Schlagwort-Archive: Politikwissenschaft

Call for Papers: Hochschullehre in der Politischen Theorie und Ideengeschichte

Am 10.-11. Mai 2019 findet mit Unterstützung des AK Hochschullehre ein Workshop für
den Austausch zwischen Theorielehrenden und Hochschuldidaktiker*innen mit dem Titel „Hochschullehre in der Politischen Theorie und Ideengeschichte: Selbstverständnis, Praxis, Perspektiven“ statt. Geplant sind Impulsreferate der Workshop-Teilnehmer*innen sowie ein Roundtable zu spezifischen Herausforderungen und Perspektiven der Lehre Politischer Theorie/Ideengeschichte.

Vorschläge für Beiträge können bis zum 28. Februar 2019 bei Dr. Dannica Fleuß eingereicht
werden (Email-Adresse siehe pdf-Version des Call). Im Anschluss daran wird bis zum 15. März das Programm zusammengestellt und veröffentlicht. Bitte beachten Sie, dass Ihre Beiträge eine Vortragszeit von 15 Minuten nicht überschreiten sollten.

 

Hochschullehre in der Politischen Theorie und Ideengeschichte: Selbstverständnis, Praxis, Perspektiven

Ausgangspunkt für den geplanten Workshop ist der – aus der eigenen Lehrerfahrung gewonnene und von zahlreichen Kolleg*innen gespiegelte – Eindruck, dass die Lehre Politischer Theorie mit besonderen Herausforderungen verbunden ist bzw. in einer besonderen Vielzahl von Hinsichten ‚scheitern‘ kann. Ist dieser Eindruck aber begründet, und, wenn ja, wodurch? Liegt es am spezifischen Gegenstand der Politischen Theorie, am besonderen Selbstverständnis Politischer Theoretiker*innen, oder mangelt es schlicht an didaktischen Kompetenzen?

Mit dem Workshop wollen wir einen Austausch über diese und ähnliche Fragen anstoßen, mit dem insbesondere auch ausgelotet werden soll, welche weiteren Perspektiven sich hieraus ergeben und inwiefern Bedarf und Potenzial für die Etablierung eines längerfristigen Austauschs- und Diskussionszusammenhangs bestehen. Zu diesem Zweck scheinen uns die Auseinandersetzung mit den folgenden Themenblöcken besonders vielversprechend:

Selbstverständnis
Die Frage danach, was Gegenstandsbereich und Aufgabe der Politischen Theorie ist, wird unter Politischen Theoretiker*Innen kontrovers diskutiert. Deutungsoffen bzw. umkämpft ist damit auch das Selbstverständnis Theorielehrender: Welche Aufgabe hat die Lehre Politischer Theorie, welche Funktion hat sie in gesamtgesellschaftlicher Perspektive und im Rahmen der Lehre der arbeitsteilig organisierten Disziplin Politikwissenschaft? Wie konzeptualisieren wir unsere Rolle als Lehrende in der Politischen Theorie und worin sehen wir aktuelle Herausforderungen dieser Selbstverständnisse (z.B. durch die Veränderung von Studierendenzusammensetzungen und Studiengangreformen oder vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen)? Zu fragen ist möglicherweise außerdem, in welcher Hinsicht sich in der Lehre Politischer Theorie der zu vermittelnde Gegenstand von demjenigen in den übrigen Teilbereichen der Politikwissenschaft unterscheidet und inwiefern sich daraus  spezifische Herausforderungen ergeben – bzw. welche Herausforderungen mit den übrigen Teilbereichen (oder auch benachbarten Fächern) geteilt werden.

Praxisberichte
Didaktische Konzepte und Konzeptualisierungen von Aufgabenstellung und Gegenstandsbereich(en) der Politischen Theorie müssen in Lehrpraxis übersetzt werden. Wir freuen uns daher über Erfahrungsberichte aus Ihrer Lehrpraxis: Welche Seminarformate und Seminarkonzepte haben Sie im Rahmen Ihrer Lehre umgesetzt? Mit welchen Formaten haben Sie versucht, themen- oder kontextgebundene Herausforderungen der Theorielehre zu adressieren? Mit welchen Seminarkonzepten, unter Einbindung welcher Techniken, Strategien oder Medien ist es Ihnen gelungen, inhaltlich schwer vermittelbare oder politisch problematische Themen erfolgreich zu kommunizieren?

Vergleichende Perspektive
Die Konzeptualisierungen, Aufgabenbeschreibungen und Zielsetzungen der Lehre Politischer Theorie sind national und international in diverse disziplinäre sowie kulturelle bzw. politische Kontexte, Hochschulsysteme und Studiengänge eingebettet. Wir möchten daher fragen: Wie wird Theorielehre in diesen verschiedenen Kontexten praktiziert? Welche für die Lehre Politischer Theorie spezifischen – didaktischen und inhaltlichen – Herausforderungen werden im Vergleich verschiedener Kontexte transparent? Welche Strategien auf diese Herausforderungen zu antworten werden in verschiedenen Ländern, Hochschulsystemen und Studiengängen angewendet? Wie gehen Lehrende im In- und Ausland mit kulturell bzw. politisch sensiblen Themen und Fragestellungen in der Lehrpraxis um? Wir freuen uns in diesem Themenblock über explizit vergleichende Perspektiven, auch aber über Berichte von Lehrenden, die nicht im ‚Mainstream‘ der deutschen Politikwissenschaft unterrichten (international, an Fachhochschulen, etc.) tätig sind.

Call for Papers als pdf-Version

Programm der vierten Jahrestagung des AK Hochschullehre (Münster, 25.-26.2.2019)

Rechtzeitig zum Semesterendspurt können wir endlich das Programm der vierten Jahrestagung des AK Hochschullehre veröffentlichen. Wir haben wieder ein sehr vielseitiges Programm mit Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden zu den Themen “Vielfalt und Weitblick in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre” zusammengestellt. Außerdem gibt es wie immer viele interessante Beiträge aus der Lehrpraxis.

Höhepunkt der Tagung ist eine Podiumsdiskussion mit dem DVPW-Vorsitzenden Prof. Armin Schäfer, Prof. Andrea Szukala (Professorin für Fachdidaktik der Sozialwissenschaften), Dr. Ray Hebestreit (Studiengangskoordinator) und Marcus Lamprecht (Politikstudierender und Vorstandsmitglied im fzs) zum Thema “Wie wollen wir lehren? Herausforderungen und Zukunft politikwissenschaftlicher Lehre”.

Anmeldungen sind bis zum 10. Februar per formloser Email an l_menz01(ÄT)uni-muenster.de möglich. Alle Informationen finden Sie in unserem Programm (pdf) oder unter https://www.hochschullehre-politik.de/aktivitaeten/veranstaltungen/jahrestagung-2019-muenster/.

Wir freuen uns darauf Sie zahlreich in Münster (wieder) zu sehen und wünschen einen erfolgreichen Abschluss der Vorlesungszeit!

Normativität in der Hochschullehre – ein Forum in der Politischen Vierteljahresschrift

Die Politische Vierteljahresschrift (PVS) ist nicht irgendeine Fachzeitschrift. Sie ist das Hausblatt der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft und sicher die angesehenste deutschsprachige Fachzeitschrift unseres Fachs im Lande. Sie ist sehr traditionsreich und hat im Jahr 2018 bereits ihren 59. Band herausgegeben. In all dieser Zeit war sie – von einzelnen Ausgaben abgesehen – recht zurückhaltend, wenn es um die Hochschullehre ging.

Doch das hat sich mit dem unlängst erschienenen Heft 4 geändert. Erstmals ist darin ein Forum zum einem lehrbezogenen Thema erschienen, das die AK-SprecherInnen organisiert und herausgegeben haben. Herausgeber Kai-Uwe Schnapp erläutert in seinem Editorial, dass die Zeitschrift „sich aktiv für das Thema ‚Hochschullehre‘ öffnen“ will, und nennt dafür vier Gründe: die Lehre als eine der Kernaufgaben des Fachs, der gesellschaftliche Auftrag der Wissenschaft, das Fehlen einer systematischen Vorbereitung auf Lehrtätigkeiten sowie die Lehre als ein das Fach integrierendes Feld. „Somit verdient die Lehre auch einen Platz in unserem publizistischen Schaffen und in der PVS.“

Dem können wir nur zustimmen! Der AK Hochschullehre begrüßt diese Öffnung der PVS außerordentlich und ruft zur Einsendung lehrbezogener Texte auf, um die sich bietende Chance auch angemessen zu nutzen.

Das Thema des Forums lautet „Normativität in der Hochschullehre“, ein angesichts gesellschaftlicher und politischer Polarisierung hochaktuelles Thema. Die einzelnen Beiträge befassen sich mit unterschiedlichen Teilfragen aus unterschiedlichen Teilgebieten des Fachs und bieten reichlich Stoff für weitere Diskussionen:

  • Hansel, Mischa; Lambach, Daniel; Reuschenbach, Julia (2018): Im Schatten der Krise: Über Normativität in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre. In: Politische Vierteljahresschrift 59:4, 713-717. (link)
  • Eckl, Julian (2018): Theorien als latente Quellen von Normativität und Verantwortung in der Hochschullehre: Die Bedeutung von didaktischen und fachspezifischen Theoriedebatten am Beispiel des politikwissenschaftlichen Teilgebiets „Internationale Beziehungen“. In: Politische Vierteljahresschrift 59:4, 737-757. (link)
  • Fleuß, Dannica (2018): Politische Theorie anwendungsbezogen lehren. Lehrende zwischen normativer Zurückhaltung und kritischer Stellungnahme. In: Politische Vierteljahresschrift 59:4, 719-736. (link)
  • Brühl, Tanja; Gereke, Marika; Ottendörfer, Eva (2018): Mehr Normativität wagen: Ein Plädoyer für eine reflexive Grundhaltung in der politikwissenschaftlichen Lehre. In: Politische Vierteljahresschrift 59:4, 759-778. (link)

Prüfen in politikwissenschaftlichen Studiengängen – Ein Interview mit Petra Stykow

Anlässlich des Starts der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik beim DVPW-Kongress 2018 veröffentlichen wir eine Serie kurzer Interviews mit den Autorinnen und Autoren.

1) Worum geht es in Ihrem Buch?

Um das Prüfen, eine der am wenigsten geliebten Tätigkeiten aller mir bekannten Lehrpersonen.

Ich ergründe, wie sich das Konzept des Prüfens ändert, wenn man den didaktischen Paradigmenwechsel „from teaching to learning“ ernstnimmt: Lernen, Lehren und Prüfen sind dann eine didaktische Einheit. Formatives Prüfen, das unmittelbares und genaues Feedback an Studierende ermöglicht, wird wichtig, sogar wichtiger als das traditionelle summative Prüfen, das lediglich den Abschluss eines Lernprozesses zertifiziert.

Um auch praktisch nützlich zu sein, analysiert das Buch, wie man Prüfungen planen und durchführen kann, welche Besonderheiten die einzelnen Prüfungsformate aufweisen und wie man gute Prüfungsaufgaben formuliert. Ich unterscheide die Tätigkeit des Bewertens von der des Benotens und diskutiere die Standards guter Prüfungen, den Umgang mit vermeidbaren und unvermeidbaren Bias sowie die Verantwortung von Lehrenden angesichts der in Prüfungssituationen eingebauten Machtasymmetrie.

Beispiele, darunter für Prüfungsfragen und Bewertungshilfen, sollen zum Weiterdenken anregen.

 

2) Warum ist dieses Thema für die politikwissenschaftliche Hochschullehre wichtig?

Auf der Hand liegend: Weil summative Prüfungen eine wichtige administrative Prozedur darstellen, die den Lernerfolg messen und damit die Zukunft von Studierenden beeinflussen können. Gut – also so fair und korrekt wie möglich – zu prüfen und zu benoten, ist auch unsere moralische Pflicht, weshalb wir unser Vorgehen ab und zu reflektieren müssen.

Weniger offensichtlich: Weil nicht gut lehrt, wer nicht auch gut prüft und umgekehrt. Meiner Erfahrung nach haben wir bei der Planung und Durchführung unserer Lehrveranstaltungen oft die „intendierten Lernziele“ zu wenig im Blick, also das, was Studierende in den Lehrveranstaltungen tatsächlich lernen sollen und was wir daher auch – formativ und schließlich summativ – prüfen sollten.

Schließlich: Weil schlecht durchdachte, irreführend formulierte und überfordernde Fragen aussterben sollen, denn sie beeinträchtigen die Validität, Reliabilität und Objektivität von Prüfungen. Hier ist ein reales Beispiel für eine solche Frage; sie wurde jüngst in einem Bundesland im schriftlichen Staatsexamen für das Lehramt Sozialkunde gestellt und erhöhte die traditionell ohnehin hohe Durchfallerquote noch einmal deutlich: „Die Politik von EU-Mitgliedern wird von Regional- und Autonomiebewegungen herausgefordert. Erläutern Sie die Gründe dafür sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die betroffenen Mitgliedstaaten und die Europäische Union!“

 

3) Wer sollte dieses Buch lesen?

Alle, die Prüfungen konzipieren und durchführen und nach Anregungen suchen. Besonders diejenigen, die Prüfungsfragen stellen und die Notengebung an andere delegieren können. Und Prüfende, die glauben, sie würden objektiv bewerten.

Allen Büchern der Reihe wünsche ich, die Universitätsverwaltungen und zuständigen Ministerien würden sie lesen, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie viel Professionalität, intellektuelle Energie und Zeit Lehrende investieren müssen, um der wohlfeilen Forderung nach „guter Lehre“ wirklich entsprechen zu können.

 

Das Buch ist bestellbar über http://www.wochenschau-verlag.de/pruefen-und-bewerten-in-politikwissenschaftlichen-studiengaengen.html und alle Buchhändler.

Eine kurze Leseprobe finden Sie hier: Leseprobe.

Kompetenzorientierung in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre – Ein Interview mit Markus Gloe

Anlässlich des Starts der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik beim DVPW-Kongress 2018 veröffentlichen wir eine Serie kurzer Interviews mit den Autorinnen und Autoren.

1) Worum geht es in Ihrem Buch?

„Kompetenzorientierung“ ist an Hochschulen heute in aller Munde. Nur Wissen zu vermitteln, reicht nicht mehr. Traditionelle Instruktionstheorien haben sich als unzureichend erwiesen. Alle Personen, die in Lehr-Lernkontexten arbeiten, sind seit der Bologna-Reform 1999 oder den PISA-Studien im Jahr 2000 gefordert, sich mit Kompetenzorientierung auseinanderzusetzen und für ihren Bereich auszubuchstabieren, was darunter zu verstehen ist. Dabei ist die Verwendung des Kompetenzbegriffs an sich nichts Neues. Bereits seit den späten 1950er Jahren wird der Begriff im Bildungsbereich verwendet. Mit den veränderten Ansprüchen an Bildung, Lehre und Studium haben Begrifflichkeiten rund um die Kompetenzorientierung eine hohe Präsenz erlangt. In der schulischen politischen Bildung werden seit 2004 verschiedene Kompetenzmodelle intensiv diskutiert, in der Lehramtsausbildung gehört die Kompetenzorientierung zu den Standardthemen. Für die Lehre an einer Hochschule gibt es dagegen noch keine fachspezifische Aus- bzw. Weiterbildung. Deshalb fristet Kompetenzorientierung in der politikwissenschaftlichen Hochschuldidaktik immer noch ein Nischendasein. Mit meinem Buch möchte ich zu einer fachbezogenen Beschäftigung mit Kompetenzen und Kompetenzorientierung anregen.

 

2) Warum ist dieses Thema für die politikwissenschaftliche Hochschullehre wichtig?

Bisher fehlt in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre ein einheitliches fachspezifisches Kompetenzmodell. Mit anderen Worten: Es gibt keinen Konsens darüber, was Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler bei ihrem Abschluss können sollen.

Einigkeit herrscht immerhin bei den Fähigkeiten des wissenschaftlichen Arbeitens. Aber schon bei der Auslegung von Methodenkompetenz werden genau bei der Ausdifferenzierung von Analyse- und Urteilskompetenz deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Standorten sichtbar. In Anlehnung an die politikwissenschaftliche Lehre der 1950er und 1960er Jahre und den aktuellen Krisenerscheinungen der Demokratie wird aber auch eine verstärkte Akzentuierung der Demokratiekompetenz gefordert. Es scheint daher dringend geboten, dass sich alle Lehrenden in der Politikwissenschaft mit dem Konzept der Kompetenzorientierung vertraut machen. Jede und jeder einzelne muss für sich ein passendes Kompetenzmodell finden, das sie bzw. er zur Planung von Lehre, zur Gestaltung der Prüfung sowie bei der Evaluation einsetzt.

 

3) Wer sollte dieses Buch lesen?

Kompetenzorientierung ernst zu nehmen, bedeutet einen Rollenwechsel der Lehrenden vom Wissensvermittler zum Lernbegleiter. Das Buch wendet sich aAn alle, die sich auf diesen Weg machen wollen oder ihn bereits gehen. Es zeigt an Praxisbeispielen auf, wie man Kompetenzorientierung in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre umsetzen kann. Die Beispiele beziehen sich auf alle Ebenen der Lehre: von der kompetenzorientierten Planung von Seminaren über die Lehr-/Lerngestaltung, die Formen des Prüfens bis hin zur Gestaltung von Evaluations- und Qualitätssicherungsverfahren. So erfordert eine kompetenzorientierten Planung den Blickwechsel auf den Output sowie die Aktivierung der Studierenden. Das Buch hilft dabei, kompetenzorientierte Lernziele zu formulieren. Zur konkreten Seminargestaltung empfiehlt es die Berücksichtigung didaktischer Prinzipien wie beispielsweise Problemorientierung, Forschendes Lernen oder Projektorientierung. Der Aufgabenkultur kommt im Hinblick auf die Kompetenzorientierung in der Lehre eine besondere Rolle zu. Diese entfaltet sich im gemeinsamen Handeln von Lehrenden und Lernenden. Deshalb sollten die Lehrenden ein Augenmerk darauf legen, wie sie die Aufgaben einführen und erklären. Des Weiteren sollten Lehrende beobachten, wie Studierende die Aufgaben alleine, paarweise oder in Gruppen bearbeiten und die Lehrenden selbst sie dabei begleiten. Und zuletzt sollten Lehrende reflektieren, wie Arbeitsergebnisse der Studierenden besprochen und die Leistungen rückgemeldet werden. Passende Checklisten am Ende des Buches können konkret zur Seminarplanung oder bei der Auswahl von Aufgaben eingesetzt werden.

 

Das Buch ist bestellbar über http://www.wochenschau-verlag.de/kompetenzorientierung-in-der-politikwissenschaftlichen-hochschullehre.html und alle Buchhändler.

Eine kurze Leseprobe finden Sie hier: Leseprobe.

Call for Papers: Vierte Jahrestagung des AK Hochschullehre (Münster, 25.-26.2.2019)

Die Jahrestagung des Arbeitskreises Hochschullehre in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) findet am 25. und 26. Februar 2019 an der Westfälischem Wilhelms-Universität-Münster statt und wir freuen uns über Einsendungen zu den folgenden Themen (pdf-Version):

 

Vielfalt und Weitblick in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre

Bei den bisherigen Veranstaltungen des Arbeitskreises Hochschullehre wurde immer wieder angesprochen, dass sich die Lehre in der Politikwissenschaft durch zum Teil sehr heterogene Lehr- und Lernbedingungen auszeichnet. Wir möchten diese Diversität aufgreifen und in den Mittelpunkt unserer Jahrestagung 2019 stellen. Dabei wollen wir nicht nur die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen seitens der Studierenden diskutieren, sondern auch die vielfältigen Rahmenbedingungen der Lehraktivität von Dozierenden ansprechen. Auch sollen unterschiedliche Anforderungen an die Lehre in unterschiedlichen, sich mit politikwissenschaftlichen Inhalten beschäftigenden Studiengängen in den Fokus gerückt werden.

Somit wollen wir zum einen Fragen aufgreifen, welche sich aus der Diversität der Studierenden sowie den von diesen absolvierten Studiengängen ergeben. Folgende Themen können dabei im Mittelpunkt stehen:

  • Auch in der öffentlichen Debatte werden regelmäßig Probleme angesprochen, welche an den Hochschulen durch den größer werdenden Anteil an Schulabgängern mit einer Hochschulzugangsberechtigung entstehen. Welche Auswirkungen hat dieser Anstieg des Abiturientenanteils für die Lehre an den Universitäten? Welche Anforderungen stellt dies an die Studieneingangsphase? Und welche Angebote lassen sich für Studierende auf dem zweiten Bildungsweg, geflüchtete Studierende oder Studierende mit Handicap entwickeln? Werden politische Implikationen dieser Entwicklung gerade in unserer Disziplin erforscht?
  • Auf Institutsfluren wird häufig über Unterschiede zwischen Lehramts- und Hauptfachstudierenden diskutiert. Sehr interessiert sind wir daher an Tagungsbeiträgen, die das Verhältnis von Hochschuldidaktik und Politikdidaktik ansprechen. Wie kann die Hochschuldidaktik von der Politikdidaktik lernen? Welche besonderen Anforderungen stellt das Lehramtsstudium an die fachwissenschaftliche Lehre in der Politikwissenschaft?
  • Zudem hat durch die Einführung der BA/MA-Studiengänge und dem Wunsch der Internationalisierung der Hochschullandschaft eine Ausdifferenzierung der Studiengänge stattgefunden, die zum einen zu einer Spezialisierung politikwissenschaftlicher Abschlüsse geführt hat. Zum anderen resultiert hieraus auch eine breitere Einführung rein englischsprachiger Studiengänge. Aus hochschuldidaktischer Sicht ist dabei die Frage interessant, in wie weit sich die Lehre in englischsprachigen Studiengängen von anderen Studiengängen unterscheidet. Hierzu werden genauso Beiträge gesucht wie auch zu der Frage, in wie weit durch diese Ausdifferenzierung der Studiengänge auch spezifische Herausforderungen an die Lehre entstehen.

Zum anderen wollen wir uns Fragen zuwenden, welche sich aus den unterschiedlichen Voraussetzungen der Lehrenden ergeben. Wie können z.B. Doktoranden bei der Vorbereitung erster Lehrveranstaltungen unterstützt werden? Gibt es über kürzere hochschuldidaktische Einführungskurse zum Thema „Neu in Lehre“ hinaus Modelle, welche Dozierende mit nur wenig Lehrerfahrung in dieser Tätigkeit unterstützen? Welche Ideen und Konzepte existieren aus Sicht der Dozierenden für den Umgang mit Diversität in der politikwissenschaftlichen Lehre? Kann diese gerade in unserem Fach auch einen inhaltlichen Mehrwert erzeugen?

Unter dem Stichwort „Weitblick“ möchten wir ergänzend in den Blick nehmen, was wir von politikwissenschaftlicher Lehre in anderen Ländern und Hochschulsystemen, in anderen Fächern oder in nicht-universitären Kontexten (Fachhochschulen, Schulen, außerschulische politische Bildung) lernen können? Was können wir auch von der allgemeinen Hochschuldidaktik sowie der empirischen Bildungsforschung in punkto Theorien und Methoden mitnehmen und wie könnte hier ein Austausch stattfinden? Hierbei interessieren uns sowohl theoretische Überlegungen als auch „Werkstattberichte“ aus vorhandenen Programmen/Kooperationen/Formaten.

Schließlich thematisieren die Jahrestagungen des Arbeitskreises immer auch Präsentationen von Lehrkonzepten und von Erfahrungsberichten aus Lehrveranstaltungen höchst unterschiedlichen Formats. Im Forum „Praxis“ möchten wir wieder die Gelegenheit geben, Lehr-Lernformate aus der Hochschullehre zu präsentieren, aber auch Ideen für solche Formate zur Diskussion zu stellen. Dabei geht es uns nicht nur um Lehrinnovationen, sondern auch um neue Perspektiven auf bewährte Themen und Formate.

 

Einreichung von Beiträgen:

Interessierte senden bis einschließlich 9.12.2018 ein Abstract (max. 600 Wörter inkl. Leerzeichen) an lambach(ÄT)normativeorders.net. Bitte geben Sie an, in welchem Format (Vortrag, Diskussion, Workshop, Roundtable, Poster o.ä.) Sie Ihren Teil im Rahmen der Tagung gestalten möchten und fügen Sie einige biografische Angaben (max. 250 Wörter inkl. Leerzeichen) bei.

Nach Auswahl der Beiträge werden wir Sie bis zum 21.12.2018 über das finale Programm informieren. Der Arbeitskreis ermöglicht die Buchung günstiger Übernachtungsmöglichkeiten im Rahmen von Hotelkontingenten. Diese Kosten sowie Reisekosten oder Honorare können leider nicht durch den Arbeitskreis übernommen werden.

Die Teilnahmegebühr für promovierte Kolleginnen und Kollegen beträgt 20 €, für Doktorandinnen und Doktoranden 10 €. Studierende müssen keinen Beitrag entrichten.

Lehre – (k)ein Aufgabenfeld für eine Fachvereinigung?

Dies ist ein gemeinsamer Beitrag von Daniel Lambach und Julia Reuschenbach.

Bei der Mitgliederversammlung der DVPW im Rahmen des Kongresses 2018 stellten sich 11 KandidatInnen sowie ein Dreierteam für die Vorstandswahl vor. Alle sollten kurz darlegen, für welche Themen Sie sich im Vorstand besonders engagieren möchten. Lediglich zwei sprachen Themen an, die man auch nur im weitesten Sinne als lehrbezogen bezeichnen kann.

Ist das ein Problem? Nein, könnte man argumentieren, denn es gebe ja gerade keine Themen in der Lehre, die ähnlich drängend seien wie Fragen nach Nachwuchsförderung, Gleichstellung oder Departmentstrukturen. Dazu würde auch passen, dass das letzte Mal, als die Lehre ein größeres Thema in der DVPW war, dies anlässlich der Einführung des BA/MA-Systems war, das große Umstellungen an allen Standorten erforderte. Nach dieser Diagnose sind also die Sorgen und Nöte der Lehre nicht drängend genug.

Das ist uns aber zu einfach, denn man könnte sich mit Fragen wie der zunehmenden Heterogenität der Studierendenschaft, der Digitalisierung von Lehre und Lebenswelt, dem Erhalt des Humboldtschen Bildungsideals in Zeiten von Kompetenzorientierung oder einer universitären „Ausbildung“ zwischen Bildung und ökonomischem Verwertungsdruck auseinandersetzen.

Aber viel wichtiger noch: Problemfixiertheit ist auch schlicht die falsche Denkweise. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Lehre sollte nicht nur dann auf die Agenda kommen, wenn es Probleme mit ihr gibt oder, anders gesagt, wenn die Probleme, die es mit der Lehre gibt, so viel Aufmerksamkeit bekommen, dass man sich jetzt halt doch mal mit ihnen befassen muss.

Denn mit so einer Haltung vergibt man die Chance und den Anspruch zu gestalten. Statt nur auf Probleme zu reagieren, sollten wir uns fragen, wie man die Lehre besser machen kann, wie wir Lehrangebote schaffen, die unsere Studierenden auf eine Zukunft als demokratische Bürgerinnen und Bürger in einer immer mehr vernetzten und globalisierten Welt vorbereitet. Dieser Auftrag kommt nicht von uns, sondern quasi von höchster Stelle. Bundespräsident Steinmeier forderte in seiner Gastrede auf dem Kongress „eine kreative und mutige Politikwissenschaft, die aktuelle Diskurse über die Demokratie informiert, inspiriert, die mit Leidenschaft und Urteilskraft zur Aufklärung der Gesellschaft über sich selbst beitragen kann“.

Über welche Schienen kann dieses Hineinwirken in die Gesellschaft geschehen? Für die meisten von uns wird dies über die Lehre sein. Nur wenige Kolleginnen und Kollegen sind prominent in gesellschaftlichen Debatten sichtbar. Wer sich Netzwerke in die Praxis aufbaut, tut dies zulasten der eigenen Karriere, wie selbst der Bundespräsident hervorhob. Den mit Abstand größten Impact auf die Praxis haben wir über die Spuren, die wir in unseren Studierenden hinterlassen, über die Denkprozesse die wir bei ihnen anstoßen und die Ideen die wir vermitteln.

Sollte es da nicht unsere nobelste Aufgabe sein, unsere Lehre so gut wie möglich zu machen? Und sollte sich es die DVPW nicht zum Ziel machen, dass ein politikwissenschaftliches Studium an einer deutschen Hochschule von höchster Qualität ist und dass alle Absolventinnen und Absolventen analytisch wie normativ fähig sind, ihren Teil zur Aufrechterhaltung und Verteidigung von Demokratie und Freiheit beizutragen?

Forschendes Lernen in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre – Ein Interview mit Matthias Freise

Anlässlich des Starts der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik beim DVPW-Kongress 2018 veröffentlichen wir eine Serie kurzer Interviews mit den Autorinnen und Autoren.

 

1) Worum geht es in Ihrem Buch?

Der Band beschäftigt sich mit dem Konzept des sogenannten Forschenden Lernens, das in den vergangenen Jahren Eingang in immer mehr politikwissenschaftliche Studiengänge gefunden hat. Damit beschrieben wird eine Lernform, in der die Lernenden den Prozess eines Forschungsvorhabens, das auf die Gewinnung von auch für Dritte interessanten Erkenntnissen gerichtet ist, in seinen wesentlichen Phasen (mit)gestalten, erfahren und reflektieren. Im Gegensatz zu klassischen Vorlesungs- und Seminarformaten, die auf eine Vermittlung von Wissen, Kompetenzen und Fertigkeiten durch die Weitergabe des Standes der Forschung abzielen, soll Forschendes Lernen selbst einen – wenn auch oft nur überschaubaren ‒ Beitrag zu ebenjenem Stand der Forschung leisten. Das Handbuch gibt Hinweise, wie Forschendes Lernen in politikwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen sinnvoll geplant, umgesetzt und nachbearbeitet werden kann. Thematisiert wird, welche Voraussetzungen die Lehrperson mitbringen sollte, wie man Forschendes Lernen so einsetzen kann, dass es auch für einen selbst einen Nutzwert hat und was bei der Planung einer Lehrveranstaltung mit Elementen des Forschenden Lernens zu berücksichtigen ist. Schließlich illustriert der Band anhand von Fallbeispielen die Anwendung dieser Lehrmethode in einem politikwissenschaftlichen Seminar.

 

2) Warum ist dieses Thema für die politikwissenschaftliche Hochschullehre wichtig?

Befragungen von Absolventinnen und Absolventen sozialwissenschaftlicher Studiengänge im deutschsprachigen Raum belegen, dass im späteren Berufsleben weniger die eigentlichen Inhalte des Studiums von Bedeutung sind, sondern vielmehr die Methodenkenntnisse und sozialen Fertigkeiten, die das Studium vermittelt. Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler zeichnen sich durch ihre hohe Problemlösungskompetenz aus. Dazu benötigen sie eine solide Methodenausbildung. Wendet man diese Methoden jedoch nicht an, gleicht das Studium schnell einer Trockenschwimmübung. Gute politikwissenschaftliche Lehre sollte deshalb darauf abzielen, nicht nur Fachkenntnisse zu vermitteln, sondern die Studierenden auch in Forschungsprojekte einzubinden. Und dafür ist unser Fach geradezu prädestiniert.

Im Gegensatz zur Physik benötigen wir keinen milliardenteuren Teilchenbeschleuniger für unsere Forschung und Anwendungsmöglichkeiten gibt es viele, vor allem, wenn wir uns Partner außerhalb der Universität suchen. Ob eine Evaluation grenzüberschreitender INTERREG-Programme der EU, eine Zusammenarbeit mit kommunalen Stiftungen, die das bürgerschaftliche Engagement vor Ort stärken wollen, oder eine Kooperation mit einem Wohlfahrtsverband, der seine Integrationsangebote verbessern möchte – spannende und relevante Fragestellungen begegnen uns überall.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eigene Forschung Studierende sehr begeistern kann. Zudem hat Forschendes Lernen den Vorteil, Studierende auf einen späteren Arbeitsmarkt vorzubereiten. Ich habe dabei bereits Dutzende Praktika vermittelt und nicht zuletzt profitiere ich auch als Lehrperson von Forschendem Lernen, verschafft es mir doch Kontakte, die ich für meine eigene Forschung nutzen kann.

 

3) Wer sollte dieses Buch lesen?

Der Band ist für Lehrende konzipiert, die als Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer in einer einsemestrigen Lehrveranstaltung Forschendes Lernen zum Einsatz bringen möchten. Der Band gibt zahlreiche Anregungen und hält (hoffentlich) auch für bereits erfahrene Lehrpersonen hilfreiche Ratschläge bereit.

 

Das Buch ist bestellbar über http://www.wochenschau-verlag.de/forschendes-lernen-politikwissenschaft.html und alle Buchhändler.

Eine kurze Leseprobe finden Sie hier: Leseprobe.

Events des AK Hochschullehre beim DVPW-Kongress 2018

Bei der DVPW-Tagung 2018 finden die folgenden Veranstaltungen des AK Hochschullehre statt:

 

Panel “Demokratie als Norm? Perspektiven für die politikwissenschaftliche Hochschullehre und die politische Bildung” (26.9., 14.00-15.30 Uhr)

Panelleitung: Andrea Szukala, Universität Münster / Mischa Hansel, RWTH Aachen

  • Dannica Fleuß, Universität der Bundeswehr Hamburg: Politische Theorie praxisnah lehren: im Spannungsfeld von politischer Neutralität und normativer Positionierung
  • Julian Eckl, Universität Hamburg: Theorien als latente Quellen von Normativität und Verantwortung in der Hochschullehre: Die Bedeutung von didaktischen und fachspezifischen Theoriedebatten am Beispiel des politikwissen­schaftlichen Teilgebiets „Internationale Beziehungen“
  • Jörg Tremmel, Universität Tübingen: Eine normativ abstinente Politikwissenschaft kann die Demokratie nicht gegen ihre Feinde verteidigen
  • Tonio Oeftering, Leuphana Universität Lüneburg: Hannah Arendts politische Theorie als normative Orientierung für die politische Bildung!?
  • Julia Reuschenbach, Universität Bonn: Diskussionen über die Grenzen der Demokratie in der Hochschullehre

(in Kooperation mit der Sektion „Politikwissenschaft und Politische Bildung“)

 

Launch der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik (26.9.2018, 15.30 Uhr)

Ebenfalls in Frankfurt werden wir den offiziellen Launch unserer Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik feiern, und zwar am Mittwoch, den 26. September um 15:30 Uhr am Stand des Wochenschau-Verlags im Hörsaalzentrum.

 

Mitgliederversammlung (27.9.2018, 12:30-13:45 Uhr)

Bei der Mitgliederversammlung am Donnerstag, den 27. September 2018 steht neben dem inhaltlichen Austausch über die zukünftigen Schwerpunkte des Arbeitskreises auch die Verabschiedung der Geschäftsordnung sowie die SprecherInnenwahl an. Der SprecherInnenkreis soll zukünftig aus 4 Personen bestehen. Diesbezüglich rufen wir ganz herzlich zu Bewerbungen auf.

Gemeinsam statt einsam – warum sich Kooperation in der Lehre lohnt

Ein Gastbeitrag von Dorte Hühnert (Universität Duisburg-Essen)

Gemeinsam zu lehren macht vor allem Spaß. Es hat aber auch didaktische Vorteile, von denen die Studierenden direkt profitieren. In diesem Blogbeitrag möchte ich einige Vorteile von Kooperation in der Lehre aufzeigen, die ich aus meiner Lehr-Kooperationserfahrung in zwei Jahren gezogen habe, und andere Lehrende inspirieren ähnliche Projekte umzusetzen.

Das Seminar, in dem ich mein Kooperationsmodell umgesetzt habe, trägt den Titel „Krieg – Ursachen, Formen, Wirkungen“ und kooperiert mit dem Format „ReferateWerkstatt“ des Forum Mündliche Kommunikation (FMK) (das Sprechpendant zur Schreibwerkstatt) an der Universität Duisburg-Essen (UDE). Mein Seminar ist eine Einführung in die Friedens- und Konfliktforschung und wird als Vertiefung zur Vorlesung „Internationale Beziehungen und Global Governance“ für Studierende des dritten bis fünften Fachsemesters angeboten. Die Veranstaltung schließt mit einer Modulabschlussprüfung in Form einer mündlichen Gruppenprüfung ab. Die ReferateWerkstatt kann von Dozenten der UDE beim FMK gebucht werden und verfolgt einen Coaching-Ansatz, der wie folgt abläuft: Die Studierenden besuchen nach der Vorbesprechung mit der Dozentin einmalig eine Woche vor ihrem Referatstermin im Seminar die ReferateWerkstatt. Es treffen sich jeweils zwei Gruppen in der Werkstatt, die zum gleichen Thema unabhängig voneinander arbeiten, um dort ihr Referat wie bei einer Generalprobe zu halten. Anschließend erhalten sie Feedback von der Werkstatt-Leiterin und den anderen Studierenden. Es handelt sich also um eine Kooperation zwischen Studierenden, der Dozentin und einer Mitarbeiterin einer zentralen Einrichtung der UDE.

Warum lohnt es sich, Lehre gemeinsam mit KooperationspartnerInnen zu gestalten? Aus meiner Sicht gibt es auf diese Frage zwei Antworten: erstens können die Studierenden von Kooperationen einen klaren Mehrwert ziehen und zweitens ist die Kooperation auch für Lehrende eine wertvolle Erfahrung und Lernquelle.

Die Vorteile für die Studierenden liegen in meinem Kooperationsmodell vor allem in der integrierten Kompetenzschulung: Neben fachlichen Inhalten, die im Seminar erarbeitet werden, stärken die Studierenden in der ReferateWerkstatt gleichzeitig die Schlüsselqualifikation des wissenschaftlichen Präsentierens. Zwar durchlaufen viele Studierende bereits in ihrer Studieneingangsphase Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, diese sind jedoch häufig additiv, also getrennt von fachlichen Inhalten, angelegt. Zudem basieren viele Angebote zentraler Einrichtungen auf Freiwilligkeit der Studierenden und sind nicht in die Studienverlaufspläne nach dem ersten Semester integriert. Der integrierte Ansatz unserer Kooperation hat sich jedoch in höheren Fachsemestern als gewinnbringend für die Studierenden erwiesen. Sie können ihre bereits erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen in der Kombination aus klassischem Seminar und zusätzlichem Coaching ausbauen. In meinem Verständnis ist Lernen kein punktuelles Ereignis, sondern ein stufenweiser Prozess, der im Idealfall nie vollständig abgeschlossen ist. Die Fachinhalte werden daher bewusst mit der Schlüsselkompetenz das Referierens – von der vorbereitenden Recherche bis zum mehrfach überarbeiteten Kurzvortrag – im constructive alignment des Seminars verknüpft.

Die Kooperation fördert darüber hinaus, dass die Studierenden dafür sensibilisiert werden, sich in unterschiedlichen Bereichen ihrer Ausbildung unterschiedlicher Personen, Wissensbestände und Lernpraktiken zu bedienen, um Lernziele zu erreichen. Mit der ReferateWerkstatt entsteht ein zusätzlicher Raum neben dem Seminar, in dem die Studierenden unabhängig vom Leistungsdruck durch die Dozentin ihre Präsentationen ausprobieren und reflektieren können. So werden auch Lerntechniken ermöglicht, für die im Lehralltag eines Seminars normalerweise keine Zeit bleibt: In welchem Seminar kann man ein Referat unterbrechen und unterschiedliche Varianten der Einleitung diskutieren, bis die optimale gefunden ist? Durch den Werkstattbesuch können die Studierenden ihr Referat überarbeiten. So findet auch das im Universitätsalltag seltene, aber wichtige metakognitive Lernen statt: durch das Ausprobieren in einem geschützten Raum wird es möglich aus Fehlern und mit Hilfe von (Peer-)Feedback im Zuge der Überarbeitung zu lernen.

Neben den Vorteilen, die sich im Lernprozess für die Studierenden ergeben, hat eine Lehrkooperation auch Vorteile für die Lehrenden. Vor allem macht Kooperation in der Lehre Spaß! Man gewinnt einen Sparring-Partner, mit dem man Erfahrungen austauschen kann, sich gegenseitig Feedback geben und Ideen auch mal diskutieren kann. Zudem lernt man selbst extrem viel, weil Kooperation viel Reflexion mit sich bringt und Effekte haben kann, die mit denen von Hospitationen vergleichbar sind. In der Auseinandersetzung schärfen sich auch Lehrkonzepte, weil man Intuitionen offenlegen und erklären und Ziele stärken muss. Ich habe auch im Bereich der Lehrmethoden – Aktivierung, Lehrhaltung und Verhältnis zu den Studierenden – viel von meiner Kooperationspartnerin gelernt.

Während die Kooperation mit einer zentralen Einrichtung der Universität – Sprech-, Schreibwerkstätten, Bibliotheken oder Career-Center – eher eine vertikale Kooperation darstellt, birgt die Universität mit ihrem vielfältigen Wissenschaftspersonal natürlich auch die Möglichkeit horizontaler, also innerfachlicher oder fachübergreifender Kooperationen. Wer nun selbst zum Kooperationspartner werden möchte, sollte aus meiner Erfahrung folgende Punkte berücksichtigen:

  • Die Kooperationsbereiche und die Rollenverteilung vorab in der (gemeinsamen) Seminarplanung klären und gegenüber den Studierenden transparent und konsequent durchhalten;
  • Kommunikationskanäle nutzen und den regelmäßigen Austausch miteinander suchen, um aufkommende Fragen und Probleme schnell lösen zu können;
  • die Studierenden als Teil der Kooperationspartnerschaft begreifen und sie durch Feedbackmöglichkeiten in die Gestaltung der Kooperation einbeziehen.

Der Blick vor die Büro- oder Institutstür lohnt sich also – viel Spaß!