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Call for Papers: Politikwissenschaftliche Hochschullehre – Wozu? (Fünfte Jahrestagung, Berlin, 17.-18. Februar 2020)

Der Call als pdf

Wozu betreiben wir Hochschullehre? Auf diese Frage gibt es viele mögliche Antworten, z.B. die formalistische (weil sie Teil unserer arbeitsvertraglich festgelegten Aufgabenbeschreibung ist) oder eine individuell-moralische (weil man sie für wichtig hält). Bei der fünften Jahrestagung des AK Hochschullehre wollen wir diese Frage aus systemischen, normativen und institutionellen Blickwinkeln betrachten. Anders gefragt: Was sind Ziele eines politikwissenschaftlichen Studiums und was bedeutet dies für unsere Lehre?

Wir rufen daher zu Beiträgen auf, die sich beispielsweise mit den folgenden Fragen beschäftigen:

  • Welche sind die Bildungsziele eines politikwissenschaftlichen Studiums? Hier gibt es natürlich Raum für unterschiedliche Antworten von Institut zu Institut, aber nur wenig explizite Debatten. Orientieren wir uns immer noch, oder etwa schon wieder am Ideal der „Demokratiewissenschaft“? Oder wenn es das klassisch-humanistische Bildungsideal sein soll, was ist daran spezifisch politikwissenschaftlich?
  • Im bildungspolitischen Feuilleton und in kollegialen Flurgesprächen werden Kompetenzen und Wissen gelegentlich als Gegensätze dargestellt. Wie kommen wir in der Lehre aber auch in innerfachlichen Diskursen weg von der Gegenüberstellung hin zur Komplementarität dieser beiden Ziele?
  • Im Anschluss an die von unserem AK mitgestaltete DVPW-Thementagung 2019 stellt sich die Frage, wie wir durch die Lehre im Besonderen in die Gesellschaft wirken. Wie bereiten wir (künftige und aktuelle) Praktiker*innen in Staat, Zivilgesellschaft und Wirtschaft auf ihre Aufgaben vor? Wie befähigen wir die übrigen Studierenden dazu, aktive Staatsbürger*innen in einer zunehmend polarisierten Demokratie und einer globalisierenden Weltgesellschaft zu sein? Welche Anforderungen werden von außen an Studium und Lehre herangetragen und wie sollten wir ihnen begegnen?
  • Welche pädagogischen Vorstellungen stehen hinter unserer Lehre? Die politikwissenschaftliche Hochschullehre geschieht meistens ohne besondere lerntheoretische oder lernpsychologische Fundierung. Hier gibt es großen Spielraum und Bedarf, bildungswissenschaftliche und pädagogische Theorien für unsere Disziplin zu übersetzen und zu operationalisieren.
  • In Akkreditierungsverfahren werden Studiengänge regelmäßig als forschungs- oder praxisorientiert kategorisiert, aber wie drücken sich diese Einordnungen in Studium und Lehre aus? Sofern man mit dieser Dichotomie einverstanden ist, welche Bedeutung hat sie für die Formulierung von passenden Lernziele und die Gestaltung entsprechender Curricula? Nicht zuletzt geht es auch darum, ob wir diese selbst gesteckten Ziele erreichen. Welche Metriken benutzen wir dafür und durch welche Prozeduren fließt dies als Feedback in die Weiterentwicklung des Studienganges ein? Unter diesem Stichpunkt können auch Absolvent*innenstudien, die Erforschung einschlägiger Praxisfelder oder Verfahren des Qualitätsmanagements diskutiert werden.
  • Welche Stellung hat die Lehre an der Hochschule? Die relative Geringschätzung der Lehre im Vergleich zur Forschung, welche mit dem Begriff der „Reputationsasymmetrie“ beschrieben wird, ist allgemein bekannt. Aber welche Rolle – jenseits von Fensterreden – hat sie in der heutigen Mission der Hochschulen? Und wie differenziert sich dies nach Hochschulformen und/oder im Vergleich zur Politischen Bildung?
  • Die oben genannten Fragen spielen sich alle in größerer Flughöhe ab, aber was bedeuten sie für die Lehre im Kleinen, also auf der Ebene von Modulen und einzelnen Lehrveranstaltungen? Dies kann man normativ (Was sollten die Ziele sein?) oder praktisch beantworten (Wie trage ich zur Verfolgung der Ziele bei?). Dies umfasst auch die häufige Herausforderung, wie ich als Lehrende/r mit teils unklar formulierten Vorgaben in Prüfungsordnungen und Modulhandbüchern umgehe. Denkbar sind auch Beiträge aus institutioneller Perspektive, wie es z.B. ein Institut schaffen kann, seine Lehrenden auf gemeinsame Linien oder Ziele zu verpflichten, ohne in die Freiheit der Lehre einzugreifen.

Wie immer beschäftigen wir uns auch 2020 mit Lehrkonzepten und Erfahrungsberichten aus Lehrveranstaltungen unterschiedlicher Formate. Im Praxisforum möchten wir wieder die Gelegenheit geben, Lehr-Lernformate aus der Hochschullehre zu präsentieren, aber auch Ideen für solche Formate zur Diskussion zu stellen. Dabei geht es uns nicht nur um Lehrinnovationen, sondern auch um neue Perspektiven auf bewährte Themen, Formate und Probleme.

 

Einreichung von Beiträgen

Interessierte senden bis einschließlich 15.11.2019 einen Abstract (max. 500 Wörter) an lambach(ÄT)normativeorders.net. Bitte geben Sie an, in welchem Format (Vortrag, Diskussion, Workshop, Roundtable, Poster o.ä.) Sie Ihren Teil im Rahmen der Tagung gestalten möchten und fügen Sie einige biografische Angaben (max. 200 Wörter) bei.

Nach Auswahl der Beiträge werden wir Sie bis zum 2.12.2019 über das finale Programm und den genauen Tagungsort informieren. Der Arbeitskreis ist leider nicht in der Lage, Reise- oder Übernachtungskosten zu übernehmen.

„Hochschullehre in der Politischen Theorie und Ideengeschichte – Selbstverständnisse, Praxis, Perspektiven“ – ein Workshopbericht

Dies ist ein Gastbeitrag von Andreas Busen, Dannica Fleuß und Alexander Weiß.

 

Am 10. und 11. Mai 2019 fand an der Universität Hamburg der Workshop „Hochschullehre in der Politischen Theorie und Ideengeschichte – Selbstverständnisse, Praxis, Perspektiven“ statt. Der Workshop mit ca. 20 Teilnehmern wurde von Andreas Busen (Universität Hamburg), Dannica Fleuß (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg) und Alexander Weiß (Leuphana-Universität Lüneburg) mit Unterstützung des Arbeitskreises Hochschullehre der DVPW organisiert. An zwei Tagen diskutierten die Teilnehmer auf Basis von Impulsvorträgen der Teilnehmenden und eines hochschulöffentlichen Roundtables Fragen nach spezifischen Zielsetzungen und Herausforderungen politikwissenschaftlicher Lehre in der Theorie und Ideengeschichte sowie Anwendungsbeispiele aus der Lehrpraxis.

Im Anschluss an eine Begrüßung seitens des Organisationsteams setzte sich das erste Panel mit Selbstverständnissen der Politischen Theorie als politikwissenschaftlicher Sub-Disziplin, den entsprechenden Selbstverständnissen Theorielehrender sowie Zielsetzungen der Hochschullehre Politischer Theorie auseinander. Den Auftakt machten Frederik Metje und Simon Rettenmeier (beide: Universität Kassel), die in ihrem Vortrag „Über die Schizophrenie des Lehrens in der Politischen Theorie“ drei Fragekomplexe aufzeigten, die eine reflektierte Theorielehre adressieren müsse: Soll Theorielehre das Bildungsziel verfolgen, kanonisches „ideengeschichtliches“ Wissen zu vermitteln oder Studierende in Anbetracht dynamischer gesellschaftlicher Entwicklungen verstärkt auf gesellschaftliche und theorieinterne Kontroversen vorbereiten? Sollen die jeweiligen Ziele vor allem mit lehrenden- oder lernendenzentrierten Methoden erreicht werden? Und wie „neutral“ bzw. politisch engagiert kann und soll Theorielehre dabei sein?

Die Implikationen von Digitalisierung für die Beantwortung dieser Fragen diskutierte Gary S. Schaal (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg). Schaal plädierte in seinen Ausführungen zum Thema „Lehre in der Politischen Theorie unter veränderten Kontextbedingungen: Gesellschaftliche Digitalisierung und digitale Medien“ dafür, dass Digitalisierung zu tiefgreifenden Veränderungen gesellschaftlicher Strukturen führt und damit auch eine grundsätzliche Anpassung des politiktheoretischen Curriculums erfordert. Zudem thematisierte der Vortrag die digitalisierungsinduzierten Chancen und Herausforderungen für didaktische Strategien der Lehrenden.

Für den Bereich der ideengeschichtlichen Lehre haben Rieke Trimcev und Lisa Klingsporn (beide Universität Greifswald) unter dem Titel „Politische Ideologien lehren – Ideengeschichte mit Praxisbezug in der Studieneingangsphase“ an gemeinsame Seminarerfahrungen angeschlossen. Sie schlagen (in Anlehnung an den Ansatz von Michael Freeden) ein Seminarformat vor,  das ‚politische Ideologien‘ thematisiert und ein Format aus der politischen Didaktik als Gedankenexperiment für die Didaktik in der Ideengeschichte übernimmt: In einer ‚Dorfgründung‘ haben Studierende zunächst Gründungssituationen politischer Gemeinschaften simuliert und anschließend auf spielerische Weise politiktheoretisch reflektiert: Was würde bspw. Edmund Burke vorschlagen, wenn er in das Dorf käme?

Den Abschluss des ersten Tages bildete die von Andreas Busen moderierte hochschulöffentliche Podiumsdiskussion zum Thema „Herausforderungen und Perspektiven der Lehre Politischer Theorie und Ideengeschichte“ mit Svenja Ahlhaus, Olaf Asbach (beide Universität Hamburg), Gary S. Schaal und Frieder Vogelmann (Goethe-Universität Frankfurt a.M.). Der Schwerpunkt der kontroversen Debatte lag auf dem Selbst- und Aufgabenverständnis politischer Theorie sowie den didaktischen Positionen, die sich aus den jeweiligen Verständnissen ergeben.

Am zweiten Tag wurden im Panel „Praxisberichte und Lehr-Lern-Konzepte“ anhand von erfolgreich durchgeführten Seminaren didaktische Konzepte vorgestellt und diskutiert. Anne Cornelia Kenneweg (Agentur für Lehrkultur, Leipzig) kommentierte die vorgestellten Lehr-Lernkonzepte aus hochschuldidaktischer Perspektive.

Christian Welniak (Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik) und Alexander Weiß (Leuphana Universität Lüneburg) haben mit ihrem Beitrag „Demokratietheorie und Demokratiepädagogik“ die inhaltliche Verzahnung von Demokratietheorie und Erziehungswissenschaft zum Strukturprinzip eines Seminars in der LehrerInnenausbildung gemacht. Demokratietheoretische Positionen wurden dabei jeweils auf ihre explizite oder implizite Erziehungsdimension untersucht und demokratiepädagogische Formate auf ihren Demokratiebegriff abgefragt.

Mit „Politische Theorie und Film – Reflexion einer Lehrveranstaltung“ präsentierten Michael Haus und Esther Lehnardt (beide Universität Heidelberg) ein Seminarformat, das Spielfilme als didaktisches Mittel und als politiktheoretischen Reflexionsgegenstand integrierte. Anhand exemplarischer Filme und politischer Theorien illustrierten die Vortragenden, wie Filme in diesem Seminar einerseits der Vermittlung politiktheoretischer Topoi dienten, andererseits selbst als Objekte politiktheoretischer Interpretation und Analyse fungierten.

Dannica Fleuß nahm mit „Normative politische Theorie in Deutschland und Tansania lehren“ eine interkulturell vergleichende Perspektive auf didaktische Herausforderungen und Formate der Lehre Politischer Theorie ein. Im Zentrum stand dabei die Reflexion von Lehrveranstaltungen im Rahmen eines Co-Teaching Projekts an der University of Dar es Salaam, in denen sie Fragen der Geschlechtergleichheit und Religionskritik in verschiedenen Lehr-Lern-Settings adressierte.

In der Abschlussdiskussion wurde angesichts der Eindrücke des zweitägigen Workshops von den TeilnehmerInnen einstimmig ein Bedarf an einer weitergehenden Diskussion der verhandelten Themen konstatiert und ein klares Interesse an einer Fortführung des Austauschs bzw. der Kooperation bekundet.

Standortübergreifende Lehre im internationalen Kontext: Erfahrungen einer Lehrkooperation zwischen den Universitäten Pretoria und Düsseldorf

Ein Gastbeitrag von Witold Mucha und Christina Pesch (Universität Düsseldorf)

Nicht erst seit Bologna wird von Seiten Studierender und Lehrender eine stärker internationalisierte und digitalisierte Hochschullehre gefordert. Diese Forderung spiegelt die veränderte Lebensrealität vieler Studierender wider: Studierende im Jahre 2019 sind vernetzter, digitaler, mobiler und internationalisierter als noch vor zehn Jahren. Gleiches gilt für Anforderungen, die an Universitätsabsolvent*innen von der Arbeitswelt gestellt werden. Dieser rasanten Entwicklung hat die Dozierendenzunft in den politikwissenschaftlichen Teildisziplinen bislang wenig entsprochen, basierte die Lehre bereits im Jahre 2009 in erster Linie auf der Lektüre zumeist anglo-amerikanisch dominierter Fachliteratur. Gleiches gilt für die in Vorlesungen und Seminaren auf Studierende übertragene Bewertungsstandards, die insbesondere anglo-amerikanischen oder europäischen Vorstellungen „guter“ Wissenschaft entsprechen. Autor*innen und Perspektiven aus dem Globalen Süden finden demgegenüber – auch bei grenzüberschreitenden Phänomenen wie menschlicher Mobilität, Klimawandel und Waffenhandel – im Rahmen bestehender Curricula und Syllabi kaum Berücksichtigung.

Vor diesem Hintergrund entstand im Sommer 2016 eine Lehrkooperation zwischen den Universitäten Pretoria und Düsseldorf. Konzepte wie blended learning und inverted classroom wurden nutzbar gemacht, um den politikwissenschaftlichen Lehrplan durch standortübergreifende Seminarkonzeptionen vor allem in international ausgerichteten Themenfeldern zu ergänzen. Inhaltliche Schwerpunkte des Kooperationsprojektes bildeten in diesem Kontext die Themenfelder Friedenssicherung (2017), Migration (2018) und Mediation (2019). Studierenden durch Lehrkooperationen in diesen Feldern Zugang zu internationaler Forschung und Expertise zu ermöglichen, Lernwege genauso wie Perspektiven zu diversifizieren und die Studierenden in interkultureller Kommunikation sowie im Umgang mit digitalen Medien zu schulen, bilden dabei nur einen Teil der Ziele des Projektes ab (vgl. https://www.stifterverband.org/digital-lehrfellows/2018/mucha). In der praktischen Umsetzung bedeutete dies in den vergangenen drei Jahren zunächst die Entwicklung, Testung, Revision und erneute Anpassung der technisch-digitalen und methodologisch-didaktischen Ausgestaltung des Projektes. Respektive lessons learnt wurden bereits auf Tagungen wie der International Migration Conference in Johannesburg mit internationalem Forum diskutiert.

Im Verlauf dieses Prozesses haben sich zwei Ansätze als Kernelemente des Seminars herauskristallisiert: Zum einen werden die Studierenden durch die Bereitstellung von Literatur sowie ergänzender Inputs internationaler Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen und Individuen nicht nur in den jüngsten Stand der Forschung eingeführt. Weil der Pluralismus und die Diversität der im Seminarkontext repräsentierten Perspektiven und Meinungen das zentrale Auswahlkriterium für respektive Sprecher*innen darstellt, werden den Studierenden darüber hinaus erste Kontaktpunkte mit einem breiten Spektrum theoretischer, epistemologischer, ontologischer, und methodologischer Zugänge ermöglicht. Hierzu zählt die vorbereitende Auseinandersetzung mit journalistischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Arbeiten genauso wie Panel-Diskussionen, Planspiele, sowie Q&As in der Seminarsitzung. Zum anderen nehmen die Studierenden als Expert*innen ihrer eigenen Perspektiven und Hintergründe selbst eine aktive und zentrale Rolle im Prozess gemeinsamer Wissens(re-)produktion ein. Aus diesem Grund stehen Gruppenarbeitskonzepte (z.B. das an die standortübergreifende Seminarsituation angepasste Konzept der online-Vernissage), studentische Beiträge sowie die persönliche Interaktion von Studierenden und Lehrenden im Zentrum der Seminarkonzeption. Beispielsweise diskutierten Studierende und Lehrende beider Universitäten, verbunden über Videoübertragung, gemeinsam epistemologische und ontologische Konzepte menschlicher Mobilität und Grenzen auf Basis von fotografischen und künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Themengebiet sowie dem vorbereitenden Video-Beitrag eines südafrikanischen Forschers.

Auch wenn didaktische und methodische Seminarmodelle somit für die internationale, standortübergreifende Lehrkooperation auf ihre Qualität getestet sowie diskutiert wurden und auf dieser Basis Praxistipps für die Durchführung standortübergreifender Kooperation ausgesprochen werden können, bleibt Letztere auch zukünftig einem Überprüfungs-, Verbesserungsprozess und Ergänzungsprozess unterlegen. Dem Gedanken der stetigen Adaption, der Nachhaltigkeit und Kooperation verbunden ist in diesem Rahmen das Bestreben der Verfasser*innen, die entwickelten Konzepte im Sinne des Ansatzes einer Open Educational Resource (OER) fachöffentlich bereit zu stellen. Auf diese Weise sollen einerseits universitäts- und disziplinübergreifend Dozierende und Institute zur Durchführung vergleichbarer Lehrprojekte sowie zum Teilen und zur Diskussion ihrer eigenen Erfahrungen motiviert werden. Andererseits soll ein Diskurs über die Verbesserung politikwissenschaftlicher Lehre durch Internationalisierung und Digitalisierung angestoßen werden, wobei standortübergreifende Lehre als methodisches und didaktisches Mittel aus unserer Sicht eine zentrale Stellung einnehmen kann.

Die geplante OER-Plattform gliedert sich vor diesem Hintergrund in drei Bereiche:

  1. Das Kernstück der Plattform bildet die methodisch-didaktische Sektion: In diesem Bereich können – angepasst an den Kooperationsgrad des jeweiligen Projektes – Anleitungen (Wikis) zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung standortübergreifender Kooperation zur Verfügung gestellt und/ oder diskutiert werden.
    Fragen, die in dieser Sektion gestellt werden, lauten etwa: Welche Art der standortübergreifenden Kooperation eignet sich, um ein spezifisches Seminar zu unterstützen? Welche bereits erprobten Seminar- bzw. Sitzungskonzeptionen können zu diesem Zweck herangezogen werden? Welche konkreten didaktischen bzw. methodischen Mittel wurden zu diesem Zweck bereits angepasst (z.B. Planspiel: Model United Nations, MUN) oder neu entwickelt (z.B. online-Vernissage)? Wie kann ich diese in mein Seminar einbinden? Wie setzte ich entsprechende Konzepte in der konkreten Seminarsituation ein?
  2. Ergänzt werden diese Überlegungen durch eine auf inhaltliche Kooperation ausgerichtete Sektion (Blog), in der Lehrende Materialien austauschen und diskutieren können: In diesem Bereich können somit bereits im Rahmen standortübergreifender Seminarkooperation erstellte und/ oder erprobte Materialien anderen Standorten zur Verfügung gestellt und/ oder diskutiert werden.
    Fragen, die in dieser Sektion gestellt werden, lauten etwa: Gibt es bereits Materialien, die ich in mein Seminar einbinden kann (z.B. Kurz-Video zum dekolonialen Frieden von Experten der Universität Pretoria; Planspiel zum Thema Migrationspakt; online-Vernissage zu den Begriffen Staat, Grenze und Migration aus postkolonialer Perspektive von Studierenden der Universität Düsseldorf und Pretoria)? Kann ich die von mir bzw. in meinem Seminarkontext erstellten Materialien anderen Standorten zur Verfügung stellen?
  3. Vor allem an letzteren Punkt schließt abschließend die OER als Diskussions- und Netzwerkplattform (Forum) an: In diesem Bereich können Fragen rund um die Planung, Organisation und Durchführung standortübergreifender Seminarkooperation geklärt, Erfahrungen weitergegeben und Kooperationsideen entwickelt werden. Ebenso können der generelle Mehrwert und die Potentiale standortübergreifender Kooperation – allgemein oder kontextualisiert – debattiert werden.
    Fragen, die in dieser Sektion gestellt werden, lauten etwa: Wie finde ich geeignete Kooperationspartner*innen? Gibt es eventuell bestehende Projekte, an denen ich mich beteiligen kann bzw. Universitäten/ Dozierende, die Interesse an einem entsprechenden Austausch hätten? Wie bewerten andere die von mir erstellten Materialien, wer gibt mir konstruktive Kritik? Wer hat Erfahrungen, in welchem Lehrkontext standortübergreifende Zusammenarbeit bzw. welches methodische oder didaktische Mittel geeignet ist?

Wie aus der Gliederung der OER-Plattform hervorgeht, gilt es keineswegs, bestehende Modelle der standortübergreifenden Lehrkooperation lediglich zu transportieren, sondern diese kritisch zu diskutieren und zu reflektieren, lessons learned anderer Standorte und Disziplinen einzubinden und Kontaktpunkte für potentielle Kooperationspartner*innen zu bieten. Auf diese Weise soll ein perspektivischer Beitrag zur Weiterentwicklung der politikwissenschaftlichen Lehre (und darüber hinaus) an der Schnittstelle Digitalisierung und Internationalisierung geleistet werden, indem der „echte“ Austausch mit Menschen und deren Perspektiven im internationalen Kontext gefördert und letztlich zur Institutionalisierung damit einhergehender Kooperationsprozesse beigetragen wird. Studierende und Lehrende, die an weiterführenden Informationen, dem gemeinsamen Austausch und/oder perspektivischen Kooperations- sowie Beteiligungsformaten interessiert sind, sind aus diesem Grund herzlich dazu eingeladen, Kontakt mit den Autor*innen aufzunehmen.

Leseproben aus der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik

Wir freuen uns, für alle vier bisher erschienen Bände der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik Leseproben veröffentlichen zu können. Wenn Sie also wissen möchten, was Petra Stykow mit “Lehrenlernenprüfenlernenlehren” meint, dann schauen Sie dort einmal herein. Die Leseproben finden Sie auf der Seite unserer Buchreihe und hier:

Matthias Freise (2018): Forschendes Lernen in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre: Leseprobe

Petra Stykow (2018): Prüfen in politikwissenschaftlichen Studiengängen: Leseprobe

Markus Gloe (2018): Kompetenzorientierung in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre: Leseprobe

Lasse Cronqvist (2018): Wissenschaftliches Schreiben in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre: Leseprobe

Überzeugt? Hier finden Sie das aktuelle Bestellformular.

Bericht von der Vierten Jahrestagung politikwissenschaftliche Hochschullehre (Münster, 25.-26.2.2019)

Die Vierte Jahrestagung des AK Hochschullehre lief unter der Überschrift „Vielfalt und Weitblick in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre“. Am 25. und 26. Februar 2019 trafen sich knapp 40 WissenschaftlerInnen am Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

 

E-Learning

Nach einer Begrüßung durch den Organisator Matthias Freise (Münster) ging es im ersten Panel um Praxisbeispiele aus dem Bereich E-Learning. Im ersten Vortrag präsentierten Witold Mucha und Christina Pesch (Düsseldorf) ihre Pläne zum Aufbau einer Plattform für gemeinfreie Bildungsressourcen (Open Educational Resources, OER) zur standortübergreifenden Lehrkooperation. Diese Plattform soll als themenübergreifendes Didaktik-Portal eine Art „Handbuch“ für blended learning und cross-site teaching bieten, eine offene Materialsammlung darstellen und als Plattform zur Diskussion und Netzwerkbildung dienen. Im Anschluss stellte Tobias Denskus (Malmö) das seit 20 Jahren laufende Online-Master-Programm „Communication for Development“ vor. Dabei betonte er den Vorbereitungs- und Administrationsaufwand, der mit reinen Online-Angeboten einhergeht und hob die Notwendigkeit einer technischen Unterstützung für Lehrende hervor. Außerdem prägte er den Begriff einer synchronen Vorlesung als „didaktischem Lagerfeuer“, um das sich die räumlich getrennten Studierenden in regelmäßigen Abständen symbolisch versammeln können.

In der Diskussion wurden verschiedene Probleme und Grenzen des E-Learning herausgearbeitet. Neben dem bereits erwähnten Aufwand gibt es auch institutionelle Bremskräfte, die einer breiteren Nutzung von digitaler Lehre entgegenstehen. Dabei entwickelt sich derzeit ein Standard, der digitale Elemente als Begleitung synchronen, gemeinsamen Lernens – ob physisch oder virtuell – versteht. Ohne diese „Lagerfeuer“ fehlt es gerade für schwächere Studierende an Bindewirkung und die Risiken eines Abbruchs erhöhen sich. Ferner wurden die geringe Nutzung und das geringe Angebot von OER in der Politikwissenschaft hervorgehoben, die auf rechtliche Hürden, fehlende Vorbilder und erneut das Kostenargument zurückgeführt wurden.

 

Methodenlehre

Das zweite Panel begann mit einem Vortrag von Markus Tausendpfund und Christian Cleve (Fernuni Hagen), die ihre offene Lernplattform für Mathematik in den Sozialwissenschaften vorstellten. Diese Plattform bietet Auffrischungskurse für schulmathematische Kompetenzen, die für das Studium der Politikwissenschaft notwendig sind, nämlich grundlegende Rechenoperationen, Bruch-, Dezimal- und Prozentrechnung sowie univariate Datenanalyse. Die Lernplattform (zugänglich über www.offene.fernuni-hagen.de) steht auch Nichtstudierenden der Fernuni Hagen zur Verfügung. Anschließend stellten Holger Döring (Bremen) und Philip Hocks (Münster) ein Papier mit dem Titel „Vom Analysieren zum Generieren: Datenwissenschaft in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre“ vor. Sie argumentieren, dass die sozialwissenschaftliche Methodenlehre einen gefestigten Kern habe, der aber bislang kaum auf zwei große Trends eingeht: erstens die Ubiquität von Daten und zweitens eine Vielzahl neuer Lehrmaterialien und Lehrmittel in den Datenwissenschaften. Zur Überarbeitung der Methodenlehre plädieren sie für eine projektförmige Gestaltung, die Methode und Inhalt zusammenbringt und Synergien zwischen verschiedenen online-Selbstlernangeboten und universitären Curricula nutzt.

In der Diskussion wurde kritisch erforscht, inwiefern man sich dadurch von externen Anbietern und einer wirtschaftlichen Verwertungslogik abhängig machte. Auch die Einstiegshürden in der Methodenausbildung durch die zunehmend verbreitete Nutzung von R und anderen Programmen wurden thematisiert. Gleichzeitig wurde der Nutzen von online-Angeboten zur Schließung von Fähigkeitenlücken betont. Auch unterstützten mehrere Beiträge die Idee eines Co-Teaching zwischen MethodikerInnen und Fachgebieten.

 

Open Space: Die Lehrkulturen der Politikwissenschaft

In einem Open Space unter dem Namen „Wer sind wir und wenn ja wie viele?“ rief Daniel Lambach (Frankfurt) zu einer Erforschung auf, welche Lehrkulturen es innerhalb des Fachs Politikwissenschaft gibt. In einem ersten Schritt wurden deshalb Arbeitsgruppen gebildet, die verschiedene Teilbereiche und Querschnittsthemen unter den TeilnehmerInnen repräsentierten. Diese AGs diskutierten, was die Lehre in ihrem Themengebiet ausmacht. In einer zweiten Phase wurden die Ergebnisse der AGs vorgestellt und in eine Debatte über deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten eingespeist. Dabei zeigten sich bestimmte subdisziplinäre Unterschiede in der Lehre, z.B. der unterschiedliche Stellenwert von Theorie. Teils traten aber auch deutliche Unterschiede innerhalb von Teildisziplinen auf. Zudem haben Institutsstandorte unterschiedliche, historisch bedingte Traditionen, die auch zur Herausbildung von Lehrprofilen beitragen (können). Es wurde angeregt, systematischer darüber nachzudenken, in welchen Bereichen sich die verschiedenen Teilgebiete der Politikwissenschaft zuarbeiten. Dieses Nachdenken geschieht zumeist nur in Bezug auf Methoden, aber derartige Schnittstellen gibt es auch zwischen anderen Gebieten.

 

Podiumsdiskussion: Wie wollen wir lehren?

Der Höhepunkt des ersten Tages war eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Wie wollen wir lehren? Herausforderungen und Zukunft politikwissenschaftlicher Lehre“. Moderiert von Julia Reuschenbach (Bonn) diskutierten Armin Schäfer, Andrea Szukala (beide Münster), Ray Hebestreit und Marcus Lamprecht (beide Duisburg-Essen) darüber, welche Rolle die Hochschullehre in der Politikwissenschaft einnimmt und welche Herausforderungen sie für die Zukunft der Lehre sehen. Andrea Szukala hob hervor, dass Lehre Teil des Vermittlungs- und Abgrenzungsprozesses zwischen und über Disziplinen sei und so zur Charakterisierung des Fachs beitrage. Ray Hebestreit sah die politikwissenschaftliche Hochschullehre in der Verantwortung, Studierende zu aufgeklärten BürgerInnen zu machen. Marcus Lamprecht, Vorstandsmitglied des freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften (fzs), mahnte, dass Studierende nicht nur Rezipienten von Lehre sein wollen, sondern auch in deren Gestaltung einbezogen werden wollen. Armin Schäfer, der neue DVPW-Vorsitzende, betonte den zu geringen Stellenwert der Lehre und verwies auf fehlende Anreizsysteme in der Karriereentwicklung und Hochschulsteuerung.

In der Diskussion zwischen Podium und Publikum schälten sich einige zentrale Themen heraus. Mehrere TeilnehmerInnen argumentierten, dass WissenschaftlerInnen durch Lehre eine größere gesellschaftliche Wirkung ausüben als sie es durch ihre Forschung jemals könnten und dass dies nicht ausreichend beachtet würde. Es bestand auch Einigkeit, dass Hochschullehre vielerorts unter ungünstigen strukturellen Rahmenbedingungen stattfindet. Dazu gehören prekäre Beschäftigungsverhältnisse, zu hohe Lehrdeputate, zu viele Prüfungen und schlechte Betreuungsrelationen. Gute Lehre wird unter diesen Umständen erschwert. Dennoch ist es auch innerhalb dieses Systems möglich, Anreize für gute Lehre zu setzen. Allerdings bestand keine Einigkeit darüber, inwieweit dies in bestehenden Prozeduren abgebildet werden kann. Gleichwohl hat die DVPW hier auch eine Rolle zu spielen – sie bietet ein Forum, in dem solche Diskussion geführt werden können. Armin Schäfer hob dabei hervor, dass der Arbeitskreis Hochschullehre schon zu einer Profilierung des Themas Lehre in der Vereinigung geführt habe.

 

Quo Vadis, Hochschullehre?

Der erste Tag wurde mit einer Keynote von Ulrich Hamenstädt (Münster) unter dem Titel „Quo Vadis? Perspektiven und Herausforderungen politikwissenschaftlicher Hochschullehre“ abgeschlossen. Darin argumentierte Ulrich Hamenstädt, dass die politikwissenschaftliche Lehre innerhalb des Fachs zunehmend sichtbar werde. Im Kontext dieser Entwicklung stehe sie aber vor einigen Herausforderungen, denen sie begegnen müsse, welche Hamenstädt in einer Reihe von Thesen zusammenfasste. Erstens habe die politikwissenschaftliche Didaktik keine Theorie. Zweitens mache es die Logik des wissenschaftlichen Betriebs schwer, exzellente Lehre anzubieten. Drittens böten hochschuldidaktische Zentren an vielen Universitäten gute Dienstleistungen an, würden aber Lehre und Didaktik aus ihren fachlichen Kontexten herausholen. Viertens gebe es im Bereich des digitalen Lehrens zwar viel Dynamik aber zu viele Insellösungen.

 

Interdisziplinäre und Praxisorientierte Lehrprojekte

Der zweite Tag war dem Konferenzthema „Vielfalt und Weitblick“ gewidmet. Im ersten Panel ging es dabei um Lehre in interdisziplinären und praxisorientierten Kontexten. Henrique Otten (FHÖV Münster) berichtete von seinen Erfahrungen aus einem berufsbegleitenden Masterstudium für angehende Führungskräfte aus der öffentlichen Verwaltung. Am Beispiel von regionalen Bildungsnetzwerken machte er deutlich, wie komplex „Praxisorientierung“ ist, wenn die Praxis selbst komplex gestaltet ist. Anschließend berichtete Bernhard Stahl (Passau) über ein interdisziplinäres Lehrinnovationsprojekt unter Beteiligung von Politikwissenschaft und Journalistik. In einem zweisemestrigen Prozess erarbeiten darin Studierende eigene Forschungsarbeiten, die einen wissenschaftlichen Publikationsprozess inklusive einer simulierten Konferenz durchlaufen. Er hob die Herausforderungen hervor, die sich durch unterschiedliche disziplinäre Kulturen ergaben, beispielsweise was den Stellenwert von Theorie anging.

In der Diskussion wurde deutlich, dass es in der Politikwissenschaft eine mehr oder weniger implizite Geringschätzung praxisorientierter Lehre gibt. Praxisbezogene Lehre gilt als Lehre zweiter Klasse, auch wenn das nur selten offen artikuliert wird; forschungsbezogene Lehre gilt dagegen als die Königsdisziplin. Dahinter verbergen sich auch Annahmen darüber, was ein angemessenes Ziel eines Hochschulstudiums ist. Vergleichbare Debatten über Berufs- und/oder Forschungsorientierung werden oft entlang ähnlicher Linien geführt.

 

Workshop Hochschuldidaktik und politikwissenschaftliche Hochschullehre

Im Anschluss moderierte Cornelia Kenneweg (Leipzig) einen Workshop zu Kontaktzonen und Kooperationsformen zwischen Hochschuldidaktik und politikwissenschaftlicher Hochschullehre. Dieser sollte den Graben erforschen, der zwischen Hochschuldidaktik und Fachlehre besteht: die Didaktik weiß nicht, wie die Lehrpraxis in den Fächern aussieht, braucht das aber zur Weiterentwicklung ihrer Konzepte. Die Fachlehrenden finden hochschuldidaktische Konzepte zu abstrakt, haben aber keine Theorien und Methoden hinter ihrer Lehre und Lehr-Lern-Forschung. Positiv gewendet kann man diesen Graben auch als Raum ansehen, in dem sich eine fachbezogene Hochschuldidaktik entwickelt, die von beiden Seiten lernt. Der AK sieht sich in der Aufgabe, die Entwicklung einer solchen fachbezogenen Hochschuldidaktik voranzubringen, wozu wir u.a. die Buchreihe ins Leben gerufen haben. Der Workshop sollte dazu dienen, Möglichkeiten für einen beidseitig produktiven Dialog mit der Hochschuldidaktik zu identifizieren.

Am Ende des Workshops hatten die TeilnehmerInnen eine Reihe von Ergebnissen erarbeitet: Erstens sollte die Hochschuldidaktik ihre Angebote klarer auf fachliche Zielgruppen zuschneiden und die Evidenzbasis didaktischer Methoden transparent machen. Zweitens seien hochschuldidaktische Fortbildungen insbesondere für Nachwuchslehrende hilfreich, fortgeschrittenere Statusgruppen kämen dagegen kaum in Kontakt zur Hochschuldidaktik. Drittens seien entsprechende Kurse mit ihren ganztägigen Formaten oft eher inflexibel – kürzere Formate zu spezifischen Methoden und Mitteln fehlen. Viertens mangelt es Lehrenden an Ideen und Kontakten, um an hochschuldidaktische Anregungen heranzukommen, die jenseits der Zertifikatsprogramme liegen. Fünftens müssen wir im Fach Lehrtraditionen und -standards weitergeben. Es fehlt an einer Kultur des Mentorings in der Lehre, während dies z.B. an Schulen vollkommen alltäglich ist. Sechstens koste gute Hochschuldidaktik Geld und Universitäten müssten bereit sein, für Qualität zu bezahlen.

 

Interkulturelle Lehre

Im letzten Panel wurde Interkulturalität in der Lehre thematisiert. Der erste Vortrag von Henrike Bloemen, Julia Henn und Paul Meiners (alle Münster) befasste sich mit der Wahrnehmung von Interkulturalität durch Lehrende in einem deutsch-französischen Kooperationsstudiengang der Universität Münster und Sciences Po Lille. Das Team berichtete von einem Forschungsprojekt, in dessen Rahmen Fokusgruppendiskussionen mit Fachlehrenden durchgeführt worden waren. Aus der Auswertung der Empirie wurden Handlungsempfehlungen für die Lehrpraxis abgeleitet, die insbesondere die Reflexion der Lehrenden über ihre eigene Rolle und die der Studierenden ins Zentrum rückten. Im zweiten Vortrag stellte Dannica Fleuß (Helmut-Schmidt Universität Hamburg) einen Erfahrungsbericht aus einem Co-Teaching-Projekt in der politischen Theorie an der Universität Dar Es Salaam (Tansania) vor. Dort unterschied sich der Lehr- und Diskussionskontext deutlich von typischen Lehrsituationen in Deutschland, was eine direkte Übersetzung eines Lehrkonzepts verhinderte. Dies erforderte eine Klarstellung ihrer Rolle als Lehrende sowie der „Spielregeln“ des Lehrsettings, die für die Moderation normativer Diskussion besonders wichtig sind.

Die Diskussion befasste sich vor allem mit der Übertragung der Eindrücke aus Münster/Lille sowie Dar Es Salaam auf andere Kontexte. Dabei kam auch zur Sprache, wie Wissensproduktion und Lehre im Nord-Süd-Gefälle im Lichte postkolonialer Ansätze stattfinden kann. Nicht zuletzt wurde auch darüber gesprochen, welche Chancen die Lehre in binationalen Studiengängen auch für die Lehrenden bietet.

 

Abschlussdiskussion und Mitgliederversammlung

Die abschließende Mitgliederversammlung wurde moderiert von Lasse Cronqvist (Trier). Er berichtete, dass Mitgliederversammlungen künftig im Rahmen der Jahrestagungen stattfinden werden, da während der DVPW-Kongresse die Beteiligung zu gering sei. Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit, den Amtszeitenturnus des SprecherInnenteams anzupassen. Im Anschluss wurde die Wahlordnung des Arbeitskreises einstimmig verabschiedet. Abschließend wurden die Tagungseindrücke reflektiert, Themen für künftige Veranstaltungen identifiziert und neue Initiativen des Arbeitskreises angestoßen.

 

Vierte Jahrestagung politikwissenschaftliche Hochschullehre – eine persönliche Nachlese

Gestern ging die vierte Jahrestagung politikwissenschaftliche Hochschullehre in Münster zuende. Ein richtiger Tagungsbericht folgt noch, aber ich habe aus den Diskussionen acht Punkte mitgenommen, die ich besonders interessant fand. Ich habe diese als Twitter-Thread gepostet, möchte sie hier aber nochmal sammeln:

  1.  Es fehlt an einer Praxis des Mentoring in der Lehre. Vorgesetzte sollten ihre MitarbeiterInnen nicht nur in der Forschung sondern auch in Lehre und Beratung coachen. Das kann durch Hospitation und anderes Feedback durch Peers und #hochschuldidaktik ergänzt werden.
  2. Es ist eine weiterhin ungelöste Frage, was PolitikwissenschaftlerInnen nach ihrem Abschluss können sollen. Die Antworten darauf werden sich nach Standorten unterscheiden, aber es findet wenig Verständigung darüber statt.
  3. Bildet sich Teaching & Learning als eigenes Subdisziplin der #Powi heraus? In anderen europäischen Ländern ist das schon weiter fortgeschritten, aber der AK #powilehre hat dazu beigetragen, dass das auch in Deutschland geschieht.
  4. Der Gegensatz E-Learning vs. Präsenzlehre ist passé. Der neue Standard ist digitale Mittel zur Unterstützung, Ergänzung, Flankierung von synchronen Lehrformaten, ob online oder offline. Studierende brauchen solche “Lagerfeuer”, um die sie sich versammeln können.
  5. Praxisorientierte Lehre wird im Fach als zweitrangig gegenüber forschungsorientierter Lehre angesehen. Viele KollegInnen möchten am liebsten ihre künftigen DoktorandInnen heranziehen. Angesichts der Realitäten der universitären Arbeitswelt geht das aber nicht mehr.
  6. Die #Powi nutzt #OER bisher nahezu gar nicht. Dem stehen fachkulturelle Gründe, ein Fehlen fachbezogener Infrastruktur und vielleicht auch die eher “breite”, wenig kumulative Form von Wissensbeständen im Weg.
  7. Die DVPW kann einen Beitrag dazu leisten, die strukturelle “Unter-Würdigung” der Lehre abzubauen. Wir werden mit dem Vorstand arbeiten, um Diskussionen darüber anzustoßen, wie man Profil und Ansehen der Lehre in der #Powi verbessern kann.
  8. Lehre ist eines der besten Mittel, um als Fach #Powi in die Gesellschaft hinein zu wirken.

Wer den Twitter-Thread im Original sehen möchte, sei hierhin verwiesen:

Was meint Ihr da

Programm der vierten Jahrestagung des AK Hochschullehre (Münster, 25.-26.2.2019)

Rechtzeitig zum Semesterendspurt können wir endlich das Programm der vierten Jahrestagung des AK Hochschullehre veröffentlichen. Wir haben wieder ein sehr vielseitiges Programm mit Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden zu den Themen “Vielfalt und Weitblick in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre” zusammengestellt. Außerdem gibt es wie immer viele interessante Beiträge aus der Lehrpraxis.

Höhepunkt der Tagung ist eine Podiumsdiskussion mit dem DVPW-Vorsitzenden Prof. Armin Schäfer, Prof. Andrea Szukala (Professorin für Fachdidaktik der Sozialwissenschaften), Dr. Ray Hebestreit (Studiengangskoordinator) und Marcus Lamprecht (Politikstudierender und Vorstandsmitglied im fzs) zum Thema “Wie wollen wir lehren? Herausforderungen und Zukunft politikwissenschaftlicher Lehre”.

Anmeldungen sind bis zum 10. Februar per formloser Email an l_menz01(ÄT)uni-muenster.de möglich. Alle Informationen finden Sie in unserem Programm (pdf) oder unter https://www.hochschullehre-politik.de/aktivitaeten/veranstaltungen/jahrestagung-2019-muenster/.

Wir freuen uns darauf Sie zahlreich in Münster (wieder) zu sehen und wünschen einen erfolgreichen Abschluss der Vorlesungszeit!

Call for Papers: Vierte Jahrestagung des AK Hochschullehre (Münster, 25.-26.2.2019)

Die Jahrestagung des Arbeitskreises Hochschullehre in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) findet am 25. und 26. Februar 2019 an der Westfälischem Wilhelms-Universität-Münster statt und wir freuen uns über Einsendungen zu den folgenden Themen (pdf-Version):

 

Vielfalt und Weitblick in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre

Bei den bisherigen Veranstaltungen des Arbeitskreises Hochschullehre wurde immer wieder angesprochen, dass sich die Lehre in der Politikwissenschaft durch zum Teil sehr heterogene Lehr- und Lernbedingungen auszeichnet. Wir möchten diese Diversität aufgreifen und in den Mittelpunkt unserer Jahrestagung 2019 stellen. Dabei wollen wir nicht nur die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen seitens der Studierenden diskutieren, sondern auch die vielfältigen Rahmenbedingungen der Lehraktivität von Dozierenden ansprechen. Auch sollen unterschiedliche Anforderungen an die Lehre in unterschiedlichen, sich mit politikwissenschaftlichen Inhalten beschäftigenden Studiengängen in den Fokus gerückt werden.

Somit wollen wir zum einen Fragen aufgreifen, welche sich aus der Diversität der Studierenden sowie den von diesen absolvierten Studiengängen ergeben. Folgende Themen können dabei im Mittelpunkt stehen:

  • Auch in der öffentlichen Debatte werden regelmäßig Probleme angesprochen, welche an den Hochschulen durch den größer werdenden Anteil an Schulabgängern mit einer Hochschulzugangsberechtigung entstehen. Welche Auswirkungen hat dieser Anstieg des Abiturientenanteils für die Lehre an den Universitäten? Welche Anforderungen stellt dies an die Studieneingangsphase? Und welche Angebote lassen sich für Studierende auf dem zweiten Bildungsweg, geflüchtete Studierende oder Studierende mit Handicap entwickeln? Werden politische Implikationen dieser Entwicklung gerade in unserer Disziplin erforscht?
  • Auf Institutsfluren wird häufig über Unterschiede zwischen Lehramts- und Hauptfachstudierenden diskutiert. Sehr interessiert sind wir daher an Tagungsbeiträgen, die das Verhältnis von Hochschuldidaktik und Politikdidaktik ansprechen. Wie kann die Hochschuldidaktik von der Politikdidaktik lernen? Welche besonderen Anforderungen stellt das Lehramtsstudium an die fachwissenschaftliche Lehre in der Politikwissenschaft?
  • Zudem hat durch die Einführung der BA/MA-Studiengänge und dem Wunsch der Internationalisierung der Hochschullandschaft eine Ausdifferenzierung der Studiengänge stattgefunden, die zum einen zu einer Spezialisierung politikwissenschaftlicher Abschlüsse geführt hat. Zum anderen resultiert hieraus auch eine breitere Einführung rein englischsprachiger Studiengänge. Aus hochschuldidaktischer Sicht ist dabei die Frage interessant, in wie weit sich die Lehre in englischsprachigen Studiengängen von anderen Studiengängen unterscheidet. Hierzu werden genauso Beiträge gesucht wie auch zu der Frage, in wie weit durch diese Ausdifferenzierung der Studiengänge auch spezifische Herausforderungen an die Lehre entstehen.

Zum anderen wollen wir uns Fragen zuwenden, welche sich aus den unterschiedlichen Voraussetzungen der Lehrenden ergeben. Wie können z.B. Doktoranden bei der Vorbereitung erster Lehrveranstaltungen unterstützt werden? Gibt es über kürzere hochschuldidaktische Einführungskurse zum Thema „Neu in Lehre“ hinaus Modelle, welche Dozierende mit nur wenig Lehrerfahrung in dieser Tätigkeit unterstützen? Welche Ideen und Konzepte existieren aus Sicht der Dozierenden für den Umgang mit Diversität in der politikwissenschaftlichen Lehre? Kann diese gerade in unserem Fach auch einen inhaltlichen Mehrwert erzeugen?

Unter dem Stichwort „Weitblick“ möchten wir ergänzend in den Blick nehmen, was wir von politikwissenschaftlicher Lehre in anderen Ländern und Hochschulsystemen, in anderen Fächern oder in nicht-universitären Kontexten (Fachhochschulen, Schulen, außerschulische politische Bildung) lernen können? Was können wir auch von der allgemeinen Hochschuldidaktik sowie der empirischen Bildungsforschung in punkto Theorien und Methoden mitnehmen und wie könnte hier ein Austausch stattfinden? Hierbei interessieren uns sowohl theoretische Überlegungen als auch „Werkstattberichte“ aus vorhandenen Programmen/Kooperationen/Formaten.

Schließlich thematisieren die Jahrestagungen des Arbeitskreises immer auch Präsentationen von Lehrkonzepten und von Erfahrungsberichten aus Lehrveranstaltungen höchst unterschiedlichen Formats. Im Forum „Praxis“ möchten wir wieder die Gelegenheit geben, Lehr-Lernformate aus der Hochschullehre zu präsentieren, aber auch Ideen für solche Formate zur Diskussion zu stellen. Dabei geht es uns nicht nur um Lehrinnovationen, sondern auch um neue Perspektiven auf bewährte Themen und Formate.

 

Einreichung von Beiträgen:

Interessierte senden bis einschließlich 9.12.2018 ein Abstract (max. 600 Wörter inkl. Leerzeichen) an lambach(ÄT)normativeorders.net. Bitte geben Sie an, in welchem Format (Vortrag, Diskussion, Workshop, Roundtable, Poster o.ä.) Sie Ihren Teil im Rahmen der Tagung gestalten möchten und fügen Sie einige biografische Angaben (max. 250 Wörter inkl. Leerzeichen) bei.

Nach Auswahl der Beiträge werden wir Sie bis zum 21.12.2018 über das finale Programm informieren. Der Arbeitskreis ermöglicht die Buchung günstiger Übernachtungsmöglichkeiten im Rahmen von Hotelkontingenten. Diese Kosten sowie Reisekosten oder Honorare können leider nicht durch den Arbeitskreis übernommen werden.

Die Teilnahmegebühr für promovierte Kolleginnen und Kollegen beträgt 20 €, für Doktorandinnen und Doktoranden 10 €. Studierende müssen keinen Beitrag entrichten.

Bericht von der dritten Jahrestagung der Themengruppe Hochschullehre (26.-27. Februar 2018, Hamburg)

Die dritte Jahrestagung der Themengruppe unter dem Titel „Perspektiven und Konzepte aus Theorie und Praxis“ fand am 26.-27. Februar 2018 an der Universität Hamburg statt. Es wurden normative und theoretische Fragen der politikwissenschaftlichen Hochschullehre behandelt, ebenso wie konkrete Lehrszenarien. Hinzu kamen Workshops zu verschiedenen Aspekten der Lehrpraxis.

 

Theorie

Die Tagung begann mit dem Panel „Fragen an Lehren und Lernen“, welches von Mischa Hansel (Aachen) moderiert wurde. Zunächst stellte Petra Stykow (München) ihr Manuskript zum Prüfen und Bewerten in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre vor, das in der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik erscheinen wird. Nach dem Modell der „Inverted Conference“ hatte sie das Manuskript den Tagungsteilnehmer*innen vorab zugänglich gemacht und bat nun um Feedback für die Überarbeitung des Textes. Die Diskussion behandelte verschiedene Probleme des Prüfens und Bewertens und ging dabei auch teils über den konkreten Text hinaus. Beispielsweise wurde bei mündlichen Prüfungen das Problem benannt, dass man einerseits die Fähigkeit zur strukturierten Antwort und die generelle Ausdrucksfähigkeit mitbewerte, dabei aber diversitysensibel vorgehen muss, um nicht einen bildungsbürgerlichen Habitus zu bevorzugen.

Danach folgte ein Vortrag von Daniel Lambach (Duisburg-Essen) zur Employability in der Friedens- und Konfliktforschung. Er stellte dabei Ergebnisse einer vergleichenden Absolvent*innenstudie vor, an der 2017 sieben Masterstudiengänge in Deutschland und Österreich teilgenommen hatten. Die Ergebnisse zeigen, dass Absolvent*innen dieser Studiengänge i.d.R. eine ausbildungsadäquate Tätigkeit aufnehmen und nur selten von Arbeitslosigkeit betroffen sind, aber oft nur auf befristeten Verträgen arbeiten. In der Diskussion wurden verschiedene methodische Aspekte besprochen, z.B. die Gründe für Non-Response, sowie der Abgleich mit Absolvent*innenstudien anderer Institutionen angeregt. Ferner wurde die Frage aufgeworfen, ob die Ausbildung relativ fachunspezifischer Kompetenzen wie z.B. Organisationskompetenz oder Fähigkeiten im Projektmanagement dem Bildungsauftrag einer Hochschule angemessen seien.

 

Praxis Teil I

Im Panel zu „Distance Learning“, moderiert von Daniel Lambach (Duisburg-Essen), wurden zwei Beiträge zu kooperativen E-Learning-Formaten vorgestellt, die aus demselben Projekt hervorgegangen sind. Zunächst präsentierten Patricia Konrad (Hamburg) und Alexander Kobusch (Tübingen) ein standortübergreifendes Ringseminar, das nach dem Modell des „Cross-Site Teaching“ von acht politikwissenschaftlichen Instituten gemeinsam angeboten wurde. Dabei stellten sie vor, wie man Studierende in diesem Format aktivieren und zur standortübergreifenden Kollaboration bewegen kann, und zeigten die kontinuierliche Weiterentwicklung des Formats. Im Anschluss stellten Witold Mucha und Christina Pesch (beide Düsseldorf), die ebenfalls am Ringseminar mitgewirkt hatten, ihre Adaption des Konzepts für eine internationale Kooperation der Universität Düsseldorf mit Partnern in Südafrika und den Niederlanden zur Diskussion. Ihr Ziel ist es, die Inhalte der Veranstaltung sowie die von den Studierenden produzierten Materialien als Open Educational Resources (OER) zu veröffentlichen.

Die Diskussion drehte sich zunächst um ganz praktische Fragen, d.h. um die technischen Voraussetzungen sowie die für das internationale Projekt notwendigen Englischkenntnisse der Studierenden. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Frage, wie man Studierende zur Zusammenarbeit motivieren könne, zumal es an den beteiligten Standorten teils unterschiedliche Leistungserwartungen gab. Außerdem wurde die Besonderheit des Formats herausgestellt, das sich hochaktuellen politischen Fragen widmet, sich eher an fortgeschrittene Studierende richtet und keinen Kernbereich des Curriculums abdeckt. Insofern gab es Fragen, welche Aspekte davon auch für grundständige Lehre adaptiert werden können.

 

Methoden

Im nächsten Panel folgten zwei Beiträge, die sich mit der Vermittlung von Forschungs- und Methodenkompetenz befassten. Zunächst fragte Carola Klöck (Göttingen): „Forschen unterrichten ohne Forschung: (wie) geht das?“. Anhand des Beispiels einer Veranstaltung, in der Studierende die Entwicklung von Forschungsdesigns lernen sollten, berichtete sie von den Herausforderungen, die aus der relativ großen Studierendengruppe und den vielfältigen Zielen des Konzepts entstanden, und suchte nach Ratschlägen zur Überarbeitung des Lehrkonzepts. In der Diskussion wurde der stärkere Einsatz von Peer Feedback angeregt und empfohlen, Studierende einen fertigen Projektantrag kritisieren zu lassen, um ihnen dadurch das Format näherzubringen. Allgemein wurde problematisiert, wie viel Anleitung Studierende beim forschenden Lernen brauchen/wollen.

Danach befassten sich Jasmin Haunschild und Anja Jakobi (beide Braunschweig) mit den Implikationen von Big Data für die Politikwissenschaft im Allgemeinen und die Methodenlehre im Speziellen. Sie hoben hervor, dass sich durch die neue Qualität und Quantität von Datenverfügbarkeit neue Forschungsfelder und –praktiken herausbilden, die unter Namen wie „Data Science“ oder „Computational Social Science“ firmieren. Ersteres wird zumeist als technisches Feld verstanden, in das keine sozialwissenschaftlichen Ausbildungsinhalte einfließen, während letzteres als genuin sozialwissenschaftliches Feld verstanden wird. Einige Institute mit Expertise in quantitativen Methoden haben angefangen, ihre Methodenausbildung um einschlägige Themen zu ergänzen; an der Hochschule für Politik der TU München wurde ein entsprechender Studiengang eingerichtet. Die Diskussion drehte sich einerseits um Fragen, welches Verhältnis Politikwissenschaft zu Daten hat, andererseits um strategische Fragen, wie sich die Disziplin angesichts der Herausbildung neuer Forschungsfelder positionieren sollte. Für die Lehre wurde insbesondere die Kooperation mit technischen ExpertInnen als Möglichkeit hervorgehoben.

 

Workshops Teil I

Im Anschluss ging die Tagung in zwei parallele Kurzworkshops über. Judith Gurr und Caroline Kärger (beide Lüneburg) boten einen Methodenbasar an, in dem sie in 60 Minuten drei Methoden vorstellten, um auch in großen Veranstaltungen die TeilnehmerInnen zu aktivieren: das aktive Plenum, die stille Debatte sowie die Nutzung von Abstimmungssystemen im Rahmen von Peer Instruction.

Lasse Cronqvist (Trier) leitete eine Diskussion darüber, ob das inzwischen weit verbreitete Instrument der standardisierten Lehrevaluation für eine Reflexion zur Verbesserung der Lehrqualität geeignet ist. Dabei wurde die Validität der Evaluationsergebnisse sowie deren Funktion als Steuerungsinstrument im Hochschulsystem kritisch diskutiert, aber auch Möglichkeiten identifiziert, wie – ggf. in Kombination mit anderen qualitativen Feedbackmechanismen – dennoch ein Nutzen aus Evaluationen gezogen werden kann.

 

Normativität

Zum Abschluss des ersten Tages fand das Panel zu Normativität in der Hochschullehre statt. Zum Einstieg wies Dannica Fleuß (HSU Hamburg) darauf hin, dass man hier die Lehre über Normativität von der Normativität in der Lehre unterscheiden müsse, auch wenn dies in der Praxis natürlich zusammenfallen kann. Sie stellte eine Seminarkonzeption vor, wie in der Lehre der politischen Theorie die Reflexion über menschenrechtliche Normen mit praktischen Implikationen anhand von konkreten Beispielen verbunden werden kann. Damit möchte sie die normative Urteilsfähigkeit ihre Studierenden stärken, indem sie sie u.a. zum theoretischen Perspektivwechsel verpflichtet. In ihrem Vortrag stellte sie auch die Spezifika der Studierenden an der HSU heraus, die als Soldaten*innen oft ein stark persönliches Interesse etwa an den Dilemmata ‚humanitärer Interventionen‘ hätten.

Anschließend hielt Julian Eckl (Hamburg) fest, dass Lehre nicht werturteilsfrei sein kann. Bereits die klassischen Lerntheorien Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus beinhalteten bestimmte Menschenbilder sowie normative Setzungen darüber, welche Rollen Lehrende und Lernende einzunehmen hätten. Durch die Entscheidung für eine Lerntheorie nehmen Lehrende also eine normative Position ein – vor jeglicher inhaltlicher Diskussion, in der dies ebenfalls unvermeidlich sei. Weiterhin sah er einen Anlass zur erneuten Beschäftigung mit den normativen Grundlagen von Lehre angesichts verbreiteter Krisendiskurse der Demokratie. Wenn gesellschaftliche Konsenslinien neu verhandelt oder überschritten werden, sei dies auch Anlass zu einer neuen Selbstvergewisserung über ansozialisierte Normen, worüber wie in welchen Kontexten diskutiert werden kann. Die Konfrontation mit Studierenden, die extreme Positionen in Lehrveranstaltungen vertreten, führe zwar zu schwierigen Situationen und Rollenkonflikten, sorge aber auch dafür, dass gesellschaftliche Polarisierungen und Radikalisierungen nicht ignoriert werden könnten.

In der Diskussion wurden theoretische wie praktische Fragen aufgeworfen. Auf theoretischer Ebene wurde darauf hingewiesen, dass die Lerntheorien sehr unterschiedliche Empfehlungen geben, wie mit deviantem Studierendenverhalten umzugehen sei. In praktischer Hinsicht wurde empfohlen, dass Lehrende ihre theoretischen/ontologischen Positionen transparent machen sollten. Weiterhin wurde darauf hingewiesen, dass Studierendengruppen zumeist gut mit unterschiedlichen Meinungen umgehen könnten, man aber auch deren Fähigkeit zum Umgang mit Pluralismus nicht fraglos voraussetzen darf. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage aufgeworfen, wie heterogen –hinsichtlich Bildungshintergrund und politischen Einstellungen – Studierendengruppen tatsächlich sind.

 

Workshops Teil II

Der zweite Konferenztag begann mit einem zweiten Paar Workshops. Im ersten bot Matthias Freise fünf Wege an, wie man mit dem Problem umgehen kann, dass Studierende die Seminartexte nicht gelesen haben, und diskutierte mit den TeilnehmerInnen eigene Erfahrungen und Strategien. Zu den Methoden der Stärkung von Lese-Compliance zählten u.a. Power-Point-Karaoke und Textpuzzles. Der zweite Workshop von Caroline Kärger und Judith Gurr fragte, wie, wann, mit wem und wie oft eigentlich ein Dialog über die Lehre stattfindet. In der Diskussion ergaben sich hier zwei Problemlagen: zum einen dass geklärt werden muss wozu ein Dialog dient und wie man ihn für Stakeholder interessant macht, zum anderen dass inhaltlicher Dialog heute oft von Prozessen des Qualitätsmanagements überlagert wird, die für Lehrende wenig attraktiv sind.

 

Praxis Teil II

Im letzten Panel, erneut moderiert von Mischa Hansel, ging es um Demokratieforschung und Demokratiekompetenz. Der erste Beitrag kam von Volker Best (Bonn), der sein Seminarkonzept eines Planspiels in der Regierungslehre vorstellte. Er hatte in Seminaren vor der Bundestagswahl 2017 sowie während der laufenden Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition Studierende zu ParteivertreterInnen gemacht und sie die Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen simulieren lassen, was sie mit großem Engagement taten. Das Feedback der Studierenden war insgesamt sehr positiv und hob den interaktiven Charakter des Seminars sowie dessen Anwendungsbezug hervor.

Im zweiten Vortrag stellte Christoph Klika, Toralf Stark und Susanne Pickel (Duisburg-Essen) ein noch laufendes Projekt zur Entwicklung eines Planspiels vor, das sich mit dem Effekt autoritärer politischer Kultur auf die Stabilität einer Demokratie befassen wird. In der ersten Phase entwickeln sie das Planspiel und die Spielmaterialien gemeinsam mit Lehramtsstudierenden. Nach dessen Fertigstellung möchten sie es in der Aus- und Weiterbildung von LehrerInnen einsetzen, da diese eine besondere Rolle als MultiplikatorInnen für demokratische Kompetenzen und Einstellungen ihrer SchülerInnen haben.

In der Diskussion ging es vor allem um Fragen des Planspieldesigns. Insbesondere wurde darüber diskutiert, inwieweit die Spielleitung den Ausgang eines Spiels (oder einer Zwischenphase) vorbestimmen kann, um damit bestimmte inhaltliche Punkte zu unterstreichen. Demgegenüber wurde argumentiert, dass dies von TeilnehmerInnen negativ bewertet würde und man auch subtil, z.B. durch Eingriffe von „Externen“ den Verlauf eines Spiels beeinflussen könne. Ferner wurde hervorgehoben, dass es für die Erstellung von Spielmaterialien, konkret zur Formulierung von Rollenprofilen, noch nicht viel handlungsleitenden Rat gebe.

 

Abschluss

In der Abschlussrunde baten Daniel Lambach und Mischa Hansel die TeilnehmerInnen um ihr Fazit zur Tagung sowie um die Identifikation latenter oder künftiger Themen, mit denen sich die Themengruppe beschäftigen sollte. Zu diesen gehörten:

  • Welche Erwartungen können/sollen wir an Studierende haben? Stimmt die verbreitete Klage, dass es immer mehr Studierenden an fundamentalen Kompetenzen fehle, oder muss man eher von einer Änderung von deren Kompetenzprofil sprechen? Was wissen wir überhaupt über unsere Studierenden?
  • Wie können wir die Selbstverantwortung der Studierenden stärken? Kann eine umfangreiche Didaktisierung des Lernprozesses Studierende unselbständig machen? Was bedeutet das für Mentoring, das ja vor allem Studierende aus bildungsfernen Schichten unterstützen soll?
  • Welche Rolle schreiben wir der Politikwissenschaft im öffentlichen Raum zu? Haben wir eine Verantwortung zur Beteiligung an gesellschaftlichen und medialen Diskursen und wenn ja, wie können wir unsere Vermittlungskompetenz dazu einsetzen?
  • Wie motivieren sich Lehrende? Wie kann man andere Lehrende zu guter Lehre motivieren?
  • Gibt es Bedarf und Interesse, Lehrmaterialien und Veranstaltungskonzepte zu teilen? Wenn ja, unter welchen Bedingungen und über welche Plattformen?
  • Welche speziellen didaktischen Herausforderungen gibt es in den Teilbereichen der Politikwissenschaft?

Während die obigen Fragen generell formuliert sind, müssen wir uns in der Beschäftigung darüber verständigen, inwieweit ihre Beantwortung disziplinspezifisch ausfällt oder ob hier auch ein produktiver Austausch mit anderen Disziplinen und/oder der Hochschuldidaktik gesucht werden sollte.

Die Sprecher wiesen abschließend nochmals auf die ab Herbst erscheinende Kleine Reihe Hochschuldidaktik Politik hin und gaben einen Ausblick auf die Aktivitäten der Themengruppe bei der Tagung der DVPW, die September 2018 in Frankfurt am Main stattfinden wird. Im Anschluss an die Tagung fand ein Vernetzungstreffen der Theorielehrenden statt, um damit einen Workshop zur Lehre in der politischen Theorie, Philosophie und Ideengeschichte vorzubereiten.

Online Lehre mit langem Atem – 18 Jahre „Communication for Development“ an der Uni Malmö

Dies ist ein Gastbeitrag von Tobias Denskus (Universität Malmö).

Digitale Lehre ist im Zeitgeist, wie nicht zuletzt der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD beweist, der „mehr Online-Lernangebote und digitale Inhalte“ (S. 40) fordert. Aber wie organisiert man derartige Angebote, gerade wenn die Mittel dafür begrenzt sind?

Seit 2000 bietet die schwedische Universität Malmö sein online blended-learning Master-Programm in Communication for Development an. Der zweijährige Teilzeit-Master (50%) ist heute das postgraduierte Programm mit den meisten Bewerbungen an der Universität.

Ich möchte in meinem Beitrag ein paar der Erfolgsfaktoren vorstellen, die sich in der Praxis bewährt haben und die vor allem zwei Aspekte deutlich machen: Wenn ein Team von Kolleginnen zusammenkommt, das in inhaltlichen, pädagogischen und technischen Fragen zusammen arbeitet, ist ein digitales Lehrangebot mit verhältnismäßig geringen Mitteln verwirklichbar. Gleichzeitig testet ein flexibles und relativ offenes Angebot regelmäßig die Grenzen aus, was man im akademischen Bereich digital machen kann und darf.

Unsere Erfahrungen gerade mit ausländischen Kolleginnen beweisen, dass es kein „one size fits all“ Modell gibt. In unserem Glocal Classroom“ Projekt haben Partner in Südafrika, Kanada und Australien digitale Lehrformate jeweils sehr unterschiedlich umgesetzt.

Ich möchte einige unserer Erfolgsfaktoren in Malmö vorstellen. Im Kern geht um Flexibilität, ein Mindestmaß an technischer Affinität und darum, spezielle Projekte zu nutzen, um die Routine nicht überhand nehmen zu lassen.

 

Es geht am besten im Team

Ich kann mir unser Programm nicht ohne konstanten peer-support vorstellen. Gerade weil unsere 100+ Studierenden oft nicht physisch sichtbar sind, sind Teamtreffen wichtig um Strategien zu diskutieren: Was läuft technisch richtig? Wie strukturieren wir die Inhalte? Aber auch: Was sagt die Verwaltung? Gerade im laufenden Betrieb muss ein Kernteam ansprechbar sein, denn in Schweden, wo EU-Bürgerinnen umsonst studieren, wird sonst gnadenlos mit den Füßen bzw. der Maus abgestimmt. Freistehende Online-Angebote, die nicht Teil eines Master Programms sind, haben auch schon mal 80% StudienabbrecherInnen. Das Team ist ein wichtiger Rückhalt und man darf die Verantwortung nicht auf ein Teammitglied abwälzen, das dann frustriert vor dem Learning Management System (LMS) sitzt.

 

Champions in der Uni finden – aber die Verantwortung nicht abgeben

Unser Programm ist in der guten Situation, dass wir von unserer Universitätsleitung unterstützt werden. Das hilft prinzipiell immer, aber umso mehr, wenn die Verwaltung „geht nicht“ sagt. Unser Ansatzpunkt ist die Internationalisierung, die an vielen schwedischen Unis noch stärker ausgeprägt sein könnte, was auch damit zu tun hat, dass sehr, sehr viele Angebote nach wie vor auf Schwedisch sind. Ein internationales MA-Programm in englischer Sprache ist immer noch eher die Ausnahme als die Regel. Und da bis 2011 sogar internationale Studierende umsonst in Schweden studieren konnten, war das in der Anfangszeit ein wichtiges Argument um Unterstützung zu finden.

Heute sind viele Aspekte deutlich stärker professionalisiert – was für digitale Lehre nicht immer von Vorteil sein muss. Globale Unternehmen wie Adobe und Cisco sind sehr daran interessiert ihre Plattformen an die Uni zu bringen – wo dann jeder Raum auf Knopfdruck live streamen kann. Das ist nicht unser Modell und die Gefahr ist, dass am Ende dabei eine „talking head“-Vorlesung herauskommt die die Powerpoint-Präsentation abfilmt. Mehr dazu später im Beitrag.

 

Loslegen – auch wenn nicht alle Parameter zu 100% definiert sind.

Der digitale Raum und seine rechtlichen und praktischen Rahmenbedingungen ändern sich ständig und schnell. Selbstverständlich kann man diskutieren, ob man die Einführungsvorlesung auch über die Facebook-Seite live streamen soll. Man kann es aber auch einfach ausprobieren – auch wenn der Uni-Jurist nicht 100% sicher ist und natürlich lieber davon abrät. Wir wollen Communication for Development dort machen, wo es passiert – und wo unsere Studierenden sind. Natürlich ist itslearning, unser LMS, die zentrale Anlaufstelle für unsere Kurse, aber ich verliere keinen Schlaf darüber, wenn wir einen Google-Kalender für unsere Vorlesungen benutzen. Uns hat jetzt auch noch keine Studierende verklagt, weil es mal eine doofe Frage in einer halb-öffentlichen Vorlesung gab. Als öffentliche Institution gleichzeitig zu versuchen die digitale Lebenswirklichkeit abzudecken ist nicht immer einfach. Aber „im Zweifelsfall erst mal machen“ ist meine Erfahrung.

 

Von Fernsehstudios, MOOCs und Plattformen

Man kennt das ja von SPIEGEL ONLINE-Berichten: Geht es um Innovationen an Hochschulen, werden idealerweise die „Traditions-Uni Oxford“ oder die „Elite-Universität Harvard“ erwähnt. Da gibt es dann einen Blick in ein Fernsehstudio („der Hörsaal der Zukunft“) oder man spricht mit dem Manager des „größten MOOC zum Thema xyz“. Wir haben natürlich nicht die Mittel – aber auch einfach einen anderen pädagogischen Ehrgeiz. Wir bieten einen berufsbegleitenden Online-Master im schwedischen System an – nicht mehr und nicht weniger. Und dann jedes Semester ein gutes Programm abzuliefern ist schon Herausforderung genug. Andererseits haben wir in Schweden ein gutes „Rückgrat“ durch SUNET. Wir bekommen unsere eigene PLAY-Plattform, ZOOM wird unsere bevorzugte Videokonferenz-Anwendung und wir hatten mit Bambuser lange Zeit einen schwedischen Partner der Livestreaming kostengünstig ermöglichte. Es gibt also lokale Möglichkeiten global digital zu lehren.

 

Projekte finden zum Austausch und Lernen

Ein Vorteil unseres flexiblen Modells ist, dass wir mobil sind. Der fachliche, pädagogische und technische Austausch ist wichtig und das geht am besten, wenn man mit Partnern ein Seminar anbietet. Es geht nicht nur um gute Inhalte für Vorlesungen, sondern auch um Vernetzung mit Studierenden und Alumni-aber auch mit der IT oder fachfremden Kolleginnen, die eine komplett andere Plattform nutzen. Es wird keine komplette Integration verschiedener Formate, Software usw. geben, aber einen virtuellen Raum herzustellen, in dem verschiedene Studierende zusammenkommen und verschiedene Inhalte mitnehmen ist schon ein guter Erfolg.

 

„Früher war alles schlechter“ – die Mischung zwischen Tradition und Innovation

Ich bin nach wie vor positiv überrascht, wie sehr Studierende an klassischen Formaten wie „der Vorlesung“ interessiert sind – und wie wenig wir auf Quiz oder andere sehr digitale Formate setzen. Virtuelle Gruppenarbeit, eine kurze Buchrezension, ein langer Essay oder ein Kurs, der primär mit einem Blog arbeitet  – Formate wechseln sich ab, aber wir erfinden hier nicht Hochschullehre neu.

Das liegt sicher auch an unseren Studierenden, die tendenziell älter sind, Beruf und/oder Familie haben und eine relativ hohe internationale Ausbildung haben und selbstorganisiert sind. Mit 19-jährigen Bachelor-Studierenden müsste man sicher anders planen. Aber gerade, wenn man den Diskurs des lebenslangen Lernens ernst nimmt, ist das ein praktikables und sinnvolles Modell. Ich persönlich halte ein mittelgroßes MA-Programm für zielführender als einen MOOC.

 

Digitale Formate in der neoliberalen Hochschule

Auch wenn in Schweden die Neoliberalisierung der Hochschulen langsamer und weniger invasiv vor sich geht, leben wir natürlich nicht in einem akademischen Paradies. Wer mit digitalen Formaten Geld sparen will oder schnell Zugang zum globalen Markt mobiler und finanzkräftiger ausländischer Studierender sucht, dürfte enttäuscht werden. Am Ende des Tages ist unser Modell relativ zeit- und personalaufwändig und selbst wenn unser Angebot eigentlich ideal für Berufstätige in der globalen Entwicklungsindustrie sein sollte, bekommen wir sehr oft Feedback, dass man doch lieber einen „richtigen“ Master machen möchte, für den die Familie in den globalen Norden ziehen kann.

 

Es gibt zu allen Punkten natürlich noch viel mehr zu sagen und schreiben – Rückfragen gerne an mich: http://aidnography.blogspot.se/p/about-connect.html.