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Call for Papers: Vierte Jahrestagung des AK Hochschullehre (Münster, 25.-26.2.2019)

Die Jahrestagung des Arbeitskreises Hochschullehre in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) findet am 25. und 26. Februar 2019 an der Westfälischem Wilhelms-Universität-Münster statt und wir freuen uns über Einsendungen zu den folgenden Themen (pdf-Version):

 

Vielfalt und Weitblick in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre

Bei den bisherigen Veranstaltungen des Arbeitskreises Hochschullehre wurde immer wieder angesprochen, dass sich die Lehre in der Politikwissenschaft durch zum Teil sehr heterogene Lehr- und Lernbedingungen auszeichnet. Wir möchten diese Diversität aufgreifen und in den Mittelpunkt unserer Jahrestagung 2019 stellen. Dabei wollen wir nicht nur die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen seitens der Studierenden diskutieren, sondern auch die vielfältigen Rahmenbedingungen der Lehraktivität von Dozierenden ansprechen. Auch sollen unterschiedliche Anforderungen an die Lehre in unterschiedlichen, sich mit politikwissenschaftlichen Inhalten beschäftigenden Studiengängen in den Fokus gerückt werden.

Somit wollen wir zum einen Fragen aufgreifen, welche sich aus der Diversität der Studierenden sowie den von diesen absolvierten Studiengängen ergeben. Folgende Themen können dabei im Mittelpunkt stehen:

  • Auch in der öffentlichen Debatte werden regelmäßig Probleme angesprochen, welche an den Hochschulen durch den größer werdenden Anteil an Schulabgängern mit einer Hochschulzugangsberechtigung entstehen. Welche Auswirkungen hat dieser Anstieg des Abiturientenanteils für die Lehre an den Universitäten? Welche Anforderungen stellt dies an die Studieneingangsphase? Und welche Angebote lassen sich für Studierende auf dem zweiten Bildungsweg, geflüchtete Studierende oder Studierende mit Handicap entwickeln? Werden politische Implikationen dieser Entwicklung gerade in unserer Disziplin erforscht?
  • Auf Institutsfluren wird häufig über Unterschiede zwischen Lehramts- und Hauptfachstudierenden diskutiert. Sehr interessiert sind wir daher an Tagungsbeiträgen, die das Verhältnis von Hochschuldidaktik und Politikdidaktik ansprechen. Wie kann die Hochschuldidaktik von der Politikdidaktik lernen? Welche besonderen Anforderungen stellt das Lehramtsstudium an die fachwissenschaftliche Lehre in der Politikwissenschaft?
  • Zudem hat durch die Einführung der BA/MA-Studiengänge und dem Wunsch der Internationalisierung der Hochschullandschaft eine Ausdifferenzierung der Studiengänge stattgefunden, die zum einen zu einer Spezialisierung politikwissenschaftlicher Abschlüsse geführt hat. Zum anderen resultiert hieraus auch eine breitere Einführung rein englischsprachiger Studiengänge. Aus hochschuldidaktischer Sicht ist dabei die Frage interessant, in wie weit sich die Lehre in englischsprachigen Studiengängen von anderen Studiengängen unterscheidet. Hierzu werden genauso Beiträge gesucht wie auch zu der Frage, in wie weit durch diese Ausdifferenzierung der Studiengänge auch spezifische Herausforderungen an die Lehre entstehen.

Zum anderen wollen wir uns Fragen zuwenden, welche sich aus den unterschiedlichen Voraussetzungen der Lehrenden ergeben. Wie können z.B. Doktoranden bei der Vorbereitung erster Lehrveranstaltungen unterstützt werden? Gibt es über kürzere hochschuldidaktische Einführungskurse zum Thema „Neu in Lehre“ hinaus Modelle, welche Dozierende mit nur wenig Lehrerfahrung in dieser Tätigkeit unterstützen? Welche Ideen und Konzepte existieren aus Sicht der Dozierenden für den Umgang mit Diversität in der politikwissenschaftlichen Lehre? Kann diese gerade in unserem Fach auch einen inhaltlichen Mehrwert erzeugen?

Unter dem Stichwort „Weitblick“ möchten wir ergänzend in den Blick nehmen, was wir von politikwissenschaftlicher Lehre in anderen Ländern und Hochschulsystemen, in anderen Fächern oder in nicht-universitären Kontexten (Fachhochschulen, Schulen, außerschulische politische Bildung) lernen können? Was können wir auch von der allgemeinen Hochschuldidaktik sowie der empirischen Bildungsforschung in punkto Theorien und Methoden mitnehmen und wie könnte hier ein Austausch stattfinden? Hierbei interessieren uns sowohl theoretische Überlegungen als auch „Werkstattberichte“ aus vorhandenen Programmen/Kooperationen/Formaten.

Schließlich thematisieren die Jahrestagungen des Arbeitskreises immer auch Präsentationen von Lehrkonzepten und von Erfahrungsberichten aus Lehrveranstaltungen höchst unterschiedlichen Formats. Im Forum „Praxis“ möchten wir wieder die Gelegenheit geben, Lehr-Lernformate aus der Hochschullehre zu präsentieren, aber auch Ideen für solche Formate zur Diskussion zu stellen. Dabei geht es uns nicht nur um Lehrinnovationen, sondern auch um neue Perspektiven auf bewährte Themen und Formate.

 

Einreichung von Beiträgen:

Interessierte senden bis einschließlich 9.12.2018 ein Abstract (max. 600 Wörter inkl. Leerzeichen) an lambach(ÄT)normativeorders.net. Bitte geben Sie an, in welchem Format (Vortrag, Diskussion, Workshop, Roundtable, Poster o.ä.) Sie Ihren Teil im Rahmen der Tagung gestalten möchten und fügen Sie einige biografische Angaben (max. 250 Wörter inkl. Leerzeichen) bei.

Nach Auswahl der Beiträge werden wir Sie bis zum 21.12.2018 über das finale Programm informieren. Der Arbeitskreis ermöglicht die Buchung günstiger Übernachtungsmöglichkeiten im Rahmen von Hotelkontingenten. Diese Kosten sowie Reisekosten oder Honorare können leider nicht durch den Arbeitskreis übernommen werden.

Die Teilnahmegebühr für promovierte Kolleginnen und Kollegen beträgt 20 €, für Doktorandinnen und Doktoranden 10 €. Studierende müssen keinen Beitrag entrichten.

Publizieren über die Hochschullehre – Warum, Wo, Was?

Ich habe hier schon öfter zum Schreiben über die Hochschullehre gebloggt. In einem Beitrag war ich u.a. länger auf das Warum eingegangen, in anderen hatte ich Informationen über einschlägige Fachzeitschriften gesammelt. Und dann hatten wir noch den sehr interessanten und anregenden Workshop zum Publizieren im September 2017.

Dieser Bereich entwickelt derzeit eine deutliche Dynamik, was man u.a. an der steigenden Zahl von Fachzeitschriften erkennt, die lehrbezogene Artikel veröffentlichen. Um die Informationen an einer Stelle zu bündeln und die teils veralteten Angaben zu den Zeitschriften zu aktualisieren, wollte ich dies ohnehin einmal in neuer Form zusammenfassen.

Passenderweise war ich am 17. Januar 2018 vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Göttingen eingeladen worden, im dortigen Lehrkolloquium einen Vortrag zum Schreiben über die Hochschullehre zu halten. (An dieser Stelle möchte ich den Göttinger KollegInnen meine Wertschätzung ausdrücken, dass sie sich so ein Format geschaffen haben – das könnten gerne noch viel mehr Institute tun!) Dies bot mir den willkommenen Anlass, die lange geplante Überarbeitung endlich vorzunehmen.

Der Vortrag in Göttingen war sehr schön. Das Kolloquium war gut besucht und das Interesse der ZuhörerInnen deutlich spürbar. Hinterher gab es wirklich herausfordernde Diskussionen, z.B. über Standards der Begutachtung, die weitere Entwicklung des Feldes und die Besonderheiten politikwissenschaftlicher Lehre. Während dies nur den Anwesenden zugänglich war, möchte ich aber wenigstens meinen Vortrag auch einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Die Folien stehen daher hier als pdf zum Download bereit – Rückmeldungen nehme ich natürlich gerne entgegen.

Call for Papers für die Jahrestagung 2018 in Hamburg

Am 26. und 27. Februar 2018 veranstaltet die Themengruppe Hochschullehre in der DVPW ihre nunmehr dritte Jahrestagung, dieses Mal an der Universität Hamburg. Die Tagung richtet sich an Mitglieder der Themengruppe, DVPW-Mitglieder, ebenso aber an alle interessierten Lehrenden und Studierenden der Politikwissenschaft und verwandter Disziplinen. Eine Mitgliedschaft in der DVPW ist zur Teilnahme nicht notwendig.

Call for Papers (Download als pdf)

Thema der Tagung ist diesmal:

Politikwissenschaftliche Hochschullehre – Perspektiven und Konzepte aus Theorie und Praxis

 

Perspektiven und Konzepte aus der Theorie

Im Rahmen der bisherigen Veranstaltungen unserer Themengruppe wurde deutlich, dass unsere Hochschullehre in didaktischer Hinsicht häufig mit wenig theoretischer Fundierung auskommt. Damit sind nicht didaktische Methoden oder Fragen von Lern- und Kompetenzerwerb gemeint, sondern vielmehr Fragen nach den Spezifika politikwissenschaftlicher Hochschullehre, zum Beispiel: Welche (fachspezifischen) Theorien legen wir der Konzeption von Lehrformaten zugrunde? Welche normativen Prägungen finden Eingang in die Lehre und welche Auswirkungen hat dies für die spätere Praxis? Was unterscheidet politikwissenschaftliche Hochschullehre von der Lehre in anderen Disziplinen? Wo und in welcher Form findet empirische Forschung zum Thema politikwissenschaftliche Hochschullehre statt? Beschäftigen sich Nachwuchswissenschaftler/innen in Qualifikationsschriften mit politikwissenschaftlicher Hochschullehre? Finden Forschungen zu Lehrenden und Lernenden unseres Faches statt? Im Rahmen des Forums „Theorie“ laden wir herzlich ein, Konzepte und Forschungen zu diesen und weiteren Fragen vorzustellen. Unser Theoriebegriff ist hierbei bewusst weit angelegt und meint das Nachdenken, Reflektieren und Evaluieren über bzw. der eigenen Lehre. Hierbei interessieren uns vor allem Forschungen und Konzepte, die noch vor der praktischen Erprobung stehen, ebenso wie theoriegestützte Metaüberlegungen und empirische Forschungen zur politikwissenschaftlichen Hochschullehre insgesamt. Vorgestellte Konzepte müssen nicht fertiggestellt sein, auch Werkstattberichte laufender Vorhaben oder Ideenskizzen für künftige Forschungen sind äußerst willkommen.

Perspektiven und Konzepte aus der Praxis

Die Jahrestagungen der Themengruppe beinhalten immer auch Präsentationen von Lehrkonzepten, von Erfahrungsberichten aus Lehrveranstaltungen höchst unterschiedlichen Formats. Im Forum „Praxis“ möchten wir erneut die Gelegenheit geben, Lehr-Lernformate aus der Hochschullehre zu präsentieren, Ideen für solche Formate zur Diskussion zu stellen und neue Formate im Kreis von Kolleginnen und Kollegen zu entwickeln. Hierbei laden wir ausdrücklich auch dazu ein, interdisziplinäre und berufsorientierte Lehrformate vorzustellen. Uns geht es nicht nur um Lehrinnovationen, sondern auch um neue Perspektiven auf bewährte Themen und Formate. Denkbar ist überdies, dass Ansätze zum Umgang mit aktuellen Herausforderungen der Lehre (z.B. Heterogenität der Studierenden, Digitalisierung des Studienalltags) präsentiert werden. Gleichermaßen interessieren uns jedoch auch Austausch- und Weiterbildungsformate auf Fach- oder Fakultätsebene, die an Ihren Hochschulen praktiziert werden, so etwa Lehrkolloquien oder Gesprächsrunden zwischen Lehrenden und Studierenden.

 

Einreichung von Beiträgen:

Interessierte senden bis einschl. 30. November 2017 ein Abstract (max. 600 Wörter inkl. Leerzeichen) an die Sprecherin der Themengruppe: Julia Reuschenbach M.A., Universität Bonn (julia.reuschenbach(ÄT)uni-bonn.de). Bitte geben Sie an, in welchem Format (Vortrag, Diskussion, Roundtable o.ä.) Sie Ihren Teil im Rahmen der Tagung gestalten möchten und fügen Sie einige biografische Angaben (max. 250 Wörter inkl. Leerzeichen) bei.

Nach Auswahl der Beiträge werden wir Sie bis zum 20. Dezember 2017 über das finale Programm informieren. Die Themengruppe ermöglicht die Buchung günstiger Übernachtungsmöglichkeiten im Rahmen von Hotelkontingenten. Diese Kosten sowie Reisekosten oder Honorare können leider nicht durch die Themengruppe übernommen werden.

Für Fragen stehen Ihnen die Sprecher/innen der Themengruppe gerne zur Verfügung

Zwischen Forschung & Lehre – Alltag(sschizophrenie) in den Internationalen Beziehungen?

Dies ist ein Gastbeitrag von Matthias Hofferberth (University of Texas at San Antonio).

Über das Thema Hochschullehre wird zum Glück mittlerweile (auch dank der Themengruppe!) mehr geredet. Seltener geschieht dies allerdings im Rahmen einer Fachkonferenz mit dem Fokus auf wissenschaftlichen Austausch. Und noch seltener wird der Versuch unternommen, Lehre und Forschung direkt zueinander in Bezug zu setzen, um sich möglicher Spannungen zwischen Beiden bewusst zu werden und daran anschließend neue Synergien zu erzeugen.

Derartige Synergien zwischen Forschung und Lehre, so der Ausgangspunkt unserer Diskussion, beschränken sich nicht auf den Allgemeinplatz, Seminarthemen aus der eigenen Forschung zu generieren. Auch scheint die notwendige und berechtigte Forderung, Anreizstrukturen zu überdenken und Lehre im Verhältnis zur Forschung aufzuwerten, gleichwohl wichtig, an dieser Stelle ebenfalls zu kurz zu greifen, handelt es sich doch hier um keine wirkliche Verbindung sondern „nur“ um die Balance zwischen beiden. Dass eine Verbindung jedoch wichtig ist, zeigt sich nicht zuletzt dadurch, dass Forschung, Lehre und deren wechselseitiges Verhältnis letztlich definieren, wer wir sind. Daher gilt es, Spannungen und Widersprüche – ob nun als Schizophrenie, als Entfremdungserfahrung oder vielleicht, in manchen Fällen, als bereichernd durch das Individuum wahrgenommen – zu reflektieren und zu diskutieren, wie beide Bereiche produktiv(er) aufeinander bezogen werden können.

Dabei sei einleitend, in aller Kürze, auf drei mögliche Spannungen hingewiesen:

  • Audience, Aufgabe & Sprache: Als Forscherinnen sprechen wir für gewöhnlich zu einem hochspezialisierten Publikum und führen vor diesem und für dieses komplexe Argumente aus, von denen wir selbst derart überzeugt seien müssen, dass wir andere damit beeindrucken können. Bisweilen nichtintendiert und unreflektiert, greifen wir in derartigen Diskussionen mittlerweile kleinteilige, inhaltlich begrenzte Thematiken auf, für die wir meinen, mit ausreichend „wissenschaftlicher Autorität“ sprechen zu können. Demgegenüber steht die Aufgabe der Lehre, Jahr ein, Jahr aus, Studierende einzuführen und für unsere Bereiche zu faszinieren. Dabei wählen wir oftmals große Themen, einfache Fragen und eine direkte Sprache. In unseren Ausführungen in der Lehre haben wir dann (a) weniger Skrupel, Dinge zu vereinfachen und zu verkürzen, oder (b) gestehen Wissenslücken und Schwächen in unserer Argumentation gegenüber den Studiereden offen ein.
  • Rewards & Motive: Anerkennung für unsere Forschung, seien es Veröffentlichungen oder Drittmitteleinwerbungen, dokumentieren wir gerne in unserem Lebenslauf. Fein säuberlich aufgelistet nehmen wir dabei an, mit diesen „Errungenschaften“ langfristig in unsere Karrieren zu investieren. In den selben CVs finden sich indes auch Verzeichnisse unserer Lehrveranstaltungen. In diesen geht es uns aber viel mehr um kurzfristige, unmittelbar von den Studierenden vermittelte Anerkennung und das „gute Gefühl“, in direkter Interaktion Fähigkeiten und Inhalte vermittelt zu haben.
  • Commitments: Auch in einer von den meisten als postparadigmatistisch beschriebene und betriebene IB haben wir bestimmte – ontologische, substantielle, theoretische, methodologische oder gar normative und politische – Überzeugungen und Grundannahmen, die wir in der Forschung vertreten und die wir dazu nutzen, unser „Profil“ zu schärfen. Unsere Lehre hingegen betreiben wir durchaus pluralistisch, mit dem berechtigten Anspruch, unseren Studierenden mehr als einen Ansatz, eine Lesart, eine Lösung anzubieten. Die eigenen Überzeugungen und Grundannahmen stellen wir dabei hinten an und buchstabieren diese hinsichtlich ihrer Konsequenzen für gewöhnlich nicht in der Lehre aus.

Diese drei bewusst anekdotisch gehaltenen Anmerkungen verdeutlichen, dass es mehr als Semantik ist, ob wir uns in erster Linie als lehrende Forscher oder eben als forschende Lehrer verstehen und das die wünschenswerte Einheit zwischen beiden nicht ganz so einfach ist, sondern vielmehr für jeden Einzelnen, je nach (Job-)Position und Kontext, eine stetige Herausforderung im Alltag darstellt. Daher kann es in der Diskussion auch weniger darum gehen, ob Humboldt nach Bologna reisen kann oder ob hier unvereinbare Widersprüche bestehen. Vielmehr erscheint es notwendig, gemeinsam über best practices und pragmatisch-kreative Möglichkeiten nachzudenken, Energie und Motivation sowie Erkenntnis und Einsicht aus beiden Bereichen aufeinander zu beziehen und dadurch sowohl unsere Forschung als auch unsere Lehre, eben in deren holistischer Verbindung, aufzuwerten.

Wäre es nicht etwa wünschenswert, ähnliche Fragen, die wir mit Studierenden diskutieren, in zumindest ähnlicher Sprache im gemeinsamen Diskurs (und somit auch direkt in Publikationen…) zu diskutieren? Könnten oder vielleicht sogar sollten wir nicht, nachdem wir in unseren Studierenden die Haltung des Fragenden anhand des Leitbildes des forschenden Lernens angelegt haben, die gleiche Grundhaltung in unserer eigenen Forschung zum Ausdruck bringen? Müssen wir es hinnehmen, dass wir ständig in unserer Forschung und in unserer Lehre, nicht jedoch in der produktiven Verbindung von beidem evaluiert werden? Bieten sich nicht gerade die Themen und Gegenstände der IB besonders an, sich sowohl in der Lehre als auch in der Forschung großen Fragen zu widmen und die Antworten hierzu einem größeren Publikum in direkter Sprache zu vermitteln? Wäre es nicht vielleicht produktiver, Lehre und Forschung holistisch zu denken, anstatt verschiedene Rollen in den verschiedenen Bereichen zu spielen? Oder, um zumindest mit einer Gegenfrage zu enden, verhindern unterschiedliches Publikum, unterschiedliche Sprachspiele und unterschiedliche Aufgaben eine derartig holistische Verbindung und gehört es vielleicht einfach zu unserer Tätigkeit, zwei voneinander getrennten Sphären gerecht zu werden?

Dies war das Eingangsstatement einer Podiumsdiskussion bei der Fünften Offenen Sektionstagung der Sektion Internationale Beziehungen der DVPW. Einen Bericht zur anschließenden Diskussionen haben wir hier veröffentlicht.

Bericht vom Workshop „Publizieren über die Lehre“ (Mainz, 18. September 2017)

Am 18. September 2017 veranstaltete die Themengruppe einen Workshop „Publizieren über die Lehre“ an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Damit sollten Lehrende dabei unterstützt werden, über ihre Lehre zu forschen, zu schreiben und diese Texte auch zu veröffentlichen. Dazu wurden Publikationsformate erörtert und mit HerausgeberInnen und RedakteurInnen von Zeitschriften und Fachverlagen über Stand und Entwicklungsmöglichkeiten einer Publikationskultur in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre diskutiert. (Hier das Programm als pdf-Version.)

Nach einer kurzen Begrüßung durch die Organisatoren Wolfgang Muno (Universität Mainz) und Daniel Lambach (Universität Duisburg-Essen) wurde der Workshop mit einem Keynote-Vortrag von Heidi Maurer (London School of Economics) zum Thema „Publikationskulturen in Europa“ eingeleitet (hier der Vortragstext). Dabei stellte sie heraus, dass sich vor allem ein englischsprachiges Publikationsnetzwerk herausgebildet habe, in das zunehmend auch kontinentaleuropäische Lehrende eingebunden sind. Dennoch gebe es nationale und subdisziplinäre Charakteristika in der Lehre, die in den Texten auch reflektiert werden müssten.

In der anschließenden Diskussion wurden unterschiedliche Sichtweisen deutlich, ob PolitikwissenschaftlerInnen kompetent empirische Bildungsforschung betreiben können. Die eine Seite hob hervor, dass die Methoden denen der Sozialforschung ähnelten, während die andere betonte, dass man sich dafür mit Theorien und Literatur aus der Hochschuldidaktik auseinandersetzen muss, um das Rad nicht neu zu erfinden. Es wurde außerdem angemerkt, dass man bei einem Publikationsvorhaben klären muss, mit welcher geographischen oder fachlichen Community man dadurch ins Gespräch kommen will. Zwar kann man viel von anderen Communities lernen, aber interdisziplinär zu publizieren ist mit besonderen Herausforderungen verbunden.

Danach folgte eine von Mischa Hansel (RWTH Aachen) moderierte Gesprächsrunde mit RedakteurInnen und HerausgeberInnen von Fachzeitschriften. Beteiligt waren:

  • Ray Hebestreit (Universität Duisburg-Essen, Redakteur der Zeitschrift für Politikwissenschaft)
  • Silke Schneider (Wochenschau-Verlag, Journal für politische Bildung, politikum und Zeitschrift für die Didaktik der Gesellschaftswissenschaften)
  • Tanja Brühl (Universität Frankfurt am Main, Mitherausgeberin der Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung)
  • Kai-Uwe Schnapp (Universität Hamburg, Redaktion der Politischen Vierteljahresschrift)

Dabei wurde deutlich, dass der Umgang mit lehrbezogenen Artikeln sehr unterschiedlich ausfällt, vor allem was das Begutachtungsverfahren angeht. Es wurde eine formlosen Kontaktaufnahme zur Redaktion empfohlen, um frühzeitig zu klären, ob ein geplanter Text zur Zeitschrift passt bzw. welches Format sich dafür eignet. Viele Beteiligte berichteten aber auch, dass die Zahl der Einreichungen noch ausbaufähig ist und manche Zeitschriften auch gerne stetiger Texte über Lehrthemen veröffentlichen möchten. Die Resonanz der Leserschaft auf Lehrartikel wurde generell als gut beschrieben, allerdings fiel auch der Begriff der „Reputationsasymmetrie“ zwischen Forschung und Lehre, der im weiteren Verlauf des Workshops immer wieder aufgegriffen wurde. Gemeint ist damit, dass Forschungstexten ein größerer Status zugeschrieben wird als Lehrtexten, auch wenn sie im selben Medium erscheinen – dies würde sich auch erst dann ändern, wenn sich die zugrundeliegende Hochschulkultur hin zu einer größeren Wertschätzung der Lehre entwickele.

Nach der Mittagspause begann der Nachmittag mit einem kurzen Grußwort von Marc Debus (Universität Mannheim) aus dem Vorstand der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW), der aktuelle Aktivitäten und Ziele der DVPW vorstellte und die Gäste dazu aufrief, Lehrthemen in Gremien und Veranstaltungen der Vereinigung einzubringen. Danach stellte Wolfgang Muno die Entstehung des Sammelbands „Europa spielerisch erlernen“ (hrsg. von Wolfgang Muno, Arne Niemann und Petra Guasti) vor, der frisch im Verlag Springer VS erschienen ist. Der Band ist als Teil eines fortlaufenden Lehrprojekts zu verstehen, das seit 2010 läuft und über das ab 2013 verschiedene Texten publiziert worden sind. Jan Treibel (Springer VS) ergänzte den Vortrag aus Verlagssicht. Anschließend berichtete Julia Reuschenbach (Universität Bonn) kurz über den Stand der Planung der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Politik, die ab 2018 im Wochenschau-Verlag erscheinen wird. HerausgeberInnen der Reihe sind Mischa Hansel, Daniel Lambach und Julia Reuschenbach.

Herzstück des Nachmittags war ein Runder Tisch, an der sich neben den bereits genannten Personen außerdem Benjamin Weiß (Buchredaktion der Bundeszentrale für politische Bildung), Sandra Frey (Nomos-Verlag), Bettina Jorzik (Stifterverband), Meike Hensel-Grobe und Andreas Frings (beide Universität Mainz und MitherausgeberInnen der Kleinen Reihe Hochschuldidaktik Geschichte im Wochenschau Verlag) sowie die weiteren WorkshopteilnehmerInnen beteiligten. Die offene Diskussionsrunde stand unter den Leitfragen „Gibt es eine Kultur des Publizierens über die Lehre? Brauchen wir eine?“ und wurde durch kurze Impulse von Bettina Jorzik, Silke Schneider und Tanja Brühl eingeleitet.

Die Leitfragen wurden nahezu einhellig bejaht. Es war Konsens, dass über die Lehre geredet (und geschrieben) werden muss, um die Reputationsasymmetrie schrittweise zu verkleinern. Wolfgang Muno drückte dies als selbstverständlich aus: „Ich lehre – warum soll ich nicht darüber publizieren?“ Es war jedoch ebenfalls klar, dass Publikationen nur ein Element eines größeren Menüs an Instrumenten zur Gemeinschaftsbildung und Kommunikation rund um die Hochschullehre sind. Das bedeutet, dass eine Publikationskultur ein Teilaspekt der Lehrkultur ist und im entsprechenden Kontext verstanden werden muss.

Mehrere TeilnehmerInnen betonten die Notwendigkeit von Forschung, insbesondere über längere Zeiträume. Wenn wir auch die Lehre auf lange Sicht besser machen wollen, ist eine systematische Beforschung unvermeidlich – bei allem Respekt gegenüber der Aufgabe. Unvollständige Daten sind aber immer noch besser als keine Daten, was der momentane Normalzustand ist. Insbesondere zu längerfristigen Lerneffekten, am besten auch noch über den Studienabschluss hinaus, gibt es nahezu keine Erkenntnisse und großen Forschungsbedarf. In Fachverlagen und Zeitschriften gibt es ein deutliches Interesse an lehrbezogenen Publikationen, hier sollten AutorInnen aber proaktiv den Kontakt suchen.

Es wurde viel über das angemessene Verhältnis einer fachspezifischen Hochschuldidaktik der Politikwissenschaft zur allgemeinen Hochschuldidaktik (sowie teilweise zur schulischen Fachdidaktik) debattiert. Eine Frage war dabei, welche Rolle fachspezifische Publikationen für die Fortbildung des Lehrnachwuchses haben sollen. Einerseits kann es sinnvoll sein, zuerst allgemeine hochschuldidaktische Grundkenntnisse zu erwerben und diese durch fachbezogene Methoden zu konkretisieren, andererseits sind Lehrmethoden sehr kontextuell, so dass Nachwuchslehrkräfte mit allgemeindidaktischen Ratschlägen eventuell wenig anzufangen wissen.

Es wurde betont, dass man von der allgemeinen Hochschuldidaktik methodisch und theoretisch viel lernen könne. Weniger klar war dagegen, wie man als fachlich Lehrende etwas zurückgeben kann – obwohl von Seiten der Hochschuldidaktik durchaus Interesse an so einem Austausch formuliert wird. Publikationen in allgemeindidaktischen Outlets werden im Fach noch weniger honoriert und natürlich auch nach anderen Standards begutachtet. Das macht die Kommunikation über Fächergrenzen schwerer und unattraktiver.
Diese Diskussionen führten immer wieder zur Grundfrage zurück, was den Kern der Politikwissenschaft ausmacht und was dies für die Hochschuldidaktik des Fachs bedeutet? Was bedeutet „politisches Denken“ und wie können wir es vermitteln? Diese Fragen konnten naturgemäß nicht aufgelöst werden, da dies eine längerfristige Konversation darstellt, die im Rahmen der Themengruppe und andernorts fortgeführt werden muss. Dabei muss vor allem differenziert werden: Erstens entwickelt sich auch die Hochschuldidaktik eines Fachs weiter – ähnlich wie die Forschung zeigen sich dort Paradigmen, die zum Teil widersprüchlich sind und einem Evolutions- und Revolutionsprozess unterliegen. Zweitens zeichnet sich ab, dass man auch innerhalb der Politikwissenschaft didaktisch unterscheiden muss. In unterschiedlichen Teilbereichen gibt es deutlich unterschiedliche Lehrparadigmen, wie alleine der Vergleich von politischer Theorie und Ideengeschichte mit Methoden der Politikwissenschaft verdeutlicht. Insofern ist auch hier Differenzierung möglich und notwendig.

Nach Abschluss der Diskussionsrunde wurde der Workshop mit einem Vernetzungstreffen beendet, bei dem AutorInnen, HerausgeberInnen und VerlagsvertreterInnen Publikationsmöglichkeiten im Rahmen einer Buchausstellung besprechen konnten. Insgesamt unterstrich der Workshop, dass sich eine deutliche Dynamik in Richtung einer Publikationskultur über die Hochschullehre abzeichnet, die aber vorangetrieben und mit Leben erfüllt werden muss. Insofern wird dies nicht die letzte Beschäftigung mit dem Thema „Publizieren über die Lehre“ sein.

Advances in Teaching and Learning in Higher Education – Ein Bericht von der 11. General Conference des ECPR in Oslo

Dies ist ein Gastblog von Matthias Freise (Universität Münster).

Vom 6. bis 9. September fand die 11. General Conference des European Consortium of Political Research (ECPR) an der Universität Oslo statt. 2.061 Teilnehmerinnen und Teilnehmer reichten 1.966 Papiere ein, die in den 467 Panels der 72 angemeldeten Sektionen vorgestellt und diskutiert wurden. Nie zuvor erfreute sich eine Konferenz des Dachverbandes der europäischen politikwissenschaftlichen Institute einer derartigen Resonanz. Zugleich wurde allerdings auch ersichtlich, dass das ECPR mit seiner Konferenz langsam an die Grenzen des Machbaren stößt, finden sich doch immer weniger Institute, die die General Conference ausrichten möchten oder können. Das ist nicht verwunderlich, dürfte es doch nicht viele Universitätsstädte in Europa mit 2.000 Hotelbetten im mittleren Preissegment geben.

Wie bereits in den Vorjahren widmete das ECPR auch in Oslo eine Section dem Oberthema „Advances in Teaching and Learning in Higher Education“. Verantwortet wurde die Section mit ihren sechs Panels und 23 Papieren von Gabriela Pleschova (University of Economics, Bratislava) und Chris Goldsmith (De Montfort University, Leicester). Einige der Papiere sind im digitalen Paper Room der Konferenz eingestellt worden und können dort heruntergeladen werden. Leider ist der Online-Auftritt des ECPR alles andere als übersichtlich und die einzelnen Papiere sind nur mühsam aufzuspüren. Hier geht es zur Themenübersicht der Panels in der Section, in denen wiederum die einzelnen Papiere aufgelistet sind und heruntergeladen werden können, wenn die Autorinnen und Autoren sie dazu freigegeben haben.

Ergänzt wurde die Section durch einen Roundtable zum Thema “The Consequences of the Internationalization of Political Science Education”. Unter Leitung von Eszter Simon (University of Birmin-gham) diskutierten John Ishiyama (University of North Texas), Carolina Curvale (FLACSO, Ecuador), Meng-Hsuan Chou (Nanyang Technological University, Singapore), Agnes Simon (Masaryk University, Brünn) und Erkki Berndtson (University of Helsinki), welche Herausforderungen sich aus der anhaltenden Internationalisierung für das Fach ergeben. Einig waren sich die Diskutantinnen und Diskutanten, dass sich vor allem in Europa nationale Hochschulsysteme mit der Internationalisierung schwertun. Forschende bedienen sich der englischen Sprache zwar mittlerweile als Lingua Franca, in der Lehre sind englischsprachige Kurse vielerorts aber die Ausnahme. Zusätzlich gehemmt werden Austauschprogramme und Lehrkooperationen nicht selten auch durch die Universitätsverwaltungen, die dem Englischen noch sehr viel reservierter gegenüberstehen. Auch der Bologna-Reform wurden bestenfalls Teilerfolge bescheinigt. Das eigentliche Ziel, nämlich Studiengänge zu modularisieren und damit Studienleistungen zwischen den nationalen Hochschulsystemen austauschbar zu gestalten, ist in der Politikwissenschaft bislang häufig nicht verwirklicht, da es der Disziplin nicht gelungen sei, einen Kanon oder zumindest Mindeststandards der politikwissenschaftlichen Ausbildung zu definieren, was allerdings einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch vehement ablehnten.

Die einzelnen Panels der Section fokussierten auf sehr verschiedene Aspekte. Gleichwohl ließen sich einige Trends der politikwissenschaftlichen Hochschullehre ausmachen. Eine wichtige Entwicklung ist die verstärkte Einbeziehung außeruniversitärer Akteure in die Ausbildung von BA- und MA-Studierenden. So befasste sich ein ganzes Panel mit der Frage, wie sich durch Praktika und andere Kooperationsprojekte die Employability von Studierenden der Politikwissenschaft erhöhen lässt und diskutierte Qualitätsanforderungen an Praktika und Projektkurse.

Auch die Effektivität neuer (und alter) Lehrinstrumente war Gegenstand der Section. Wie lassen sich Studierende für das Lesen komplexer Fachliteratur begeistern? Welchen langfristigen Lerner-folg zeitigen Politiksimulationen und wie lassen sie sich sinnvoll planen? Wie und mit welchen Instrumenten lässt sich forschendes Lernen bereits in frühen BA-Kursen verwirklichen? Mit welchen Lehrmethoden wird man autistischen Studierenden gerecht? Und wie kann man in einem flipped classroom Wahlforschung betreiben?

Ein eigenes Panel beschäftigte sich mit der Frage, wie mit Kunst und Populärkultur politikwissenschaftliche Lehre sinnvoll bereichert werden kann. Das Panel schloss damit an eine Diskussion während der General Conference 2016 in Prag an, die den Einsatz von Spiel- und Dokumentarfilmen im Seminar thematisierte. Das Panel in Oslo setzte diese Diskussion fort und zeigte Möglichkeiten und Grenzen „kreativer Pädagogik“ auf.

In der Gesamtschau ist erfreulich, dass sich das ECPR verstärkt Themen der Hochschullehre widmet und die Zahl der Beiträge im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegen ist. Auch die Resonanz des Publikums ist zu würdigen. Wurden hochschuldidaktische Panel in der Vergangenheit gerne einmal auf den Samstagnachmittag geschoben, waren sie diesmal über die gesamte Konferenz verteilt und stießen durchaus auf Interesse. Vor allem der Roundtable war überaus gut besucht und füllte einen ganzen Hörsaal. Kritisch ist allerdings anzumerken, dass die einzelnen Beiträge nach wie vor häufig über den Status von Einzelfallstudien und Best Practice Beispielen nicht hinaus-kommen. Das ist teilweise fruchtbar, da die Papiere wertvolle Anregungen für einen Policy-Transfer in andere Hochschulräume liefern. Auf der anderen Seite ist die europäische Politikwissenschaft im Vergleich zu anderen Disziplinen weit von einer Systematisierung der Hochschullehre entfernt. Zudem fehlen noch immer fundierte Erhebungen über die Effekte (politikwissenschaftlicher) Lehrmethoden.

Die nächste General Conference des ECPR findet vom 22. bis zum 25. August 2018 in Hamburg statt. Vorschläge für Sektionen können ab dem 15. September 2017 eingereicht werden. Die Ausschreibung findet sich hier.

Workshop „Publizieren über die Lehre“ (Mainz, 18. September 2017)

Warum wir über unsere Lehre schreiben sollten, hatte ich bereits in einem anderen Blogpost dargelegt. Dafür hatte ich vier Gründe genannt:

  1. Schreiben ermöglicht eine systematische Reflexion über die Lehre
  2. Über Publikationen tauschen wir Ideen aus
  3. Publikationen helfen bei der Entstehung einer Gemeinschaft aktiver Lehrender
  4. Veröffentlichungen sind gut für die individuelle Karriere

Dabei hatte ich den programmatischen Anspruch formuliert, dass wir eine bessere Publikationskultur über unsere Lehre brauchen. „Publikationskultur“ meint die verbreitete und selbstverständliche Erwartung, dass politikwissenschaftlich Lehrende über ihre Lehre schreiben und diese mit wissenschaftlichen Methoden beforschen, dass diese Texte rezipiert werden und ihnen ein angemessener Status als wissenschaftliche Leistung zugeschrieben wird.

Diese These soll nun einerseits auf die Probe gestellt werden: Brauchen wir so eine Publikationskultur? Andererseits möchten wir uns damit befassen, was schon passiert und was getan werden muss, um auf diesem Weg voranzukommen.

Aus diesen Gründen organisiert die Themengruppe Hochschullehre der DVPW mit Unterstützung von Wolfgang Muno vom Institut für Politikwissenschaft der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz am 18. September 2017 einen Workshop zum Thema „Publizieren über die Lehre“. Wir möchten Lehrende dabei unterstützen, über ihre Lehre zu forschen, zu schreiben und diese Texte auch zu veröffentlichen. Dazu werden Publikationsformate erörtert und mit HerausgeberInnen und RedakteurInnen von Zeitschriften und Fachverlagen über Stand und Entwicklungsmöglichkeiten einer Publikationskultur in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre diskutiert.

Die Teilnahme ist kostenlos, erfordert aber eine Anmeldung bis zum 4. September. Bitte schicken Sie dazu eine formlose Email mit dem Stichwort ‚Workshop Publizieren‘ an hilfskraft(ÄT)lehrstuhl-ibep.de.

Das Programm des Workshops können Sie hier als pdf herunterladen.

Gastblogs zur politikwissenschaftlichen Hochschullehre gesucht

Wir haben in unserem Blog schon mehrfach Gastbeiträge veröffentlicht, z.B. zum Forschenden Lernen mit Kooperationspartnern, zu Erfahrungen mit einer Schreibwerkstatt, zum Einsatz von Abstimmungssystemen oder zu blended learning. Die Resonanz auf diese Texte war stets sehr gut und wir laden deshalb zur Einsendung neuer Blogbeiträge ein.

Warum gastbloggen?

  • Der Blog ist ein zentrales Mittel zum Austausch in unserer Gemeinschaft aktiver Lehrender. Durch einen Blogbeitrag teilen wir unsere Erfahrungen miteinander, regen gegenseitig die Kreativität an und unterstützen uns in unserer Lehrpraxis.
  • Der Blog macht unsere Arbeit in der Lehre sichtbar. Unsere Webseite hat derzeit täglich ca. 10-20 Besucher, Blogeinträge erhalten über die Zeit sehr viele Zugriffe. Beiträge werden in allen Suchmaschinen indexiert. Der Blog ist somit eine hervorragende Möglichkeit, für ein Thema zu werben und mit diesem Thema verbunden zu werden.
  • Wir bewerben neue Beiträge über Twitter (freuen uns aber auch, wenn AutorInnen uns bei der Öffentlichkeitsarbeit für ihre Beiträge unterstützen, z.B. durch Facebook-Posts oder Verlinkung von anderen Seiten).
  • Über die Lehre zu schreiben hilft auch bei einer systematischen Selbstreflektion und trägt zur weiteren Verbesserung der eigenen Lehrpraxis bei.

Gastblogs sollten ca. 500-800 Wörter umfassen und auch für Nicht-Spezialisten zugänglich sein. Von der Möglichkeit, tiefergehende Informationen einzubinden, z.B. zu Publikationen, Projektberichten oder Webseiten, sollte reger Gebrauch gemacht werden.

Thematisch kommt für einen Gastbeitrag alles mit einem Bezug zur politikwissenschaftlichen Hochschullehre in Frage. Praxisbeispiele werden natürlich gern genommen, aber Gastbeiträge können sich aber auch mit normativen oder wissenschaftspolitischen Fragen der Lehre befassen. Blogeinträge sollten eine persönliche Note haben, z.B. durch die Darstellung eigener Standpunkte oder Bezug auf eigene Praxiserfahrungen.

Beiträge können als doc/docx-Datei an info(ÄT)hochschullehre-politik.de eingesendet werden. Eine Vorabsprache ist nicht nötig, aber bei Fragen stehen wir unter dieser Adresse natürlich gerne zur Verfügung.

[EDIT: Zugriffszahlen aktualisiert.]

Schreiben über die Hochschullehre

Bei unserer sehr interessanten Jahrestagung habe ich einen Vortrag zum Schreiben über die Hochschullehre gehalten. Dieses Thema beschäftigt mich schon länger und als Co-Sprecher der Themengruppe ist es mir ein wichtiges Anliegen, zur Entwicklung einer Publikationskultur rund um die politikwissenschaftliche Hochschullehre beizutragen. Mit „Publikationskultur“ meine ich eine verbreitete und selbstverständliche Erwartung, dass politikwissenschaftlich Lehrende über ihre Lehre schreiben und diese mit wissenschaftlichen Methoden beforschen, dass diese Texte rezipiert werden und ihnen ein angemessener Status als wissenschaftliche Leistung zugeschrieben wird. Ich beobachte in den letzten zwei Jahren, wie sich dieses lange brachliegende Feld langsam entwickelt – nicht nur innerhalb der Themengruppe, sondern auch von Seiten von Zeitschriften und Verlagen gibt es ein zunehmendes Interesse.

Um auch diejenigen zu erreichen, die nicht nach Aachen kommen konnten, wollte ich den Vortrag ohnehin nochmal in diesem Blog präsentieren. Diese hehre Absicht war zunächst aufgrund einiger drängender Publikationsprojekte und der Osterferien zurückgestellt worden, aber nachdem die Kolleginnen von Lehrgut schon über das Panel berichtet hatten, wurde es jetzt wirklich höchste Zeit.

In meinem Vortrag habe ich einige Informationen zusammengefasst, die ich bereits in früheren Blogeintragen präsentiert hatte. Vorangestellt habe ich eine genauere Begründung, warum wir überhaupt über unsere Lehre schreiben sollten. Da sehe ich vor allem vier Gründe:

  1. Das Schreiben ermöglicht eine systematische Reflektion über die eigene Lehre und hilft somit auch bei deren weiterer Verbesserung. Gerade wenn man etwas neues ausprobiert hat, muss man ja kritisch prüfen, ob es funktioniert hat. Eine ausführliche Evaluation mit den Studierenden liefert Daten, die Grundlage eines Artikels sein können – da ist der Zusatzaufwand des Publizierens gar nicht mehr so groß. Umgekehrt betreibt man eine Evaluation gleich viel ernsthafter, wenn man sie (auch) zur Erhebung von Forschungsdaten einsetzt.
  2. Eine Publikationskultur hilft bei der Weiterentwicklung unserer ganzen Disziplin. Es wird momentan noch nicht viel über Lehre publiziert, aber viele KollegInnen interessieren sich für neue Ideen. Und wer nicht zu unseren Veranstaltungen kommt, kann auf diesem Weg neue Impulse bekommen. Umgekehrt gilt das natürlich auch: Wer publiziert, liest auch. Man kann sich über die Rezeption von Veröffentlichungen schnell in neue Themen einarbeiten.
  3. Publizieren trägt auch zur Herausbildung einer Gemeinschaft aktiver Lehrender bei. Wir als politikwissenschaftlich Lehrende werden dadurch in der Community der Politikwissenschaft sichtbarer und können damit stärker für unsere Anliegen eintreten. Aus diesem Grund hat unsere Webseite auch eine Liste der lehrbezogenen Publikationen aller Gruppenmitglieder.
  4. Nicht zuletzt gibt es auch individuelle, professionell-strategische Anreize: Veröffentlichungen sind generell gut für die eigene Karriere. Dies gilt auch für lehrbezogene Texte, allerdings muss man hier differenzieren, in welchen Feldern publiziert wird: Eine Veröffentlichung in der Zeitschrift für Politikwissenschaft wird von der Fachcommunity sicher anders bewertet als eine in der Zeitschrift für Hochschulentwicklung.

Wer sich für das Thema interessiert, kann hier die Folien meines Vortrags herunterladen. Außerdem planen wir eine Veranstaltung im September 2017, die sich mit dem Publizieren über die Lehre beschäftigen wird. Um über die weitere Planung diesbezüglich auf dem Laufenden zu bleiben, kann man einfach unsere Mailing-Liste abonnieren oder ab und zu auf dieser Webseite nachsehen.

Politikwissenschaftliche Hochschullehre – Läuft bei Dir? Ein Bericht von der zweiten Jahrestagung

Zu ihrer zweiten Jahrestagung fand sich die Themengruppe am 9.-10. März 2017 an der RWTH Aachen zusammen (Programm). Unter dem Thema „Politikwissenschaftliche Hochschullehre – Läuft bei Dir?“ befasste sich die Tagung mit den drei Schwerpunkten Akteure, Kooperationen und Konzepte in der politikwissenschaftlichen Hochschullehre. Die Tagung fand in Kooperation und mit tatkräftiger Unterstützung der Fachschaft der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften der RWTH statt.

Akteure

Die Tagung begann mit einer Podiumsdiskussion „Lehre im Fokus – Eine Diskussion zwischen Lehrenden und Studierenden“, moderiert von Mischa Hansel (Aachen). Von studentischer Seite nahmen Katrin Klubert, Patrick Schöner und Caner Dogan (alle Aachen) teil, die mit den Lehrenden Maike Weißpflug (Aachen) und Lasse Cronqvist (Trier) diskutierten. Themen waren die gegenseitigen Erwartungen und Rollenwahrnehmungen zwischen Lehrenden und Studierenden, die Herausforderungen einer zunehmend heterogenen Studierendenschaft und die Balance zwischen Autonomie der Studierenden und Verantwortung der Lehrenden.

In der Diskussion wurde häufiger zwischen „pragmatischen“ und „idealistischen“ Studierenden unterschieden, die in Lehrveranstaltungen gleichermaßen erreicht werden müssten. Mehrere Beiträge verwiesen darauf, dass auch Pragmatismus eine legitime Einstellung sei, die durch die vielfältigen Sachzwänge außerhalb des Seminarraums induziert werden kann, aber eigenmotivierten Aktivitäten jenseits des Curriculums oder dem kreativen Scheitern skeptisch gegenübersteht. Die Studierenden wünschen sich ein gewisses Maß an Anleitung, vor allem zu Beginn des Studiums bzw. einer Lehrveranstaltung, sowie eine transparente Kommunikation von Anforderungen und Erwartungen. Um aber letztlich selbständig Lernen zu können, muss Studierenden die nötige Selbst- und Fachkompetenz vermittelt werden. Dazu gehört auch die Reflektion darüber, was die Politikwissenschaft ausmacht und welche Ziele mit dem Studium erreicht werden können und sollen.

Dieser Aspekt leitete bereits über zum anschließend von Carola Betzold (Göttingen) moderierten World Café zum Thema „Noten – Wie und Wofür?“, denn in der ersten Runde wurde hier nach dem spezifischen Kompetenzprofil der Politikwissenschaft gefragt. Hier wurde Politikwissenschaft als „Allrounder“-Ausbildung charakterisiert, die eine Vielzahl von Kompetenzen vermittelt, z.B. Methodenkenntnisse, Selbst-/Präsentationsfähigkeit, Analysekompetenz, Textkompetenz, eigenständiges Arbeiten, Offenheit für Interdisziplinarität, Selbstorganisation. Inwiefern sich dies von anderen Sozialwissenschaften unterscheidet, blieb offen; als eine mögliche Besonderheit der Politikwissenschaft wurde angeführt, dass AbsolventInnen in der Lage sein sollten, politische Argumente zu analysieren, zu artikulieren und zu kritisieren. Hier schlug Matthias Freise (Münster) vor, PolitikwissenschaftlerInnen als „Deliberationsprofis“ zu umschreiben.

In den beiden folgenden Runden ging es um Evaluationsmethoden und um Lehr-Lernmethoden, um dieses Kompetenzprofil zu erreichen. Hier wurde die Bedeutung von Constructive Alignment in der Planung hervorgehoben, um diese Elemente miteinander in Einklang zu bringen. Ferner hoben mehrere Beiträge die Bedeutung von regelmäßigem Feedback und der Möglichkeit von Metareflexion, also dem Nachdenken über das eigenen Lernen, hervor. Allerdings wurden auch auf institutionelle Rahmensetzungen, z.B. Prüfungsordnungen oder zeitliche/räumliche Einschränkungen, hingewiesen, die die Anpassung von Formaten an unterschiedliche Kontexte notwendig mache.

Kooperation

Im Panel „Gemeinsam statt einsam – Expertise von außen?“, moderiert von Daniel Lambach (Duisburg), wurden vier Beiträge präsentiert, die sich mit Kooperationsformaten in der Lehre befassen. Als erstes stellte Matthias Freise (Münster) verschiedene Seminarformate im Format des Service Learning vor, die er in Kooperation mit externen Partnern durchgeführt hat. Dabei hob er die Herausforderungen und die Vorteile derartiger Zusammenarbeit hervor. So sind die TeilnehmerInnen dieser Seminare wegen des außeruniversitären Praxisbezugs oft hoch motiviert und evaluieren die Lehrveranstaltungen sehr gut. Danach präsentierte Kai-Uwe Schnapp (Hamburg) mit dem „Projektbüro Angewandte Sozialforschung“ eine Struktur, die jedes Jahr große Gruppen von Studierenden in Praxisprojekte vermittelt, in deren Rahmen sie empirische Methodenkenntnisse anwenden sollen. Er hob insbesondere das organisatorische Verfahren und die damit verbundenen Herausforderungen, gerade auch außerhalb der Semesterzeiten, hervor.

Dorte Hühnert und Kristina Kähler (Duisburg-Essen) präsentierten ein Beispiel für eine hochschulinterne Kooperation. Dabei wurden Studierende aus Dorte Hühnerts Seminar zur Friedens- und Konfliktforschung in der „Referate-Werkstatt“ von Kristina Kähler in mündlicher Kommunikation und Präsentation geschult. Dies stellt ein gutes Beispiel dar, wie durch Kooperation die Vermittlung von Fach- und Schlüsselkompetenzen in eine produktive Balance gebracht werden kann. Abschließend stellte Julia Reuschenbach (Bonn) in einem Erfahrungsbericht vor, wie Lehrveranstaltungen – insbesondere Exkursionen – mit außeruniversitären Partnern gestaltet werden können. Dabei betonte sie die Vorzüge der Berufsorientierung und der Praxiskontakte für Studierende, warnte aber, dass die Kooperationen durch die unterschiedlichen Organisationslogiken von Hochschulen und externen Partnern nicht ohne Reibungsverluste ablaufen.

Den ersten Tag schloss das Panel „Publizieren über die Lehre“ ab, das von Julia Reuschenbach moderiert wurde. Eingeleitet wurde dies von Daniel Lambach (Duisburg-Essen) mit einem Vortrag zu Publikationsmöglichkeiten und –strategien, in dem er seine Erfahrungen aus eigenen Publikationsprojekten (vor allem dem Publizieren in Zeitschriften und Journalen) zusammenfasste. Dabei unterschied er verschiedene Fachpublika (in der Politikwissenschaft, der Politischen Bildung und der allgemeinen Didaktik) und unterschiedliche Textformate (die Fallbeschreibung, Lehr-Lern-Forschung). Im Anschluss stellte Matthias Freise ein Buchprojekt vor, für das er noch MitherausgeberInnen und AutorInnen sucht. Es geht dabei um ein Praxishandbuch zur politikwissenschaftlichen Hochschullehre, in dem Lehrformate für Lehrende aus dem Fach anwendungsnah und auf Erfahrungsbasis aufbereitet werden. Julia Reuschenbach kündigte eine Buchreihe zur politikwissenschaftlichen Hochschullehre an. Der Wochenschau-Verlag will, analog zu bereits vorhandenen Angeboten für andere Fächer, eine „Kleine Reihe Hochschuldidaktik Politikwissenschaft“ auflegen, in der Bücher von 60-100 Seiten zu verschiedenen Aspekten der Hochschullehre erscheinen sollen. Als HerausgeberInnen der Reihe soll das SprecherInnen-Team der Themengruppe fungieren. In der Diskussion wurde mehrfach hervorgehoben, dass zwischen dem geplanten Buchprojekt und der „Kleinen Reihe“ keine Konkurrenz bestehe. Vielmehr bestehe die Möglichkeit, Texte unterschiedlicher Länge zum selben Thema in verschiedenen Formaten zu publizieren. Die Themengruppe freut sich hier über Themenvorschläge und interessierte Autoren.

Konzepte

Der zweite Tag begann mit dem von Julia Reuschenbach moderierten Panel „Bewährte Konzepte, neue Ideen“. Als erste sprach Dannica Fleuß (HSU Hamburg) über kollaboratives Gedankenexperimentieren im Hörsaal, d.h. das gemeinsame Nachdenken über normative Fragen. Gedankenexperimente über Szenarien und Dilemmasituationen geben eine Struktur, innerhalb derer Studierende anhand konkreter Entscheidungssituationen systematisch nachdenken und argumentieren lernen. Die Antworten der Studierenden lassen sich dann auf Theorien rückbeziehen und darin einordnen, was dem oft geäußerten Vorwurf der Praxis- und Handlungsferne politischer Theorie entgegenwirkt. Danach stellte Lasse Cronqvist ein Seminarkonzept vor, um studentisches Schreibvermögen zu entwickeln. In seinem Seminar schreiben die Studierende einen kurzen Essay zu einer vorgegebenen Fragestellung schreiben und stellen diesen in der Veranstaltung vor – dadurch erhalten sie Schreibübung und die mündlichen Beiträge sind deutlich besser als die sonst eher faktenbasierten Referate.

Sebastian Schmitz (Aachen) gab eine Übersicht über ein fachbereichsweites Projekt zum Einsatz von Lehrvideos in der Studieneingangsphase. Studierende der Gesellschaftswissenschaften erhalten damit ein interdisziplinäres Propädeutikum zum wissenschaftlichen Arbeiten; die Videos sollen aber auch für den weiteren Studienverlauf hilfreich sein. Zum Abschluss berichtete Volker Best (Bonn) von einem Masterseminar, in dem Studierende eine Plakatkampagne für die Parteien der Bundestagswahl 2017 gestalten sollten, nachdem sie sich auch politisch wie historisch mit dem Thema Wahlkampf und Wahlwerbung auseinandergesetzt haben. Auf diese Weise werden Fachkompetenzen vermittelt und in kreativer Form umgesetzt. Die mitgebrachten Ergebnisse überzeugten durch ein inhaltlich wie gestalterisch überaus professionelles Niveau.

Das Panel „Beyond MUN – Simulationen und Debatten“, moderiert von Daniel Lambach behandelte unterschiedliche Simulations- und Debattenformate jenseits der bereits bekannten Model United Nations. Einleitend fragte Robert Lohmann (Passau) in seinem Vortrag, ob experimentelle Politiksimulationen eine Prognosefunktion erfüllen können oder „nur“ Lehr-Lern-Formate bleiben? Er untersucht dies am Beispiel des „Parlaments der Generationen“, einer Politiksimulation zum demografischen Wandel, die gemeinsam mit der Akademie für politische Bildung Tutzing und dem Bayerischen Landtag realisiert wurde. Eine Befragung ergab, dass die TeilnehmerInnen das Lernen im Vordergrund sahen, ExpertInnen darin aber auch Prognosemöglichkeiten sehen.

Julia Drubel (Gießen) stellte eine Simulation der Vertragsstaatenkonferenz der UN-Klimarahmenkonvention vor. Im Vordergrund stand hier „situiertes Lernen“, d.h. das Bemühen um Authentizität und die Verankerung der Lernerfahrung im realen Beispiel, um Studierende zum Perspektivwechsel anzuregen. Danach sprach Mischa Hansel über seine Erfahrungen mit studentischen Debatten als Mittel zur Einführung in Kontroversen der Friedens- und Konfliktforschung. Diese Debatten behandeln einerseits analytische Fragen (Sind Demokratien friedfertiger?) und andererseits strategische Fragen (Welche Politik kann daraus folgen?). Dabei legt er Wert auf die Infragestellung vermeintlicher Gewissheiten und auf eine umfangreiche Reflexionsphase nach den eigentlichen Debatten.

Abschluss

In der Abschlussrunde zog Julia Reuschenbach für die SprecherInnen ein Fazit der Tagung. Drei Punkte kristallisierten sich als besonders bedeutsam heraus:

  1. Was sind fachspezifische Elemente politikwissenschaftlicher Hochschullehre und welche Chancen und Möglichkeiten bieten uns diese?
  2. Der Umgang mit einer zunehmend heterogenen Studierendenschaft. Welche Antworten kann fachspezifische politikwissenschaftliche Hochschullehre hier geben?
  3. Welche Möglichkeiten gibt es zur intensiven und aktiven Einbeziehung von propädeutischen Elementen in die Hochschullehre?

Julia Reuschenbach betonte, dass die Themengruppe mit dem geplanten Format „Kleine Reihe Hochschuldidaktik“ die Forschung und Debatte über Hochschullehre stärken möchte und auch Projekte wie das angedachte Praxishandbuch von Matthias Freise hierzu einen wichtigen Beitrag leisten können. Abschließend erläuterte das SprecherInnen-Team, dass die Themengruppe mit einem eigenen Panel auf der Sektionstagung „Politische Bildung“ am 5.-6. Oktober 2017 in Münster sowie mit zwei Panels bei der Sektionstagung „Internationale Beziehungen“ am 4.-6. Oktober 2017 in Bremen vertreten sein wird. Daniel Lambach wies zudem erneut darauf hin, dass auch zahlreiche nationale wie internationale Vereinigungen inzwischen zunehmend auch eigene Panels zum Bereich „Lehre“ in ihre Tagungen und Veranstaltungen integrieren. Kai-Uwe Schnapp gab an, als Redakteur der PVS in der DVPW auf der nächsten Redaktionskonferenz gezielt die Einbindung des Themas „Lehre“ oder auch die Vorstellung von Lehrkonzepten innerhalb der PVS-Ausgaben vorzuschlagen.