Vierte Jahrestagung politikwissenschaftliche Hochschullehre – eine persönliche Nachlese

Gestern ging die vierte Jahrestagung politikwissenschaftliche Hochschullehre in Münster zuende. Ein richtiger Tagungsbericht folgt noch, aber ich habe aus den Diskussionen acht Punkte mitgenommen, die ich besonders interessant fand. Ich habe diese als Twitter-Thread gepostet, möchte sie hier aber nochmal sammeln:

  1.  Es fehlt an einer Praxis des Mentoring in der Lehre. Vorgesetzte sollten ihre MitarbeiterInnen nicht nur in der Forschung sondern auch in Lehre und Beratung coachen. Das kann durch Hospitation und anderes Feedback durch Peers und #hochschuldidaktik ergänzt werden.
  2. Es ist eine weiterhin ungelöste Frage, was PolitikwissenschaftlerInnen nach ihrem Abschluss können sollen. Die Antworten darauf werden sich nach Standorten unterscheiden, aber es findet wenig Verständigung darüber statt.
  3. Bildet sich Teaching & Learning als eigenes Subdisziplin der #Powi heraus? In anderen europäischen Ländern ist das schon weiter fortgeschritten, aber der AK #powilehre hat dazu beigetragen, dass das auch in Deutschland geschieht.
  4. Der Gegensatz E-Learning vs. Präsenzlehre ist passé. Der neue Standard ist digitale Mittel zur Unterstützung, Ergänzung, Flankierung von synchronen Lehrformaten, ob online oder offline. Studierende brauchen solche “Lagerfeuer”, um die sie sich versammeln können.
  5. Praxisorientierte Lehre wird im Fach als zweitrangig gegenüber forschungsorientierter Lehre angesehen. Viele KollegInnen möchten am liebsten ihre künftigen DoktorandInnen heranziehen. Angesichts der Realitäten der universitären Arbeitswelt geht das aber nicht mehr.
  6. Die #Powi nutzt #OER bisher nahezu gar nicht. Dem stehen fachkulturelle Gründe, ein Fehlen fachbezogener Infrastruktur und vielleicht auch die eher “breite”, wenig kumulative Form von Wissensbeständen im Weg.
  7. Die DVPW kann einen Beitrag dazu leisten, die strukturelle “Unter-Würdigung” der Lehre abzubauen. Wir werden mit dem Vorstand arbeiten, um Diskussionen darüber anzustoßen, wie man Profil und Ansehen der Lehre in der #Powi verbessern kann.
  8. Lehre ist eines der besten Mittel, um als Fach #Powi in die Gesellschaft hinein zu wirken.

Wer den Twitter-Thread im Original sehen möchte, sei hierhin verwiesen:

Was meint Ihr da

Call for Papers: Hochschullehre in der Politischen Theorie und Ideengeschichte

Am 10.-11. Mai 2019 findet mit Unterstützung des AK Hochschullehre ein Workshop für
den Austausch zwischen Theorielehrenden und Hochschuldidaktiker*innen mit dem Titel „Hochschullehre in der Politischen Theorie und Ideengeschichte: Selbstverständnis, Praxis, Perspektiven“ statt. Geplant sind Impulsreferate der Workshop-Teilnehmer*innen sowie ein Roundtable zu spezifischen Herausforderungen und Perspektiven der Lehre Politischer Theorie/Ideengeschichte.

Vorschläge für Beiträge können bis zum 28. Februar 2019 bei Dr. Dannica Fleuß eingereicht
werden (Email-Adresse siehe pdf-Version des Call). Im Anschluss daran wird bis zum 15. März das Programm zusammengestellt und veröffentlicht. Bitte beachten Sie, dass Ihre Beiträge eine Vortragszeit von 15 Minuten nicht überschreiten sollten.

 

Hochschullehre in der Politischen Theorie und Ideengeschichte: Selbstverständnis, Praxis, Perspektiven

Ausgangspunkt für den geplanten Workshop ist der – aus der eigenen Lehrerfahrung gewonnene und von zahlreichen Kolleg*innen gespiegelte – Eindruck, dass die Lehre Politischer Theorie mit besonderen Herausforderungen verbunden ist bzw. in einer besonderen Vielzahl von Hinsichten ‚scheitern‘ kann. Ist dieser Eindruck aber begründet, und, wenn ja, wodurch? Liegt es am spezifischen Gegenstand der Politischen Theorie, am besonderen Selbstverständnis Politischer Theoretiker*innen, oder mangelt es schlicht an didaktischen Kompetenzen?

Mit dem Workshop wollen wir einen Austausch über diese und ähnliche Fragen anstoßen, mit dem insbesondere auch ausgelotet werden soll, welche weiteren Perspektiven sich hieraus ergeben und inwiefern Bedarf und Potenzial für die Etablierung eines längerfristigen Austauschs- und Diskussionszusammenhangs bestehen. Zu diesem Zweck scheinen uns die Auseinandersetzung mit den folgenden Themenblöcken besonders vielversprechend:

Selbstverständnis
Die Frage danach, was Gegenstandsbereich und Aufgabe der Politischen Theorie ist, wird unter Politischen Theoretiker*Innen kontrovers diskutiert. Deutungsoffen bzw. umkämpft ist damit auch das Selbstverständnis Theorielehrender: Welche Aufgabe hat die Lehre Politischer Theorie, welche Funktion hat sie in gesamtgesellschaftlicher Perspektive und im Rahmen der Lehre der arbeitsteilig organisierten Disziplin Politikwissenschaft? Wie konzeptualisieren wir unsere Rolle als Lehrende in der Politischen Theorie und worin sehen wir aktuelle Herausforderungen dieser Selbstverständnisse (z.B. durch die Veränderung von Studierendenzusammensetzungen und Studiengangreformen oder vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen)? Zu fragen ist möglicherweise außerdem, in welcher Hinsicht sich in der Lehre Politischer Theorie der zu vermittelnde Gegenstand von demjenigen in den übrigen Teilbereichen der Politikwissenschaft unterscheidet und inwiefern sich daraus  spezifische Herausforderungen ergeben – bzw. welche Herausforderungen mit den übrigen Teilbereichen (oder auch benachbarten Fächern) geteilt werden.

Praxisberichte
Didaktische Konzepte und Konzeptualisierungen von Aufgabenstellung und Gegenstandsbereich(en) der Politischen Theorie müssen in Lehrpraxis übersetzt werden. Wir freuen uns daher über Erfahrungsberichte aus Ihrer Lehrpraxis: Welche Seminarformate und Seminarkonzepte haben Sie im Rahmen Ihrer Lehre umgesetzt? Mit welchen Formaten haben Sie versucht, themen- oder kontextgebundene Herausforderungen der Theorielehre zu adressieren? Mit welchen Seminarkonzepten, unter Einbindung welcher Techniken, Strategien oder Medien ist es Ihnen gelungen, inhaltlich schwer vermittelbare oder politisch problematische Themen erfolgreich zu kommunizieren?

Vergleichende Perspektive
Die Konzeptualisierungen, Aufgabenbeschreibungen und Zielsetzungen der Lehre Politischer Theorie sind national und international in diverse disziplinäre sowie kulturelle bzw. politische Kontexte, Hochschulsysteme und Studiengänge eingebettet. Wir möchten daher fragen: Wie wird Theorielehre in diesen verschiedenen Kontexten praktiziert? Welche für die Lehre Politischer Theorie spezifischen – didaktischen und inhaltlichen – Herausforderungen werden im Vergleich verschiedener Kontexte transparent? Welche Strategien auf diese Herausforderungen zu antworten werden in verschiedenen Ländern, Hochschulsystemen und Studiengängen angewendet? Wie gehen Lehrende im In- und Ausland mit kulturell bzw. politisch sensiblen Themen und Fragestellungen in der Lehrpraxis um? Wir freuen uns in diesem Themenblock über explizit vergleichende Perspektiven, auch aber über Berichte von Lehrenden, die nicht im ‚Mainstream‘ der deutschen Politikwissenschaft unterrichten (international, an Fachhochschulen, etc.) tätig sind.

Call for Papers als pdf-Version

Programm der vierten Jahrestagung des AK Hochschullehre (Münster, 25.-26.2.2019)

Rechtzeitig zum Semesterendspurt können wir endlich das Programm der vierten Jahrestagung des AK Hochschullehre veröffentlichen. Wir haben wieder ein sehr vielseitiges Programm mit Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden zu den Themen “Vielfalt und Weitblick in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre” zusammengestellt. Außerdem gibt es wie immer viele interessante Beiträge aus der Lehrpraxis.

Höhepunkt der Tagung ist eine Podiumsdiskussion mit dem DVPW-Vorsitzenden Prof. Armin Schäfer, Prof. Andrea Szukala (Professorin für Fachdidaktik der Sozialwissenschaften), Dr. Ray Hebestreit (Studiengangskoordinator) und Marcus Lamprecht (Politikstudierender und Vorstandsmitglied im fzs) zum Thema “Wie wollen wir lehren? Herausforderungen und Zukunft politikwissenschaftlicher Lehre”.

Anmeldungen sind bis zum 10. Februar per formloser Email an l_menz01(ÄT)uni-muenster.de möglich. Alle Informationen finden Sie in unserem Programm (pdf) oder unter https://www.hochschullehre-politik.de/aktivitaeten/veranstaltungen/jahrestagung-2019-muenster/.

Wir freuen uns darauf Sie zahlreich in Münster (wieder) zu sehen und wünschen einen erfolgreichen Abschluss der Vorlesungszeit!

Normativität in der Hochschullehre – ein Forum in der Politischen Vierteljahresschrift

Die Politische Vierteljahresschrift (PVS) ist nicht irgendeine Fachzeitschrift. Sie ist das Hausblatt der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft und sicher die angesehenste deutschsprachige Fachzeitschrift unseres Fachs im Lande. Sie ist sehr traditionsreich und hat im Jahr 2018 bereits ihren 59. Band herausgegeben. In all dieser Zeit war sie – von einzelnen Ausgaben abgesehen – recht zurückhaltend, wenn es um die Hochschullehre ging.

Doch das hat sich mit dem unlängst erschienenen Heft 4 geändert. Erstmals ist darin ein Forum zum einem lehrbezogenen Thema erschienen, das die AK-SprecherInnen organisiert und herausgegeben haben. Herausgeber Kai-Uwe Schnapp erläutert in seinem Editorial, dass die Zeitschrift „sich aktiv für das Thema ‚Hochschullehre‘ öffnen“ will, und nennt dafür vier Gründe: die Lehre als eine der Kernaufgaben des Fachs, der gesellschaftliche Auftrag der Wissenschaft, das Fehlen einer systematischen Vorbereitung auf Lehrtätigkeiten sowie die Lehre als ein das Fach integrierendes Feld. „Somit verdient die Lehre auch einen Platz in unserem publizistischen Schaffen und in der PVS.“

Dem können wir nur zustimmen! Der AK Hochschullehre begrüßt diese Öffnung der PVS außerordentlich und ruft zur Einsendung lehrbezogener Texte auf, um die sich bietende Chance auch angemessen zu nutzen.

Das Thema des Forums lautet „Normativität in der Hochschullehre“, ein angesichts gesellschaftlicher und politischer Polarisierung hochaktuelles Thema. Die einzelnen Beiträge befassen sich mit unterschiedlichen Teilfragen aus unterschiedlichen Teilgebieten des Fachs und bieten reichlich Stoff für weitere Diskussionen:

  • Hansel, Mischa; Lambach, Daniel; Reuschenbach, Julia (2018): Im Schatten der Krise: Über Normativität in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre. In: Politische Vierteljahresschrift 59:4, 713-717. (link)
  • Eckl, Julian (2018): Theorien als latente Quellen von Normativität und Verantwortung in der Hochschullehre: Die Bedeutung von didaktischen und fachspezifischen Theoriedebatten am Beispiel des politikwissenschaftlichen Teilgebiets „Internationale Beziehungen“. In: Politische Vierteljahresschrift 59:4, 737-757. (link)
  • Fleuß, Dannica (2018): Politische Theorie anwendungsbezogen lehren. Lehrende zwischen normativer Zurückhaltung und kritischer Stellungnahme. In: Politische Vierteljahresschrift 59:4, 719-736. (link)
  • Brühl, Tanja; Gereke, Marika; Ottendörfer, Eva (2018): Mehr Normativität wagen: Ein Plädoyer für eine reflexive Grundhaltung in der politikwissenschaftlichen Lehre. In: Politische Vierteljahresschrift 59:4, 759-778. (link)

Was bedeutet Studierendenzentrierung?

Ich bin morgen beim Tag der Lehre der Leuphana Universität zu Gast und werde bei einem Workshop einen Input zu Studierendenzentrierter Lehre im Inverted Classroom geben. Zu diesem Anlass habe ich mich in die Literatur gestürzt, um das Konzept der Studierendenzentrierung besser zu verstehen. Der Begriff ist zwar intuitiv zugänglich und ich habe ihn auch schon öfter benutzt, hatte mich aber bislang noch nicht näher damit beschäftigt.

Was ist also Studierendenzentrierung? Leider gibt es dafür – ebensowenig wie für den englischsprachigen Begriff des „student-centered learning“ – keine einheitliche Definition (aber das sollte einen Sozialwissenschaftler nicht überraschen). Zur Annäherung an den Begriff fand ich zwei Brücken hilfreich. Erstens über einen Gegensatz: unter Lehrendenzentrierung kann man die Annahme verstehen, dass die didaktische Lehrdarbietung durch die Lehrperson die Ursache des Lernprozesses sei, während Studierendenzentrierung die Studierenden und deren Aktivitäten als ursächlich für den Lernprozess ansieht. Zweitens ist Studierendenzentrierung keine Handlungsanweisung und keine didaktische Idee, sondern eine Haltung, nämlich Lehre vom Lernen her zu denken.

Wir reden heute soviel darüber, weil der Begriff in verschiedenen Deklarationen im Bologna-Prozess prominent als Standard für gute Lehre auftaucht. Im selben Kontext begegnet man öfter der Phrase vom „shift from teaching to learning“. Gleichzeitig haben sich in den letzten Jahrzehnten die Paradigmen in der Didaktik gewandelt, wo der Konstruktivismus ältere Ansätze wie Behaviorismus und Kognitivismus verdrängt hat. Lernen wird daher heute als aktiver Prozess der Wissensgenerierung verstanden, welcher an bestehende Wissensbestände anknüpft.

Studierendenzentrierung als Standard oder Anspruch ist mit mehreren Zielen verknüpft, beispielsweise die Entwicklung der metakognitiven Fähigkeiten der Studierenden, also „das Lernen lernen“. Weiterhin soll durch Ownership mehr Motivation entstehen, indem Studierende ihren Lernprozess mitgestalten können. Nicht zuletzt sollen durch Freiräume zum Handeln und Ausprobieren anspruchsvollere Kompetenzen entwickelt werden als es bei lehrendenzentrierten Formaten möglich ist.

Studierendenzentrierte Lehre soll sich in der Praxis u.a. durch die folgenden Merkmale auszeichnen:

  • Studierende erhalten Verantwortung für den eigenen Lernprozess und die dafür notwendige Autonomie
  • Die Rolle der Lehrenden verändert sich dahingehend, dass sie den Lernprozess unterstützen und weniger anleitend tätig sind. Es bestehen Interdependenz und gegenseitiger Respekt zwischen Lehrenden und Lernenden.
  • Aktive statt passive Lernformen
  • Fokus auf vertieftes Lernen und dem Verstehen von Inhalten
  • Outputdenken: es geht darum was die Studierenden hinterher können, nicht was man ihnen erzählt (Input)

Um dies umzusetzen, benötigt es einen tiefgreifenden Kulturwandel der Lehre u.a. durch Kontextsensivität bei der Lehrplanung, fortlaufende Reflexion, diversitysensible Lehre und die systematische Einbeziehung von Studierenden in die Entwicklung von Kursen und Curricula.

Das sind hehre Ziele. Und normativ habe ich an Studierendenzentrierung nicht auszusetzen – aus meiner Sicht legitimiert sich jegliche Lehre durch die Wirkungen, die sie bei Studierenden hinterlässt. Allerdings pflege ich einen pragmatischen Umgang mit diesen Ansprüchen, weil sie immer im Rahmen praktischer Zwänge umgesetzt werden müssen. Und diese Zwänge sind substanziell – ein Lehrdeputat, das sich bei manchen Lehrenden im zweistelligen SWS-Bereich bewegt, teils völlig überlaufene Seminare und Vorlesungen. Unter solchen Umständen kann man diesen Zielen nicht vollständig entsprechen.

Dennoch sollte man das Ziel der Studierendenzentrierung nicht vorschnell mit Hinweis auf Sachzwänge verwerfen. Einige der Ideen lassen sich ohne großen Zusatzaufwand im bisherigen Rahmen umsetzen. Es macht für ein Seminar einen gewichtigen Unterschied, ob ich darin die Studierenden nur Referate halten lasse, oder ob ich es aktivierend, flexibel und kompetenzorientiert anlege. Mein bildungspolitisches Fazit ist daher, dass wir die größten Probleme unserer Lehre entlang dieser Ideen beheben sollten, ohne die Studierendenzentrierung zum Standard für alle Lehre zu überhöhen, zumindest nicht bis sich die Grundausstattung der Hochschulen deutlich verbessert.

Prüfen in politikwissenschaftlichen Studiengängen – Ein Interview mit Petra Stykow

Anlässlich des Starts der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik beim DVPW-Kongress 2018 veröffentlichen wir eine Serie kurzer Interviews mit den Autorinnen und Autoren.

1) Worum geht es in Ihrem Buch?

Um das Prüfen, eine der am wenigsten geliebten Tätigkeiten aller mir bekannten Lehrpersonen.

Ich ergründe, wie sich das Konzept des Prüfens ändert, wenn man den didaktischen Paradigmenwechsel „from teaching to learning“ ernstnimmt: Lernen, Lehren und Prüfen sind dann eine didaktische Einheit. Formatives Prüfen, das unmittelbares und genaues Feedback an Studierende ermöglicht, wird wichtig, sogar wichtiger als das traditionelle summative Prüfen, das lediglich den Abschluss eines Lernprozesses zertifiziert.

Um auch praktisch nützlich zu sein, analysiert das Buch, wie man Prüfungen planen und durchführen kann, welche Besonderheiten die einzelnen Prüfungsformate aufweisen und wie man gute Prüfungsaufgaben formuliert. Ich unterscheide die Tätigkeit des Bewertens von der des Benotens und diskutiere die Standards guter Prüfungen, den Umgang mit vermeidbaren und unvermeidbaren Bias sowie die Verantwortung von Lehrenden angesichts der in Prüfungssituationen eingebauten Machtasymmetrie.

Beispiele, darunter für Prüfungsfragen und Bewertungshilfen, sollen zum Weiterdenken anregen.

 

2) Warum ist dieses Thema für die politikwissenschaftliche Hochschullehre wichtig?

Auf der Hand liegend: Weil summative Prüfungen eine wichtige administrative Prozedur darstellen, die den Lernerfolg messen und damit die Zukunft von Studierenden beeinflussen können. Gut – also so fair und korrekt wie möglich – zu prüfen und zu benoten, ist auch unsere moralische Pflicht, weshalb wir unser Vorgehen ab und zu reflektieren müssen.

Weniger offensichtlich: Weil nicht gut lehrt, wer nicht auch gut prüft und umgekehrt. Meiner Erfahrung nach haben wir bei der Planung und Durchführung unserer Lehrveranstaltungen oft die „intendierten Lernziele“ zu wenig im Blick, also das, was Studierende in den Lehrveranstaltungen tatsächlich lernen sollen und was wir daher auch – formativ und schließlich summativ – prüfen sollten.

Schließlich: Weil schlecht durchdachte, irreführend formulierte und überfordernde Fragen aussterben sollen, denn sie beeinträchtigen die Validität, Reliabilität und Objektivität von Prüfungen. Hier ist ein reales Beispiel für eine solche Frage; sie wurde jüngst in einem Bundesland im schriftlichen Staatsexamen für das Lehramt Sozialkunde gestellt und erhöhte die traditionell ohnehin hohe Durchfallerquote noch einmal deutlich: „Die Politik von EU-Mitgliedern wird von Regional- und Autonomiebewegungen herausgefordert. Erläutern Sie die Gründe dafür sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die betroffenen Mitgliedstaaten und die Europäische Union!“

 

3) Wer sollte dieses Buch lesen?

Alle, die Prüfungen konzipieren und durchführen und nach Anregungen suchen. Besonders diejenigen, die Prüfungsfragen stellen und die Notengebung an andere delegieren können. Und Prüfende, die glauben, sie würden objektiv bewerten.

Allen Büchern der Reihe wünsche ich, die Universitätsverwaltungen und zuständigen Ministerien würden sie lesen, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie viel Professionalität, intellektuelle Energie und Zeit Lehrende investieren müssen, um der wohlfeilen Forderung nach „guter Lehre“ wirklich entsprechen zu können.

 

Das Buch ist bestellbar über http://www.wochenschau-verlag.de/pruefen-und-bewerten-in-politikwissenschaftlichen-studiengaengen.html und alle Buchhändler.

Eine kurze Leseprobe finden Sie hier: Leseprobe.

Kompetenzorientierung in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre – Ein Interview mit Markus Gloe

Anlässlich des Starts der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik beim DVPW-Kongress 2018 veröffentlichen wir eine Serie kurzer Interviews mit den Autorinnen und Autoren.

1) Worum geht es in Ihrem Buch?

„Kompetenzorientierung“ ist an Hochschulen heute in aller Munde. Nur Wissen zu vermitteln, reicht nicht mehr. Traditionelle Instruktionstheorien haben sich als unzureichend erwiesen. Alle Personen, die in Lehr-Lernkontexten arbeiten, sind seit der Bologna-Reform 1999 oder den PISA-Studien im Jahr 2000 gefordert, sich mit Kompetenzorientierung auseinanderzusetzen und für ihren Bereich auszubuchstabieren, was darunter zu verstehen ist. Dabei ist die Verwendung des Kompetenzbegriffs an sich nichts Neues. Bereits seit den späten 1950er Jahren wird der Begriff im Bildungsbereich verwendet. Mit den veränderten Ansprüchen an Bildung, Lehre und Studium haben Begrifflichkeiten rund um die Kompetenzorientierung eine hohe Präsenz erlangt. In der schulischen politischen Bildung werden seit 2004 verschiedene Kompetenzmodelle intensiv diskutiert, in der Lehramtsausbildung gehört die Kompetenzorientierung zu den Standardthemen. Für die Lehre an einer Hochschule gibt es dagegen noch keine fachspezifische Aus- bzw. Weiterbildung. Deshalb fristet Kompetenzorientierung in der politikwissenschaftlichen Hochschuldidaktik immer noch ein Nischendasein. Mit meinem Buch möchte ich zu einer fachbezogenen Beschäftigung mit Kompetenzen und Kompetenzorientierung anregen.

 

2) Warum ist dieses Thema für die politikwissenschaftliche Hochschullehre wichtig?

Bisher fehlt in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre ein einheitliches fachspezifisches Kompetenzmodell. Mit anderen Worten: Es gibt keinen Konsens darüber, was Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler bei ihrem Abschluss können sollen.

Einigkeit herrscht immerhin bei den Fähigkeiten des wissenschaftlichen Arbeitens. Aber schon bei der Auslegung von Methodenkompetenz werden genau bei der Ausdifferenzierung von Analyse- und Urteilskompetenz deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Standorten sichtbar. In Anlehnung an die politikwissenschaftliche Lehre der 1950er und 1960er Jahre und den aktuellen Krisenerscheinungen der Demokratie wird aber auch eine verstärkte Akzentuierung der Demokratiekompetenz gefordert. Es scheint daher dringend geboten, dass sich alle Lehrenden in der Politikwissenschaft mit dem Konzept der Kompetenzorientierung vertraut machen. Jede und jeder einzelne muss für sich ein passendes Kompetenzmodell finden, das sie bzw. er zur Planung von Lehre, zur Gestaltung der Prüfung sowie bei der Evaluation einsetzt.

 

3) Wer sollte dieses Buch lesen?

Kompetenzorientierung ernst zu nehmen, bedeutet einen Rollenwechsel der Lehrenden vom Wissensvermittler zum Lernbegleiter. Das Buch wendet sich aAn alle, die sich auf diesen Weg machen wollen oder ihn bereits gehen. Es zeigt an Praxisbeispielen auf, wie man Kompetenzorientierung in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre umsetzen kann. Die Beispiele beziehen sich auf alle Ebenen der Lehre: von der kompetenzorientierten Planung von Seminaren über die Lehr-/Lerngestaltung, die Formen des Prüfens bis hin zur Gestaltung von Evaluations- und Qualitätssicherungsverfahren. So erfordert eine kompetenzorientierten Planung den Blickwechsel auf den Output sowie die Aktivierung der Studierenden. Das Buch hilft dabei, kompetenzorientierte Lernziele zu formulieren. Zur konkreten Seminargestaltung empfiehlt es die Berücksichtigung didaktischer Prinzipien wie beispielsweise Problemorientierung, Forschendes Lernen oder Projektorientierung. Der Aufgabenkultur kommt im Hinblick auf die Kompetenzorientierung in der Lehre eine besondere Rolle zu. Diese entfaltet sich im gemeinsamen Handeln von Lehrenden und Lernenden. Deshalb sollten die Lehrenden ein Augenmerk darauf legen, wie sie die Aufgaben einführen und erklären. Des Weiteren sollten Lehrende beobachten, wie Studierende die Aufgaben alleine, paarweise oder in Gruppen bearbeiten und die Lehrenden selbst sie dabei begleiten. Und zuletzt sollten Lehrende reflektieren, wie Arbeitsergebnisse der Studierenden besprochen und die Leistungen rückgemeldet werden. Passende Checklisten am Ende des Buches können konkret zur Seminarplanung oder bei der Auswahl von Aufgaben eingesetzt werden.

 

Das Buch ist bestellbar über http://www.wochenschau-verlag.de/kompetenzorientierung-in-der-politikwissenschaftlichen-hochschullehre.html und alle Buchhändler.

Eine kurze Leseprobe finden Sie hier: Leseprobe.

Wissenschaftliches Schreiben in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre – Ein Interview mit Lasse Cronqvist

Anlässlich des Starts der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik beim DVPW-Kongress 2018 veröffentlichen wir eine Serie kurzer Interviews mit den Autorinnen und Autoren.

1) Worum geht es in Ihrem Buch?

Der Band möchte zur stärkeren Einbindung von schreibbasierten Lehrmethoden in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre anregen. Kompetenzen des wissenschaftlichen Arbeitens sollten nicht nur in spezifischen propädeutischen Veranstaltungen gelernt werden, sondern auch in regulären fachwissenschaftliche Lehrveranstaltungen. Dabei wird im Buch aufgezeigt, dass die vorgestellten Übungen nicht zu Abstrichen bei der Vermittlung von politikwissenschaftlichen Inhalten führen müssen, sondern dass die fachwissenschaftliche Lehre vielmehr auch von der Einbindung von Übungen zur Verbesserung von Schreibfähigkeiten profitieren können.

Dazu erfolgt nach einer kurzen Einführung zur Bedeutung des Schreibens in der Lehre eine Analyse wesentlicher Probleme im Rahmen des wissenschaftlichen Schreibens. Die fachspezifischen Besonderheiten des Schreibens in der Politikwissenschaft werden herausgearbeitet und Möglichkeiten aufgezeigt, Schreibfähigkeiten in der Lehre stärker zu fördern. Verdeutlicht wird dies an fünf Beispielen, welche jeweils ein konkretes Lehrszenario darstellen, und dabei aufbauend auf Beispielen aus meinen eigenen Lehrveranstaltungen das Einbinden von Schreibtätigkeiten exemplarisch darstellen. Dabei werden sowohl die Hintergründe für die Anwendung der jeweiligen Methodik dargestellt als auch konkrete Hinweise zur Durchführung gegeben.

 

2) Warum ist dieses Thema für die politikwissenschaftliche Hochschullehre wichtig?

Das Schreiben als Kulturtechnik ist die wesentliche Form der Präsentation wissenschaftlicher Fortschritte, und auch der Erfolg eines wissenschaftlichen Studiums hängt nicht zuletzt von der Fähigkeit der Studierenden ab, ihre wissenschaftlichen Arbeiten in adäquater Form zu präsentieren.

Daher sollte die Vermittlung von Schreibfähigkeiten einen festen Platz in der wissenschaftlichen Lehre einnehmen. Dies gilt umso mehr, da in diesem Bereich vielfältige Probleme bei den Studierenden zu beobachten sind, welche häufig kaum oder gar nicht in Lehrveranstaltungen angesprochen werden. Aus Sicht (nicht nur) von Studienanfängern ist dies problematisch, da die von den Studierenden als Prüfungsleistung geforderten Hausarbeiten nicht gezielt in den Seminaren vorbereitet werden, und größere Fehlerquellen im studentischen Arbeiten daher vor Abgabe der Prüfungsleistung unentdeckt bleiben. Durch die geschickte Verbindung von fachwissenschaftlicher Lehre und Übungen zur Förderung des Schreibvermögens der Studierenden lassen sich sowohl für den Lernerfolg in Bezug zu den wissenschaftlichen Inhalten der Lehrveranstaltung, wie auch im wissenschaftspropädeutischen Bereich hohe Synergieeffekte erzielen.

 

3) Wer sollte dieses Buch lesen?

Das Buch richtet sich an Lehrende, welche neue Ansätze für ihre Lehrveranstaltungen suchen. Dabei binden die vorgestellten Szenarien vor allem Anwendungsbeispiele aus Seminaren ein, in denen Studierende alleine oder in kleineren Gruppen entsprechende Übungen durchführen. Die Anwendung ist dabei sowohl in grundlegenden Kursen der Studieneingangsphase wie in vertiefenden Veranstaltungen auch in Masterstudiengängen möglich. Die verwendeten Beispiele entstammen der Vergleichenden Regierungslehre, sind aber so gestaltet, dass eine Übertragung auf andere Teildisziplinen der Politikwissenschaft ohne Probleme möglich ist.

 

Das Buch ist bestellbar über http://www.wochenschau-verlag.de/wissenschaftliches-schreiben-in-der-politikwissenschaftlichen-hochschullehre.html und alle Buchhändler.

Eine kurze Leseprobe finden Sie hier: Leseprobe.

Call for Papers: Vierte Jahrestagung des AK Hochschullehre (Münster, 25.-26.2.2019)

Die Jahrestagung des Arbeitskreises Hochschullehre in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) findet am 25. und 26. Februar 2019 an der Westfälischem Wilhelms-Universität-Münster statt und wir freuen uns über Einsendungen zu den folgenden Themen (pdf-Version):

 

Vielfalt und Weitblick in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre

Bei den bisherigen Veranstaltungen des Arbeitskreises Hochschullehre wurde immer wieder angesprochen, dass sich die Lehre in der Politikwissenschaft durch zum Teil sehr heterogene Lehr- und Lernbedingungen auszeichnet. Wir möchten diese Diversität aufgreifen und in den Mittelpunkt unserer Jahrestagung 2019 stellen. Dabei wollen wir nicht nur die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen seitens der Studierenden diskutieren, sondern auch die vielfältigen Rahmenbedingungen der Lehraktivität von Dozierenden ansprechen. Auch sollen unterschiedliche Anforderungen an die Lehre in unterschiedlichen, sich mit politikwissenschaftlichen Inhalten beschäftigenden Studiengängen in den Fokus gerückt werden.

Somit wollen wir zum einen Fragen aufgreifen, welche sich aus der Diversität der Studierenden sowie den von diesen absolvierten Studiengängen ergeben. Folgende Themen können dabei im Mittelpunkt stehen:

  • Auch in der öffentlichen Debatte werden regelmäßig Probleme angesprochen, welche an den Hochschulen durch den größer werdenden Anteil an Schulabgängern mit einer Hochschulzugangsberechtigung entstehen. Welche Auswirkungen hat dieser Anstieg des Abiturientenanteils für die Lehre an den Universitäten? Welche Anforderungen stellt dies an die Studieneingangsphase? Und welche Angebote lassen sich für Studierende auf dem zweiten Bildungsweg, geflüchtete Studierende oder Studierende mit Handicap entwickeln? Werden politische Implikationen dieser Entwicklung gerade in unserer Disziplin erforscht?
  • Auf Institutsfluren wird häufig über Unterschiede zwischen Lehramts- und Hauptfachstudierenden diskutiert. Sehr interessiert sind wir daher an Tagungsbeiträgen, die das Verhältnis von Hochschuldidaktik und Politikdidaktik ansprechen. Wie kann die Hochschuldidaktik von der Politikdidaktik lernen? Welche besonderen Anforderungen stellt das Lehramtsstudium an die fachwissenschaftliche Lehre in der Politikwissenschaft?
  • Zudem hat durch die Einführung der BA/MA-Studiengänge und dem Wunsch der Internationalisierung der Hochschullandschaft eine Ausdifferenzierung der Studiengänge stattgefunden, die zum einen zu einer Spezialisierung politikwissenschaftlicher Abschlüsse geführt hat. Zum anderen resultiert hieraus auch eine breitere Einführung rein englischsprachiger Studiengänge. Aus hochschuldidaktischer Sicht ist dabei die Frage interessant, in wie weit sich die Lehre in englischsprachigen Studiengängen von anderen Studiengängen unterscheidet. Hierzu werden genauso Beiträge gesucht wie auch zu der Frage, in wie weit durch diese Ausdifferenzierung der Studiengänge auch spezifische Herausforderungen an die Lehre entstehen.

Zum anderen wollen wir uns Fragen zuwenden, welche sich aus den unterschiedlichen Voraussetzungen der Lehrenden ergeben. Wie können z.B. Doktoranden bei der Vorbereitung erster Lehrveranstaltungen unterstützt werden? Gibt es über kürzere hochschuldidaktische Einführungskurse zum Thema „Neu in Lehre“ hinaus Modelle, welche Dozierende mit nur wenig Lehrerfahrung in dieser Tätigkeit unterstützen? Welche Ideen und Konzepte existieren aus Sicht der Dozierenden für den Umgang mit Diversität in der politikwissenschaftlichen Lehre? Kann diese gerade in unserem Fach auch einen inhaltlichen Mehrwert erzeugen?

Unter dem Stichwort „Weitblick“ möchten wir ergänzend in den Blick nehmen, was wir von politikwissenschaftlicher Lehre in anderen Ländern und Hochschulsystemen, in anderen Fächern oder in nicht-universitären Kontexten (Fachhochschulen, Schulen, außerschulische politische Bildung) lernen können? Was können wir auch von der allgemeinen Hochschuldidaktik sowie der empirischen Bildungsforschung in punkto Theorien und Methoden mitnehmen und wie könnte hier ein Austausch stattfinden? Hierbei interessieren uns sowohl theoretische Überlegungen als auch „Werkstattberichte“ aus vorhandenen Programmen/Kooperationen/Formaten.

Schließlich thematisieren die Jahrestagungen des Arbeitskreises immer auch Präsentationen von Lehrkonzepten und von Erfahrungsberichten aus Lehrveranstaltungen höchst unterschiedlichen Formats. Im Forum „Praxis“ möchten wir wieder die Gelegenheit geben, Lehr-Lernformate aus der Hochschullehre zu präsentieren, aber auch Ideen für solche Formate zur Diskussion zu stellen. Dabei geht es uns nicht nur um Lehrinnovationen, sondern auch um neue Perspektiven auf bewährte Themen und Formate.

 

Einreichung von Beiträgen:

Interessierte senden bis einschließlich 9.12.2018 ein Abstract (max. 600 Wörter inkl. Leerzeichen) an lambach(ÄT)normativeorders.net. Bitte geben Sie an, in welchem Format (Vortrag, Diskussion, Workshop, Roundtable, Poster o.ä.) Sie Ihren Teil im Rahmen der Tagung gestalten möchten und fügen Sie einige biografische Angaben (max. 250 Wörter inkl. Leerzeichen) bei.

Nach Auswahl der Beiträge werden wir Sie bis zum 21.12.2018 über das finale Programm informieren. Der Arbeitskreis ermöglicht die Buchung günstiger Übernachtungsmöglichkeiten im Rahmen von Hotelkontingenten. Diese Kosten sowie Reisekosten oder Honorare können leider nicht durch den Arbeitskreis übernommen werden.

Die Teilnahmegebühr für promovierte Kolleginnen und Kollegen beträgt 20 €, für Doktorandinnen und Doktoranden 10 €. Studierende müssen keinen Beitrag entrichten.

Lehre – (k)ein Aufgabenfeld für eine Fachvereinigung?

Dies ist ein gemeinsamer Beitrag von Daniel Lambach und Julia Reuschenbach.

Bei der Mitgliederversammlung der DVPW im Rahmen des Kongresses 2018 stellten sich 11 KandidatInnen sowie ein Dreierteam für die Vorstandswahl vor. Alle sollten kurz darlegen, für welche Themen Sie sich im Vorstand besonders engagieren möchten. Lediglich zwei sprachen Themen an, die man auch nur im weitesten Sinne als lehrbezogen bezeichnen kann.

Ist das ein Problem? Nein, könnte man argumentieren, denn es gebe ja gerade keine Themen in der Lehre, die ähnlich drängend seien wie Fragen nach Nachwuchsförderung, Gleichstellung oder Departmentstrukturen. Dazu würde auch passen, dass das letzte Mal, als die Lehre ein größeres Thema in der DVPW war, dies anlässlich der Einführung des BA/MA-Systems war, das große Umstellungen an allen Standorten erforderte. Nach dieser Diagnose sind also die Sorgen und Nöte der Lehre nicht drängend genug.

Das ist uns aber zu einfach, denn man könnte sich mit Fragen wie der zunehmenden Heterogenität der Studierendenschaft, der Digitalisierung von Lehre und Lebenswelt, dem Erhalt des Humboldtschen Bildungsideals in Zeiten von Kompetenzorientierung oder einer universitären „Ausbildung“ zwischen Bildung und ökonomischem Verwertungsdruck auseinandersetzen.

Aber viel wichtiger noch: Problemfixiertheit ist auch schlicht die falsche Denkweise. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Lehre sollte nicht nur dann auf die Agenda kommen, wenn es Probleme mit ihr gibt oder, anders gesagt, wenn die Probleme, die es mit der Lehre gibt, so viel Aufmerksamkeit bekommen, dass man sich jetzt halt doch mal mit ihnen befassen muss.

Denn mit so einer Haltung vergibt man die Chance und den Anspruch zu gestalten. Statt nur auf Probleme zu reagieren, sollten wir uns fragen, wie man die Lehre besser machen kann, wie wir Lehrangebote schaffen, die unsere Studierenden auf eine Zukunft als demokratische Bürgerinnen und Bürger in einer immer mehr vernetzten und globalisierten Welt vorbereitet. Dieser Auftrag kommt nicht von uns, sondern quasi von höchster Stelle. Bundespräsident Steinmeier forderte in seiner Gastrede auf dem Kongress „eine kreative und mutige Politikwissenschaft, die aktuelle Diskurse über die Demokratie informiert, inspiriert, die mit Leidenschaft und Urteilskraft zur Aufklärung der Gesellschaft über sich selbst beitragen kann“.

Über welche Schienen kann dieses Hineinwirken in die Gesellschaft geschehen? Für die meisten von uns wird dies über die Lehre sein. Nur wenige Kolleginnen und Kollegen sind prominent in gesellschaftlichen Debatten sichtbar. Wer sich Netzwerke in die Praxis aufbaut, tut dies zulasten der eigenen Karriere, wie selbst der Bundespräsident hervorhob. Den mit Abstand größten Impact auf die Praxis haben wir über die Spuren, die wir in unseren Studierenden hinterlassen, über die Denkprozesse die wir bei ihnen anstoßen und die Ideen die wir vermitteln.

Sollte es da nicht unsere nobelste Aufgabe sein, unsere Lehre so gut wie möglich zu machen? Und sollte sich es die DVPW nicht zum Ziel machen, dass ein politikwissenschaftliches Studium an einer deutschen Hochschule von höchster Qualität ist und dass alle Absolventinnen und Absolventen analytisch wie normativ fähig sind, ihren Teil zur Aufrechterhaltung und Verteidigung von Demokratie und Freiheit beizutragen?