Schlagwort-Archive: Digitales Lernen

Programm der Dritten Jahrestagung der Themengruppe Hochschullehre (26.-27. Februar 2018)

Die Dritte Jahrestagung der Themengruppe Hochschullehre findet am 26.-27. Februar 2018 an der Universität Hamburg statt. Unter dem Titel “Politikwissenschaftliche Hochschullehre – Perspektiven und Konzepte aus Theorie und Praxis” haben wir ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das hier zum Download im pdf-Format zur Verfügung steht: Programm Jahrestagung 2018.

Die Teilnahme ist für alle interessierten Mitglieder und Nicht-Mitglieder offen. Die Teilnahmegebühr beträgt 20 Euro, für Studierende ist die Teilnahme kostenlos. Wenn Sie sich anmelden möchten, schicken Sie bis zum 20. Februar 2018 eine formlose Mail an nicolas.ehricke(ÄT)wiso.uni-hamburg.de.

Wir freuen uns auf eine interessante Tagung und hoffen, Sie dort zahlreich begrüßen zu dürfen.

Call for Papers für die Jahrestagung 2018 in Hamburg

Am 26. und 27. Februar 2018 veranstaltet die Themengruppe Hochschullehre in der DVPW ihre nunmehr dritte Jahrestagung, dieses Mal an der Universität Hamburg. Die Tagung richtet sich an Mitglieder der Themengruppe, DVPW-Mitglieder, ebenso aber an alle interessierten Lehrenden und Studierenden der Politikwissenschaft und verwandter Disziplinen. Eine Mitgliedschaft in der DVPW ist zur Teilnahme nicht notwendig.

Call for Papers (Download als pdf)

Thema der Tagung ist diesmal:

Politikwissenschaftliche Hochschullehre – Perspektiven und Konzepte aus Theorie und Praxis

 

Perspektiven und Konzepte aus der Theorie

Im Rahmen der bisherigen Veranstaltungen unserer Themengruppe wurde deutlich, dass unsere Hochschullehre in didaktischer Hinsicht häufig mit wenig theoretischer Fundierung auskommt. Damit sind nicht didaktische Methoden oder Fragen von Lern- und Kompetenzerwerb gemeint, sondern vielmehr Fragen nach den Spezifika politikwissenschaftlicher Hochschullehre, zum Beispiel: Welche (fachspezifischen) Theorien legen wir der Konzeption von Lehrformaten zugrunde? Welche normativen Prägungen finden Eingang in die Lehre und welche Auswirkungen hat dies für die spätere Praxis? Was unterscheidet politikwissenschaftliche Hochschullehre von der Lehre in anderen Disziplinen? Wo und in welcher Form findet empirische Forschung zum Thema politikwissenschaftliche Hochschullehre statt? Beschäftigen sich Nachwuchswissenschaftler/innen in Qualifikationsschriften mit politikwissenschaftlicher Hochschullehre? Finden Forschungen zu Lehrenden und Lernenden unseres Faches statt? Im Rahmen des Forums „Theorie“ laden wir herzlich ein, Konzepte und Forschungen zu diesen und weiteren Fragen vorzustellen. Unser Theoriebegriff ist hierbei bewusst weit angelegt und meint das Nachdenken, Reflektieren und Evaluieren über bzw. der eigenen Lehre. Hierbei interessieren uns vor allem Forschungen und Konzepte, die noch vor der praktischen Erprobung stehen, ebenso wie theoriegestützte Metaüberlegungen und empirische Forschungen zur politikwissenschaftlichen Hochschullehre insgesamt. Vorgestellte Konzepte müssen nicht fertiggestellt sein, auch Werkstattberichte laufender Vorhaben oder Ideenskizzen für künftige Forschungen sind äußerst willkommen.

Perspektiven und Konzepte aus der Praxis

Die Jahrestagungen der Themengruppe beinhalten immer auch Präsentationen von Lehrkonzepten, von Erfahrungsberichten aus Lehrveranstaltungen höchst unterschiedlichen Formats. Im Forum „Praxis“ möchten wir erneut die Gelegenheit geben, Lehr-Lernformate aus der Hochschullehre zu präsentieren, Ideen für solche Formate zur Diskussion zu stellen und neue Formate im Kreis von Kolleginnen und Kollegen zu entwickeln. Hierbei laden wir ausdrücklich auch dazu ein, interdisziplinäre und berufsorientierte Lehrformate vorzustellen. Uns geht es nicht nur um Lehrinnovationen, sondern auch um neue Perspektiven auf bewährte Themen und Formate. Denkbar ist überdies, dass Ansätze zum Umgang mit aktuellen Herausforderungen der Lehre (z.B. Heterogenität der Studierenden, Digitalisierung des Studienalltags) präsentiert werden. Gleichermaßen interessieren uns jedoch auch Austausch- und Weiterbildungsformate auf Fach- oder Fakultätsebene, die an Ihren Hochschulen praktiziert werden, so etwa Lehrkolloquien oder Gesprächsrunden zwischen Lehrenden und Studierenden.

 

Einreichung von Beiträgen:

Interessierte senden bis einschl. 30. November 2017 ein Abstract (max. 600 Wörter inkl. Leerzeichen) an die Sprecherin der Themengruppe: Julia Reuschenbach M.A., Universität Bonn (julia.reuschenbach(ÄT)uni-bonn.de). Bitte geben Sie an, in welchem Format (Vortrag, Diskussion, Roundtable o.ä.) Sie Ihren Teil im Rahmen der Tagung gestalten möchten und fügen Sie einige biografische Angaben (max. 250 Wörter inkl. Leerzeichen) bei.

Nach Auswahl der Beiträge werden wir Sie bis zum 20. Dezember 2017 über das finale Programm informieren. Die Themengruppe ermöglicht die Buchung günstiger Übernachtungsmöglichkeiten im Rahmen von Hotelkontingenten. Diese Kosten sowie Reisekosten oder Honorare können leider nicht durch die Themengruppe übernommen werden.

Für Fragen stehen Ihnen die Sprecher/innen der Themengruppe gerne zur Verfügung

Interaktive Tests zwischen Lernerfahrung und Prüfungsterror

Dies ist ein Gastbeitrag von Achim Kemmerling (Central European University)

 

Multiple Choice Tests (MCs) sind ein zweischneidiges Schwert: einerseits sind sie äußerst mechanisch, bisweilen langweilig, aber auch schonungslos; andererseits häufig unausweichlich. Gerade zur Literaturkontrolle gibt es wenige Prüfungsformen, die effizienter wären. Als Student fand ich sie jedoch vor allem phantasielos.

Daraus ergibt sich die Frage, wie man MCs in interessante Prüfungen für alle Beteiligten verwandeln kann. Interaktive Tests sind hier eine lohnenswerte Alternative, vor allem, weil man sie mittlerweile computergestützt erstellen kann. Interaktiv heisst dabei, dass der Test auf die individuellen Antworten der StudentInnen reagiert. Im einfachsten Fall kann das einfach nur unmittelbares und detailliertes Feedback sein, in komplexeren Fällen passen sich die Fragen dem Wissen der StudentInnen an (siehe Abbildung für ein Beispiel).

Abbildung: Beispiel für eine Frage mit unmittelbarer Feedback Funktion

Schon die Idee, Evaluierung und Feedback unmittelbar miteinander zu verknüpfen, ist ein wesentlicher Fortschritt. Das Problem mit MCs und vielen anderen Prüfungsformen ist ja, dass man immer erst (z.T. viel) später mit Sicherheit weiß, was gelungen, was schiefgelaufen ist. Diese zeitliche Trennung von Reaktion und Sanktion, von Antwort und Feedback, macht aus MCs reine Evaluierungsinstrumente, aber sie erlauben kaum dynamisches Lernen im Sinne von trial and error. Generell ist das Zusammenlegen von Feedback und Evaluierung eine wichtige, wenn auch manchmal delikate, Idee (in Seminararbeiten z.B. über ein Revise&Resubmit-Verfahren möglich, oder bei Präsentationen durch Feedback in der Gruppe). Tatsächlich können interaktive Tests Lernergebnisse steigern (studie, studie). Ein Student beantwortet eine Frage falsch, bekommt dies mitgeteilt, und er kann dann einen zweiten, dritten etc. Versuch unternehmen. Man kann auch Hinweise in das Feedback einstreuen und so den Evaluierungs- und Lernprozess miteinander koppeln.

Und wie gesagt, solche Interaktiven Tests können noch wesentlich mehr, sie können adaptiv auf das Antwortverhalten reagieren. Wenn etwa bei Statistiktests offensichtlich wird, dass bestimmte Fragen zu schwierig sind für den Prüfling, kann sich das Niveau oder der Inhalt darauf anpassen. Sehr intelligente Tests können sogar die Wissenslücken systematisch einkreisen und Handlungsempfehlungen geben (‚Lesen Sie bitte das Kapitel X in Lehrbuch Y nach.‘) Das kann, je nach Prüfungssystem, natürlich zu Vergleichbarkeitsproblemen zwischen StudentInnen führen, aber zumindest als Lehr- und Lerninstrument ist dies eine hervorragende Möglichkeit.

Was den Zeitaufwand anbetrifft sind interaktive MCs natürlich erst einmal zusätzliche Arbeit. Jedoch handelt es sich dabei i.d.R. um einen einmaligen Aufwand, der sich im Zeitablauf lohnen kann. Zudem spart man sich das lästige Korrigieren. Das größere Problem, dem ich in der Praxis begegnet bin, liegt jedoch in der menschlichen Psyche. Die Prüfungsangst, die sich schon bei normalen MCs einstellt, kann sich in der computergestützten Version noch verstärken. In einem Fall ging das soweit, dass der Student das Passwort für den Test mehrmals hintereinander falsch eintippte – ich stand daneben und sah ihm fasziniert zu – und felsenfest der Überzeugung war, dass es an seiner Seite oder unserem Passwort läge.

In einem provisorischen Vergleichstest Papier und Stift vs. Computer stellte sich dann heraus, dass StudentInnen zwar die Computer-Variante insgesamt bevorzugten, jedoch auch erhöhten Stress in der Testsituation spürten. Auch die Atmosphäre von Computer Labs ist für manche Studenten eine Herausforderung. Über Moodle kann man das natürlich auch mit eigenen Laptops im Kursraum durchführen, aber auch dies kann neue Stressfaktoren erzeugen.

Nebenbei bemerkt: Es gibt vermutlich Situationen, in denen diese Belastung als legitimer Teil der Evaluierung gesehen wird. Leistung ist immer auch Leistung unter gegebenen Restriktionen. Dennoch ist ein zuviel wohl kontraproduktiv. Zumindest muss die psychische Belastung eingeplant werden.

Daher entwickle ich derzeit tiefergehende Experimente, um zu sehen, ob sich diese Prüfungsangst bzw. die zugrundeliegende Stresssituation mildern lässt. Das Experiment soll mehrere Testvarianten vergleichen: unterschiedliche Designs (Wie sieht der Test aus, wie das Feedback? Die Standardeinstellung bei Moodle sind zum Beispiel keineswegs ansprechend), unterschiedliche Sequenzierung und Staffelung von Fragen, sowie unterschiedlich ‚intelligente‘ Fragen, die sich dem Niveau anpassen. Das ganze Projekt ist bislang noch in der Entwicklungsphase, und ich würde mich über Austausch, ähnlichen Erfahrungen etc. sehr freuen. Es kann sich lohnen, denn die ersten Versuche zeigen, dass man mit kleverem Design MCs sehr produktiv in die Lehre einbauen kann.

Hilfe oder Blendwerk? Blended learning als Hilfsmittel für die Begleitung politiktheoretischer Hausarbeiten

Dieser Gastbeitrag ist von Anna Meine (Universität Siegen). Er wurde auch schon im Theorieblog veröffentlicht.

Screencast - AusschnittG. A. Cohen konstatiert zu Beginn seines Aufsatzes „How to do Philosophy“, dass die Vermittlung von philosophischen Heran- und Vorgehensweisen kaum je explizit geschieht – mal aus der Überzeugung heraus, dass sich die Einzelnen durch ihre persönliche Mühsal erst einmal beweisen sollen, mal, weil ihr Erlernen einem Sozialisationsprozess entspricht, den man nicht erklären kann, sondern den die Lernenden vielmehr beobachten und imitieren müssen (2011: 225). Politische Theorie zu betreiben impliziert hier die vertiefte und in aller Regel individuelle Auseinandersetzung mit Argumentationen und Texten, das Mit- und Nach- und dann das selber Denken. Selbst wenn die Erklärung vom Sozialisationsprozess überzeugt, steht aber zu fragen, ob man Studierende beim Erlernen dieser Tätigkeiten nicht doch begleiten kann und sollte.

Gleichzeitig erleben wir weiterhin, dass neue Formen des e- oder blended learning, dass nicht nur Online-Plattformen, sondern Blogs, Wikis und MOOCs (komplette Online-Kurse für ein Massenpublikum) als Mittel für die universitäre Lehre vielerorts aus dem Boden sprießen. Über ihren Sinn und Mehrwert wird zugleich trefflich gestritten. (Siehe dazu z.B. die Theorieblog-Beiträge von Ulrike Höppner, Stefan Skupien und Andreas Antić zu e-learning in der Politischen Theorie im Allgemeinen oder zu MOOCs bzw. Michael Sandels Gerechtigkeits-Vorlesung im Speziellen.)

Am Beispiel der Begleitung politiktheoretischer Hausarbeiten möchte ich im Folgenden einen Vorschlag für die Einbindung von Podcasts (Audiodateien) oder Screencasts, d.h. Video-Aufzeichnungen mit Audio-Kommentar, in die politiktheoretische Lehre machen, den ich gemeinsam mit meinen Freiburger Kollegen Friedrich Arndt und Judith Gurr entwickelt habe. Pod- und Screencasts können die politiktheoretische Lehre bereichern, die Präsenzlehre und individuelle Sprechstunden sinnvoll ergänzen. Sie können zu einem gewissen Maß sogar für sich stehen. Wenn die politiktheoretische Lehre aber darauf zielt, dass Studierende eigenständige Fragestellungen und wissenschaftliche Haltungen entwickeln, sind sie jedoch vor allem dann fruchtbar, wenn sie systematisch mit Präsenzlehre und Sprechstunden verknüpft werden.

Von existierenden Leitfäden und Readern, die vor allem auf formale und strukturelle Anforderungen abstellen, unterscheidet sich unsere dreiteilige Screencast-Reihe „Theoretisch Fragen“ in mehrfacher Hinsicht: Technisch handelt es sich bei unseren Screencasts um Video-Aufzeichnungen einer Power-Point-Präsentation, die mit einer Audio-Spur unterlegt und durch einzelne Video-Clips ergänzt werden. Zusammengesetzt haben wir das Ganze mit dem Aufnahme- und Schneideprogramm Camtasia. Pod- und Screencasts machen durch diese Technik eine direkte persönliche Ansprache möglich, die den klassischen gedruckten Anleitungen und Leitfäden verwehrt bleibt und die zu unserem inhaltlichen Schwerpunkt passt: Denn wir stellen weniger formale Anforderungen und Regeln in den Mittelpunkt unserer Überlegungen als die Konzeption von Hausarbeiten, genauer die Suche nach guten, relevanten und zugleich beantwortbaren und eingegrenzten Fragestellungen. Diese Suche stellt unserer Erfahrung nach eine besondere Hürde für die Studierenden dar. Die wissenschaftliche, gesellschaftliche und persönliche Relevanz oder Irrelevanz der Frage entscheidet zudem über die Motivation der Studierenden. In drei Teilen nähern wir uns deshalb dem Herzstück der Reihe, unserer Typologie von Fragestellungen.

  • Teil I behandelt die Frage der Themenfindung, steckt den Rahmen für die Themensuche ab, führt Strategien zur Identifikation theoretischer Probleme auf und lädt nicht zuletzt dazu ein, unterschiedliche Visualisierungs- und Schreibtechniken auszuprobieren, um Vorwissen zu aktivieren und die bisherigen Gedanken zu sortieren.

  • Teil II widmet sich den Herangehensweisen politischer Theorie und Philosophie und versucht, wissenschaftstheoretische Debatten auf einzelne, für Anfängerinnen zumindest handlichere Ideen herunterzubrechen. Wir thematisieren in aller Kürze unterschiedliche wissenschaftliche bzw. politiktheoretische Haltungen und Herangehensweisen zwischen Konstruktion, Rekonstruktion und Dekonstruktion und versuchen sie für den Konzeptionsprozess fruchtbar zu machen.

  • In Teil III diskutieren wir die Bedeutung und die Charakteristika guter Forschungsfragen und führen schließlich unsere Fragetypologie ein. Hier zeigen wir ein Spektrum politiktheoretischer Fragetypen, das in der klassischen empirisch-sozialwissenschaftlichen Methodenausbildung oft zu kurz kommt. Es reicht von Verständnisfragen und Kohärenzfragen über Kommentare und Ableitungen aus der bzw. Rückfragen an die Theorie bis hin zu normativen Argumentationen. Jeden Fragetyp stellen wir anhand einer generischen Frage, geeigneten Kontexten, verfolgten Zielen, groben Zügen des Vorgehens und ausgewählten Beispielfragen vor.

Wie lässt sich mit diesen Screencasts nun sinnvoll arbeiten? Als Lehrende laden wir die Studierenden im Verlauf des Semesters und vor allem in der Vorbereitung ihrer Hausarbeiten dazu ein, sich die Screencasts individuell, nach und nach oder auch einzeln anzuschauen und die unterschiedlichen Techniken zur Themenfindung und Strukturierung auszuprobieren. Darüber hinaus thematisieren wir ausgewählte Elemente in unseren Lehrveranstaltungen und stellen Querverbindungen zwischen den Screencasts und unseren Seminarinhalten her. Mit Bezug auf das Herzstück der Reihe, die Fragetypologie, ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten – soll sie doch nicht als Rezeptbuch, sondern als Hilfestellung für die Arbeit am eigenen Thema dienen. Diejenigen, die noch keine Idee für eine Frage haben, können mit Blick auf das eigene Thema unterschiedliche Typen durchspielen und prüfen, welche Fragetypen sich im konkreten Fall eignen. Diejenigen, die schon eine Idee für eine Frage haben, können sie einordnen und mithilfe der Typologie versuchen, Kontext, Ziele und Vorgehen genauer zu bestimmen. Auf diese Überlegungen können wir dann in den Hausarbeits-Sprechstunden zugreifen.

Damit zeigt sich nicht nur wie, sondern auch noch einmal warum wir mit den Screencasts arbeiten: Nicht nur nutzen wir mit den Screencasts neuere Medien und entlasten die kurrikulare Präsenzlehre. Die Screencasts ermöglichen uns, die Studierenden tatsächlich anzusprechen und somit persönlicher zu erreichen als ein gedruckter Leitfaden. Die Studierenden wiederum können selbstgesteuert vorgehen und sich Lehrinhalte in ihrem Tempo und vor allem zum geeigneten Zeitpunkt aneignen. Vor allem aber verbessert sich durch die Screencasts die Gesprächsqualität in unseren Sprechstunden immer dann deutlich, wenn die Studierenden bei der Konzeption ihrer Hausarbeiten mit ihnen gearbeitet haben. Sie schaffen in einer erhöhten Anzahl von Fällen eine gemeinsame Gesprächsgrundlage und eröffnen einen Raum für individuelle Auseinandersetzungen zwischen Lehrenden und Lernenden.

Wer möchte, kann dies cognitive apprenticeship nennen. Diese Lehrstrategie überträgt die handwerkliche Lehr-Lern-Beziehung zwischen Meister und Schüler auf kognitive Bereiche. Damit fordert sie, über die Erklärung und Veranschaulichung von Inhalten, die e- oder blended-learning Elemente gut leisten können, die persönliche Auseinandersetzung mit den Studierenden. So liegt der Mehrwert, den wir in Elementen des e-learning sehen, nicht zuletzt darin, dass sie auch innerhalb der heutigen eng getakteten Studiengänge, Studierende – gerade die, die nicht von sich aus abstrakte Texte verschlingen und aktiv Fragen stellen – ansprechen können und damit Räume für eine persönliche Auseinandersetzung öffnen, in der die Lehrenden weiterhin als Forschende und als Gegenüber erkennbar bleiben sollen, und deren Ziel es ist, dass auch die Studierenden mit der Hilfe, die ihnen zusteht, eine eigenständige Haltung als Autorin oder Autor entwickeln.

Gleichzeitig ist unsere Screencast-Reihe kein abgeschlossenes Projekt. Wir sehen vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten, um das Zusammenspiel zwischen Präsenzlehre und e-learning weiter zu verbessern. Neben zusätzlichen inhaltlichen Elementen schweben uns dabei vor allem zusätzliche interaktive Übungen vor, die zum Beispiel aktivierende Schreibtechniken oder auch Peer-Verfahren noch systematischer in das Projekt integrieren. Nicht zuletzt deshalb freuen wir uns über all diejenigen, die in unsere Screencasts reinschauen oder sie sogar in ihrer Lehre nutzen, genauso wie über Rückfragen, Kritik, Anregungen oder auch Ergänzungen hier im Blog.