welche Auswirkungen hat dies für die spätere Praxis? Was unterscheidet politikwissenschaftliche Hochschullehre von der Lehre in anderen Disziplinen? Wo und in welcher Form findet empirische Forschung zum Thema politikwissenschaftliche Hochschullehre statt? Beschäftigen sich Nachwuchswissenschaftler/innen in Qualifikationsschriften mit politikwissenschaftlicher Hochschullehre? Finden Forschungen zu Lehrenden und Lernenden unseres Faches statt? Im Rahmen des Forums „Theorie“ laden wir herzlich ein, Konzepte und Forschungen zu diesen und weiteren Fragen vorzustellen. Unser Theoriebegriff ist hierbei bewusst weit angelegt und meint das Nachdenken, Reflektieren und Evaluieren über bzw. der eigenen Lehre. Hierbei interessieren uns vor allem Forschungen und Konzepte, die noch vor der praktischen Erprobung stehen, ebenso wie theoriegestützte Metaüberlegungen und empirische Forschungen zur politikwissenschaftlichen Hochschullehre insgesamt. Vorgestellte Konzepte müssen nicht fertiggestellt sein, auch Werkstattberichte laufender Vorhaben oder Ideenskizzen für künftige Forschungen sind äußerst willkommen.

Perspektiven und Konzepte aus der Praxis

Die Jahrestagungen der Themengruppe beinhalten immer auch Präsentationen von Lehrkonzepten, von Erfahrungsberichten aus Lehrveranstaltungen höchst unterschiedlichen Formats. Im Forum „Praxis“ möchten wir erneut die Gelegenheit geben, Lehr-Lernformate aus der Hochschullehre zu präsentieren, Ideen für solche Formate zur Diskussion zu stellen und neue Formate im Kreis von Kolleginnen und Kollegen zu entwickeln. Hierbei laden wir ausdrücklich auch dazu ein, interdisziplinäre und berufsorientierte Lehrformate vorzustellen. Uns geht es nicht nur um Lehrinnovationen, sondern auch um neue Perspektiven auf bewährte Themen und Formate. Denkbar ist überdies, dass Ansätze zum Umgang mit aktuellen Herausforderungen der Lehre (z.B. Heterogenität der Studierenden, Digitalisierung des Studienalltags) präsentiert werden. Gleichermaßen interessieren uns jedoch auch Austausch- und Weiterbildungsformate auf Fach- oder Fakultätsebene, die an Ihren Hochschulen praktiziert werden, so etwa Lehrkolloquien oder Gesprächsrunden zwischen Lehrenden und Studierenden.

 

Einreichung von Beiträgen:

Interessierte senden bis einschl. 30. November 2017 ein Abstract (max. 600 Wörter inkl. Leerzeichen) an die Sprecherin der Themengruppe: Julia Reuschenbach M.A., Universität Bonn (julia.reuschenbach(ÄT)uni-bonn.de). Bitte geben Sie an, in welchem Format (Vortrag, Diskussion, Roundtable o.ä.) Sie Ihren Teil im Rahmen der Tagung gestalten möchten und fügen Sie einige biografische Angaben (max. 250 Wörter inkl. Leerzeichen) bei.

Nach Auswahl der Beiträge werden wir Sie bis zum 20. Dezember 2017 über das finale Programm informieren. Die Themengruppe ermöglicht die Buchung günstiger Übernachtungsmöglichkeiten im Rahmen von Hotelkontingenten. Diese Kosten sowie Reisekosten oder Honorare können leider nicht durch die Themengruppe übernommen werden.

Für Fragen stehen Ihnen die Sprecher/innen der Themengruppe gerne zur Verfügung

Bericht vom Workshop „Publizieren über die Lehre“ (Mainz, 18. September 2017)

Am 18. September 2017 veranstaltete die Themengruppe einen Workshop „Publizieren über die Lehre“ an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Damit sollten Lehrende dabei unterstützt werden, über ihre Lehre zu forschen, zu schreiben und diese Texte auch zu veröffentlichen. Dazu wurden Publikationsformate erörtert und mit HerausgeberInnen und RedakteurInnen von Zeitschriften und Fachverlagen über Stand und Entwicklungsmöglichkeiten einer Publikationskultur in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre diskutiert. (Hier das Programm als pdf-Version.)

Nach einer kurzen Begrüßung durch die Organisatoren Wolfgang Muno (Universität Mainz) und Daniel Lambach (Universität Duisburg-Essen) wurde der Workshop mit einem Keynote-Vortrag von Heidi Maurer (London School of Economics) zum Thema „Publikationskulturen in Europa“ eingeleitet (hier der Vortragstext). Dabei stellte sie heraus, dass sich vor allem ein englischsprachiges Publikationsnetzwerk herausgebildet habe, in das zunehmend auch kontinentaleuropäische Lehrende eingebunden sind. Dennoch gebe es nationale und subdisziplinäre Charakteristika in der Lehre, die in den Texten auch reflektiert werden müssten.

In der anschließenden Diskussion wurden unterschiedliche Sichtweisen deutlich, ob PolitikwissenschaftlerInnen kompetent empirische Bildungsforschung betreiben können. Die eine Seite hob hervor, dass die Methoden denen der Sozialforschung ähnelten, während die andere betonte, dass man sich dafür mit Theorien und Literatur aus der Hochschuldidaktik auseinandersetzen muss, um das Rad nicht neu zu erfinden. Es wurde außerdem angemerkt, dass man bei einem Publikationsvorhaben klären muss, mit welcher geographischen oder fachlichen Community man dadurch ins Gespräch kommen will. Zwar kann man viel von anderen Communities lernen, aber interdisziplinär zu publizieren ist mit besonderen Herausforderungen verbunden.

Danach folgte eine von Mischa Hansel (RWTH Aachen) moderierte Gesprächsrunde mit RedakteurInnen und HerausgeberInnen von Fachzeitschriften. Beteiligt waren:

  • Ray Hebestreit (Universität Duisburg-Essen, Redakteur der Zeitschrift für Politikwissenschaft)
  • Silke Schneider (Wochenschau-Verlag, Journal für politische Bildung, politikum und Zeitschrift für die Didaktik der Gesellschaftswissenschaften)
  • Tanja Brühl (Universität Frankfurt am Main, Mitherausgeberin der Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung)
  • Kai-Uwe Schnapp (Universität Hamburg, Redaktion der Politischen Vierteljahresschrift)

Dabei wurde deutlich, dass der Umgang mit lehrbezogenen Artikeln sehr unterschiedlich ausfällt, vor allem was das Begutachtungsverfahren angeht. Es wurde eine formlosen Kontaktaufnahme zur Redaktion empfohlen, um frühzeitig zu klären, ob ein geplanter Text zur Zeitschrift passt bzw. welches Format sich dafür eignet. Viele Beteiligte berichteten aber auch, dass die Zahl der Einreichungen noch ausbaufähig ist und manche Zeitschriften auch gerne stetiger Texte über Lehrthemen veröffentlichen möchten. Die Resonanz der Leserschaft auf Lehrartikel wurde generell als gut beschrieben, allerdings fiel auch der Begriff der „Reputationsasymmetrie“ zwischen Forschung und Lehre, der im weiteren Verlauf des Workshops immer wieder aufgegriffen wurde. Gemeint ist damit, dass Forschungstexten ein größerer Status zugeschrieben wird als Lehrtexten, auch wenn sie im selben Medium erscheinen – dies würde sich auch erst dann ändern, wenn sich die zugrundeliegende Hochschulkultur hin zu einer größeren Wertschätzung der Lehre entwickele.

Nach der Mittagspause begann der Nachmittag mit einem kurzen Grußwort von Marc Debus (Universität Mannheim) aus dem Vorstand der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW), der aktuelle Aktivitäten und Ziele der DVPW vorstellte und die Gäste dazu aufrief, Lehrthemen in Gremien und Veranstaltungen der Vereinigung einzubringen. Danach stellte Wolfgang Muno die Entstehung des Sammelbands „Europa spielerisch erlernen“ (hrsg. von Wolfgang Muno, Arne Niemann und Petra Guasti) vor, der frisch im Verlag Springer VS erschienen ist. Der Band ist als Teil eines fortlaufenden Lehrprojekts zu verstehen, das seit 2010 läuft und über das ab 2013 verschiedene Texten publiziert worden sind. Jan Treibel (Springer VS) ergänzte den Vortrag aus Verlagssicht. Anschließend berichtete Julia Reuschenbach (Universität Bonn) kurz über den Stand der Planung der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik, die ab 2018 im Wochenschau-Verlag erscheinen wird. HerausgeberInnen der Reihe sind Mischa Hansel, Daniel Lambach und Julia Reuschenbach.

Herzstück des Nachmittags war ein Runder Tisch, an der sich neben den bereits genannten Personen außerdem Benjamin Weiß (Buchredaktion der Bundeszentrale für politische Bildung), Sandra Frey (Nomos-Verlag), Bettina Jorzik (Stifterverband), Meike Hensel-Grobe und Andreas Frings (beide Universität Mainz und MitherausgeberInnen der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Geschichte im Wochenschau Verlag) sowie die weiteren WorkshopteilnehmerInnen beteiligten. Die offene Diskussionsrunde stand unter den Leitfragen „Gibt es eine Kultur des Publizierens über die Lehre? Brauchen wir eine?“ und wurde durch kurze Impulse von Bettina Jorzik, Silke Schneider und Tanja Brühl eingeleitet.

Die Leitfragen wurden nahezu einhellig bejaht. Es war Konsens, dass über die Lehre geredet (und geschrieben) werden muss, um die Reputationsasymmetrie schrittweise zu verkleinern. Wolfgang Muno drückte dies als selbstverständlich aus: „Ich lehre – warum soll ich nicht darüber publizieren?“ Es war jedoch ebenfalls klar, dass Publikationen nur ein Element eines größeren Menüs an Instrumenten zur Gemeinschaftsbildung und Kommunikation rund um die Hochschullehre sind. Das bedeutet, dass eine Publikationskultur ein Teilaspekt der Lehrkultur ist und im entsprechenden Kontext verstanden werden muss.

Mehrere TeilnehmerInnen betonten die Notwendigkeit von Forschung, insbesondere über längere Zeiträume. Wenn wir auch die Lehre auf lange Sicht besser machen wollen, ist eine systematische Beforschung unvermeidlich – bei allem Respekt gegenüber der Aufgabe. Unvollständige Daten sind aber immer noch besser als keine Daten, was der momentane Normalzustand ist. Insbesondere zu längerfristigen Lerneffekten, am besten auch noch über den Studienabschluss hinaus, gibt es nahezu keine Erkenntnisse und großen Forschungsbedarf. In Fachverlagen und Zeitschriften gibt es ein deutliches Interesse an lehrbezogenen Publikationen, hier sollten AutorInnen aber proaktiv den Kontakt suchen.

Es wurde viel über das angemessene Verhältnis einer fachspezifischen Hochschuldidaktik der Politikwissenschaft zur allgemeinen Hochschuldidaktik (sowie teilweise zur schulischen Fachdidaktik) debattiert. Eine Frage war dabei, welche Rolle fachspezifische Publikationen für die Fortbildung des Lehrnachwuchses haben sollen. Einerseits kann es sinnvoll sein, zuerst allgemeine hochschuldidaktische Grundkenntnisse zu erwerben und diese durch fachbezogene Methoden zu konkretisieren, andererseits sind Lehrmethoden sehr kontextuell, so dass Nachwuchslehrkräfte mit allgemeindidaktischen Ratschlägen eventuell wenig anzufangen wissen.

Es wurde betont, dass man von der allgemeinen Hochschuldidaktik methodisch und theoretisch viel lernen könne. Weniger klar war dagegen, wie man als fachlich Lehrende etwas zurückgeben kann – obwohl von Seiten der Hochschuldidaktik durchaus Interesse an so einem Austausch formuliert wird. Publikationen in allgemeindidaktischen Outlets werden im Fach noch weniger honoriert und natürlich auch nach anderen Standards begutachtet. Das macht die Kommunikation über Fächergrenzen schwerer und unattraktiver.
Diese Diskussionen führten immer wieder zur Grundfrage zurück, was den Kern der Politikwissenschaft ausmacht und was dies für die Hochschuldidaktik des Fachs bedeutet? Was bedeutet „politisches Denken“ und wie können wir es vermitteln? Diese Fragen konnten naturgemäß nicht aufgelöst werden, da dies eine längerfristige Konversation darstellt, die im Rahmen der Themengruppe und andernorts fortgeführt werden muss. Dabei muss vor allem differenziert werden: Erstens entwickelt sich auch die Hochschuldidaktik eines Fachs weiter – ähnlich wie die Forschung zeigen sich dort Paradigmen, die zum Teil widersprüchlich sind und einem Evolutions- und Revolutionsprozess unterliegen. Zweitens zeichnet sich ab, dass man auch innerhalb der Politikwissenschaft didaktisch unterscheiden muss. In unterschiedlichen Teilbereichen gibt es deutlich unterschiedliche Lehrparadigmen, wie alleine der Vergleich von politischer Theorie und Ideengeschichte mit Methoden der Politikwissenschaft verdeutlicht. Insofern ist auch hier Differenzierung möglich und notwendig.

Nach Abschluss der Diskussionsrunde wurde der Workshop mit einem Vernetzungstreffen beendet, bei dem AutorInnen, HerausgeberInnen und VerlagsvertreterInnen Publikationsmöglichkeiten im Rahmen einer Buchausstellung besprechen konnten. Insgesamt unterstrich der Workshop, dass sich eine deutliche Dynamik in Richtung einer Publikationskultur über die Hochschullehre abzeichnet, die aber vorangetrieben und mit Leben erfüllt werden muss. Insofern wird dies nicht die letzte Beschäftigung mit dem Thema „Publizieren über die Lehre“ sein.

Advances in Teaching and Learning in Higher Education – Ein Bericht von der 11. General Conference des ECPR in Oslo

Dies ist ein Gastblog von Matthias Freise (Universität Münster).

Vom 6. bis 9. September fand die 11. General Conference des European Consortium of Political Research (ECPR) an der Universität Oslo statt. 2.061 Teilnehmerinnen und Teilnehmer reichten 1.966 Papiere ein, die in den 467 Panels der 72 angemeldeten Sektionen vorgestellt und diskutiert wurden. Nie zuvor erfreute sich eine Konferenz des Dachverbandes der europäischen politikwissenschaftlichen Institute einer derartigen Resonanz. Zugleich wurde allerdings auch ersichtlich, dass das ECPR mit seiner Konferenz langsam an die Grenzen des Machbaren stößt, finden sich doch immer weniger Institute, die die General Conference ausrichten möchten oder können. Das ist nicht verwunderlich, dürfte es doch nicht viele Universitätsstädte in Europa mit 2.000 Hotelbetten im mittleren Preissegment geben.

Wie bereits in den Vorjahren widmete das ECPR auch in Oslo eine Section dem Oberthema „Advances in Teaching and Learning in Higher Education“. Verantwortet wurde die Section mit ihren sechs Panels und 23 Papieren von Gabriela Pleschova (University of Economics, Bratislava) und Chris Goldsmith (De Montfort University, Leicester). Einige der Papiere sind im digitalen Paper Room der Konferenz eingestellt worden und können dort heruntergeladen werden. Leider ist der Online-Auftritt des ECPR alles andere als übersichtlich und die einzelnen Papiere sind nur mühsam aufzuspüren. Hier geht es zur Themenübersicht der Panels in der Section, in denen wiederum die einzelnen Papiere aufgelistet sind und heruntergeladen werden können, wenn die Autorinnen und Autoren sie dazu freigegeben haben.

Ergänzt wurde die Section durch einen Roundtable zum Thema “The Consequences of the Internationalization of Political Science Education”. Unter Leitung von Eszter Simon (University of Birmin-gham) diskutierten John Ishiyama (University of North Texas), Carolina Curvale (FLACSO, Ecuador), Meng-Hsuan Chou (Nanyang Technological University, Singapore), Agnes Simon (Masaryk University, Brünn) und Erkki Berndtson (University of Helsinki), welche Herausforderungen sich aus der anhaltenden Internationalisierung für das Fach ergeben. Einig waren sich die Diskutantinnen und Diskutanten, dass sich vor allem in Europa nationale Hochschulsysteme mit der Internationalisierung schwertun. Forschende bedienen sich der englischen Sprache zwar mittlerweile als Lingua Franca, in der Lehre sind englischsprachige Kurse vielerorts aber die Ausnahme. Zusätzlich gehemmt werden Austauschprogramme und Lehrkooperationen nicht selten auch durch die Universitätsverwaltungen, die dem Englischen noch sehr viel reservierter gegenüberstehen. Auch der Bologna-Reform wurden bestenfalls Teilerfolge bescheinigt. Das eigentliche Ziel, nämlich Studiengänge zu modularisieren und damit Studienleistungen zwischen den nationalen Hochschulsystemen austauschbar zu gestalten, ist in der Politikwissenschaft bislang häufig nicht verwirklicht, da es der Disziplin nicht gelungen sei, einen Kanon oder zumindest Mindeststandards der politikwissenschaftlichen Ausbildung zu definieren, was allerdings einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch vehement ablehnten.

Die einzelnen Panels der Section fokussierten auf sehr verschiedene Aspekte. Gleichwohl ließen sich einige Trends der politikwissenschaftlichen Hochschullehre ausmachen. Eine wichtige Entwicklung ist die verstärkte Einbeziehung außeruniversitärer Akteure in die Ausbildung von BA- und MA-Studierenden. So befasste sich ein ganzes Panel mit der Frage, wie sich durch Praktika und andere Kooperationsprojekte die Employability von Studierenden der Politikwissenschaft erhöhen lässt und diskutierte Qualitätsanforderungen an Praktika und Projektkurse.

Auch die Effektivität neuer (und alter) Lehrinstrumente war Gegenstand der Section. Wie lassen sich Studierende für das Lesen komplexer Fachliteratur begeistern? Welchen langfristigen Lerner-folg zeitigen Politiksimulationen und wie lassen sie sich sinnvoll planen? Wie und mit welchen Instrumenten lässt sich forschendes Lernen bereits in frühen BA-Kursen verwirklichen? Mit welchen Lehrmethoden wird man autistischen Studierenden gerecht? Und wie kann man in einem flipped classroom Wahlforschung betreiben?

Ein eigenes Panel beschäftigte sich mit der Frage, wie mit Kunst und Populärkultur politikwissenschaftliche Lehre sinnvoll bereichert werden kann. Das Panel schloss damit an eine Diskussion während der General Conference 2016 in Prag an, die den Einsatz von Spiel- und Dokumentarfilmen im Seminar thematisierte. Das Panel in Oslo setzte diese Diskussion fort und zeigte Möglichkeiten und Grenzen „kreativer Pädagogik“ auf.

In der Gesamtschau ist erfreulich, dass sich das ECPR verstärkt Themen der Hochschullehre widmet und die Zahl der Beiträge im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegen ist. Auch die Resonanz des Publikums ist zu würdigen. Wurden hochschuldidaktische Panel in der Vergangenheit gerne einmal auf den Samstagnachmittag geschoben, waren sie diesmal über die gesamte Konferenz verteilt und stießen durchaus auf Interesse. Vor allem der Roundtable war überaus gut besucht und füllte einen ganzen Hörsaal. Kritisch ist allerdings anzumerken, dass die einzelnen Beiträge nach wie vor häufig über den Status von Einzelfallstudien und Best Practice Beispielen nicht hinaus-kommen. Das ist teilweise fruchtbar, da die Papiere wertvolle Anregungen für einen Policy-Transfer in andere Hochschulräume liefern. Auf der anderen Seite ist die europäische Politikwissenschaft im Vergleich zu anderen Disziplinen weit von einer Systematisierung der Hochschullehre entfernt. Zudem fehlen noch immer fundierte Erhebungen über die Effekte (politikwissenschaftlicher) Lehrmethoden.

Die nächste General Conference des ECPR findet vom 22. bis zum 25. August 2018 in Hamburg statt. Vorschläge für Sektionen können ab dem 15. September 2017 eingereicht werden. Die Ausschreibung findet sich hier.

Interaktive Tests zwischen Lernerfahrung und Prüfungsterror

Dies ist ein Gastbeitrag von Achim Kemmerling (Central European University)

 

Multiple Choice Tests (MCs) sind ein zweischneidiges Schwert: einerseits sind sie äußerst mechanisch, bisweilen langweilig, aber auch schonungslos; andererseits häufig unausweichlich. Gerade zur Literaturkontrolle gibt es wenige Prüfungsformen, die effizienter wären. Als Student fand ich sie jedoch vor allem phantasielos.

Daraus ergibt sich die Frage, wie man MCs in interessante Prüfungen für alle Beteiligten verwandeln kann. Interaktive Tests sind hier eine lohnenswerte Alternative, vor allem, weil man sie mittlerweile computergestützt erstellen kann. Interaktiv heisst dabei, dass der Test auf die individuellen Antworten der StudentInnen reagiert. Im einfachsten Fall kann das einfach nur unmittelbares und detailliertes Feedback sein, in komplexeren Fällen passen sich die Fragen dem Wissen der StudentInnen an (siehe Abbildung für ein Beispiel).

Abbildung: Beispiel für eine Frage mit unmittelbarer Feedback Funktion

Schon die Idee, Evaluierung und Feedback unmittelbar miteinander zu verknüpfen, ist ein wesentlicher Fortschritt. Das Problem mit MCs und vielen anderen Prüfungsformen ist ja, dass man immer erst (z.T. viel) später mit Sicherheit weiß, was gelungen, was schiefgelaufen ist. Diese zeitliche Trennung von Reaktion und Sanktion, von Antwort und Feedback, macht aus MCs reine Evaluierungsinstrumente, aber sie erlauben kaum dynamisches Lernen im Sinne von trial and error. Generell ist das Zusammenlegen von Feedback und Evaluierung eine wichtige, wenn auch manchmal delikate, Idee (in Seminararbeiten z.B. über ein Revise&Resubmit-Verfahren möglich, oder bei Präsentationen durch Feedback in der Gruppe). Tatsächlich können interaktive Tests Lernergebnisse steigern (studie, studie). Ein Student beantwortet eine Frage falsch, bekommt dies mitgeteilt, und er kann dann einen zweiten, dritten etc. Versuch unternehmen. Man kann auch Hinweise in das Feedback einstreuen und so den Evaluierungs- und Lernprozess miteinander koppeln.

Und wie gesagt, solche Interaktiven Tests können noch wesentlich mehr, sie können adaptiv auf das Antwortverhalten reagieren. Wenn etwa bei Statistiktests offensichtlich wird, dass bestimmte Fragen zu schwierig sind für den Prüfling, kann sich das Niveau oder der Inhalt darauf anpassen. Sehr intelligente Tests können sogar die Wissenslücken systematisch einkreisen und Handlungsempfehlungen geben (‚Lesen Sie bitte das Kapitel X in Lehrbuch Y nach.‘) Das kann, je nach Prüfungssystem, natürlich zu Vergleichbarkeitsproblemen zwischen StudentInnen führen, aber zumindest als Lehr- und Lerninstrument ist dies eine hervorragende Möglichkeit.

Was den Zeitaufwand anbetrifft sind interaktive MCs natürlich erst einmal zusätzliche Arbeit. Jedoch handelt es sich dabei i.d.R. um einen einmaligen Aufwand, der sich im Zeitablauf lohnen kann. Zudem spart man sich das lästige Korrigieren. Das größere Problem, dem ich in der Praxis begegnet bin, liegt jedoch in der menschlichen Psyche. Die Prüfungsangst, die sich schon bei normalen MCs einstellt, kann sich in der computergestützten Version noch verstärken. In einem Fall ging das soweit, dass der Student das Passwort für den Test mehrmals hintereinander falsch eintippte – ich stand daneben und sah ihm fasziniert zu – und felsenfest der Überzeugung war, dass es an seiner Seite oder unserem Passwort läge.

In einem provisorischen Vergleichstest Papier und Stift vs. Computer stellte sich dann heraus, dass StudentInnen zwar die Computer-Variante insgesamt bevorzugten, jedoch auch erhöhten Stress in der Testsituation spürten. Auch die Atmosphäre von Computer Labs ist für manche Studenten eine Herausforderung. Über Moodle kann man das natürlich auch mit eigenen Laptops im Kursraum durchführen, aber auch dies kann neue Stressfaktoren erzeugen.

Nebenbei bemerkt: Es gibt vermutlich Situationen, in denen diese Belastung als legitimer Teil der Evaluierung gesehen wird. Leistung ist immer auch Leistung unter gegebenen Restriktionen. Dennoch ist ein zuviel wohl kontraproduktiv. Zumindest muss die psychische Belastung eingeplant werden.

Daher entwickle ich derzeit tiefergehende Experimente, um zu sehen, ob sich diese Prüfungsangst bzw. die zugrundeliegende Stresssituation mildern lässt. Das Experiment soll mehrere Testvarianten vergleichen: unterschiedliche Designs (Wie sieht der Test aus, wie das Feedback? Die Standardeinstellung bei Moodle sind zum Beispiel keineswegs ansprechend), unterschiedliche Sequenzierung und Staffelung von Fragen, sowie unterschiedlich ‚intelligente‘ Fragen, die sich dem Niveau anpassen. Das ganze Projekt ist bislang noch in der Entwicklungsphase, und ich würde mich über Austausch, ähnlichen Erfahrungen etc. sehr freuen. Es kann sich lohnen, denn die ersten Versuche zeigen, dass man mit kleverem Design MCs sehr produktiv in die Lehre einbauen kann.

Gastblogs zur politikwissenschaftlichen Hochschullehre gesucht

Wir haben in unserem Blog schon mehrfach Gastbeiträge veröffentlicht, z.B. zum Forschenden Lernen mit Kooperationspartnern, zu Erfahrungen mit einer Schreibwerkstatt, zum Einsatz von Abstimmungssystemen oder zu blended learning. Die Resonanz auf diese Texte war stets sehr gut und wir laden deshalb zur Einsendung neuer Blogbeiträge ein.

Warum gastbloggen?

  • Der Blog ist ein zentrales Mittel zum Austausch in unserer Gemeinschaft aktiver Lehrender. Durch einen Blogbeitrag teilen wir unsere Erfahrungen miteinander, regen gegenseitig die Kreativität an und unterstützen uns in unserer Lehrpraxis.
  • Der Blog macht unsere Arbeit in der Lehre sichtbar. Unsere Webseite hat derzeit täglich ca. 10-20 Besucher, Blogeinträge erhalten über die Zeit sehr viele Zugriffe. Beiträge werden in allen Suchmaschinen indexiert. Der Blog ist somit eine hervorragende Möglichkeit, für ein Thema zu werben und mit diesem Thema verbunden zu werden.
  • Wir bewerben neue Beiträge über Twitter (freuen uns aber auch, wenn AutorInnen uns bei der Öffentlichkeitsarbeit für ihre Beiträge unterstützen, z.B. durch Facebook-Posts oder Verlinkung von anderen Seiten).
  • Über die Lehre zu schreiben hilft auch bei einer systematischen Selbstreflektion und trägt zur weiteren Verbesserung der eigenen Lehrpraxis bei.

Gastblogs sollten ca. 500-800 Wörter umfassen und auch für Nicht-Spezialisten zugänglich sein. Von der Möglichkeit, tiefergehende Informationen einzubinden, z.B. zu Publikationen, Projektberichten oder Webseiten, sollte reger Gebrauch gemacht werden.

Thematisch kommt für einen Gastbeitrag alles mit einem Bezug zur politikwissenschaftlichen Hochschullehre in Frage. Praxisbeispiele werden natürlich gern genommen, aber Gastbeiträge können sich aber auch mit normativen oder wissenschaftspolitischen Fragen der Lehre befassen. Blogeinträge sollten eine persönliche Note haben, z.B. durch die Darstellung eigener Standpunkte oder Bezug auf eigene Praxiserfahrungen.

Beiträge können als doc/docx-Datei an info(ÄT)hochschullehre-politik.de eingesendet werden. Eine Vorabsprache ist nicht nötig, aber bei Fragen stehen wir unter dieser Adresse natürlich gerne zur Verfügung.

[EDIT: Zugriffszahlen aktualisiert.]

Schreiben über die Hochschullehre

Bei unserer sehr interessanten Jahrestagung habe ich einen Vortrag zum Schreiben über die Hochschullehre gehalten. Dieses Thema beschäftigt mich schon länger und als Co-Sprecher der Themengruppe ist es mir ein wichtiges Anliegen, zur Entwicklung einer Publikationskultur rund um die politikwissenschaftliche Hochschullehre beizutragen. Mit „Publikationskultur“ meine ich eine verbreitete und selbstverständliche Erwartung, dass politikwissenschaftlich Lehrende über ihre Lehre schreiben und diese mit wissenschaftlichen Methoden beforschen, dass diese Texte rezipiert werden und ihnen ein angemessener Status als wissenschaftliche Leistung zugeschrieben wird. Ich beobachte in den letzten zwei Jahren, wie sich dieses lange brachliegende Feld langsam entwickelt – nicht nur innerhalb der Themengruppe, sondern auch von Seiten von Zeitschriften und Verlagen gibt es ein zunehmendes Interesse.

Um auch diejenigen zu erreichen, die nicht nach Aachen kommen konnten, wollte ich den Vortrag ohnehin nochmal in diesem Blog präsentieren. Diese hehre Absicht war zunächst aufgrund einiger drängender Publikationsprojekte und der Osterferien zurückgestellt worden, aber nachdem die Kolleginnen von Lehrgut schon über das Panel berichtet hatten, wurde es jetzt wirklich höchste Zeit.

In meinem Vortrag habe ich einige Informationen zusammengefasst, die ich bereits in früheren Blogeintragen präsentiert hatte. Vorangestellt habe ich eine genauere Begründung, warum wir überhaupt über unsere Lehre schreiben sollten. Da sehe ich vor allem vier Gründe:

  1. Das Schreiben ermöglicht eine systematische Reflektion über die eigene Lehre und hilft somit auch bei deren weiterer Verbesserung. Gerade wenn man etwas neues ausprobiert hat, muss man ja kritisch prüfen, ob es funktioniert hat. Eine ausführliche Evaluation mit den Studierenden liefert Daten, die Grundlage eines Artikels sein können – da ist der Zusatzaufwand des Publizierens gar nicht mehr so groß. Umgekehrt betreibt man eine Evaluation gleich viel ernsthafter, wenn man sie (auch) zur Erhebung von Forschungsdaten einsetzt.
  2. Eine Publikationskultur hilft bei der Weiterentwicklung unserer ganzen Disziplin. Es wird momentan noch nicht viel über Lehre publiziert, aber viele KollegInnen interessieren sich für neue Ideen. Und wer nicht zu unseren Veranstaltungen kommt, kann auf diesem Weg neue Impulse bekommen. Umgekehrt gilt das natürlich auch: Wer publiziert, liest auch. Man kann sich über die Rezeption von Veröffentlichungen schnell in neue Themen einarbeiten.
  3. Publizieren trägt auch zur Herausbildung einer Gemeinschaft aktiver Lehrender bei. Wir als politikwissenschaftlich Lehrende werden dadurch in der Community der Politikwissenschaft sichtbarer und können damit stärker für unsere Anliegen eintreten. Aus diesem Grund hat unsere Webseite auch eine Liste der lehrbezogenen Publikationen aller Gruppenmitglieder.
  4. Nicht zuletzt gibt es auch individuelle, professionell-strategische Anreize: Veröffentlichungen sind generell gut für die eigene Karriere. Dies gilt auch für lehrbezogene Texte, allerdings muss man hier differenzieren, in welchen Feldern publiziert wird: Eine Veröffentlichung in der Zeitschrift für Politikwissenschaft wird von der Fachcommunity sicher anders bewertet als eine in der Zeitschrift für Hochschulentwicklung.

Wer sich für das Thema interessiert, kann hier die Folien meines Vortrags herunterladen. Außerdem planen wir eine Veranstaltung im September 2017, die sich mit dem Publizieren über die Lehre beschäftigen wird. Um über die weitere Planung diesbezüglich auf dem Laufenden zu bleiben, kann man einfach unsere Mailing-Liste abonnieren oder ab und zu auf dieser Webseite nachsehen.