AK-Newsletter 1/2023 – jetzt online!

Da die Mailingliste des AK Hochschullehre leider derzeit durch den Cyberangriff auf die Universität Duisburg-Essen nicht genutzt werden kann, gibt es unseren ersten Newsletter in 2023 auf diesem Weg.

Ein gutes und Lehr-reiches Jahr 2023 wünscht das Sprecher:innen-Team:
Volker Best, Dannica Fleuß, Matthias Freise, Raphael Oidtmann & Julia Reuschenbach

++Neues Sprecher*innen-Team++
Einigen wird es direkt aufgefallen sein: Es gibt Neuerungen im Team der Sprecher:innen. Auf der Mitgliederversammlung im Rahmen der Jahrestagung in Darmstadt (Bericht zum Rest der Tagung weiter unten) wurde das Sprecher:innen-Team teilweise neu gewählt und dabei auf die Zahl fünf erweitert. Lasse Cronqvist hat sich nicht erneut zur Wahl gestellt. Matthias Freise hat sich ein letztes Mal zur Kandidatur bereit erklärt, möchte aber nur für ein weiteres Jahr amtieren (nützliche Info für Ihre/eure weitere Karriereplanung). Neu mit dabei im Sprecher:innen-Team sind Dannica Fleuß und Raphael Oidtmann. Noch mit letztjähriger Legitimation ausgestattet sind auch Volker Best und Julia Reuschenbach weiter mit von der Partie. Mehr über die Sprecher:innen gibt es hier zu lesen:
https://www.hochschullehre-politik.de/ueber-uns/sprecherinnen/

++Save the Date & Call for Papers: Workshop 2023++
Wir gehen erstmals seit Corona wieder mit einem Workshop an den Start! Merkt euch also bitte schon mal den 23. / 24. März und das schöne Münster vor! Dann geht es unter dem Titel „Mehr als weiß, westlich, männlich!“ um politikwissenschaftliche Hochschullehre vor dem Hintergrund dekolonialer, feministischer, intersektionaler Perspektiven. Den Call finden Sie/ihr hier. Um den Workshop passend zum Thema möglichst inklusiv zu gestalten, heißen wir auch englischsprachige Beiträge herzlich willkommen, lancieren den Call auch international und haben ein hybrides Format geplant. Wir fordern aber auch ausdrücklich weiße, westliche und gerne auch alte Männer zur Einreichung von (gerne auch deutschsprachigen) Beitragsvorschlägen auf! 😉

++AK bei DVPW-Tagung „Politik und Profession“ vertreten++
Hinweisen möchten wir auch auf die DVPW-Tagung „Politik und Profession“ am 21./22. Februar in Berlin. Hier geht’s zu Programm und Anmeldung, die noch bis zum 5. Februar 2023 möglich ist: https://www.dvpw.de/dvpw2023
Mit dabei ist auch ein vom Arbeitskreis mitgestaltetes Panel zur Digitalisierung in Forschung und Lehre: https://www.dvpw.de/dvpw2023/diskussionsrunde-c1
Zudem diskutiert Dr. Julia Reuschenbach im Panel A1 zum Thema Wissenschaftskommunikation.

++Antrag bei Stiftung Innovation in der Hochschullehre ++
Auch ansonsten war der neue Sprecher:innenkreis alles andere als untätig und hat einen Antrag bei der Stiftung „Innovation in der Hochschullehre“ eingereicht. Ca. Ende Januar sollten wir erfahren, ob unser Projekt „#powilehre next level – verstärken, vernetzen, vertiefen“ den Zuschlag bekommt, das drei Projektlinien umfasst: erstens die Professionalisierung und Skalierung der bereits bestehenden Angebote durch hauptamtliches Personal und Reisekostenübernahme für Q-Wissenschaftler:innen, zweitens den Aufbau eines Open-Access Peer-Reviewed Journals zur politikwissenschaftlichen Lehre und drittens die partizipative Entwicklung einer politikwissenschaftlichen Open-Access-Planspielbox. Im Erfolgsfall liefe das Projekt ab April über drei Jahre und würfe neben dem beantragten hauptamtlichen Personal nicht nur weiterhin genug Arbeit für die Sprecher:innen ab, sondern würde auch das Zutun vieler von Ihnen/euch erfordern. Wer kann, halte sich bis Ende Januar also einmal die Jahre 2023 bis 2025 frei. 😉 Daumen-Drücken bis dahin hilft vielleicht auch noch!

++Ausschreibungen der Stiftung Innovation in der Hochschullehre++
À propos Stiftung „Innovation in der Hochschullehre“, in deren neuestem Newsletter wird auf einige vielleicht für den einen oder die andere interessante Ausschreibungen und Calls verwiesen:

Den Newsletter kann man übrigens hier abonnieren: https://stiftung-hochschullehre.de/newsletter/

++ Kleine Reihe Hochschuldidaktik Politik++
In der Pipeline / Planung sind derzeit Bände zu den Themen:

  • „Seminargestaltung“ (i. E., siehe auch Tagungsbericht Darmstadt)
  • „Normativität“ (bestenfalls in Druck Frühsommer 2023)
  • „Vorlesungen“ (bestenfalls in Druck Frühsommer 2023)
  • „Digitalkompetenz“ (bestenfalls in Druck Frühsommer 2023)
  • „R lehren“ (Zeitplan noch offen)
  • „Binnendifferenzierung“ (in Konzeption, ggf. Herbst 2023)

Informationen zu den bereits in der Reihe erschienenen Bänden finden sich hier:
https://www.hochschullehre-politik.de/buchreihe/
Der Kreis der Herausgeber:innen der im Wochenschau-Verlag erscheinenden Kleinen Reihe, der sich mittlerweile zusammensetzt aus Volker Best, Matthias Freise, Daniel Lambach und Julia Reuschenbach, möchte die Buchreihe kontinuierlich erweitern. Mitte/Ende Januar soll hierzu ein Treffen mit dem Verlag stattfinden. Wenn Sie/ihr Ideen für Bände haben oder gar selbst einen Band (ca. 100.000 Zeichen) zur kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik beisteuern möchten, setzen Sie sich gerne mit uns in Verbindung – idealiter bis Mitte Januar.

++Ausschreibung für den DVPW-Lehrpreis++
Gerade erst verliehen (siehe nachfolgender Bericht zur Tagung in Darmstadt) und schon wieder neu ausgeschrieben: Der DVPW-Lehrpreis geht in die dritte Runde. Die Bewerbungsfrist läuft zwar noch bis 15. April 2023, so dass ihr diese Info von uns wohl noch das eine oder andere Mal wiedervorgelegt bekommt (steter Tropfen / Stein), aber die Ausschreibung ist schon da, insofern schon mal der Link:
https://www.dvpw.de/informationen/infos/details/news/lehrpreis-politikwissenschaft-2023

++Rückblick auf die Tagung in Darmstadt++
Die Jahrestagung in Darmstadt war gut besucht, auch wenn einige kurzfristige, zum Teil Corona-Quarantäne-bedingte Ausfälle, auch auf Seite der Vortragenden, zu verschmerzen waren. Die Kooperation mit der Schader-Stiftung hat insgesamt gut funktioniert und war auch kulinarisch fruchtbar. Für die Verleihung des DVPW-Lehrpreises (den die Schader-Stiftung ja sponsert) bieten die Räumlichkeiten der Schader-Stiftung einen würdigen Rahmen, so dass dies (auch von Seiten der Stiftung) ein gutes zukünftiges Tagungsmodell darstellt (in Jahren, in denen kein DVPW-Kongress stattfindet).
Den Lehrpreis 2022 erhielten Julia Schwanholz und Ray Hebestreit für ihr Lehrprojekt „Smart Cities in Theorie, Empirie und Praxis“, das sie im Wintersemester 2021/22 an der Uni Duisburg-Essen in Kooperation mit der Stadt Wesel durchgeführt haben. Näheres zu dem Projekt findet sich auf der Seite der DVPW: https://www.dvpw.de/informationen/infos/details/news/julia-schwanholz-und-ray-hebestreit-erhalten-den-lehrpreis-politikwissenschaft-2022
Im engeren Sinne bildeten den Rahmen für die Preisverleihung eine Podiumsdiskussion und ein Roundtable (die dank des technischen Equipments und Personalressourcen der Schader-Stiftung auch digital verfolgt werden konnten) vorneweg sowie ein Ausklang im Haus Schader. Die Podiumsdiskussion stand im Zeichen des Themas Employability und wurde von Julia Reuschenbach moderiert. Unter dem Titel „Wozu Politikwissenschaft studieren?“ diskutierten Franziska Brandmann (Universität Oxford & Vorsitzende der JuLis), Sandra Busch-Janser (Leitung Politische Kommunikation und Adenauer-Campus der KAS), Christof Ehrhart (Leitung Kommunikation und Regierungsbeziehungen, Robert Bosch GmbH), Andreas Eimer (Leitung Career Service der Uni Münster) und Thorsten Faas (FU Berlin & DVPW-Vorstandsmitglied). Die Stärken von Politikwissenschaftler:innen wurden von den Diskutant:innen u. a. im breiten Analyserahmen, dem Charakter der Orientierungswissenschaft, dem Zusammentragen von Wissen aus verschiedenen Feldern, der Komplexitätsreduktion, der Problemlösung und der Sozialisation in Akzeptanz. Statt Effizienzsystemen verortet. Herr Ehrhart wies darauf hin, dass die DAX-CEOs nicht in erster Linie Wirtschafts-, sondern Naturwissenschaftler:innen seien., das Kompetenzprofil alleine also ohnehin nicht ausreichend sei und es darauf ankomme, Schnittstellen in den Arbeitsmarkt zu finden. Inwiefern das Informieren über Stärken und Ausrichtung der jeweiligen Standorte sowie die damit einhergehende Employability eher eine Bringschuld der Unis oder eine Holschuld der Studierenden sei, wurde unterschiedlich gesehen. Herr Eimer stellte die oft erhobene Forderung nach einem stärkeren Praxisbezug infrage, da die Unis hierdurch Haltung stärkten (Denken in Problemlösungsschemen), die sie im Kern ihre
Studienangebots (Wissen selbst erzeugen und Probleme selbst lösen) nicht einlösen. Unis gäben oft Beispiele zukünftiger Tätigkeiten, die jeweils hoch voraussetzungsreich seien, und wunderten sich dann über entsprechende Erwartungen der Studierenden. Die Befürchtung vor Prekarität sei angesichts der niedrigen Arbeitslosigkeit unter Akademiker:innen eher die Angst vor dem Schritt in die Realität; es gelte daher insbesondere, die Selbstwirksamkeit der Studierenden zu stärken. Frau Brandmann wies darauf hin, dass die Qualität der Lehre hier einen riesigen Unterschied mache und die Lehrenden auch genug Zeit hierfür bekommen müssten. Im „War for Talents“ sah sie eine Flexibilisierung auch auf Seite der Arbeitgeber:innen nötig, die stärker auf Assessment Center setzen und weniger aufgrund des Studiengangs aussieben sollten. Frau Busch-Janser zufolge haben sich auch die Bezahlungsunterschiede
etwa im Unterschied zu Betriebswirt:innen im Laufe der letzten Jahre merklich eingeebnet. Nach Ansicht von Herrn Faas müsse die Beratung zwischen BA und MA differenziert erfolgen, da es im BA um die Beherrschung eines grundlegenden Skillsets, im MA aber schon um eine gewisse Spezialisierung gehe. Allerdings machen in Deutschland 70 bis 80 Prozent der Studierenden den MA, was als verpasste Chance der deutschen Unis gesehen werden kann, wie in Großbritannien den BA zum Regelabschluss zu machen und den MA jenen vorzubehalten, die eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen.
Der Roundtable wurde von Claudia Ritzi (Universität Trier & DVPW-Vorstandsmitglied) moderiert und widmete sich dem Thema „Welche Ressourcen benötigt gute Lehre?“, wozu Katharina Borowski (Masterstudentin Uni Bielefeld), Susanne Ebert (Leitung der Schmidt-Stiftung), Bijan Kaffenberger (Mitglied des Hessischen Landtags) und Heribert Warzecha (Vizepräsident der TU Darmstadt) diskutierten. Als Kennzeichen besonders guter Lehre wurde von Frau Borowski die praktische Anwendung (z. B. Pegida-Beforschung an der TU Dresden genannt, von Frau Ebert der gelungene Austausch untereinander; Herr Warzecha betonte die Bedeutung von Persönlichkeiten und Zeit (und Geld). Herr Kaffenberger monierte in diesem Zusammenhang die klare Ausrichtung der Anreizstrukturen Richtung Publikationen. Herr Warzecha stellte die Nichtquantifizierbarkeit der Lehre als Malus heraus. Frau Borowski erklärte, wie wichtig eigeninitiative Rückmeldungen der Lehrenden zu Seminararbeiten seien. Alle waren sich einig, dass während der Pandemie seitens der Lehrenden viel engagiert aus dem Boden gestampft worden sei, aber auch vieles, etwa die Interaktion sowie die Anschlusskommunikation unter den Studierenden, auf der Strecke geblieben sei und Lehrende vielfach den Eindruck hatten, den Studierenden in dieser Situation nicht gerecht zu werden bzw. nicht gerecht werden zu können. Als Problem der Lehre wurde auch der hohe Anteil an Lehrenden, die keine Dauerstellen haben, benannt. Aus Sicht von Frau Ebert wirkt sich die Unsicherheit über den Karrierefortgang unmittelbar auf die Lehre aus. Herr Warzecha nahm dazu die Position ein, Unis seien Durchlauferhitzer und eine massenweise Entfristung würde den Betrieb auf Jahre lähmen. Nach Herrn Kaffenbergers Einschätzung aus der Politik zufolge ist mit einer höheren Grundfinanzierung der Unis, so wünschenswert sie wäre, angesichts der mannigfachen anderen Herausforderungen auf absehbare Zeit nicht zu rechnen. Er kritisierte aber die Praxis von FfbA-Stellen mit bis zu 24 SWS Lehrverpflichtung, die einer Beerdigung der eigenen akademischen Laufbahn bedeuteten. Frau Borowski berichtete, aus studentischer Perspektive werde die Uni nicht als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen, die Situation bezüglich Finanzierung / Forschungsmitteln sei frustrierend. Auch Herr Warzecha konzedierte einen Rückgang des Interesses an einer wissenschaftlichen Karriere infolge der damit einhergehenden Unsicherheit. Hilfreich und kostensparend wäre aus seiner Sicht weniger Bürokratie. Herr Kaffenberger drang ebenfalls darauf, dass neue Stellen den Studierenden und nicht der Verwaltung zugutekommen müssten. Befragt, was sich im Laufe der nächsten fünf Jahre ändern solle, nannte Frau Ebert eine Auflösung der Konkurrenz zwischen Forschung und Lehre. Herr Warzecha warb für ein langfristiges Neudenken der Lehre, wofür es neue (auch digitale) Räume brauche statt Hörsäle. Frau Borowski weniger Bürokratie für Lehrende und Lernende sowie beidseitigen Spaß an der Lehre. Herr Kaffenberger gelobte, an Unis auch mal Leute zu besuchen, die Lehrpreise gewinnen, statt immer nur Leute, die Forschungsgelder bekommen.
Dem öffentlichen Teil voran ging ein erstes Panel zum Thema „Digitale Lehre“. Thomas Herrmann und Annette Förster stellten das an der Uni Duisburg-Essen im Aufbau befindliche Zertifikat für digitale Kompetenzen von Politikwissenschaftler:innen „DigCompPol“ vor. Eine Systematisierung der digitalen Kompetenzen der Studierenden mittels Literaturstudie und Arbeitsgeber:innenbefragung ergab die vier Kategorien „Informationskompetenz“ (wozu u.a. auch Wissenschaftskommunikation in den sozialen Medien zählt), „Future Skills“ (wie Forschendes Lernen, Praxisseminare oder Kollaborationstools), „Data Literarcy“ (u. a. wissenschaftliches Programmieren und Big-Data-Analyse) sowie „Anwendungs- und Urteilskompetenzen“. Die Nachweise dieser Kompetenzen sollen von den Studierenden im Zuge des normalen Curriculums erbracht, aber für das Zertifikat separat verbucht verbuchen (als sog. „digital badges“) und mit diesem bescheinigt werden. Die anschließende Diskussion hatte u. a. zum Gegenstand, wie viel Mehraufwand die Begutachtung der digitalen Kompetenzen für die Lehrenden bedeutet, inwiefern diese für ganze Module einheitlich festgelegt werden und wie es um die Kooperation der Lehrenden im Zuge der Einführung des Zertifikats steht. Der zweite Vortrag in diesem Panel wurde von Marc Seuberlich von der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW beigesteuert, der von großem Zuspruch und besseren Klausurergebnissen im dortigen Pflichtseminar „Governance“ für fortgeschrittene Studierende (gehobener Dienst in der Kommunalverwaltung) beim Lehrmedium Arbeitsblätter berichtete. Angesichts des hohen Vorbereitungsaufwands für abwechslungsreiche (z. B. Lückentexte oder Gitterrästel mit words-generator.de) und „funktionierende“ (fordernde, aber nicht überfordernde) Arbeitsblätter kommt dieses v. a. für wiederkehrende Veranstaltungen in Betracht. In der Diskussion wurde erörtert, ob der Arbeitsaufwand für den einzelnen Lehrenden mittels OER gemindert werden könnte, aber auch, ob dieses Medium aus Sicht von Studierenden an Universitäten vielleicht in unguter Weise an Schule erinnern könnte.
Am zweiten Tag fand ein Panel zur Methodenlehre statt. Lars Pelke (Uni Erlangen-Nürnberg) stellte darin sein Konzept vor, Studierende praktisch in der Datenanalyse zu schulen, indem sie publizierte Studien zu replizieren versuchen, was auch der Wichtigkeit der Replikation und der Replizierbarkeit in der (Politik-)Wissenschaft entspreche. Das richtige Maß bei der Vermittlung datenanalytischer Kompetenzen mit R und die Vereinfachung des Einstiegs in R für Studierenden thematisierten die Beiträge von Daniel Moosdorf und Yannick Diehl (beide Uni Marburg) sowie von Simone Abendschön und B. Philipp Kleer (beide Uni Gießen). Die Marburger Gruppe hat zu ihrem Kurs, der explizit auf sozialwissenschaftliche Daten ausgerichtet ist und diese praxisnah anhand der Daten des Allbus 2018 vermittelt, auch ein begleitendes E-Book verfasst, das freilich zugänglich ist unter
https://yannickdiehl.github.io/RWorkshop/. Die Gießener Gruppe legte u. a. Wert auf die Integration des Kollaborationstools git. Strittig war u. a., ob Studierenden eher in einer übersichtlichen, geschützten Click-and-Play-Umgebung Schritt für Schritt an quantitative empirische Methoden herangeführt werden sollten oder ihnen am Anfang ein höherer Lernaufwand in der Programmiersprache zugemutet werden kann bzw. muss, um dafür anschließend weiterführende Kenntnisse auf einer solideren Grundlage aufbauen zu können.
Ursprünglich waren anschließend noch ein Panel zum Thema Aktualität in der politikwissenschaftlichen Hochschulllehre sowie ein offenes Panel geplant, die aufgrund des Ausfalls zweier Referierender zu einem Panel zusammengelegt wurden. Matthias Freise stellte zwei Seminarkonzepte zu Forschendem Lernen und zu aktualitätsbezogener Lehre in der Corona-Krise vor. In einer Veranstaltung zu Europapolitik ließ er die Studierenden in Kleingruppen eine Fahrradtour unternehmen, die an verschiedenen Stationen vorbeiführte, die z. B. durch EU-Fonds finanziert worden waren, und holte solche sonst eher „trockenen“ Themen so in das konkrete Umfeld der Studierenden, was auf große Resonanz stieß. Dies galt auch für die zweite vorgestellte Veranstaltung, in der er die Studierenden Interviews führen und auf dieser Grundlage die Betroffenheit lokaler Vereinen durch die Corona-Situation erforschen ließ. Last but not least stellte Carola Kloeck ihr Manuskript zu dem demnächst in der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik erscheinenden Band „Seminargestaltung“ vor und konnte hierzu in der Diskussion noch einige Ideen aufnehmen. Das Thema „Aktualität in der Lehre“ wird wohl auf Wiedervorlage gelegt.

++Planspiel Endlagersuche++
Und zum guten Ende: Endlagersuche. Das Bundesamt für Sicherheit (BASE) hat für das Thema des Standortauswahlverfahrens ein Planspiel zur Endlagerstandortsuche entwickelt. In dem Planspiel „Bürgerdialog Mitthausen“ nehmen die Spieler:innen die Rollen von Bürger:innen und verschiedenen Interessensvertreter:innen bei der Endlagersuche ein. Sie diskutieren die Herausforderungen und Chancen von Beteiligung anhand eines fiktiven Beteiligungsformats bei der Endlagersuche. Das Spiel ist für 9 bis 26 Teilnehmer:innen und auf drei Stunden ausgelegt. Die Planspiel-Materialien sowie eine begleitende Handreichung sind auf der Seite „Bildungsmaterialien“ der Infoplattform zur Endlagersuche herunterladen: https://www.endlagersuche-infoplattform.de/webs/Endlagersuche/DE/Dokumente-und-Service/unterrichtsmaterialien/endlagersuche.html.
Zu etwaigen Fragen zur Durchführung bietet das BASE (auch telefonische) Beratung an.

CfP Workshop: Mehr als weiss, westlich, männlich! Politik-wissenschaftliche Hochschullehre vor dem Hintergrund dekolonialer, feministischer, intersektionaler Perspektiven

23.-24. März 2023

Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Politikwissenschaft

Wir freuen uns über Beitragsvorschläge auf Englisch und Deutsch!

Format: face-to-face oder online (hybrides Format)

Keynote: Prof. Toyin Falola, Jacob & Frances Sanger Mossiker Chair in the Humanities; University Distinguished Teaching Professor, University of Texas at Austin

Dekoloniale und intersektionale Ansätze erkennen die Bedeutung der Eigenschaften von Individuen oder Gruppen (sowie potentzielle Privilegien oder Benachteiligungen) an, die sich aus ihrer geografischen Herkunft (z. B. im globalen Norden oder im globalen Süden), ihrer Rasse/Ethnizität, ihrer Klasse, ihrem Alter und ihrer Gender-Identität ergeben, an. Sie spielen mittlerweile eine wichtige Rolle in vielen zeitgenössischen öffentlichen und wissenschaftlichen Diskursen über Politik, demokratische Inklusion und Ressourcenverteilung. Viele Wissenschaftler haben sich für eine „Dekolonialisierung“ und „Dezentrierung“ politikwisschenschaftlicher Forschung ausgesprochen. Dennoch spielt „Intersektionalität“ in der Hochschullehre bisher nur eine untergeordnete Rolle in der Diskussion um pädagogische und didaktische Strategien in der Hochschulbildung.

Sensibilität der Lehrenden (und Studierenden) für diese Themen zu fordern, klingt mittlerweile nach einer selbstverständlichen, vielleicht sogar nach einer überflüssigen Forderung. Sie ist jedoch auf trügerische Weise „selbstverständlich”, da die Umsetzung dieser Sensibilität für „Intersektionalitätsfragen“ im konkreten Unterrichtsalltag vielfältige Herausforderungen mit sich bringt.

Diese Schwierigkeiten können von der Fokussierung etablierter Lehrpläne auf die Forschung und Literatur männlicher, westlicher, weißer Autoren bis hin zu einer voreingenommenen Sichtweise auf „den globalen Süden“ oder postkoloniale Länder in vergleichender Politikwissenschaft, Entwicklungsstudien oder internationalen Beziehungen reichen, die überwiegend „die westliche Perspektive“ als Ausgangspunkt für empirische Analysen einnimmt. Dies gilt sogar für Lehr- und Lernumgebungen in postkolonialen Ländern, in denen nicht nur die akademischen Strukturen, sondern auch die Lehrpläne und Seminar- bzw. Vorlesungsinhalte noch immer „westlich“ orientiert und stark von den Einflüssen (post-) kolonialer Strukturen geprägt sind.

Vor diesem Hintergrund zielt dieser Workshop darauf ab, die Herausforderungen zu identifizieren, mit denen Lehrende in der Politikwissenschaft (und verwandten Bereichen) in verschiedenen (sub-)disziplinären und soziokulturellen Kontexten konfrontiert sind – und mögliche Strategien zur Bewältigung dieser Herausforderungen zu diskutieren und zu erarbeiten.

Eingeladen sind Beiträge von Lehrenden aus allen Teilen der Welt und aus allen Teildisziplinen der Politikwissenschaft (oder verwandten Feldern), die sich mit dem „Status quo“ in der Lehre der Politikwissenschaft auseinandersetzen, Berichte über Lehr- und Lernerfahrungen in verschiedenen (fachlichen und/oder oder geografische) Kontexte, konstruktive Vorschläge und kritische Reflexionen.

Wir ermutigen insbesondere Lehrerinnen und Lehrer aus dem Globalen Süden, feministische und dekoloniale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, an diesem Workshop teilzunehmen (aufgrund eines hybriden Formats wird eine Online-Teilnahme möglich sein).

Vorschläge für Workshopbeiträge können unter anderem die folgenden Fragen adressieren:

(1) Dekolonialisierung und Dezentrierung des politikwissenschaftlichen Curriculums:

  • Wie sehen Curricula für die Lehre der Politikwissenschaft in verschiedenen Teildisziplinen an deutschen Universitäten bzw. an Universitäten weltweit aus?
  • Welche Vorurteile lassen sich erkennen – und wie können sie gegebenenfalls überwunden werden?
  • Wie können wir zum Beispiel Lehrpläne erstellen, die es Studierenden und Lehrenden der Politikwissenschaft ermöglichen, eine inklusivere Sicht auf Politik in verschiedenen Kontexten zu entwickeln, die dekoloniale/dezentrierte Perspektiven integriert?

(2) Lehrmethoden:

  • Wie können Lehrende bewusst und sensible auf Inklusions-/Exklusionsaskpekte reagieren, die immer noch (obgleich oft auf subtile Weise) die diskursive Dynamik im Klassenzimmer/Hörsaal beeinflussen?
  • Wie können Lehrende z.B. kulturell oder persönlich heikle Themen angemessen behandeln – und ein diskursives Umfeld schaffen, in dem sich alle Studierenden, unabhängig von Geschlechtsidentität, kulturellem Hintergrund, Alter, Nationalität, Rasse/Ethnizität oder Klasse, sicher genug fühlen, um sich mit dem/den jeweiligen Thema(n) auseinanderzusetzen – und miteinander in einen offenen Diskurs zu treten?
  • Welche konkreten didaktischen Strategien oder Werkzeuge können hilfreich sein, um diese Ziele zu erreichen?

(3) Intersektionalität, Gender Studies, Dekolonialität als Thema in der Lehre: Die Vermittlung dekolonialer, feministischer oder intersektionaler Ansätze oder Theorien als primäres Thema von Vorlesungen oder Seminaren wirft wohl weitere Fragen auf:

  • Was sind adäquate Materialien für einen konstruktiven Umgang mit potenziell normativ aufgeladenen und/oder strittigen Themen in Lehr-Lern-Kontexten?
  • Welche Lehransätze und didaktischen Strategien, welche Ergänzungen zu „etablierten“ Lehrplänen und Curricula können hilfreich sein, um diese Themen in unterschiedlichen Lehr- und Lernumgebungen und mit unterschiedlichen (Studierenden-)Zielgruppen zu behandeln?

Bitte reichen Sie Ihre Vorschläge (max. 300 Wörter) bis zum 27. Januar 2023 ein: info@hochschullehre-politik.de

Wir freuen uns sehr auf Ihre Vorschläge – zögern Sie nicht, uns bei weiteren Fragen oder Rückfragen vorab zu kontaktieren!

CfP_Workshop_Teaching&Intersectionality_AKHochschullehre_Englisch&Deutsch

ENGLISH VERSION

23-24 March 2023

Venue: Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Politikwissenschaft

We warmly invite contributions in German and English!

Participation: face-to-face or online (hybrid setting)

Keynote: Prof. Toyin Falola, Jacob & Frances Sanger Mossiker Chair in the Humanities; University Distinguished Teaching Professor, University of Texas at Austin

Decolonial and intersectional approaches acknowledge the significance of individuals’ or groups’ characteristics (and potential privileges or disadvantages) which result from their geographical origin (e.g., in the Global North or the Global South), their race/ethnicity, their class, age and gender. These approaches by now play a major role in many contemporary public and scholarly discourses on politics, democratic inclusion, and resource distribution. Hence, many scholars have advocated for “decolonizing” and “decentring” research in political science. Nevertheless, the role of “intersectionality” in teaching at colleges and universities so far only plays a subordinate role in discussions about pedagogical and didactical strategies in higher education.

Asking for teachers’ (and students’) sensitivity with regards to these issues nowadays frequently sounds like a straightforward, maybe even like a superfluous requirement. It is, however, deceptively simple as implementing sensitivity towards “intersectionality-related issues” in concrete everyday teaching can pose multi-faceted challenges. These may range from established curriculums’ focus on scholarship and literature from male, Western, white authors to a biased view on “the Global South” or postcolonial countries in comparative politics, development studies or international relations that predominantly takes “the Western perspective” as a point of departure for empirical analyses. This even holds up for teaching and learning environments in postcolonial countries where not just the structures of academia, but also the curriculum and seminar or lecture contents are still oriented towards “the West” and heavily influenced by the impacts of (post-)colonialism.

Hence, this workshop aims at identifying challenges that teachers in political science (and related fields) face in different (sub-)disciplinary and socio-cultural contexts – and at fleshing out potential strategies to address those challenges.

We invite contributions by teachers from all parts of the world and from all sub-disciplines in political science (or related fields) that deal with “the status quo” in teaching political science, reports about teaching and learning experiences in different (disciplinary and/or geographical) contexts, constructive proposals, and critical reflections.

We particularly encourage teachers from the Global South, feminist and decolonial scholars to join us for this workshop (due to a hybrid format, online participation will be possible).

Proposals for workshop contributions can address (but are not restricted to!) the following questions:

  • Decolonizing and decentring the curriculum in political science:
  • What do curricula for teaching political science in diverse subdisciplines look like at German universities and/or at universities across the globe?
  • Which biases can be detected – and how can they potentially be overcome?
  • How can we, for example, create syllabuses that enable students and teachers to study politics in a way that embraces a more inclusive view of politics in different contexts?
  • Teaching methods:
    • How can teachers be conscious of and (more) sensitive towards issues of inclusion/exclusion that still (albeit often in subtle ways) tend to influence the discursive dynamics in the classroom/lecture hall?
    • How can teachers deal with e.g. culturally or personally sensitive issues in an appropriate manner – and create a discursive environment in which all students, independently of their gender identity, cultural background, age, nationality, race or class, feel safe enough to engage with the topic(s) at hand – and with each other?
    • What concrete didactical strategies or tools can be helpful to achieve these goals?
  • Intersectionality, gender studies, decoloniality as a topic: Teaching decolonial, feminist or intersectional approaches or theories as a primary topic of lectures or seminars arguably raises additional questions:
    • What are adequate materials for dealing constructively with potentially normatively laden and/or contentious issues in teaching environments?
    • Which teaching approaches and didactical strategies, what amendments to “established” syllabuses and curricula can be helpful to address these topics in different teaching and learning environments and with different (student) audiences?

Please submit your proposals (max. 300 words) until January 27, 2023 to info@hochschullehre-politik.de

We are very much looking forward to your proposals – please don’t hesitate to get in touch with any further questions or queries in advance!

 

 

 

Neues Sprecher*innen-Team konstituiert sich

Im Rahmen der Jahrestagung des AK in Darmstadt, wurde am 20. September 2022 durch die Mitgliederversammlung das Sprecher*innen-Team neu gewählt. Es besteht künftig aus Dr. Volker Best (Universität Bonn), Dr. Dannica Fleuß (Dublin City University / University of Canberra), Prof. Dr. Matthias Freise (Universität Münster), Raphael Oidtmann (Universität Mannheim/Hessischer Landtag) und Dr. Julia Reuschenbach (FU Berlin). Alle Sprecher*innen sind unter info@hochschullehre-politik.de zu erreichen.

In einer digitalen Sitzung am 4. November 2022 hat das neue Sprecher*innen-Team gemeinsam ein Arbeitsprogramm für das nächste Jahr entwickelt. Neben den bereits etablierten Formaten eines Workshops und einer Jahrestagung, arbeiten wir derzeit an einem Antrag zu einer aktuellen Ausschreibung der Stiftung Innovationen in der Hochschullehre. Außerdem sind wir – wie auch schon in den letzten Jahren – im DVPW-Rat, in der Jury zum DVPW-Lehrpreis und in den Beratungen zum neuen CHE-Ranking aktiv. Mehr über uns, eine ausführliche Nachlese unserer Jahrestagung 2022 und mehr Infos zu unseren Planungen für 2023 lest Ihr in den nächsten Wochen in unserem Newsletter auf unserer Mailingliste. Wir freuen uns auf die gemeinsame Arbeit mit Euch!

Programm der 6. Jahrestagung des Arbeitskreis Hochschullehre am 19./20. September in Darmstadt

Liebe Kolleginnen und Kollegen im AK Hochschullehre,

das Sprecher*innenteam des AK Hochschullehre freut sich sehr das Programm der diesjährigen Jahrestagung bekanntzugeben. Die 6. Jahrestagung findet in Kooperation mit der Schader-Stiftung statt, welche auch Gastgeberin der Veranstaltung am 19. und 20. September in Darmstadt sein wird. Neben drei thematischen Panels (digitale Lehre / Methodenlehre / Aktualität in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre) und einem offenen Panel wird im Rahmen der Jahrestagung auch eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wozu Politikwissenschaft studieren?“ abgehalten.

Zudem wird am 19. September auch der diesjährige Lehrpreis Politikwissenschaft der DVPW und der Schader-Stiftung vergeben, im Rahmen der Verleihung wird es einen Roundtable zum Thema „Welche Ressourcen benötigt gute Lehre“ geben.

Die Tagung ist als Präsenztagung konzipiert, die Podiumsdiskussion sowie die Preisverleihung können auch digital besucht werden.

In jedem Fall ist eine Anmeldung direkt bei der Schader-Stiftung bis zum 12. September notwendig, diese ist hier möglich: https://www.schader-stiftung.de/politikwissenschaft Wir bitten auch explizit alle Papergiver und Teilnehmende der Podiumsveranstaltungen um Anmeldung.

Vollständiges Programm mit weiteren Hinweisen (aktualisiert 4. August)


Call for Papers (beendet)

Nach über zwei Jahren Pandemie lädt der Arbeitskreis Hochschullehre endlich wieder zu einer  Jahrestagung – hoffentlich – in Präsenz ein. Wir freuen, dass die Jahrestagung diesmal in Kooperation mit der Schader-Stiftung am 19. und 20. September in Darmstadt stattfinden kann und verbunden wird mit der Verleihung des Lehrpreises der DVPW, die wiederum eingerahmt wird von zwei Podien zu den Themen „Wozu Politikwissenschaft studieren?“ und „Welche Ressourcen benötigt gute Online-Lehre?“.

In drei Themenblöcken möchten wir aktuelle Fragestellungen und Herausforderungen der politikwissenschaftlichen Hochschullehre vertiefen und bitten hierzu um Beitragsvorschläge:

Digitale und hybride Lehre (19. September, 13 Uhr)

Als Folge der Corona-Pandemie wurde die Lehre in der Politikwissenschaft in vielen Bereichen mehr oder weniger unvorbereitet in den digitalen Raum verlegt. Wir bitten um die Einreichung von Beispielen gelungener Online- und Hybrid-Lehre in der Politikwissenschaft. Von besonderem Interesse sind die Vorstellung und Diskussion konkreter Lehr-Lern-Konzepte und Prüfungsformate sowie die Frage, wie die Erfahrungen seit dem Sommersemester 2020 konstruktiv in die zukünftige Lehre eingebunden werden können.

Methodenlehre (20. September, 10 Uhr)

Wie steht es um die Methodenlehre in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre? Der Fokus möglicher Einreichungen könnte auf der Frage liegen, welche Methodenkompetenzen im Studium vermittelt werden sollen und warum. Dabei können berufsfeldspezifische Anforderungen genauso Gegenstand sein wie auch bisher nur wenig vermittelte Kompetenzen.

Aktualität in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre (20. September, 12 Uhr)

Der Umgang mit aktuellen politischen Themen in der Lehre stellt besondere didaktische Herausforderungen. Einerseits gibt es ein großes Interesse seitens der Studierenden, aktuelle Themen zu diskutieren, andererseits muss von Lehrenden auch sichergestellt sein, dass gute allgemeine theoretische und methodische Kenntnisse vermittelt werden, um auch andere als die derzeit aktuellen Themen adäquat analysieren und durchdringen zu können. Übergeordnete Überlegungen zu diesem Spannungsfeld sind hier ebenso von Interesse wie Best-Practice-Beispiele.

Weitere spannende Vorschläge (20. September, 14 Uhr)

Wir freuen uns auch über andere spannende Beitragsvorschläge für ein weiteres, offenes Panel. Themen hierfür könnten zum Beispiel sein: innovative Studienleistungen, Konzepte zur Binnendifferenzierung in der Lehre, Politisierung der Studierenden.

Verlängerter Call: Einreichungen werden erbeten bis zum 21. Juni 2022 an info@hochschullehre-politik.de (max. 300 Wörter). Das Programm zur Tagung wird voraussichtlich Anfang Juli 2022 veröffentlicht. Im Rahmen der Tagung findet auch die Mitgliederversammlung des AK Hochschullehre statt. Außerdem ist nach der Lehrpreisverleihung am Abend des 19. September ein gemütliches Beisammensein geplant.

In Vorfreude auf Ihre und Eure spannenden Beitragsvorschläge,

das Sprecher*innenteam des Arbeitskreis Hochschullehre

Volker Best, Lasse Cronqvist, Matthias Freise & Julia Reuschenbach

Nachtrag: World Café des AK Hochschullehre beim DVPW Kongress 2021

Im Rahmen des DVPW-Kongresses 2021 veranstaltete der Arbeitskreis Hochschullehre mit der Sektion Politikwissenschaft und Politische Bildung eine Querschnittsveranstaltung zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie und den mit dieser folgenden rechtlichen Einschränkungen auf Studium und Lehre. Rückblickend auf drei teilweise sehr unterschiedlich verlaufende Semester betrachtete die Veranstaltung sowohl die direkten Auswirkungen der in Teilen abrupt erfolgte Digitalisierungsschritte in der Lehre, und beschäftigten sich auch mit gesellschaftliche Folgen der Corona-Pandemie selber für die inhaltliche Gestaltung der Lehre.

Die Veranstaltung war als World Café organisiert, und die Teilnehmer und Teilnehmerinnen hatten in drei Runden die Möglichkeit an einen der fünf Thementische mit zu diskutieren.

Zwei Thementische fokussierten auf die Situation der Studierenden. Dr. Volker Best (Universität Bonn und RWTH Aachen) stellte mit Dr. Matthias Freise (Universität Münster) die Frage, wie mit „Sorgenkindern“ in der Online-Lehre umgegangen werden kann. Dabei wurde auch erörtert, welche Herausforderungen durch die Online-Lehre sich als besonders schwierig erwiesen haben und einige Hinweise gegeben, wie man diesen begegnen kann.

Unter der Leitung von Dr. Ray Hebestreit (Univ. Duisburg-Essen) und Dr. Lasse Cronqvist (Univ. Trier) wurden an einem weiteren Tisch Fragen zum Studienbeginn unter Corona-Bedingungen besprochen. Dabei wurde der Begriff Studienbeginn weit gefasst, so dass Diskussionspunkte zu Aspekten der Studiengestaltung in den ersten beiden Semestern angesprochen wurden. Eine kurze Zusammenfassung findet sich hier.

Adrian Bidlingmaier (Universität Konstanz), Dr. Judith Gurr (Universität Lüneburg) und Johanna Hiebl (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder) schauten in die Zukunft und ordneten die Frage, wie in Zukunft mit digitalen Elementen der Lehre umgegangen wird, in den breiteren Kontext der Hochschuldidaktik ein. Dabei wurde der Stellenwert von Präsenzlehre genauso diskutiert wie das Verhältnis von Online- und Präsenzlehre. Zudem wurden einzelne Aspekte von Vor- und Nachteilen digitaler Lehre angesprochen.

Prof. Dr. Rico Behrens (Katholische Universität Eichstätt) und Dr. Luisa Girnus (Universität Potsdam) verbanden an Tisch 4 die Möglichkeiten des Teamteachings mit Online-Formaten. Die Ergebnisse wurden in einem Padlet festgehalten:

An Thementisch 5 erörterten Dr. Dannica Fleuß (Helmut-Schmidt-Universität) und Prof. Dr. Marc Partetzke (Universität Hildesheim) die Frage, wie politisch (normativ) dürfen “wir Lehrende” sein und wie mit dem “Redebedarf” seitens Studierender umgegangen werden soll. Diskutiert wurden dabei verschiedene Aspekte, diese sind in der Zusammenfassung hier aufgeführt.

Julia Reuschenbach und Volker Best weiter im SprecherInnen-Kreis des AK aktiv

Bei der diesjährigen Mitgliederversammlung des Arbeitskreises Hochschullehre im Rahmen, welche im Rahmen des Online-Kongresses der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft stattfand, wurden Julia Reuschenbach (Universität Bonn/Stiftung Berliner Mauer) und Volker Best (RWTH Aachen) als Teil des SprecherInnen-Teams des AK einstimmig wiedergewählt. Seit 2020 wird das Team alternierend gewählt, so dass jährlich zwei oder drei SprecherInnen für jeweils zwei Jahre gewählt werden. Eine Vorstellung des gesamten Teams findet sich hier: https://www.hochschullehre-politik.de/ueber-uns/sprecherinnen/

Neben dieser Wahl berichtete der Arbeitskreis kurz über seine Aktivitäten seit der letzten Mitgliederversammlung im Februar 2020, welche maßgeblich von der Situation der Lehre in der Corona-Pandemie geprägt war. So erstellte der AK zu Beginn des ersten Corona-Semesters (Sommersemester 2020) 13 Tipps zur Online-Lehre und organisierte sechs zum Teil sehr gut besuchte ZOOM-Workshops zu Fragen der digitalen Lehre. Auch initiierte der Arbeitskreis eine Toolbox zur digitalen Lehre, welche auf der Webseite der DVPW zur Verfügung steht. Mit der Lehre in der Pandemie beschäftigte sich ebenfalls das World Café des Arbeitskreises auf dem Kongress der DVPW 2021 mit dem Titel „Und es hat Zoom gemacht. Lehre in Zeiten von Unsicherheit und Digitalisierung“.

Hervorzuheben aus Sicht des Arbeitskreises ist der dieses Jahr neu eingerichtete Lehrpreis der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft. Dieser soll an Lehrende der Politikwissenschaft gehen, welche besondere Leistungen in der politikwissenschaftlichen Lehre erbracht haben. Der Preis der DVPW und der Schader-Stiftung wurde 2021 an Sebastian Möller für sein Forschungsseminar „Schlüssel zur Welt: Die Bremischen Häfen in der Globalen Politischen Ökonomie“ (Univ. Bremen) verliehen. Mitgewirkt an der Jury haben aus dem AK Hochschullehre Julia Reuschenbach und Matthias Freise.

Weiterhin berichtete der Arbeitskreis über seine weiteren Aktivitäten, wozu die Weiterführung des Blogs auf der Webseite des AK zählen genauso wie die Erarbeitung einer Stellungnahme zu Empfehlungsentwurf des DVPW-Vorstandes zu „Ablauf, Transparenz und Fairness in Bewerbungsverfahren um Professuren“.

Auch erschienen im Jahr 2020 und 2021 weitere Bände in der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik (Wochenschau Verlag).

  • Matthias Hofferberth und Tanja Brühl (2020): Heterogenität in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre.
  • Daniel Lambach (Hrsg.)(2020): Bausteine digitaler Hochschullehre in der Politikwissenschaft
  • Carolin Kärger und Judith Gurr (2020): Lernen im Dialog
  • Wolfgang Muno (2020): Planspiele und Politiksimulationen in der Hochschullehre

Coronabedingt konnten seit März 2020 keine Präsenzveranstaltungen des Arbeitskreises mehr durchgeführt werden. Das SprecherInnen-Team hofft die nächste Jahrestagung, welche in der vorlesungsfreien Zeit nach dem Wintersemester 2021/22 stattfinden soll, nicht wieder digital ausrichten zu müssen. Wir freuen uns über inhaltliche Vorschläge für die Tagung und würden uns auch freuen, wenn sich Interessenten zur Ausrichtung dieser bei uns melden würden!

Die SprecherInnen des AK Hochschullehre

Take Home Exams als alternative Prüfungsformen in der Politikwissenschaft

Dies ist ein Gastbeitrag von Dana Atzpodien (Universität Münster).

Die Verlagerung der Lehre in den Online-Betrieb hatte erhebliche Auswirkungen auf den Prüfungsbetrieb an den politikwissenschaftlichen Instituten deutscher Universitäten. Waren an vielen Standorten vor der Pandemie Präsenzklausuren im Hörsaal Standard bei der Prüfung großer Lerngruppen, stehen viele Lehrende nun vor der Herausforderung, Alternativen zu entwickeln. Neben Online-Klausuren rücken dabei sogenannte „Take Home Exams“ in den Fokus. Warum Take Home Exams auch unabhängig von digitalen Hochschulsemestern eine willkommene Ergänzung des Prüfungsportfolios in der Politikwissenschaft sind, werde ich in diesem Blogbeitrag ausformulieren.

Zunächst werde ich erläutern was Take Home Exams überhaupt sind und was bei der Konzeption, Vorbereitung, Durchführung und Bewertung für Prüfende zu beachten ist. Anschließend folgen zwei Praxisbeispiele aus meiner Lehre am Institut für Politikwissenschaft der Universität Münster: Ein Take Home Exam in Anlehnung an eine Klausur und ein Take Home Exam in Anlehnung an eine Hausarbeit. Danach gehe ich auf das Feedback der Studierenden zu den beiden Prüfungen ein und ziehe mein eigenes Resümee. Nach dem abschließenden allgemeineren Fazit folgen noch weiterführende Links zur umfassenden Auseinandersetzung mit der Prüfungsform.

Dieser Blogbeitrag fasst die zentralen Inhalte des Zoom-Workshops vom 4. Mai 2021 zusammen. Den gesamten Vortrag können Sie sich auf YouTube ansehen.

Take Home Exams

Beim Take Home Exam bearbeiten die Studierenden „eine oder mehrere vorgegebene Fragestellungen schriftlich oder elektronisch, eigenständig, ohne Aufsicht, ggf. unter Nutzung von zugelassenen Hilfsmitteln, im Umfang einer bestimmten Bearbeitungsdauer und in einem festgelegten Bearbeitungszeitrahmen, der länger als die eigentliche Bearbeitungsdauer der Prüfungsleistung sein kann“ (Universität Hamburg 2021).

Das Take Home Exam bietet als digitale Prüfungsform einige Vorteile gegenüber einer klassischen Klausur: Insbesondere während der Pandemie müssen die Studierenden für die Prüfung nicht in die Universität kommen und können die Prüfung zu Hause oder an einem Ort ihrer Wahl ablegen. D.h. die Prüfenden müssen sich nicht mit der Raumplanung oder einem Hygienekonzept auseinandersetzen. Durch die individuelle Gestaltung der Prüfungsumgebung ist es den Studierenden möglich, ihren individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Wenn die Prüfungszeit dann auch noch angemessen länger als die eigentliche Bearbeitungszeit ist, können außerdem Pausen eingelegt sowie Care-Verpflichtungen und Lohnarbeit nachgegangen werden. Ebenso wie bei einer Hausarbeit zeichnet sich die Prüfungsform daher durch ein hohes Maß an Vertrauen gegenüber den Studierenden und Eigenverantwortung aus. Es wird auf eine Überwachung, wie bei einigen Online-Klausuren, via Videokamera oder Tonaufnahmen verzichtet und es gibt keinen Eingriff in die Privatsphäre der Studierenden. Das Format des Take Home Exams ermöglicht es, gegenüber einer Online-Klausur, darüber hinaus technische Probleme besser aufzufangen bzw. setzt die Studierenden und Prüfenden nicht so unter Druck wie bei einem engeren Zeitfenster. Die Studierenden benötigen auch nicht durchgängig oder stabil einen Internetzugang, sondern nur beim Down- und Upload der Aufgabenstellung und Abgabe der Prüfung.

Die begrenzte Bearbeitungszeit bietet trotz der gegebenen Freiheiten mehr Planungssicherheit für alle Beteiligten. Planungssicherheit ist sowohl für die Studierenden als auch die Prüfenden von Vorteil, da am Ende des Semesters meist mehrere Prüfungen koordiniert werden müssen. Außerdem kann anders als bei Klausuren die Arbeitsbelastung für die Studierenden gestreut werden.

(Online) Klausur Take Home Exam Hausarbeit
Durchführung Prüfungszeit entspricht der Länge der Bearbeitungszeit Prüfungszeit entspricht der Länge der Bearbeitungszeit plus Puffer Prüfungszeit ist unabhängig von der Bearbeitungszeit: Abgabefrist meist Ende des Semesters
Kompetenzbereiche

(Hochschulrektorenkonferenz 2015)

(1) Erinnern und verstehen
(2) Anwenden
(2) Anwenden
(3) Analysieren und Bewerten
(4) Erweitern und Erschaffen
(1) – (4)
Vorbereitung Probeklausur
Aufgabenstellung und Erwartungshorizont
Technische Infrastruktur
Probe Take Home Exam

Aufgabenstellung und Erwartungshorizont
Technische Infrastruktur

Beispiele
Individuelle Sprechstunde(n) mit Studierenden
Bewertung Automatisiert und händisch
Inhalte gemäß Erwartungshorizont
Händisch
Inhalte und Struktur gemäß Erwartungshorizont(Inhalt individuell)
Händisch
Struktur gemäß Erwartungshorizont
Inhalt individuell

Bevor ich final auf die beiden von mir selber erprobten Formate von Take Home Exams und die Erfahrungen mit meinen Studierenden berichte, werde ich allgemeiner auf die Konzeption, Vorbereitung, Durchführung und Bewertung der Take Home Exams eingehen.

Konzeption

Das Take Home Exam ist ein flexibler Hybrid aus einer klassischen (Online-) Klausur und einer Hausarbeit. Dabei können sowohl die Form als auch die Inhalte auf das jeweilige Vorlesungs- bzw. Seminarkonzept und die Studienleistung angepasst werden und vice versa. Schreiben die Studierenden in der Studienleistung Essays oder fertigen Flussdiagramme an, kann dies auch Bestandteil des Take Home Exams sein. Grundsätzlich empfiehlt sich bei der Konzeption eine Abstimmung auf die für das Seminar formulierten Lern- und Kompetenzziele. Der Umfang des Seminars und der Prüfungsleistung kann wiederum mit der Prüfungsordnung abgeglichen werden.

Im Gegensatz zur Klausur und ähnlich zur Hausarbeit ist das Take Home Exam darüber hinaus durch die längere Bearbeitungszeit eine ausgezeichnete Option, um die Prüfung als eine Fortsetzung des Lernprozesses für die Studierenden zu gestalten anstelle einer reinen Abfrage von vorher vermitteltem Wissen. Die Studierenden können die Zeit bei den Aufgaben der höheren Kompetenzbereiche für Reflexion nutzen und ihr gelerntes Wissen anwenden (Bengtsson 2019). Komplexere Aufgaben aus den höheren Kompetenzbereichen erschweren außerdem wissenschaftliches Fehlverhalten. Es bieten sich insbesondere die Anforderungsniveaus „Anwenden“, „Analysieren und Bewerten“ sowie „Erweitern und Erschaffen“ an, wobei die ersten beiden gut miteinander verbunden werden können. Eine Aufgabenstellung im Anforderungsbereich „Erweitern und Erschaffen“ verlangt von den Studierenden deutlich mehr und kann schwer zeitlich kalkuliert werden, was zu einer Überforderung bei den Studierenden führen kann. Für eine primäre Prüfung dieses Anforderungsbereichs bietet sich die klassische Hausarbeit als Prüfungsformat an. Um auch die Bewertung der Aufgaben höherer Anforderungsbereiche zu vereinfachen, sollte bei der Konzeption des Take Home Exams notiert werden, welche und in welchem Umfang die Studierenden Hilfsmittel nutzen dürfen und wie sie diese sichtbar machen müssen.

Einzig das Anforderungsniveau „Erinnern und Verstehen“ bietet sich nicht für ein Take Home Exam an, da es grundsätzlich als open book-Format angelegt ist. Wenn die Studierenden die Prüfung zu Hause ablegen, stehen Ihnen prinzipiell alle Seminarunterlagen, Kommiliton*innen und das Internet offen. Die Studierenden könnten die Antworten zu einfachen Wissensabfragen also einfach kopieren. Bei Aufgaben der höheren Anforderungsbereiche ist dies nicht so leicht möglich.

Um die Länge der Prüfung und damit die Bearbeitungszeit zu kalkulieren, empfiehlt es sich einen detaillierten Erwartungshorizont zu erarbeiten. Dieser kommt den Dozierenden dann auch bei der Auswertung zugute. Anders als bei einer Klausur können hier neben den inhaltlichen Anforderungen auch Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens, wie die Zitation, angemessen berücksichtigt werden.

Vorbereitung

Die Vorbereitung eines Take Home Exams besteht aus universitätsspezifischen, technischen, rechtlichen und letztendlich inhaltlichen Aspekten. Zunächst sollten sich Dozierende informieren, ob ihre Universität das Take Home Exam als Prüfungsform zugelassen hat und wenn ja, ob es dafür Regelungen gibt. Dann stellt sich die Frage nach der technischen Umsetzung: Es ist wenig ratsam die Verteilung und Abgabe der Aufgaben per Mail zu koordinieren. An der Universität Münster beispielsweise werden alle Online-Prüfungen des Instituts für Politikwissenschaft auf der Plattform ExamWeb durchgeführt. Für diese gibt es wiederum einheitliche Regelungen zur Prüfungsanmeldung, ‑durchführung und ‑dokumentation, was die rechtliche Absicherung für die Prüfenden und Studierenden erleichtert. Sollte es gesonderte Prüfungsplattformen geben, sollten die Prüfenden die Studierenden darauf vorbereiten und am besten vorab der Prüfung alle Studierenden dort einen Testlauf durchführen lassen. Bei dem Testlauf können außerdem die Dokumentationsanforderungen getestet werden.

Wenn die administrativen Aspekte geklärt sind und Dozierende die Prüfung seminarspezifisch konzipiert haben, sollten sie die Modalitäten des bisher wenig bekannten Formats umfassend an die Studierenden kommunizieren. Das heißt auch, je „ungewöhnlicher“ die Konzeption der Prüfung und je abweichender vom Modus des Seminars, desto umfangreicher empfiehlt sich die Absprache mit Studierenden. Aus meiner Erfahrung sind eine genaue Ausformulierung der Anforderungen und Bewertungskriterien hilfreich, weil sie den Studierenden Unsicherheiten nehmen. Ebenso wie bei einer Klausur oder Hausarbeit sollte vor der Prüfung im Seminar Zeit gegeben werden, Fragen zum Prüfungsformat und Inhalten zu stellen. Damit vermeiden Prüfende außerdem, dass Studierende unterschiedliche Informationen erreichen.

Abschließend sollte vorher bekannt gemacht werden, an wen sich die Studierenden bei technischen und inhaltlichen Problemen während der Prüfungsdurchführung wenden können.

Durchführung

Während der Durchführung der Prüfung zahlt sich eine umfassende Prüfungsvorbereitung und klare Kommunikation mit den Studierenden aus. Im besten Fall läuft alles nach Plan und es kommen keine Fragen oder Probleme auf. Und falls doch, greifen die Sicherheitsnetze.

Die Prüfung startet mit der automatisierten Bereitstellung der Aufgabenstellung. Wenn vorher schon alle formalen Anforderungen auf der Prüfungsplattform hochgeladen waren, bietet es sich an, ein gesondertes Dokument für die Aufgabenstellung zu erstellen. Diese Informationen können aber auch alle in einem barrierefreien pdf-Dokument bereitgestellt werden.

Ebenso sollten sich die Information für den Notfallkontakt bei Problemen während der Prüfung sowie die Upload-Funktion für das Einreichen der erbrachten Leistung auf der Prüfungsplattform befinden. Auch hier bietet sich eine automatisierte Lösung an, die den Upload der Prüfung nach Ablauf der Frist blockiert.

Die Studierenden geben Ihre Ausarbeitung innerhalb des Bearbeitungszeitraumes ab und müssen dem Dokument, wie bei einer Hausarbeit, eine Eigenständigkeitserklärung beilegen.

Bewertung

Nach Ablauf der Bearbeitungszeit kann direkt mit der Korrektur der Take Home Exams begonnen werden. Dies orientiert sich an dem vorher erstellten Erwartungshorizont und Notenschlüssel. Wie bei anderen Prüfungen bietet es sich auch hier an, einen Erwartungshorizont pro Prüfungsleistung und Studierenden auszufüllen und eine individuelle Dokumentation über die Leistungsevaluation anzufertigen.

Neben der Leistungsdokumentation sollten die Prüfenden auch die Prüfungsplattform, bzw. -durchführung dokumentieren. Dies orientiert sich an den universitäts- und plattformspezifischen Vorgaben. Mit der Dokumentation der Prüfungsplattform kann für spätere Fragen belegt werden, welche Informationen den Studierenden zur Verfügung gestellt oder welche Anforderungen kommuniziert wurden.

Nach der Korrektur werden die individuellen Leistungsevaluationen sowie die Prüfungsdokumentation an das Prüfungsamt gesendet und die Prüfung ist für den Prüfenden final abgeschlossen.

Praxisbeispiele

Ich habe in meiner Lehre bereits zwei Versionen eines Take Home Exams als Prüfungsleistung zum Seminarabschluss erprobt. Einmal in Anlehnung an eine Klausur und einmal in Anlehnung an eine Hausarbeit.

Das Take Home Exam in Anlehnung an eine Klausur beinhaltete einen Block den Anforderungsbereiches 1 und 2 bei dem die Studierenden sowohl Wissen reproduzieren und angemessen mit Zitation versehen mussten. Dies bot sich an, da die Studierenden im ersten Semester waren und noch wenig Erfahrung mit Klausuren, universitären Prüfungen im Allgemeinen und wissenschaftlichen Arbeiten hatten. Ziel des Seminars und der Prüfung war es Grundlagen zu vermitteln und diese auch zu prüfen, ohne eine reine Wissensabfrage durchzuführen. Diese bietet sich, wie beschrieben, nicht für eine open book-Prüfung an. Auch der restliche Teil der Prüfung bewegte sich mit Essay-Aufgaben maximal im Anforderungsbereich 3.

Das Take Home Exam in Anlehnung an eine Hausarbeit richtete sich an Studierende eines Lektürekurses im fortgeschrittenen Studium. Es prüfte Aufgabenstellungen im Anforderungsbereich 3 und 4, aber gab den Studierenden anders als bei einer Hausarbeit bei der die Studierenden das Thema und die Fragestellung frei wählen, detaillierte Aufgabenstellungen.

Praxisbeispiel I: Take Home Exam in Anlehnung an eine Klausur

Ein Take Home Exam in Anlehnung an eine Klausur konzipierte ich für mein Seminar „Grundlagen der empirischen Parteienforschung“ im Wintersemester 2020/21 an der Universität Münster. Das Seminar war ein Einführungsseminar und richtete sich vor allem an Studierende im Grundstudium.

Das Seminar bestand aus Selbstlernphasen und Präsenzphasen zum persönlichen Austausch. In den Selbstlernphasen erarbeiteten die Studierenden die Seminarlektüre, nutzten ein Online Austauschforum zur Diskussion und fertigten Mindmaps, Essays oder eine stichpunktartige Zusammenfassung der Seminarliteratur an. Zu jeder Form der Studienleistung gab es einen Erwartungshorizont und zu den Essays auch bis zu zweimal individuellem Feedback. Durch diese Vorbereitung und Übung aus dem Seminar bot es sich an, die Essays auch mit in die Prüfung zu integrieren.

Die 24 Studierenden, die an der Prüfung teilnahmen, erhielten 48 Stunden Prüfungszeit, um die folgenden Aufgaben zu bearbeiten:

  • Im Wissensteil galt es 7 Fragen in Stichpunkten und mit Zitation versehen zu beantworten (insgesamt maximal 15 Punkte).
  • Der Essayteil bestand aus drei Themenblöcken, aus denen die Studierende zwei auswählen und bearbeiten mussten (je Essay maximal 15 Punkte). In jedem thematischen Block schrieben die Studierenden einen Essay und wählten dafür wiederum aus zwei vorformulierten Fragestellungen, bzw. kontroversen Hypothesen aus. Die Essays sollten maximal 1000 Wörter lang sein und thematisierten im Seminar bearbeitete Theorien und Fälle.
  • Die formalen Anforderungen wie Layout, Zitation und Literaturverzeichnis wurden gesondert mit bis zu maximal 5 Punkten bewertet.

Praxisbeispiel II: Take Home Exam in Anlehnung an eine Hausarbeit

Ein Take Home Exam in Anlehnung an eine Hausarbeit konzipierte ich für mein Seminar „Quantitative Texte lesen und verstehen!“ noch vor der Pandemie im Wintersemester 2019/20 an der Universität Münster. Das Seminar war ein Lektürekurs und richtete sich vor allem an Studierende in fortgeschrittenen Semestern bzw. im vertiefenden Studium.

Im Seminar erarbeiteten wir uns anhand von theoretischen und empirischen Texten die Grundlagen der Erstellung eines Forschungsdesigns. Außerdem gehörte zu der Studienleistung und Seminarinhalten die Anfertigung eines Flussdiagramms, welches einen quantitativen, empirischen Forschungsprozess abbildete. Für das Take Home Exam erhielten die Studierenden 120 Stunden bzw. 5 Tage Bearbeitungszeit und sollten ein Forschungsexposé, bzw. Forschungsdesign samt Flussdiagramm anfertigen.

Die Studierenden konnten aus zwei Themenblöcken mit vorformulierten Forschungsfragen und passender Literatur auswählen. Die Themenblöcke orientierten sich an dem im Seminar bearbeiteten empirischen Literatur. Pro Themenblock gab es eine vorformulierte Forschungsfrage, die die Studierenden so bearbeiten oder nach eigenen Wünschen abändern konnten. Ziel des Take Home Exams war, einen hypothetischen Forschungsprozess zu der genannten Forschungsfrage zu bearbeiten und methodische Herausforderungen und Limitierungen dazustellen sowie kritisch zu diskutieren.

Beispiel aus dem Themenblock „Wahlforschung“

Puzzle: Unterschiede von Wähler*innen verschiedener Parteien

Fragestellung: Welche Eigenschaften/Interessen/Positionen/Parteienidentifikation (Erkenntnisinteresse)  haben die Wähler*innen der Partei (SPD/CDU/CSU/Die Grünen/FDP/Die Linke/AfD oder Nicht-Wähler*innen) bei der Wahl (Analysezeitraum und -ort) in (Bundes-)Land (im Vergleich zu XX)?

Die Studierenden sollten dann im ersten Schritt die Fragestellung auf den Analysegegenstand, -zeitraum, und Ihr genaues Forschungsinteresse spezifizieren. Anschließend fertigten sie ein kommentiertes Flussdiagramm zu Ihrem hypothetischen Forschungsprozess an. Den größten Umfang besaß die schriftliche Ausarbeitung zum Flussdiagramm, welches Spezifikationen des Forschungsprozesses offenlegte, mögliche Herausforderungen bei der Umsetzung benannte und Lösungsansätze diskutierte.

Dazu sollten die Studierenden einen kurzen Forschungsstand auf Grundlage der von mir bereitgestellten Literatur ausarbeiten und die Konzepte ausfindig machen, die für die Bearbeitung der Forschungsfrage relevant sind ohne sie umfassend darzustellen. Vielmehr bot diese Ausarbeitung die (rudimentäre) Grundlage für den methodischen Teil des Forschungsdesigns. Anschließend sollten Sie Forschungshypothesen präsentieren und die Auswahl der von ihnen verwendeten Daten und Analysemethode rechtfertigen. Da es sich um ein Forschungsexposé handelte, sollten die zu erwartenden Ergebnisse abschließend besprochen werden. Dies meinte nicht die inhaltlichen Ergebnisse, sondern die Form, in der die Studierenden die Ergebnisse präsentieren würden und welche Implikationen (nicht) möglich sind mit der Art der gewählten Analysemethode.

Dieses sehr frei gestaltete Take Home Exam wurde von vier Studierenden geschrieben, da das Seminar nur von fünf Personen besucht wurde. Daher war auch die Vorbereitung auf diese Prüfungsform sehr intensiv. Ohne viel Austausch zu der Prüfungsform und den Anforderungen (Erwartungen der Dozierenden) wäre es sonst sicherlich schnell zu einem Missverständnis bei den Studierenden und Frustration gekommen. Da die Studierenden die Prüfungsform in Teilen außerdem im Seminar vorher erproben konnten und Feedback dazu bekamen, funktionierte das Take Home Exam sehr gut. Die Studierenden konnten sich kreativ und individuell mit methodischen Problemen auseinandersetzen und zeigten eine hohe Methodenkompetenz für quantitative, empirische Parteienforschung.

Feedback der Studierenden

Die Studierenden meldeten zurück, dass sie die Hilfestellung per Mail während der Bearbeitung angenehm empfanden. Hier kamen vor allem Fragen zur Zitation und ob bspw. Antworten in Stichpunkten ganze Sätze bedeuteten. Die Aufgabenstellung war so wie erwartet und vorher kommuniziert, insbesondere die Auswahlmöglichkeiten gefiel den Studierenden. Auch die Vereinbarkeit mit anderen Aufgaben wie Lohnarbeit oder anderen Prüfungen, die zeitlich nicht so flexibel terminiert waren, sowie die individuelle Zeiteinteilung lobten einige Studierende.

Trotz des positiven Feedbacks meldeten vereinzelt Studierende, dass sie vor allem als Erstsemester mit den Anforderungen des wissenschaftlichen Arbeitens überfordert waren und sich dadurch besonders unter Zeitdruck gesetzt gefühlt haben. Ebenso empfanden einige beim Take Home Exam, welches an eine Klausur angelehnt war, die Bearbeitungszeit als zu lang im Verhältnis zur Prüfungszeit. Sie empfohlen mir in Zukunft nur ein Essay anfertigen zu lassen. Durch das für einige Studierende schlecht aufeinander abgestimmte Verhältnis von Bearbeitungs- und Prüfungszeit konnten diese nicht ihren Care-Verpflichtungen nachkommen oder mussten in der Nacht an den Aufgaben arbeiten. Gleichzeitig lade die längere Prüfungszeit dazu ein, diese auch ganz zur Bearbeitung der Aufgaben zu nutzen und schaffe dadurch einfach eine lange Bearbeitungszeit und keine Pausen. Ebenso formulierten die Erstsemester, dass das Prüfungsformat, wenn es unbekannt ist, sehr schlecht einzuschätzen sei und daher den Stresslevel im Vergleich zu einer bekannten Klausur oder Hausarbeit erhöhe.

Meine Lehren für zukünftige Take Home Exams

Grundsätzlich erfordert die bisher bei den Studierenden noch wenig bekannte Prüfungsform viel Vorarbeit, um Unsicherheiten auszuräumen und eine faire Prüfungsvorbereitung für die Studierenden zu ermöglichen. Dies ist insbesondere für Studierende der ersten Semester herausfordernd. Sie beherrschen die Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens noch nicht aus dem Effeff und haben auch für die zu prüfenden Inhalte weniger Anknüpfungspunkte. Dadurch benötigen sie zur Bearbeitung vermeintlich eindimensionaler Aufgaben mehr Zeit als Studierende, die bspw. Zitation oder Literaturrecherche bereits mehrfach erproben konnten.

Als besondere Herausforderung empfand ich die Einschätzung einer angemessenen Bearbeitungszeit auf dessen Grundlage ich die Prüfungszeit bestimmen kann. Wie beschrieben, haben die Studierenden angemerkt, dass sie die Bearbeitungszeit als zu kurz kalkuliert empfanden und dadurch die gesamte Prüfungszeit nutzen. Das möchte ich als Prüfende in Zukunft unbedingt verhindern.

Um eine realistische Einschätzung der Bearbeitungszeit zu erhalten, kann vor der Konzeption des Take Home Exams erfragt werden, wie lange die Studierenden z.B. für einen Essay oder die Anfertigung eines Flussdiagramms benötigen. Die Kalkulation der Bearbeitungszeit durch die fehlenden Erfahrungswerte bleibt jedoch die größte Herausforderung bei der Konzeption des Take Home Exams. Fehlkalkulationen fallen dann besonders ins Gewicht, wenn die Prüfungszeit nur wenig länger als die Bearbeitungszeit konzipiert wurde. Daher ist mein Tipp mit der Bearbeitungszeit großzügig zu kalkulieren. Die Prüfenden können aus Fehlkalkulationen lernen, aber es wäre ärgerlich, wenn die Studierenden in einer Prüfung, die eigentlich Zeitdruck nehmen sollte, unter starken Zeitdruck geraten. Hier muss aber wieder berücksichtigt werden, dass einige Studierende unabhängig von der Bearbeitungszeit die gesamte Prüfungszeit nutzen, um ihre Leistung zu optimieren. Da kann auch eine gute Kalkulation der Bearbeitungszeit nicht helfen. Es ist also mit dem Take Home Exam nicht möglich allen gerecht zu werden.

Jedoch, und das ist für alle Beteiligten meiner Take Home Exams eine positive Erfahrung: die Take Home Exams wurden von mir durchschnittlich besser benotet als die klassischen Klausuren und es gab im Vergleich zu den Hausarbeiten weniger Ausreißer nach unten.

Fazit

Trotz des durchaus durchwachsenen Feedbacks meiner Studierenden, denke ich, dass Take Home Exams ein großes Potenzial für den Prüfungsbetrieb in der Politikwissenschaft während und nach der Pandemie haben. Es ist nur eine Frage der Zeit bis alle Beteiligten auf Erfahrungswerte zurückgreifen können und mit den Prüfungscharakteristika vertraut sind.

Als Hybride zwischen Klausur und Hausarbeit können Take Home Exams nicht nur auf die Seminarinhalte zugeschnitten werden, sondern bieten für alle Beteiligten vielfältige Vorteile und insbesondere im Vergleich zur Klausur mehr Freiheiten. Die bessere Vereinbarkeit mit anderen Verpflichtungen, weniger Zeitdruck, die Prüfungsdurchführung zu Hause und das open book-Format sind überzeugend. Darüber hinaus, müssen sich Prüfende nicht um Hygienekonzepte und auch nach der Pandemie um die Bereitstellung einer angemessenen Prüfungsumgebung kümmern. Mir gefällt das Format der Take Home Exams besonders gut, da trotz des begrenzten Bearbeitungszeitraums eigenverantwortliches Lernen ermöglicht und Zeit zur Reflexion gibt. Es geht nicht um reine Wissensreproduktion, sondern um Aufgaben im Anforderungsbereichen 2 bis 4. Die Studierenden sollen (2) anwenden, (3) analysieren und bewerten sowie (4) erweitern und erschaffen. Damit ist das Take Home Exam ist eine willkommene Ergänzung des Prüfungsportfolios in der Politikwissenschaft, welches die Studierenden weg von verschulten Lernabfragen hin zum eigenverantwortlichen Arbeiten begleitet, ohne sie direkt mit den umfangreichen Anforderungen einer Hausarbeit zu überfordern.

Diese Flexibilität der Take Home Exams in der Durchführung und Inhalt machen sie besonders attraktiv, um passgenau zu prüfen und Prüfung den Seminarkonzepten und dem Niveau der Studierenden anzupassen. Meiner Erfahrung nach eignen sie sich dabei insbesondere für kleinere Gruppen von Studierenden bis 15 Personen. Inwiefern sich das Format auch für große Vorlesungen und als Ersatz für bspw. Eingangsklausuren eignet, kann ich nicht einschätzen. Der Korrekturaufwand der Aufgaben mit höherem Anforderungsbereich könnte hier schnell zum K.O.-Kriterium werden.

Auch wenn Take Home Exams in Zukunft sicher nicht alle Klausuren und erst recht nicht Hausarbeiten ersetzten können, möchte ich alle Prüfenden der Politikwissenschaft ermutigen sich das Format genauer anzusehen. Eventuell ist es gar nicht so schwer bestehende Klausuren in Take Home Exams umzuwandeln. Und wenn eine neue Prüfung konzipiert werden muss, warum dann nicht auch mal ein Take Home Exam?

Weiterführende Links

Informationen beispielhafter deutscher Universitäten

Wissenschaftliche Texte

Quellenangaben

Bengtsson, Lars (2019): Take-Home Exams in Higher Education: A Systematic Review. In: Education Sciences 9 (4), S. 267. DOI: 10.3390/educsci9040267.

Cleophas, Catherine; Hoennige, Christoph; Meisel, Frank; Meyer, Philipp (2021): Who’s Cheating? Mining Patterns of Collusion from Text and Events in Online Exams. In: SSRN Journal. DOI: 10.2139/ssrn.3824821.

Guangul, Fiseha M.; Suhail, Adeel H.; Khalit, Muhammad I.; Khidhir, Basim A. (2020): Challenges of remote assessment in higher education in the context of COVID-19: a case study of Middle East College. In: Educ Asse Eval Acc 32 (4), S. 1–17. DOI: 10.1007/s11092-020-09340-w.

Hochschulrektorenkonferenz (Hg.) (2015): Kompetenzorientiert prüfen. Zum Lernergebnis passende Prüfungsaufgaben (Nexus Impulse für die Praxis, 4). Online verfügbar unter www.hrk-nexus.de/impulse/kompetenzorientiertpruefen.pdf, zuletzt geprüft am 13.07.2021.

Şenel, Selma; Şenel, Hüseyin Can (2021): Use of Take-Home-Exams for Remote Assessment: A Case Study. In: Journal of Educational Technology and Online Learning. DOI: 10.31681/jetol.912965.

Universität Bremen: Take Home Exam über Stud.IP. Unter Mitarbeit von Jens Bücking. Online verfügbar unter https://www.uni-bremen.de/zmml/kompetenzbereiche/e-assessment/pruefungsformen/take-home-exam, zuletzt geprüft am 29.07.2021.

Universität Göttingen (2021): Online Prüfen. Unter Mitarbeit von Team Digitales Lernen und Lehren. Online verfügbar unter https://www.uni-goettingen.de/de/626427.html#info-2, zuletzt geprüft am 29.07.2021.

Universität Hamburg (2021): Take-Home-Exams. Die alternative digitale Prüfungsart zur Klausur in Präsenz. Unter Mitarbeit von Heiko Witt, 06.05.2021. Online verfügbar unter https://www.uni-hamburg.de/elearning/methoden/online-pruefen/take-home-exams.html, zuletzt geprüft am 12.07.2021.

Universität Paderborn (2021): Take Home Exam – kleine Ausarbeitung (24-, 48- oder 72-Stunden-Arbeit). Online verfügbar unter https://www.uni-paderborn.de/lehre/corona-lehre/digitale-pruefformate/take-home-exam, zuletzt geprüft am 29.07.2021.

Zoom-Workshop „Take Home Exams als alternative Prüfungsformen in der Politikwissenschaft“ (4. Mai)

Einladung zum Zoom-Workshop des AK Hochschullehre
„Take Home Exams als alternative Prüfungsformen in der Politikwissenschaft“

Dienstag, 4. Mai, 18 Uhr

Die Verlagerung der Lehre in den Online-Betrieb hat erhebliche Auswirkungen auf den Prüfungsbetrieb der Politikwissenschaft. Waren an vielen Standorten vor der Pandemie Präsenzklausuren im Hörsaal Goldstandard bei der Prüfung großer Lerngruppen, stehen viele Lehrende nun vor der Herausforderung, Alternativen zu entwickeln. Neben Online-Klausuren rücken dabei sogenannte Take Home Exams in den Fokus, bei denen Studierende Prüfungsaufgaben gestellt bekommen, die sie zu Hause unter Einsatz von Literatur, Internet und eignen Aufzeichnungen in einem vorgegebenen Zeitraum bearbeiten.

In seinem Zoom-Workshop thematisiert der AK Hochschullehre Möglichkeiten und Grenzen von Take Home Exams und illustriert Einsatzmöglichkeiten in der Politikwissenschaft. Referentin des Abends ist Dana Atzpodien (WWU Münster), die in einem kurzen Input-Referat das Prüfungskonzept vorstellt, über ihre eigenen Erfahrungen damit berichtet und anschließend mit den Teilnehmenden diskutiert.

Der Workshop dauert eine Stunde, wird aufgezeichnet und später im Internetangebot der DVPW dokumentiert.

Die Zugangsdaten zum Meetingraum lauten:

https://wwu.zoom.us/j/68558520800?pwd=N2psQk84NjgyRDdyQkphZU1VVHdKUT09

Meeting-ID: 685 5852 0800
Kenncode: 897592

Feedback produktiv nutzen

Dies ist ein Gastbeitrag von Achim Kemmerling (Universität Erfurt)

 

Feedback an Studierende ist eines der wichtigsten didaktischen Werkzeuge im Unterrichtsbetrieb. Interessanterweise lernt man als Sozialwissenschaftler*in, dass das Konzept des Feedbacks ursprünglich aus der Kybernetik stammt und dann ein essentieller Bestandteil des Lernens in der Systemtheorie und in der Gruppenpädagogik geworden ist. In der Lehrpraxis spielt jedoch der Gruppen- bzw. Systemgedanke häufig eine eher untergeordnete Rolle. Dadurch verschenkt man meines Erachtens aber Potential, Feedback produktiv zu nutzen.

Generell kann Feedback dazu dienen, a) Lerneffekte zu erzielen, oder b) Benotungen zu begründen. Diese Unterscheidung kennt die Pädagogik und Evaluationstheorie als formative oder als summative Form der Evaluierung. Formativ ist Feedback v.a. dann, wenn es im laufenden Verfahren, beispielsweise einer Lehrveranstaltung, eingebaut wird, um dadurch konkrete Lernfortschritte zu erzielen. Summatives Feedback erfolgt meist nach einer erbrachten Leistung im Vergleich zur Zielgröße, beispielsweise des Erwartungshorizontes einer/s Lehrenden. Beide Funktionen werden in der Praxis häufig gemischt, das kann aber auch zu Widersprüchen führen. Beispielsweise spielen bei der (summativen) Benotung von Prüfungsleistungen auch strategische Aspekte eine Rolle: Wie legitimiere ich meine Bewertung, wie minimiere ich negative Reaktionen? Im Vergleich dazu können formative Feedbacks eher frei und offen sein.

Ein weiterer Nachteil von Feedback zur Benotung ist, dass es sehr spät kommt und oft folgenlos ist. Gerade wenn Feedback am Ende des Kurses erfolgt, nehmen es Studierende vielleicht nur noch halbherzig zur Kenntnis. Kurse im nächsten Semester sind anders strukturiert, Feedback verpufft. Noch schlimmer ist es, wenn Feedback zur Benotung emotionale Reaktionen hervorruft, zum Beispiel, wenn Studierende enttäuscht sind. Das kann Lerneffekte blockieren.

Für mich ist jedoch ein letzter Nachteil von Feedback zur Benotung ausschlaggebend: Es wird zumeist individuell gegeben. Peer-to-Peer-Verfahren sind da zum Teil anders, aber auch solche Verfahren stellen nicht notwendigerweise die Gruppe im Gegensatz zum Individuum in den Vordergrund. So gesehen hat Feedback selten systemische Wirkung. Das muss nicht immer schlecht sein: Individuelles Feedback ist natürlich ein Zeichen für individuelle Wertschätzung und daher an einer modernen Massenuniversität auch ein Zeichen der persönlichen Anerkennung. Aber gerade das macht es auch so aufwendig. Die Gruppe profitiert davon in der Regel nicht.

In meiner Lehrpraxis versuche ich daher immer durch Feedback die Lerneffekte für die ganze Gruppe zu erhöhen. Erstens sollte Feedback in den Lehrveranstaltungen möglichst früh erfolgen, zum Beispiel unmittelbar im Anschluss an Präsentationen, oder nach dem Einreichen von schriftlichen Arbeiten. Aber es geht auch noch früher, wenn die/der Adressat*in des Feedbacks die Gruppe und nicht (nur) das Individuum ist. Daher kann es zweitens, wesentlich effizienter sein, Feedback in der Gruppe zu geben. Das führt dazu, dass Feedback nicht nur für die/den jeweilige(n) Leistungserbringer*in lehrreich ist, sondern für alle Kursteilnehmer*innen.

Um ein praktisches Beispiel zu geben: Wenn alle Seminarteilnehmer*innen unmittelbar nach Präsentationen oder Diskussionsleitungen Feedback geben, profitieren alle davon und die Qualität zukünftiger Präsentationen und Diskussionsleitungen wird in der Regel besser. Außerdem entfällt dann häufig auch schon die intensive Einzelberatung vor den Präsentationen sowie das intensive (summative) Einzelfeedback nach den Präsentationen. Als Kursleiter fand ich es immer frustrierend, dieselbe Information jedes Mal wieder geben zu müssen. Durch Feedback in der Gruppe reduziert sich dieser Aufwand erheblich.

Wenn man ein solches Feedback gibt, müssen die Seminarleiter*innen natürlich vorher darüber informieren, in welcher Form Feedback gegeben werden sollte. Der Nachteil des öffentlichen Peer-to-Peer-Verfahrens ist, dass dadurch die Privatsphäre verletzt wird. Daher sollte ein solches Feedback immer konstruktiv sein und v.a. formativen Charakter haben. Zudem sind Etiketten und Regeln sehr wichtig, etwa das ‚Sandwich-Prinzip‘: Lob – Kritik – konstruktive (wohlmeinende) Vorschläge. Dabei beginnt Feedback am besten immer mit einem Lob, bevor Kritik oder Verbesserungsvorschläge gemacht werden. Idealerweise wird das Verfahren schon vorher im Syllabus erklärt und eine Etikett-Liste verteilt. Dieses Verfahren funktioniert meiner Erfahrung nach sehr gut. In keiner meiner Lehrveranstaltungen ist es bisher (meines Wissens nach) zu Konfrontationen oder negativen Auseinandersetzungen aufgrund solcher Gruppen-Feedbacks gekommen.

Auch ein solches Feedback-Verfahren kann Nachteile haben. Beispielsweise gibt es u.U. stärkere Pfadabhängigkeiten. Wenn ein Präsentationsstil oder -element in einer der ersten Sitzungen besonders positiv hervorgehoben wird, kann das dazu führen, dass alle nachfolgenden Präsentationen dieses Verfahren kopieren. Das ist bis zu einem gewissen Maße beabsichtigt, aber es kann auch über das Ziel hinausschießen und die Studierenden davon abhalten, sich eigene Gedanken zu machen. Solche Probleme sind jedoch relativ leicht zu beheben, zum Beispiel, indem man auf Abwechslungsreichtum in Präsentationstechniken hinweist. Auch können Studierende sehr zurückhaltend sein, was Kritik an ihren Kolleg*innen anbetrifft. Aber da kann der oder die Dozierende aktiv gegensteuern und Etikette-Regeln tragen ihr Übriges dazu bei, dass sich Studierende trauen, auch kritisches Peer-to-Peer Feedback zu geben.

Die Idee, Feedback möglichst früh und möglichst in der Gruppe zu geben bzw. zu bekommen, eignet sich auch für schriftliche Arbeiten, wie z.B. Hausarbeiten. Hierbei ist es vorteilhaft, ein Revise & Resubmit einzuführen: Die Arbeiten (oder Skizzen) werden eingereicht und im Kurs diskutiert. Dieses Feedback können die Studierenden dann in der finalen Version der Hausarbeit aufgreifen. Auch hier kann sich der Mehraufwand des (formativen) Feedbacks für Lerneffekte lohnen, indem der Aufwand für summatives (Benotungs-)Feedback reduziert wird und v.a. ein höheres Lernergebnis erzielt wird.

Ein solches Verfahren ist insgesamt natürlich sehr aufwändig, da man als Kursleiter*in alle Arbeiten zweimal lesen und kommentieren muss. Auch die Studierenden sollten idealerweise mehrere oder alle Essays der ersten Runde lesen. Dennoch kann sich bei kleineren und mittelgroßen Kursen dieser Aufwand lohnen. Im Zweifel würde ich lieber andere Teilnoten/Prüfungsleistungen weglassen, um eine Seminararbeit als Revise & Resubmit anlegen zu können.

Daran knüpft sich die Frage, ob sich solche formativen Feedbacks auch für größere Kurse oder sogar Vorlesungen eignen. Prinzipiell geht das, wie MOOCs (Massive Open Online Courses) zeigen. Feedback wird dort Peer-to-Peer z.B. in Forendiskussionen durchgeführt. Supervisiertes Feedback durch die/den Kursleiter*in ist dann natürlich schwierig, wenn die Teilnehmerzahl zu hoch ist. Aber bei entsprechender Anleitung, wie das Verfahren läuft, nach welchen Kriterien evaluiert werden soll und welche Etikett-Regeln gelten, können Feedbacks auch Peer-to-Peer dezentralisiert erfolgen.

Ein weiterer Vorteil von frühzeitigem, detailliertem und gruppenorientiertem Feedback ist, dass diese als Grundlage oder sogar als Ersatz für das Feedback zur finalen Benotung dienen können. Mit der Zeit habe ich gelernt wie man Feedback so schreibt, dass die Studierenden etwas Konstruktives daraus mitnehmen und nicht gleich in eine Abwehrhaltung verfallen, die zu endlosen Nachfragen oder sogar Beschwerden über (Teil-)Noten führen. Beispielsweise sollte Kritik immer mit Textstellen und Beispielen belegt werden. Pauschale Kritik ist für Studierende schwieriger nachzuvollziehen. Am Ende füge ich auch immer konstruktive Vorschläge ein, wie die Arbeit noch verbessert werden könnte. Das ist zwar de facto nicht mehr relevant, weil die Studierenden die Kommentare für diese Arbeit nicht mehr gebrauchen können. Aber sie bekommen eine Idee davon, welche Fehler sie in Zukunft vermeiden können. Zudem endet das Feedback auf eine positive Weise.

Zugegebenermaßen ist das Geben summativen Feedbacks eher eine Kunst als eine Technik. Aber auch für Feedback zur Benotung ist es hilfreich, wenn die Einschätzung auch von anderen Studierenden geteilt wird und die Sandwich-Regeln eingehalten werden. Dies führt zu einer enormen Zeitersparnis und zu einer Entlastung in der Korrespondenz.

Insgesamt ist Feedback zu Lernzwecken daher keineswegs nur ein Mehraufwand für Dozierende. Richtig eingesetzt, kann es für alle Beteiligten produktiv eingesetzt werden.

Wem nutzt die Politikwissenschaft? – Sonderheft POLITIKUM zur 1. DVPW-Thementagung erschienen

Im Dezember 2019 war der Arbeitskreis Hochschullehre gemeinsam mit vier weiteren DVPW-Untergliederungen Ausrichter der 1. DVPW-Thementagung in Frankfurt am Main. Drei Tage lang diskutierten wir intensiv zum Thema „Wie relevant ist die Politikwissenschaft? Wissenstransfer und gesellschaftliche Wirkung von Forschung und Lehre“.

Nun ist in der Zeitschrift POLITIKUM des Frankfurter Wochenschau Verlages unter dem Titel „Wem nutzt die Politikwissenschaft?“ ein Sonderheft zum Thema erschienen, bei dem unsere Sprecherin Julia Reuschenbach als Gastherausgeberin fungierte.
Wissenschaftler*innen und Expert*innen geben in Beiträgen und Interviews spannende Einblicke aus den verschiedenen Teildisziplinen.  –> Neugierig? Eine Leseprobe gibt es unter: http://daten.wochenschau-verlag.de/download/PkS_20_Leseprobe_Korte.pdf und das Heft für Studierende sogar zum Vorzugspreis unter https://politikum.org/studium/.

Alle Infos unter: https://politikum.org/heftbestellung/

Und zum Nachschauen sind unter https://video01.uni-frankfurt.de/Mediasite/Showcase/events/Channel/dvpw die Mitschnitte der Frankfurter Tagung abrufbar.